Apollo Justice, Ace Attorney
Adventure


Patricia
September 09

 


Liebhaber von Nintendo DS-Adventures kennen mit Sicherheit den leidenschaftlichen Strafverteidiger Phoenix Wright. Mit Apollo Justice versucht Capcom durch neue Charaktere frischen Wind in die Serie zu bringen. Ob das wirklich gelungen ist, lest ihr in diesem Review.

So ganz wollten die Entwickler sich dann aber doch nicht von ihren Wurzeln entfernen. Das Spiel findet sieben Jahre nach dem Abschluss der Phoenix Wright-Trilogie statt, wobei es bei den Nebenfiguren das eine oder andere Wiedersehen gibt. Ich würde sogar sagen, es wäre besser zumindest einen der Vorgänger gezockt zu haben, um alle Anspielungen verstehen zu können. Die neue Hauptfigur ist der frischgebackene Anwalt Apollo Justice, dem die reizende Zauberin Trucy zur Seite steht. Die beiden wirken über weite Strecken wie Kopien der alten Hauptdarsteller Phoenix und Maya. Vor allem in den ersten Stunden habe ich mich gefragt, warum neue Gesichter eingeführt werden, wenn sie sich vom Charakter her kaum von den Vorgängern abheben. Der neue Staatsanwalt Kantilen unterscheidet sich hingegen stark vom unterkühlten Miles oder der dominanten Franziska. Als Rocker bringt er jede Menge Coolness (und natürlich eine Luftgitarre) in die Verhandlung.

Wie gewohnt wechselt das Point & Click-Adventure regelmäßig zwischen zwei Spielabschnitten. Draußen werden Tatorte untersucht, Besuche in der Strafanstalt getätigt und Zeugen befragt. Im Gerichtssaal legen wir die Früchte unserer Arbeit, die gesammelten Beweise, im richtigen Moment vor, um unseren Klienten aus jeder noch so verheerenden Situation rauszuboxen. Die witzigen und exzellent geschriebenen Wortgefechte machen aus trockener Anwaltsarbeit ein hochamüsantes Abenteuer. Im Vergleich zu den vorherigen Spielen hat sich eigentlich nicht viel getan. Da die Vorlagen jedoch kleine Meisterwerke sind, ist es wohl verständlich, dass neue Ideen mit der Lupe gesucht werden müssen. Statt dem Psyche Lock verfügt Apollo über eine ganz eigene Fähigkeit. Mit Hilfe seines Armbandes kann er kleinste unbewusste Bewegungen des Zeugen registrieren. In Zeitlupe und Nahaufnahme wird die Schwachstelle einer scheinbar lückenlosen Aussage sichtbar, wie zum Beispiel ein verräterisches Schwitzen.

Obwohl es sich hier um den ersten exklusiven DS-Teil der Serie handelt (die ursprüngliche Heimat der Reihe war der Game Boy Advance), hat sich die Grafik kaum verbessert. In einigen kurzen 3D-Filmen werden Tatorte plastisch dargestellt und Beweise können aus allen Seiten beleuchtet werden. Ansonsten erfreuen unser Auge wieder feinste 2D-Grafiken sowie Animationen im Anime-Stil. Da diese perfekt zum Humor und zur Atmosphäre passen, kann ich das kaum negativ werten. Die Musik bewegt sich wie gewohnt auf hohem Niveau, wobei einige Stücke wiederverwertet wurden. Während es mich einerseits freut liebgewonnene Melodien erneut zu hören, so muss ich leider doch feststellen, dass sie in ihren neuen Arrangements nicht an die Originalfassungen herankommen.

In 15 Stunden dürfen verzwickte Mordfälle gelöst und die Unschuld der Mandanten bewiesen werden. Durch alle vier Fälle zieht sich ein roter Faden, der erst im letzten und mit Abstand am besten inszenierten Kapitel sichtbar wird.

Fazit: Wer von der spannenden Anwaltreihe nicht genug bekommen kann, ist hier wieder mal richtig aufgehoben. Wer in die Serie zum ersten Mal reinschnuppern möchte, sollte sich besser den hervorragenden ersten Phoenix Wright-Teil näher ansehen. Apollo Justice kann in puncto Charme, Soundtrack und vor allem Originalität einfach nicht mithalten.