A Boy and his Blob
Geschicklichkeit

Minrod
Februar 10
 

Dass die Produktion von Remakes klassischer Spiele noch nicht ganz aus der Mode gekommen ist, beweist die erst kürzlich erschienene Neuauflage des NES-Titels "A Boy and his Blob" für die Wii. Mit einer sowohl kindgerechten wie auch wunderschönen, beinahe an einen Ghibli-Film erinnernden grafischen Gestaltung beanspruchte es auf Anhieb meine vollste Aufmerksamkeit.

Die Geschichte des Spieles ist recht simpel und entspricht vollkommen der Originalvorlage. Der Planet Blobonia wird von einem machthungrigen Herrscher unterdrückt und tyrannisiert. Auf der Suche nach Hilfe verirrt sich einer der Bewohner auf die Erde, wo er auf einen kleinen Jungen trifft. Nach einem kurzen Moment des Schreckens freunden sich die beiden an und beschließen Blobonia aus den Fängen des Bösen zu befreien, denn gemeinsam bilden sie ein starkes Team.

Der knuffige, an eine birnenförmige Knetfigur erinnernde Blob kann nach belieben seine Gestalt wechseln, ähnlich der Barba-Familie, die manch einem vielleicht noch aus der Zeichentrickserie "Barbapapa" geläufig sein dürfte. Der Vorgang der Verwandlung wird durch bunte Jelly-Bohnen ausgelöst, mit denen der Junge ihn bei Bedarf füttern kann. Je nach Farbe der Bohne nimmt Blob die Form einer Leiter, eines Trampolins, eines Hüpfballs oder eines Ambosses an. Um das in der Form einer schmackhaften Bohne verpackte Ziel eines jeden Levels zu erreichen, muss der Junge mit Hilfe von Blobs Wandlungskünsten diverse Hindernisse beseitigen oder umgehen. Dabei wird neben Kopfarbeit in erster Linie Geschicklichkeit vorausgesetzt, da man beim kleinsten Kontakt mit einem der schwarzen Gegner oder bei einem Sprung ins Leere sofort den Löffel abgibt. Unendlich viele Leben und mehr als nur großzügig verteilte Rücksetzpunkte lassen aber niemals Frust aufkommen. Der Schwierigkeitsgrad des Spieles fällt deshalb im Allgemeinen sehr milde aus, was in Anbetracht der jungen Zielgruppe nicht unbedingt schlimm ist. Die insgesamt 40 regulären Levels spielen sich in vier Welten ab, die unter anderem den Planeten Blobonia und die Festung des bösen Herrschers umfassen. Die ganz besondere Herausforderung jedes einzelnen Levels besteht aber im Auffinden der drei versteckten Schatztruhen, die jeweils den Zugang zu einer Bonusrunde gewähren. Diese stellen zusätzliche Spielabschnitte dar, wodurch sich die Gesamtzahl der Levels auf 80 erhöht. Diese Levels sind im Allgemeinen etwas schwieriger als die regulären und weisen keine Rücksetzpunkte auf. Aus diesem Grund können sie auch für erfahrene Spieler durchaus fordernd sein, vor allem im fortgeschrittenen Spielverlauf, wo Blobs Repertoire bereits um viele neue Fertigkeiten erweitert wurde. So muss der tapfere Junge mitunter als Kanonenkugel oder auf einer Blob-Rakete durch die Lüfte sausen, oft nur haarscharf an bösartigen Feinden vorbei, sich mit einem Gleitschirm in erschreckende Tiefen stürzen oder koordiniert mit seinem Blob-Doppelgänger agieren, was zu den schwierigsten Aufgaben gehört. Die sich ständig erweiternden Einsatzmöglichkeiten des Blobs machen das Spiel trotz der, grob betrachtet, ähnlich angelegten Plattform-Levels immer wieder interessant. Am Ende jeder der vier Welten darf man sich noch mit einem fiesen Endgegner auseinandersetzen, was der Abwechslung mehr als gut tut.

Technisch betrachtet befindet sich alles im grünen Bereich. Die Grafiken sind wunderschön, aber keineswegs überladen, die Hintergründe verändern sich sogar innerhalb einer Welt mehr als genug, so dass "A Boy and his Blob" ein ruhiges und außerordentlich gutes Gesamtbild abgibt. Die Atmosphäre ist schon beinahe künstlerisch wertvoll, wie im Fall von "ICO" auf der Playstation 2. Die akustische Untermalung passt sich dem Ganzen an und versprüht am ehesten Melancholie und Frieden. Einzig negativ ist mir nur die etwas zu träge Steuerung aufgefallen, die gerade bei den Bosskämpfen zu Unmut führen kann. Auch kann es schon mal vorkommen, dass der Junge ungewollt auf einer Leiter hängen bleibt, was oft zum Ableben führt. Ansonsten ist die Steuerung aber gelungen, da sie wirklich alle wünschenswerten Funktionen abdeckt. So kann man auch jederzeit den Blob rufen oder die Probleme von seinem Standpunkt aus betrachten, was viele Rätsel wirklich erleichtert.

Zahlreiches Bonusmaterial wie Artworks, Skizzen und Konzeptarbeiten wird nach und nach durch die Bonusrunden freigeschaltet, was zur Auflockerung des in Anbetracht des Umfangs geringfügig zu monotonen Spieles führt. Die in der Verpackung beiliegenden Postkarten finde ich persönlich aber am besten, da sie sich auch in einem Bilderrahmen absolut gut präsentieren.

"A Boy and his Blob" ist trotz minimaler Schwächen bislang eines der wenigen Third-Party-Spiele für die Wii, die mich wirklich überzeugen konnten. Denn ohne die Konsole jetzt schlecht machen zu wollen muss ich doch gestehen, dass abseits von Mario, Zelda, Metroid und Co. bislang nur wenig Gutes für die Wii zu finden ist. Aus diesem Grund kann ich "A Boy and his Blob" jedem Wii-Besitzer nur wärmstens empfehlen. Da es nicht klar ist, ob es jemals bei uns erscheint, sollte man es sich schleunigst aus England importieren, zumal der Preis von ca. 20€ mehr als gerechtfertig ist.