Dass die Produktion von Remakes klassischer Spiele noch nicht ganz aus
der Mode gekommen ist, beweist die erst kürzlich erschienene Neuauflage
des NES-Titels "A Boy and his Blob" für die Wii. Mit einer
sowohl kindgerechten wie auch wunderschönen, beinahe an einen Ghibli-Film
erinnernden grafischen Gestaltung beanspruchte es auf Anhieb meine vollste
Aufmerksamkeit.
Die Geschichte des Spieles ist recht simpel und entspricht vollkommen
der Originalvorlage. Der Planet Blobonia wird von einem machthungrigen
Herrscher unterdrückt und tyrannisiert. Auf der Suche nach Hilfe
verirrt sich einer der Bewohner auf die Erde, wo er auf einen kleinen
Jungen trifft. Nach einem kurzen Moment des Schreckens freunden sich
die beiden an und beschließen Blobonia aus den Fängen des
Bösen zu befreien, denn gemeinsam bilden sie ein starkes Team.
Der knuffige, an eine birnenförmige Knetfigur erinnernde Blob
kann nach belieben seine Gestalt wechseln, ähnlich der Barba-Familie,
die manch einem vielleicht noch aus der Zeichentrickserie "Barbapapa"
geläufig sein dürfte. Der Vorgang der Verwandlung wird durch
bunte Jelly-Bohnen ausgelöst, mit denen der Junge ihn bei Bedarf
füttern kann. Je nach Farbe der Bohne nimmt Blob die Form einer
Leiter, eines Trampolins, eines Hüpfballs oder eines Ambosses an.
Um das in der Form einer schmackhaften Bohne verpackte Ziel eines jeden
Levels zu erreichen, muss der Junge mit Hilfe von Blobs Wandlungskünsten
diverse Hindernisse beseitigen oder umgehen. Dabei wird neben Kopfarbeit
in erster Linie Geschicklichkeit vorausgesetzt, da man beim kleinsten
Kontakt mit einem der schwarzen Gegner oder bei einem Sprung ins Leere
sofort den Löffel abgibt. Unendlich viele Leben und mehr als nur
großzügig verteilte Rücksetzpunkte lassen aber niemals
Frust aufkommen. Der Schwierigkeitsgrad des Spieles fällt deshalb
im Allgemeinen sehr milde aus, was in Anbetracht der jungen Zielgruppe
nicht unbedingt schlimm ist. Die insgesamt 40 regulären Levels
spielen sich in vier Welten ab, die unter anderem den Planeten Blobonia
und die Festung des bösen Herrschers umfassen. Die ganz besondere
Herausforderung jedes einzelnen Levels besteht aber im Auffinden der
drei versteckten Schatztruhen, die jeweils den Zugang zu einer Bonusrunde
gewähren. Diese stellen zusätzliche Spielabschnitte dar, wodurch
sich die Gesamtzahl der Levels auf 80 erhöht. Diese Levels sind
im Allgemeinen etwas schwieriger als die regulären und weisen keine
Rücksetzpunkte auf. Aus diesem Grund können sie auch für
erfahrene Spieler durchaus fordernd sein, vor allem im fortgeschrittenen
Spielverlauf, wo Blobs Repertoire bereits um viele neue Fertigkeiten
erweitert wurde. So muss der tapfere Junge mitunter als Kanonenkugel
oder auf einer Blob-Rakete durch die Lüfte sausen, oft nur haarscharf
an bösartigen Feinden vorbei, sich mit einem Gleitschirm in erschreckende
Tiefen stürzen oder koordiniert mit seinem Blob-Doppelgänger
agieren, was zu den schwierigsten Aufgaben gehört. Die sich ständig
erweiternden Einsatzmöglichkeiten des Blobs machen das Spiel trotz
der, grob betrachtet, ähnlich angelegten Plattform-Levels immer
wieder interessant. Am Ende jeder der vier Welten darf man sich noch
mit einem fiesen Endgegner auseinandersetzen, was der Abwechslung mehr
als gut tut.
Technisch betrachtet befindet sich alles im grünen Bereich. Die
Grafiken sind wunderschön, aber keineswegs überladen, die
Hintergründe verändern sich sogar innerhalb einer Welt mehr
als genug, so dass "A Boy and his Blob" ein ruhiges und außerordentlich
gutes Gesamtbild abgibt. Die Atmosphäre ist schon beinahe künstlerisch
wertvoll, wie im Fall von "ICO" auf der Playstation 2. Die
akustische Untermalung passt sich dem Ganzen an und versprüht am
ehesten Melancholie und Frieden. Einzig negativ ist mir nur die etwas
zu träge Steuerung aufgefallen, die gerade bei den Bosskämpfen
zu Unmut führen kann. Auch kann es schon mal vorkommen, dass der
Junge ungewollt auf einer Leiter hängen bleibt, was oft zum Ableben
führt. Ansonsten ist die Steuerung aber gelungen, da sie wirklich
alle wünschenswerten Funktionen abdeckt. So kann man auch jederzeit
den Blob rufen oder die Probleme von seinem Standpunkt aus betrachten,
was viele Rätsel wirklich erleichtert.
Zahlreiches Bonusmaterial wie Artworks, Skizzen und Konzeptarbeiten
wird nach und nach durch die Bonusrunden freigeschaltet, was zur Auflockerung
des in Anbetracht des Umfangs geringfügig zu monotonen Spieles
führt. Die in der Verpackung beiliegenden Postkarten finde ich
persönlich aber am besten, da sie sich auch in einem Bilderrahmen
absolut gut präsentieren.
"A Boy and his Blob" ist trotz minimaler Schwächen bislang
eines der wenigen Third-Party-Spiele für die Wii, die mich wirklich
überzeugen konnten. Denn ohne die Konsole jetzt schlecht machen
zu wollen muss ich doch gestehen, dass abseits von Mario, Zelda, Metroid
und Co. bislang nur wenig Gutes für die Wii zu finden ist. Aus
diesem Grund kann ich "A Boy and his Blob" jedem Wii-Besitzer
nur wärmstens empfehlen. Da es nicht klar ist, ob es jemals bei
uns erscheint, sollte man es sich schleunigst aus England importieren,
zumal der Preis von ca. 20€ mehr als gerechtfertig ist.
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