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Liebhaber von Nintendo DS-Adventures kennen mit Sicherheit den leidenschaftlichen
Strafverteidiger Phoenix Wright. Mit Apollo Justice versucht Capcom
durch neue Charaktere frischen Wind in die Serie zu bringen. Ob das
wirklich gelungen ist, lest ihr in diesem Review.
So ganz wollten die Entwickler sich dann aber doch nicht von ihren
Wurzeln entfernen. Das Spiel findet sieben Jahre nach dem Abschluss
der Phoenix Wright-Trilogie statt, wobei es bei den Nebenfiguren das
eine oder andere Wiedersehen gibt. Ich würde sogar sagen, es wäre
besser zumindest einen der Vorgänger gezockt zu haben, um alle
Anspielungen verstehen zu können. Die neue Hauptfigur ist der frischgebackene
Anwalt Apollo Justice, dem die reizende Zauberin Trucy zur Seite steht.
Die beiden wirken über weite Strecken wie Kopien der alten Hauptdarsteller
Phoenix und Maya. Vor allem in den ersten Stunden habe ich mich gefragt,
warum neue Gesichter eingeführt werden, wenn sie sich vom Charakter
her kaum von den Vorgängern abheben. Der neue Staatsanwalt Kantilen
unterscheidet sich hingegen stark vom unterkühlten Miles oder der
dominanten Franziska. Als Rocker bringt er jede Menge Coolness (und
natürlich eine Luftgitarre) in die Verhandlung.
Wie gewohnt wechselt das Point & Click-Adventure regelmäßig
zwischen zwei Spielabschnitten. Draußen werden Tatorte untersucht,
Besuche in der Strafanstalt getätigt und Zeugen befragt. Im Gerichtssaal
legen wir die Früchte unserer Arbeit, die gesammelten Beweise,
im richtigen Moment vor, um unseren Klienten aus jeder noch so verheerenden
Situation rauszuboxen. Die witzigen und exzellent geschriebenen Wortgefechte
machen aus trockener Anwaltsarbeit ein hochamüsantes Abenteuer.
Im Vergleich zu den vorherigen Spielen hat sich eigentlich nicht viel
getan. Da die Vorlagen jedoch kleine Meisterwerke sind, ist es wohl
verständlich, dass neue Ideen mit der Lupe gesucht werden müssen.
Statt dem Psyche Lock verfügt Apollo über eine ganz eigene
Fähigkeit. Mit Hilfe seines Armbandes kann er kleinste unbewusste
Bewegungen des Zeugen registrieren. In Zeitlupe und Nahaufnahme wird
die Schwachstelle einer scheinbar lückenlosen Aussage sichtbar,
wie zum Beispiel ein verräterisches Schwitzen.
Obwohl es sich hier um den ersten exklusiven DS-Teil der Serie handelt
(die ursprüngliche Heimat der Reihe war der Game Boy Advance),
hat sich die Grafik kaum verbessert. In einigen kurzen 3D-Filmen werden
Tatorte plastisch dargestellt und Beweise können aus allen Seiten
beleuchtet werden. Ansonsten erfreuen unser Auge wieder feinste 2D-Grafiken
sowie Animationen im Anime-Stil. Da diese perfekt zum Humor und zur
Atmosphäre passen, kann ich das kaum negativ werten. Die Musik
bewegt sich wie gewohnt auf hohem Niveau, wobei einige Stücke wiederverwertet
wurden. Während es mich einerseits freut liebgewonnene Melodien
erneut zu hören, so muss ich leider doch feststellen, dass sie
in ihren neuen Arrangements nicht an die Originalfassungen herankommen.
In 15 Stunden dürfen verzwickte Mordfälle gelöst und
die Unschuld der Mandanten bewiesen werden. Durch alle vier Fälle
zieht sich ein roter Faden, der erst im letzten und mit Abstand am besten
inszenierten Kapitel sichtbar wird.
Fazit: Wer von der spannenden Anwaltreihe nicht genug bekommen kann,
ist hier wieder mal richtig aufgehoben. Wer in die Serie zum ersten
Mal reinschnuppern möchte, sollte sich besser den hervorragenden
ersten Phoenix Wright-Teil näher ansehen. Apollo Justice kann in
puncto Charme, Soundtrack und vor allem Originalität einfach nicht
mithalten.
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