Wenn man mich fragen würde, welches wohl das grafisch und soundtechnisch
beste Amiga-Spiel ist, dann würde ich aller Wahrscheinlichkeit nach
als erstes den Fantasy-Horizontal-Shooter Agony von Art & Magic nennen,
welcher unter dem Label von Psygnosis herausgebracht wurde. Nicht umsonst
wird man bei Agony schon gleich beim Ladevorgang aufgefordert seinen Amiga
an eine Musikanlage anzuschließen, und das langsame und melodische
Piano-Titelstück sowie das Hintergrundmotiv mit dem brennenden Baum
versprechen ein Spielerlebnis auf dem höchsten technischen Niveau.
Enttäuscht wird man von diesem Spiel gewiss nicht. Einfach nur wunderschöne
und wirklich melodische, teils etwas heroisch, teils sehr mystisch klingende
Musikstücke, die märchenhaftesten und auch wirklich sehr aufwendig
animierten Hintergrundgrafiken auf mehreren Parallax-Scrolling-Ebenen,
welche den Spieler in eine wunderschöne Fantasy-Welt vollgepackt
mit Drachen, Ritterburgen und Zauberwäldern entführen und das
Auge ständig vom Spielgeschehen ablenken, begleiten einen die ganze
Zeit auf dem Flug durch die sechs langen Levels des Spiels. Die Krönung
des Ganzen stellt aber die perfekte Animation des Hauptcharakters und
Zauberlehrlings Alestes dar, welcher in der Gestalt einer Schleiereule
die schwere und gefährliche Kampfprüfung seines Mentors zu bestehen
hat. Die zahlreichen und unterschiedlichen Gegner-Sprites sind dagegen
nur wenig bis sogar gar nicht animiert und meistens auch nur in einem
Farbton gehalten, was in meinen Augen einen kleinen Widerspruch in der
Gesamtoptik darstellt. Dies wurde aber sicherlich aus Kapazitätsgründen
und um die Ladezeiten möglichst kurz zu halten so gehandhabt. Wenn
man zudem bedenkt, dass die meisten Gegner nur einen sehr kurzen Auftritt
auf dem Bildschirm haben, da sie von Alestes´ geballter Feuerkraft
sofort in die Geisterwelt geschickt werden, dann ist dieser Kontrast seitens
des Programmierteams sicherlich gerechtfertigt, obwohl ich mich der Vorstellung
nicht entziehen kann, wie es wohl ausgesehen hätte, wenn alle Gegner
in gleich hoher Qualität gezeichnet und animiert worden wären
wie die magische Eule...
Auch wenn die optische Darstellung von Agony insgesamt als sehr gut
bezeichnet werden kann und die überall ertönenden Klangteppiche
wirklich nur sehr schwer zu überbieten sind, so gibt es in puncto
Spielbarkeit einige Abzüge. Die einzelnen Levels, so wunderschön
sie auch mit den tollsten Grafiken glänzen, sind alle nach ein
und demselben Muster gestrickt, und die Gegner können schon mal
für etwas Langeweile sorgen, da sie sich oftmals in wiederholenden
oder sehr ähnlichen Angriffsmustern nähern. Etwas mehr Abwechslung
in Form von z.B. wechselnder Flugrichtung oder dem Einbau von Naturgewalten
hätte dem Spiel noch mehr zu Ehre verholfen, aber leider ist dem
nicht so. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass Agony spielerisch
schlecht ist! Ganz im Gegenteil, das, was der Spieler da vorgesetzt
bekommt, ist eine sehr solide und unterhaltsame Ballerkost, die für
viele Stunden zu fesseln vermag. Den Höhepunkt von Agony stellt
meiner Meinung nach das Magiepotential von Alestes dar, welches sich
in einigen interessanten und imposant zur Schau gestellten Zaubersprüchen
bemerkbar macht, die allerdings erst auf dem Flug durch die gefährlichen
Landschaften nach und nach aufgesammelt werden müssen. Bevor man
sie jedoch bekommt, wird erst die Schusskraft der magiebegabten Eule
um ein vielfaches verstärkt und ihre Verteidigung um zwei magische
und unzerstörbare Schwerter ergänzt, die sich jeweils oben
und unten von Alestes positionieren. Der Nachteil an diesen Zaubern
wie z.B. Unverwundbarkeit, Schutzschild oder Feuerwände ist allerdings
ihre sehr kurze Wirkungsdauer, deshalb sollte man es sich sehr gut überlegen,
wo und wann man sie einsetzt. Ich spare mir diese Zauber meist für
die großen und nicht ungefährlichen Endgegner auf, die am
Ende eines jeden Levels auf Alestes lauern.
Agony ist trotz der kleinen spielerischen Schwächen auf jeden
Fall ein sehr gelungenes Meisterwerk, das visuell und akustisch voll
zu überzeugen weiß und daher in keiner gepflegten Amiga-Sammlung
fehlen darf! Ich spiele dieses Spiel immer wieder gerne, und bis jetzt
hat mich die Magie dieses Spiels jedes Mal aufs Neue verzaubern können.
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