Agony
Shoot´em up

Lyrion
Dezember 04
 

Wenn man mich fragen würde, welches wohl das grafisch und soundtechnisch beste Amiga-Spiel ist, dann würde ich aller Wahrscheinlichkeit nach als erstes den Fantasy-Horizontal-Shooter Agony von Art & Magic nennen, welcher unter dem Label von Psygnosis herausgebracht wurde. Nicht umsonst wird man bei Agony schon gleich beim Ladevorgang aufgefordert seinen Amiga an eine Musikanlage anzuschließen, und das langsame und melodische Piano-Titelstück sowie das Hintergrundmotiv mit dem brennenden Baum versprechen ein Spielerlebnis auf dem höchsten technischen Niveau. Enttäuscht wird man von diesem Spiel gewiss nicht. Einfach nur wunderschöne und wirklich melodische, teils etwas heroisch, teils sehr mystisch klingende Musikstücke, die märchenhaftesten und auch wirklich sehr aufwendig animierten Hintergrundgrafiken auf mehreren Parallax-Scrolling-Ebenen, welche den Spieler in eine wunderschöne Fantasy-Welt vollgepackt mit Drachen, Ritterburgen und Zauberwäldern entführen und das Auge ständig vom Spielgeschehen ablenken, begleiten einen die ganze Zeit auf dem Flug durch die sechs langen Levels des Spiels. Die Krönung des Ganzen stellt aber die perfekte Animation des Hauptcharakters und Zauberlehrlings Alestes dar, welcher in der Gestalt einer Schleiereule die schwere und gefährliche Kampfprüfung seines Mentors zu bestehen hat. Die zahlreichen und unterschiedlichen Gegner-Sprites sind dagegen nur wenig bis sogar gar nicht animiert und meistens auch nur in einem Farbton gehalten, was in meinen Augen einen kleinen Widerspruch in der Gesamtoptik darstellt. Dies wurde aber sicherlich aus Kapazitätsgründen und um die Ladezeiten möglichst kurz zu halten so gehandhabt. Wenn man zudem bedenkt, dass die meisten Gegner nur einen sehr kurzen Auftritt auf dem Bildschirm haben, da sie von Alestes´ geballter Feuerkraft sofort in die Geisterwelt geschickt werden, dann ist dieser Kontrast seitens des Programmierteams sicherlich gerechtfertigt, obwohl ich mich der Vorstellung nicht entziehen kann, wie es wohl ausgesehen hätte, wenn alle Gegner in gleich hoher Qualität gezeichnet und animiert worden wären wie die magische Eule...

Auch wenn die optische Darstellung von Agony insgesamt als sehr gut bezeichnet werden kann und die überall ertönenden Klangteppiche wirklich nur sehr schwer zu überbieten sind, so gibt es in puncto Spielbarkeit einige Abzüge. Die einzelnen Levels, so wunderschön sie auch mit den tollsten Grafiken glänzen, sind alle nach ein und demselben Muster gestrickt, und die Gegner können schon mal für etwas Langeweile sorgen, da sie sich oftmals in wiederholenden oder sehr ähnlichen Angriffsmustern nähern. Etwas mehr Abwechslung in Form von z.B. wechselnder Flugrichtung oder dem Einbau von Naturgewalten hätte dem Spiel noch mehr zu Ehre verholfen, aber leider ist dem nicht so. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass Agony spielerisch schlecht ist! Ganz im Gegenteil, das, was der Spieler da vorgesetzt bekommt, ist eine sehr solide und unterhaltsame Ballerkost, die für viele Stunden zu fesseln vermag. Den Höhepunkt von Agony stellt meiner Meinung nach das Magiepotential von Alestes dar, welches sich in einigen interessanten und imposant zur Schau gestellten Zaubersprüchen bemerkbar macht, die allerdings erst auf dem Flug durch die gefährlichen Landschaften nach und nach aufgesammelt werden müssen. Bevor man sie jedoch bekommt, wird erst die Schusskraft der magiebegabten Eule um ein vielfaches verstärkt und ihre Verteidigung um zwei magische und unzerstörbare Schwerter ergänzt, die sich jeweils oben und unten von Alestes positionieren. Der Nachteil an diesen Zaubern wie z.B. Unverwundbarkeit, Schutzschild oder Feuerwände ist allerdings ihre sehr kurze Wirkungsdauer, deshalb sollte man es sich sehr gut überlegen, wo und wann man sie einsetzt. Ich spare mir diese Zauber meist für die großen und nicht ungefährlichen Endgegner auf, die am Ende eines jeden Levels auf Alestes lauern.

Agony ist trotz der kleinen spielerischen Schwächen auf jeden Fall ein sehr gelungenes Meisterwerk, das visuell und akustisch voll zu überzeugen weiß und daher in keiner gepflegten Amiga-Sammlung fehlen darf! Ich spiele dieses Spiel immer wieder gerne, und bis jetzt hat mich die Magie dieses Spiels jedes Mal aufs Neue verzaubern können.