Mit "Aleste 2" für das MSX-2, das übrigens nichts
mit "Power Strike 2" auf dem Master System zu tun hat, hat Compile
einen mehr als würdigen Nachfolger des schon ziemlich guten Vorgängers
programmiert. Nein, "Aleste 2" ist sogar noch etwas mehr als
das, es ist wohl der allerbeste Shooter für den MSX-2-Computer. Dieses
Spiel kommt schon einem wirklich guten Arcade-Shooter gleich, und das
in jeder Hinsicht. Einwandfreie technische Präsentation, gute Spielbarkeit,
tolle Bosskämpfe und ein knackiger Schwierigkeitsgrad zeichnen es
aus. Die von mir etwas negativ aufgefasste Monotonie des Vorgängers
wird man hier vergebens suchen - das Leveldesign ist gut durchdacht und
ziemlich abwechslungsreich. Langeweile kann bei diesem Spiel, das wirklich
alles vom Spieler fordert, eigentlich nicht aufkommen. Ärgerlich
ist nur, dass "Aleste 2" ausschließlich für das MSX-2
zu haben ist und für kein anderes System konvertiert wurde, wodurch
nur wenige Spieler in den Genuss dieses tollen Horizontal-Shooters kommen.
Die Story knüpft an die Geschehnisse des ersten Aleste-Titels
an. Man schreibt das Jahr 2039. Rund 20 Jahre nach dem Vorfall mit dem
außer Kontrolle geratenen Computer DIA 51, bei dem es zur rasanten
Ausbreitung der alles verschlingenden Pflanzen-Aliens kam, wird die
Erde erneut von dieser parasitären Spezies bedroht. Die neue Gefahr
hat aber ein Gesicht, denn es stellt sich heraus, dass hinter den pflanzenähnlichen
Monster-Aliens die so genannten Vagants stehen. Dabei handelt es sich
um eine Spezies von Weltraum-Vampiren, die über die Fähigkeit
verfügen, die Pflanzen-Aliens zu kontrollieren. Damals war es Raimund
Waizen, der den ersten Übergriff der Aliens verhinderte. Nun stellt
sich seine Tochter Ellinor den feindlichen Invasoren in den Weg. Als
Pilotin des schnellsten, modernsten und mit den schwersten Waffen ausgestatteten
Kampfjets tritt sie in die Fußstapfen ihres Vaters. (Ja, das ist
die gleiche Ellinor, welche auch das etwas bekanntere Cover der japanischen
Fassung von Musha Aleste ziert.)
Nach dem relativ kurzen und nett gezeichneten Intro im Anime-Stil,
in dem die Anfänge der feindlichen Invasion dargestellt werden,
kann es eigentlich gleich zur Sache gehen. Nach dem Start muss man sich
nur noch für eines der sieben sekundären Waffensysteme als
Grundausstattung seines Kampfflugzeugs entscheiden. Den Kennern des
Vorgängers wird sicherlich gleich auffallen, dass es hier ein Waffensystem
weniger gibt, und dass diese insgesamt etwas modifiziert wurden. Von
den sieben zählen im Grunde nur sechs zur sekundären Bewaffnung.
Die erste Waffe, welche mit der Ziffer 0 gekennzeichnet ist und als
"Super-Rapid" und "Super-Power" beschrieben wird,
stellt eigentlich bloß eine Verbesserung der primären Pulse
Cluster Beams dar. Diese Verbesserung hat es aber in sich, denn mit
den ultra schnellen Pulse Cluster Beams kann man sich viel leichter
den Weg freibahnen als mit den anderen Waffen. Daher sollte "Super-Rapid"
gerade für Anfänger die erste Wahl sein. Die anderen sekundären
Waffensysteme erinnern stark an die bereits aus dem ersten Teil bekannte
Auswahl. Wirklich neu ist nur das Waffensystem 1, das auf den Namen
"Destroy-Cutter" getauft wurde. Die Waffensysteme lassen sich
diesmal sogar bis zu sechsmal aufleveln, was aber nicht heißen
soll, dass sie noch stärker sind. Im Gegenteil, sie wirken selbst
auf dem höchsten Level irgendwie schwächer und weniger flächendeckend,
was sich dann ganz deutlich im erhöhten Schwierigkeitsgrad bemerkbar
macht. Dazu kommt noch, dass bei einem Wechsel des Waffensystems, egal
ob geplant oder zufällig, der Waffenlevel um zwei Stufen herabgesetzt
wird und man des Weiteren auch noch zehn Power Chips verliert. Ja, "Aleste
2" ist wirklich ein extrem schwerer Shooter, viel schwerer als
der Vorgänger. Hier wird man bereits im ersten Level, in dem man
sich noch auf eine schwache Bewaffnung verlassen muss, enorm ins Schwitzen
geraten. Die Situation wird jedoch durch ab und zu auftauchende Smartbomben
und eng um das eigene Raumschiff kreisende Schutzsatelliten entspannt.
Die letzteren fungieren bei den Bosskämpfen zusätzlich noch
als starke und zielsuchende Bomben, wodurch sie aber leider niemals
mit in den nächsten Level mitgenommen werden können.
Aus spielerischer Sicht betrachtet ist "Aleste 2" viel interessanter
als der Vorgänger. Wirklich toll sind die vielfältigen Hintergrundgrafiken
sowie die interessanten und zum Teil sehr imposanten Bosse des acht
Levels umfassenden Spiels. Mir persönlich gefällt der vierte
Level ganz besonders gut, in dem eine etwas beklemmend wirkende und
mit vielen Augen übersähte bio-mechanische Landschaft durchflogen
werden muss. Die schnelle, melodische und sehr passende Musikuntermalung
und der vierte, gefährlich dreinschauende Alien-Boss zeigen ganz
deutlich, mit wie viel Fingerspitzengefühl die Programmierer hier
ans Werk gegangen sind. Ein derartiger Cocktail lässt die Motivation
natürlich von ganz alleine in ungeahnte Höhen steigen.
"Aleste 2" ist schlichtweg berauschend! Viele nachfolgende
Shooter hätten sich eine Scheibe von diesem Meisterwerk abschneiden
sollen. Trotz des sehr hohen Schwierigkeitsgrades kann ich bedenkenlos
unsere Höchstwertung mit dem TOP-Prädikat vergeben, denn mit
der richtigen Vorgehensweise und ein wenig Übung ist das Spiel
sehr gut zu handhaben.
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