Armalyte
Shoot´em up

Lyrion
März 08
 

Der offizielle Nachfolger von Delta setzte auf dem C-64 ganz neue Maßstäbe in Bezug auf Shoot´em up´s. Mit den sehr schönen und detaillierten Grafiken, dem tollen Sound und einer sehr guten Spielbarkeit versetzte der innovative Spielehersteller Thalamus mit seinem sechsten, auf den Namen Armalyte bzw. Delta 2 getauften Werk nahezu die gesamte Zocker-Gemeinde ins Staunen. Bis zum endgültigen Erlöschen der glorreichen C-64-Ära kam kein weiterer Shooter mehr an dieses edle Kleinod heran. Die technische Umsetzung von Armalyte ist also ohne jegliche Zweifel als perfekt zu bezeichnen. Wie sieht es aber mit der Langzeitmotivation und dem Spielspaß aus? Obwohl hier die sehr ausgeprägte Eigenart des Vorgängers vermisst wird und das gesamte Spieldesign sich viel stärker an bekannten Shootern wie R-Type orientiert, hinkt Armalyte den großen Vorbildern etwas hinterher. Verantwortlich dafür sind der viel zu hohe Schwierigkeitsgrad und das auf die Dauer ein wenig zu monotone Leveldesign. Zunächst aber ein kurzer Blick auf die Storyline des Spieles, damit man sich ein allumfassendes Bild von Armalyte machen kann.

Seit dem fünfzig Jahre andauernden Krieg zwischen den der Piraterie überführten H´siffian Khanate (Im Manual von Delta hieß die Alien-Rasse noch Hsiffan Khanate.) und dem Terra Empire alias Erde in dem als Delta bekannten Teil des Weltraums sind mittlerweile 200 Jahre vergangen. Im Durcheinander der Nachkriegszeit entstand der große Konzern ARMALYTE INDUSTRIES, der die Macht an sich riss. Mittlerweile sind die Erinnerungen an die Kriegswirren verblasst und die alten Handelsrouten durch den Delta-Sektor wieder aufgenommen. Vor fünf Jahren stolperte eine Patrouille über einen alten Forschungsaußenposten der H´siffians. Auf dessen Ruinen errichtete ARMALYTE INDUSTRIES ihre eigene, aufgrund des kaum vorhandenen Widerstandes der H´siffian Khanate, nur leicht bewaffnete Forschungsstation. Vor vier Monaten gelang den dort beschäftigten AI-Wissenschaftlern ein großer Durchbruch, der Kontakt erlosch jedoch kurz danach. Es wird davon ausgegangen, dass die Station von feindlichen Streitkräften eingenommen wurde, was noch zusätzlich durch die letzte Übermittlung unterstrichen wird, laut der die H´siffian Khanate eine nahezu unbegrenzte Energiequelle entdeckt hätten. ARMALYTE INDUSTRIES beschließt daraufhin eine unabhängige Streitkraft anzuheuern, um den Ereignissen im Delta-Sektor auf den Grund zu gehen. Damit wird auch verhindert, dass die Öffentlichkeit von den militärischen Entwicklungen des Konzerns erfährt, was dessen Ruf schaden könnte.

Und an dieser Stelle beginnt das Spiel. In der Rolle eines Söldners liegt es nun in der Hand des Spielers den Delta-Sektor erneut von der Übermacht der H´siffians zu säubern und die eingenommene Forschungsstation zurückzugewinnen. Ausgerüstet mit den neusten militärischen Entwicklungen von ARMALYTE INDUSTRIES darf man sich alleine oder zu zweit an die acht relativ langen Levels wagen. Das Spiel scheint auch eher für zwei Shoot´em up-Begeisterte programmiert zu sein, da der Schwierigkeitsgrad dermaßen hoch angesetzt wurde, dass man alleine kaum in der Lage sein wird diese Aufgabe zu meistern. Sollte man sich dennoch alleine an dieses schwierige Unterfangen wagen wollen, bekommt man als Ersatz für die fehlende Feuerkraft des zweiten Spielers immerhin eine frei schwebende und unzerstörbare Drohne zur Seite gestellt. Diese ahmt die Bewegungen des Raumschiffes nach und lässt sich, wie die Force bei R-Type, als Schutzschild verwenden. Bewegt man sich nach hinten, ist die Front geschützt, steuert man nach vorne, oben oder unten, dann werden das Heck, die untere oder die obere Seite gedeckt. Sehr innovativ, allerdings nicht ganz leicht zu handhaben. Mit der Space-Taste kann man die ebenfalls feuernde Drohne vom Raumschiff abkoppeln und sie auf einer gewünschten Position durch den Raum driften lassen. Sehr nützlich, bei den Mittel- und Endgegnern vor allem. Als Power up´s dienen bei Armalyte kristallähnliche Weltraum-Formationen, die als Munitions Pods bezeichnet werden. Nimmt man diese auf, so wird man für die Dauer von fünf Sekunden unverwundbar und kann sogar durch alle Hindernisse wie z.B. dicke Wände hindurchfliegen. Beschießt man sie, so kommt man an zusätzliche Bewaffnung. Diese muss übrigens in jedem Level neu aufgebaut werden. Bei Lebensverlust verliert man sie jedoch nicht und darf an exakt derselben Stelle mit dem nächsten Extra-Schiff fortfahren. Je nachdem wie stark man die Munitions Pods beschießt, kommen folgende Power up´s zum Vorschein:

Extra Forward Fire: Erweiterung des Hauptgeschützes.
Tail Fire: Zusätzliches Rückwärtsgeschütz.
Vertical Cannon: Zusätzliche Geschosse nach oben und unten.
Trident: Ergänzung der Hauptwaffe um zwei weitere flankierende Geschütze.
Converge: Leitet den Rückwärtsschuss nach vorne um. So wird die Frontaloffensive noch stärker. Benötigt allerdings noch zwei zusätzliche Erweiterungen des Hauptgeschützes.
Battery: Zusätzliche Energie-Zelle für den Einsatz der Super-Waffe.

Trotz dieser Vielzahl an Extra-Waffen ist die Schusskraft des Armalyte-Raumschiffs selbst bei voller Power ziemlich beschränkt und wirkt eher bescheiden als ultimativ. Für Abhilfe sorgt die Super-Waffe, welche gleich in drei verschiedenen Variationen daherkommt und mittels der Commodore-Taste bzw. der Fragezeichen-Taste beim zweiten Spieler nach Wunsch gewechselt werden kann. Die drei Typen sind mit den Buchstaben A, B oder C gekennzeichnet und auf dem Scoreboard zu sehen. Für ihren Einsatz muss aber immer erst der Generator vollends aufgeladen sein. Die Super-Waffe bewirkt folgendes:

Type A: Ein schmaler, aber alles durchdringender Laserstrahl. Kurze Aufladezeit des Generators.
Type B: Eine breitgefächerte Laser-Salve, die das Raumschiff gleichzeitig von allen Seiten beschützt. Für weniger sichere Spieler die erste Wahl. Mittlere Aufladezeit des Generators.
Type C: Ein extrem starker Laserstrahl. Lange Aufladezeit des Generators.

Nachdem nun die Spielmechanik erläutert ist, möchte ich mich noch etwas mit den technischen und spielerischen Seiten von Armalyte befassen. Wie schon zu Anfang erwähnt, hat das Programmierteam Cyberdyne Systems diesbezüglich alles gegeben. Zu bemängeln gibt es hier wirklich nichts, aber auf zwei Armalyte-typische Eigenheiten möchte ich noch kurz eingehen. Es ist wirklich sehr eigenartig (und eigentlich auch alogisch), dass die Explosionen der abgeschossenen Raumschiffe wirklich bis zum Abklingen immer noch dem theoretischen und vorprogrammierten Flugverlauf der Raumschiffe folgen. Dies kann schon mal an der einen oder anderen Stelle etwas Verwirrung stiften, vor allem dann, wenn man auf schnell dahinfliegende Gegner das Dauerfeuer eröffnet. Die zweite Eigenheit besteht in der Wahl des Sternenhintergrundes vor dem Spielbeginn mittels der F3-Taste. Es gibt drei Stufen zur Auswahl. Bei der ersten stehen die Sterne auf der Stelle, was ohne Vordergrundgrafiken einen sehr statischen Spielverlauf vermittelt und deshalb nicht zu empfehlen ist. Bei der zweiten fliegen die Sterne langsam dahin und bei der dritten schnell, was dementsprechend eine höhere Geschwindigkeit simuliert. Spielerisch bietet Armalyte eine wirklich solide Weltraumkost, allerdings eine, die nicht sehr leicht zu schlucken ist, denn der Schwierigkeitsgrad ist, wie schon zweimal angesprochen, sehr hart. Ohne echte Hingabe und Verbissenheit wird man den letzten Endgegner und das Ende von Armalyte wohl nie zu sehen bekommen. So kann das Spiel nach kurzer Zeit recht demotivierend wirken, weil man einfach nicht vorankommt. Und das doch recht ähnlich aufgebaute Leveldesign wie die zum größten Teil monochrom gehaltene Grafik können auch etwas aufs Gemüt schlagen. Aber Spieler, die eine wirkliche Herausforderung lieben und immer von Neuem suchen, wird das wohl kaum stören. Ich für meinen Teil habe es irgendwann aufgegeben und den Abspann nur mittels Schummelns zu sehen bekommen. Ich hoffe, man wird es mir verzeihen. Aus diesem Grund kann ich nur neun Punkte vergeben. Rein technisch betrachtet müssten es aber zehn sein. =)

Hier noch eine kleine Info: Von Armalyte gibt es auch eine Konvertierung für den Atari ST und den Commodore Amiga. Armalyte - The Final Run, wie der volle Titel dieser Konvertierungen lautet, hat aber bis auf die Box, den Titel und das ähnlich ausschauende Raumschiff nahezu nichts mehr gemeinsam mit dem C-64-Ursprung. Ganz anderer Grafikstil, komplett anderes Leveldesign, neue Endgegner und eine andere Spielbarkeit erfordern eine eigene und separate Betrachtung. Leider, dies kann ich schon vorwegnehmen, ist Armalyte auf dem Atari St und dem Commodore Amiga mehr schlecht als recht gelungen, so dass man schon alleine aus diesem Grund einen Vergleich mit der tollen Brotkasten-Version scheuen sollte.