Armalyte - The Final Run
Shoot´em up

Lyrion
April 08
 

In meinen Erinnerungen bleibt Thalamus neben System 3 und Rainbow Arts für immer als eine Softwareschmiede bestehen, die auf dem Commodore 64 Großes geleistet hat. Als zweites Standbein von Newsfield Publication gegründet, eines britischen Herausgebers bekannter Zeitschriften für Computerspiele wie z.B. "Zzap!64", hatte sich Thalamus schon nach dem zweiten Launch, dem Spiel Delta aus dem Jahre 1987, einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Leider ging Anfang der 90´er Jahre die relativ lange 8-Bit-Ära ihrem unausweichlichen Ende entgegen, was für die meisten kleinen Programmierteams, die sich nicht in der Lage sahen die viel höheren Entwicklungs- und Produktionskosten der neuen 16-Bit-Spiele zu tragen, ebenso das Aus bedeutete. Auch Newsfield Publication, auf 8-Bit-Spiele spezialisiert, kam in ernste finanzielle Schwierigkeiten und musste 1991 Konkurs anmelden. Thalamus überdauerte zwar die Geschäftsauflösung, kam aber auch schnell in Bedrängnis, zumal der erhoffte Erfolg auf den 16-Bit-Computern wie Amiga und Atari ST gänzlich ausblieb. Dies lag sicherlich am Qualitätsverlust der neuen Spiele, was wiederum auf die Umstellung von 8- auf 16-Bit und mangelnde Erfahrung mit der neuen Hardware zurückzuführen war. Im Jahre 1993 war es dann auch um Thalamus geschehen.

Eines der 16-Bit-Spiele von Thalamus hört auf den Namen Armalyte - The Final Run und sollte wohl eine Konvertierung des hervorragenden und mittlerweile legendären C-64-Shooters Armalyte aus dem Jahre 1988 werden. Zumindest lässt die identisch aussehende Verpackung darauf schließen. Der Schein trügt hier aber. Das schon weit fortgeschrittene Projekt Armalyte 2 für den C-64 wurde seinerzeit von Thalamus gänzlich eingestellt, als das für das Spiel verantwortliche Programmierteam Cyberdyne Systems vor der Fertigstellung zu System 3 wechselte. Das angeheuerte 16-Bit-Entwicklerteam Arc Developments orientierte sich bei der Erstellung von Armalyte - The Final Run jedoch stark an der unfertigen Armalyte 2-Vorlage. So gesehen ist das Ergebnis eigentlich eine Konvertierung des zweiten, nie erschienenen C-64-Teils. Aus diesem Grund hat Armalyte auf den 16-Bit-Systemen nahezu gar keine Ähnlichkeit mehr mit der Brotkasten-Vorlage und kann als ein neues, eigenständiges Spiel sowie als der offizielle dritte Teil von Delta betrachtet werden. Der endgültig klingende Untertitel The Final Run wurde vermutlich auch erst später auf der Verpackung aufgedruckt, als schon abzusehen war, dass Thalamus sich nicht mehr lange auf dem viel härteren 16-Bit-Markt behaupten würde können. Im Spiel selbst ist der Untertitel nämlich nirgends zu finden.

Wir wollen uns hier aber hauptsächlich mit Armalyte - The Final Run für den Amiga und den Atari ST beschäftigen und lassen nun den ein wenig verwirrenden Sachverhalt und die geschichtlichen Gegebenheiten auf sich beruhen - Armalyte 2, ruhe in Frieden! Wie schon bei Delta und Armalyte auf dem C-64 ist der weitgehend unbekannte und gefährliche Delta-Sektor wieder Schauplatz des Geschehens. Ein System von fünf Planeten, vor allem aber der zentrale Planet Aala, zieht die ganze Aufmerksamkeit der Menschheit auf sich. Das dort herrschende Aalan Empire erobert mit ihrer technischen Überlegenheit im Nu die vier Nachbarplaneten und richtet nun ihr Augenmerk auf die Erde. Da diese nicht bloß tatenlos zusehen möchte wie sie überrannt wird, stellt sie eine Kampfeinheit, Armalyte Force genannt, zusammen, welche den feindlichen Eroberern die Stirn bieten soll. Um der Invasion zuvorzukommen, fliegt die gesamte Einheit an die Grenze des Delta-Sektors, wo eine Weltraumschlacht beginnt. Die Mission verläuft allerdings nicht so wie geplant. Im Gegensatz, sie wird zu einem absoluten Disaster, denn die Armalyte Force gerät in einen Hinterhalt des Aalan Empires und wird vernichtend geschlagen. Nun, das stimmt nicht ganz. Ein einziges Armalyte-Raumschiff übersteht das Inferno. Und ratet mal, wer drin sitzt? Natürlich der Spieler. Von ihm alleine hängt nun das Schicksal der Erde des 23. Jahrhunderts ab. Wie immer halt. =)

Diese schwierige Aufgabe wird aber sicherlich keiner so schnell meistern, denn Armalyte ist sehr schwer und für viele sogar unspielbar, da man hier mit einer wirklich sehr heiklen Steuerung konfrontiert wird. Diese erfordert eine extrem lange Eingewöhnungs- bzw. Einfühlphase, eine ruhige Hand sowie eine große Portion Geduld. Während sich das letzte Schiff der Armalyte Force auf dem Atari ST ein wenig träge steuert, beinahe so als ob es dauerhaft gegen strömende Wassermassen ankämpfen müsste, verhält es sich auf dem Amiga umgekehrt. Die Steuerung dieser Version ist gut, aber etwas zu sensibel und mit der Aufnahme eines Speed up-Symbols ist es noch viel schwieriger das Raumschiff unter Kontrolle zu halten. Dies merkt man ganz besonders an den Stellen, an denen man zwischen eng platzierten Hindernissen hindurchfliegen muss oder ein präzises Timing erforderlich ist. Und solche Stellen tauchen schon direkt im ersten Level auf und begleiten einen bis zum Ende des Spieles. Oder bis zum vorzeitigen Spielende, wenn man den hohen, aus der missglückten Steuerung resultierenden Schwierigkeitsgrad miteinbezieht. Mit nur drei Leben und ohne Continue-Funktion dürfte Armalyte wirklich nur die Spieler ansprechen, die andere ähnliche Shooter als zu leicht empfinden und eine wirklich harte Herausforderung suchen.

Armalyte - The Final Run ist in insgesamt fünf Levels unterteilt, welche jeweils den fünf Planeten zugeordnet sind. Um sich gegen die zahlreichen Angreifer verteidigen zu können, steht dem Schiff neben dem obligatorischen Frontalschuss standardmäßig noch ein Beamschuss zur Verfügung, der durch das kurzzeitige Halten des Feuerknopfes aufgeladen und beim Loslassen in einem starken Energiegeschoss entladen wird. Man merkt sofort, dass das Spiel sich stärker an Irems Vorzeige-Shooter R-Type orientiert als dies noch beim ersten Armalyte-Spiel auf dem C-64 der Fall war. Die anderen Waffensysteme, welche relativ spärlich in den einzelnen Levels verstreut und in kleinen blauen Kugeln, die erst abgeschossen werden müssen, versteckt sind, erinnern etwas mehr an den Vorgänger. Hier darf man allerdings nicht mehr alle Waffen auf einmal mit sich führen, sondern muss sich für eine entscheiden. Zur Auswahl stehen: Side-Shot (feuert zusätzlich nach oben und unten), Rear-Shot (feuert zusätzlich nach hinten), 3-Way-Laser (ein Streuschuss nach vorne) und Heat Seeker (eine Zielsuchrakete). Dazu kommen noch die sogenannten Pods. Sie können als einzige zusätzlich zu den anderen aufgezählten Waffen bis zu dreimal an das Schiff angekoppelt werden und feuern mit sehr starken Lasern nach vorne, was sie zu der ultimativen Bewaffnung der Ein-Mann-Armalyte-Armee macht. Zu guter Letzt gibt es noch die etwas häufiger vorkommenden Power up- und die bereits erwähnten Speed up-Symbole. Bei der Atari ST-Version gibt es noch ein Waffensystem mehr als auf dem Amiga, aber diese Kleinigkeit ist eigentlich kaum der Rede wert.

Wirklich gut gelungen ist bei Armalyte die grafische Darstellung und Gestaltung, auch wenn man sagen muss, dass alle Levels nach mehr oder weniger dem gleichen Prinzip gestrickt sind und mich das Spiel stellenweise an X-Out und der letzte Level an die Amiga-Version von Katakis erinnert. Wirklich auffällig ist der erste Level mit dem einzigen Mittelgegner, einem großen Alien-Auge, sowie einem schnellen Flug kurz vor dem ersten Endboss. Die weiteren vier Levels lassen dann jegliche weitere spielerische Auflockerung vermissen. Das lag vermutlich an dem schon spürbaren Bröckeln des Hauses Thalamus. Abwechslung bieten aber die vielen schönen Grafiken und die Endbosse, von denen die letzten drei ganz besonders groß und ansehnlich ausgefallen sind. Auf dem Atari ST sind diese Bosse sogar noch etwas größer als auf dem Amiga, wie die gesamte Ausdehnung des Spielraums nach oben und unten, allerdings ist die Grafik auf diesem System insgesamt etwas schwächer und die Hintergründe sind immer schwarz. Die Amiga-Version trumpft immerhin mit einigen bunten Hintergründen (auch wenn diese nichts Besonderes sind) und einer guten Musik auf, wobei der Track des ersten Levels sogar Ohrwurm-Qualität aufweist. Die In-Game-Musik der Atari ST-Version ist auch in Ordnung, aber etwas schwächer als die des ehemaligen Erzkonkurrenten. Aber man darf bei Atari ST vor dem Spiel immerhin zwischen Musik und Sound-Effekten wählen.

Als Fazit muss ich sagen, dass ich wirklich sehr gemischte Gefühle bei diesem Spiel habe, was auch die unterschiedlichen Wertungen der vielen einstigen Fachmagazine erklärt, die von gut bis absolut schlecht auseinandergehen. Auf der einen Seite ist das Spiel super schön aufgemacht, aber auf der anderen Seite spielt es sich mehr schlecht als recht. Und die Spielbarkeit ist das Kriterium, das auf alle Fälle überwiegt. Dabei hätte man das Spiel, hätte man es einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen, bestimmt mit einfachen Mitteln etwas verbessern können. Ein etwas kleineres Schiff oder eine Energieleiste, die drei bis vier Treffer verkraftet, und es wäre sicherlich spielbarer und somit viel besser geworden. Wie dem auch sei, mir persönlich gefällt Armalyte - The Final Run auf dem Amiga dennoch ziemlich gut, daher vergebe ich noch sechs Punkte an diese Version. Mit dem unten aufgeführten Cheat kann man das Spiel trotzdem noch genießen und dabei Spaß haben. Die Atari ST-Version erhält dagegen nur vier Punkte, da sie im Vergleich zu der noch relativ gut spielbaren Amiga-Version sowohl auf dem technischen wie spielerischen Sektor den Kürzeren zieht.

Cheat für beide Versionen:
Im Pausenmodus "Delta3" für Trainer eingeben. Mit den Tasten 1 und 2 kann man die Waffen wechseln.