Hm? Was? Art of Fighting... ach so... jaja. Wie, ein zweiter Teil? Hehe...
kennt man meinen Verriss des ersten Teils, könnte man nun den nächsten
erwarten - oder auch nicht... in Anbetracht diverser Beat´em up-Meisterwerke
muss es SNK ja schließlich irgendwann gelungen sein, Qualität
abzuliefern, schauen wir mal, ob das bei AoF2 der Fall war.
Gehen wir mal verschiedene Aspekte des Spiels durch:
Ad primum: das Kämpferfeld
Oh Wunder, man kann ja nun alle der nun insgesamt 12 Kämpfer spielen.
Von Teil 1 schied Todo aus, hinzu kamen: der fette Chinese Temjin, Ryos
Daddy Takuma, seines Zeichens der Endgegner aus Teil 1, Schwesterchen
Yuri, sowie Ninja Eiji Kisaragi.
Ad secundum: die Grafik
Mh? Die Kämpferfiguren sind wohl beim Waschen zwischen Art of Fighting
1 und 2 eingegangen - den Größenunterschied merkt man, dennoch
überragen sie immer noch sämtliche Normal-Sprites aus sämtlichen
mir bekannten 2D-Prüglern. Und auch der herrliche Zoom-Effekt ist
immer noch dabei. Außerdem, man glaubt es kaum: unsere Schlägertypen
haben nun eine fast schon ansehnliche Animation spendiert bekommen und
wirken nicht mehr ganz wie Epileptiker auf Koks. Schön. Außerdem
sehen sie nicht mehr so potthässlich aus. Und auch die Hintergrundgrafiken
kann man sich ansehen - Qualitätssteigerung um ein paar hundert
Prozent.
Ad tertium: das Gameplay
Das Prinzip ist immer noch dasselbe, Specials verbratzen Spirit. Spirit
kann man durch Gedrückthalten eines Knopfes wieder aufladen, und
selbigen beim Gegner durch eine provokative Geste vermindern. Der Spielablauf
ist mittlerweile vernünftig genug, als dass das auch funktioniert.
WOW! Nun ist der Spirit das, was es in Teil 1 mal hätte sein sollen:
ein richtig geiles, spielentscheidendes Feature.
Die Steuerung wurde ein wenig umgebaut: immer noch je ein Knopf zum
Schlagen, Treten und Werfen. Dennoch gibt´s die Wahl zwischen
leichten und harten Angriffen. Wie das? Ganz einfach: kurzes Antippen
des Knopfes für leicht, richtiges Drücken für hart. Klingt
einfach, ist es auch, und funktioniert nach kurzer Eingewöhnung
so dermaßen gut und intuitiv, dass man sich ernsthaft fragt, warum
niemals ein anderes ernstzunehmendes Kampfspiel das übernommen
hat.
Ad quartum: die Spielbarkeit
Vorneweg: es spielt sich anders. Anders als der große damalige
Konkurrent SF2, anders als heutige Prügler, vor allem im Kampf
gegen den Computer. Und das ist gut so. Bei AoF2 ist es Spielprinzip,
den gegnerischen Kämpfer mit seinen Stärken und Schwächen
in- und auswendig zu kennen - und letztere auch ausnutzen zu können.
Wer sich darauf nicht einlassen will, hat keine Chance und wird das
Spiel recht bald frustriert aufgeben. Denn Art of Fighting 2 ist schwer.
Man muss Taktik entwickeln, die Mechanismen, mit denen die KI der einzelnen
Gegner funktioniert, kennen und sie ausnutzen. Auf einen Fehler warten
bzw. den Gegner zu einem provozieren, Treffer anbringen, zurückziehen,
und Spirit aufladen. So läuft das hier. Anders übersteht man
nicht mal den ersten Kampf - und wird niemals Geese Howard zu Gesicht
bekommen... äh - Moment... Geese? Dat war doch der Kerl, den wir
in der Fatal Fury-Serie schon mehrmals aus dem Fenster zu Tode stürzen
haben lassen... Wat macht der denn hier? Tja, ich sag´s euch:
er ist der Boss des Spiels. Und den kriegt nur derjenige zu sehen, der
das Spiel wirklich beherrscht, zeigt er sich doch nur, wenn man das
Spiel durchspielt, ohne auch nur eine Runde verloren zu haben. Aber
auch den knackt man, wenn man genug Übung und die richtige Taktik
herausgefunden hat. Und das geht auch: wo Teil 1 schlichtweg wirr war,
geht AoF2 richtig gut von der Hand: die Specials lassen sich gut eingeben,
endlich ist auch so was wie Timing bei Aktionen möglich.
Ansonsten lässt sich nicht mehr viel sagen: richtig gute Grafik,
die auch heute, 10 Jahre nach Veröffentlichung, noch ansehnlich
ist + geile Features + vernünftiges Gameplay ergeben ein spaßiges
Spiel - vorausgesetzt, man hat die Nerven für den Schwierigkeitsgrad;
wobei... eben jener Schwierigkeitsgrad macht das Spiel so gut: wer nicht
aufgibt, der bekommt auch was für seine Ausdauer, man fängt
nach einigen Fehlschlägen förmlich mit dem Lernen an. Und
das ist dann der Punkt, an dem AoF2 einen so richtig packt.
Acht Punkte für ein Spiel, das aufgrund diverser eigentümlicher
Features und der benötigten "etwas anderen" Herangehensweise
auch heute noch begeistern kann. (SNES-Version existiert zwar, liegt
aber nicht zum Rezensieren vor.)
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