Der offizielle Nachfolger von Delta setzte auf dem C-64 ganz neue Maßstäbe
in Bezug auf Shoot´em up´s. Mit den sehr schönen und
detaillierten Grafiken, dem tollen Sound und einer sehr guten Spielbarkeit
versetzte der innovative Spielehersteller Thalamus mit seinem sechsten,
auf den Namen Armalyte bzw. Delta 2 getauften Werk nahezu die gesamte
Zocker-Gemeinde ins Staunen. Bis zum endgültigen Erlöschen der
glorreichen C-64-Ära kam kein weiterer Shooter mehr an dieses edle
Kleinod heran. Die technische Umsetzung von Armalyte ist also ohne jegliche
Zweifel als perfekt zu bezeichnen. Wie sieht es aber mit der Langzeitmotivation
und dem Spielspaß aus? Obwohl hier die sehr ausgeprägte Eigenart
des Vorgängers vermisst wird und das gesamte Spieldesign sich viel
stärker an bekannten Shootern wie R-Type orientiert, hinkt Armalyte
den großen Vorbildern etwas hinterher. Verantwortlich dafür
sind der viel zu hohe Schwierigkeitsgrad und das auf die Dauer ein wenig
zu monotone Leveldesign. Zunächst aber ein kurzer Blick auf die Storyline
des Spieles, damit man sich ein allumfassendes Bild von Armalyte machen
kann.
Seit dem fünfzig Jahre andauernden Krieg zwischen den der Piraterie
überführten H´siffian Khanate (Im Manual von Delta hieß
die Alien-Rasse noch Hsiffan Khanate.) und dem Terra Empire alias Erde
in dem als Delta bekannten Teil des Weltraums sind mittlerweile 200
Jahre vergangen. Im Durcheinander der Nachkriegszeit entstand der große
Konzern ARMALYTE INDUSTRIES, der die Macht an sich riss. Mittlerweile
sind die Erinnerungen an die Kriegswirren verblasst und die alten Handelsrouten
durch den Delta-Sektor wieder aufgenommen. Vor fünf Jahren stolperte
eine Patrouille über einen alten Forschungsaußenposten der
H´siffians. Auf dessen Ruinen errichtete ARMALYTE INDUSTRIES ihre
eigene, aufgrund des kaum vorhandenen Widerstandes der H´siffian
Khanate, nur leicht bewaffnete Forschungsstation. Vor vier Monaten gelang
den dort beschäftigten AI-Wissenschaftlern ein großer Durchbruch,
der Kontakt erlosch jedoch kurz danach. Es wird davon ausgegangen, dass
die Station von feindlichen Streitkräften eingenommen wurde, was
noch zusätzlich durch die letzte Übermittlung unterstrichen
wird, laut der die H´siffian Khanate eine nahezu unbegrenzte Energiequelle
entdeckt hätten. ARMALYTE INDUSTRIES beschließt daraufhin
eine unabhängige Streitkraft anzuheuern, um den Ereignissen im
Delta-Sektor auf den Grund zu gehen. Damit wird auch verhindert, dass
die Öffentlichkeit von den militärischen Entwicklungen des
Konzerns erfährt, was dessen Ruf schaden könnte.
Und an dieser Stelle beginnt das Spiel. In der Rolle eines Söldners
liegt es nun in der Hand des Spielers den Delta-Sektor erneut von der
Übermacht der H´siffians zu säubern und die eingenommene
Forschungsstation zurückzugewinnen. Ausgerüstet mit den neusten
militärischen Entwicklungen von ARMALYTE INDUSTRIES darf man sich
alleine oder zu zweit an die acht relativ langen Levels wagen. Das Spiel
scheint auch eher für zwei Shoot´em up-Begeisterte programmiert
zu sein, da der Schwierigkeitsgrad dermaßen hoch angesetzt wurde,
dass man alleine kaum in der Lage sein wird diese Aufgabe zu meistern.
Sollte man sich dennoch alleine an dieses schwierige Unterfangen wagen
wollen, bekommt man als Ersatz für die fehlende Feuerkraft des
zweiten Spielers immerhin eine frei schwebende und unzerstörbare
Drohne zur Seite gestellt. Diese ahmt die Bewegungen des Raumschiffes
nach und lässt sich, wie die Force bei R-Type, als Schutzschild
verwenden. Bewegt man sich nach hinten, ist die Front geschützt,
steuert man nach vorne, oben oder unten, dann werden das Heck, die untere
oder die obere Seite gedeckt. Sehr innovativ, allerdings nicht ganz
leicht zu handhaben. Mit der Space-Taste kann man die ebenfalls feuernde
Drohne vom Raumschiff abkoppeln und sie auf einer gewünschten Position
durch den Raum driften lassen. Sehr nützlich, bei den Mittel- und
Endgegnern vor allem. Als Power up´s dienen bei Armalyte kristallähnliche
Weltraum-Formationen, die als Munitions Pods bezeichnet werden. Nimmt
man diese auf, so wird man für die Dauer von fünf Sekunden
unverwundbar und kann sogar durch alle Hindernisse wie z.B. dicke Wände
hindurchfliegen. Beschießt man sie, so kommt man an zusätzliche
Bewaffnung. Diese muss übrigens in jedem Level neu aufgebaut werden.
Bei Lebensverlust verliert man sie jedoch nicht und darf an exakt derselben
Stelle mit dem nächsten Extra-Schiff fortfahren. Je nachdem wie
stark man die Munitions Pods beschießt, kommen folgende Power
up´s zum Vorschein:
Extra Forward Fire: Erweiterung des Hauptgeschützes.
Tail Fire: Zusätzliches Rückwärtsgeschütz.
Vertical Cannon: Zusätzliche Geschosse nach oben und unten.
Trident: Ergänzung der Hauptwaffe um zwei weitere flankierende
Geschütze.
Converge: Leitet den Rückwärtsschuss nach vorne um. So wird
die Frontaloffensive noch stärker. Benötigt allerdings noch
zwei zusätzliche Erweiterungen des Hauptgeschützes.
Battery: Zusätzliche Energie-Zelle für den Einsatz der Super-Waffe.
Trotz dieser Vielzahl an Extra-Waffen ist die Schusskraft des Armalyte-Raumschiffs
selbst bei voller Power ziemlich beschränkt und wirkt eher bescheiden
als ultimativ. Für Abhilfe sorgt die Super-Waffe, welche gleich
in drei verschiedenen Variationen daherkommt und mittels der Commodore-Taste
bzw. der Fragezeichen-Taste beim zweiten Spieler nach Wunsch gewechselt
werden kann. Die drei Typen sind mit den Buchstaben A, B oder C gekennzeichnet
und auf dem Scoreboard zu sehen. Für ihren Einsatz muss aber immer
erst der Generator vollends aufgeladen sein. Die Super-Waffe bewirkt
folgendes:
Type A: Ein schmaler, aber alles durchdringender Laserstrahl. Kurze
Aufladezeit des Generators.
Type B: Eine breitgefächerte Laser-Salve, die das Raumschiff gleichzeitig
von allen Seiten beschützt. Für weniger sichere Spieler die
erste Wahl. Mittlere Aufladezeit des Generators.
Type C: Ein extrem starker Laserstrahl. Lange Aufladezeit des Generators.
Nachdem nun die Spielmechanik erläutert ist, möchte ich mich
noch etwas mit den technischen und spielerischen Seiten von Armalyte
befassen. Wie schon zu Anfang erwähnt, hat das Programmierteam
Cyberdyne Systems diesbezüglich alles gegeben. Zu bemängeln
gibt es hier wirklich nichts, aber auf zwei Armalyte-typische Eigenheiten
möchte ich noch kurz eingehen. Es ist wirklich sehr eigenartig
(und eigentlich auch alogisch), dass die Explosionen der abgeschossenen
Raumschiffe wirklich bis zum Abklingen immer noch dem theoretischen
und vorprogrammierten Flugverlauf der Raumschiffe folgen. Dies kann
schon mal an der einen oder anderen Stelle etwas Verwirrung stiften,
vor allem dann, wenn man auf schnell dahinfliegende Gegner das Dauerfeuer
eröffnet. Die zweite Eigenheit besteht in der Wahl des Sternenhintergrundes
vor dem Spielbeginn mittels der F3-Taste. Es gibt drei Stufen zur Auswahl.
Bei der ersten stehen die Sterne auf der Stelle, was ohne Vordergrundgrafiken
einen sehr statischen Spielverlauf vermittelt und deshalb nicht zu empfehlen
ist. Bei der zweiten fliegen die Sterne langsam dahin und bei der dritten
schnell, was dementsprechend eine höhere Geschwindigkeit simuliert.
Spielerisch bietet Armalyte eine wirklich solide Weltraumkost, allerdings
eine, die nicht sehr leicht zu schlucken ist, denn der Schwierigkeitsgrad
ist, wie schon zweimal angesprochen, sehr hart. Ohne echte Hingabe und
Verbissenheit wird man den letzten Endgegner und das Ende von Armalyte
wohl nie zu sehen bekommen. So kann das Spiel nach kurzer Zeit recht
demotivierend wirken, weil man einfach nicht vorankommt. Und das doch
recht ähnlich aufgebaute Leveldesign wie die zum größten
Teil monochrom gehaltene Grafik können auch etwas aufs Gemüt
schlagen. Aber Spieler, die eine wirkliche Herausforderung lieben und
immer von Neuem suchen, wird das wohl kaum stören. Ich für
meinen Teil habe es irgendwann aufgegeben und den Abspann nur mittels
Schummelns zu sehen bekommen. Ich hoffe, man wird es mir verzeihen.
Aus diesem Grund kann ich nur neun Punkte vergeben. Rein technisch betrachtet
müssten es aber zehn sein. =)
Hier noch eine kleine Info: Von Armalyte gibt es auch eine Konvertierung
für den Atari ST und den Commodore Amiga. Armalyte - The Final
Run, wie der volle Titel dieser Konvertierungen lautet, hat aber bis
auf die Box, den Titel und das ähnlich ausschauende Raumschiff
nahezu nichts mehr gemeinsam mit dem C-64-Ursprung. Ganz anderer Grafikstil,
komplett anderes Leveldesign, neue Endgegner und eine andere Spielbarkeit
erfordern eine eigene und separate Betrachtung. Leider, dies kann ich
schon vorwegnehmen, ist Armalyte auf dem Atari St und dem Commodore
Amiga mehr schlecht als recht gelungen, so dass man schon alleine aus
diesem Grund einen Vergleich mit der tollen Brotkasten-Version scheuen
sollte.
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