Arx Fatalis erschien zeitgleich mit einer Vielzahl an anderen großen
bekannten PC-Rollenspielen wie zum Beispiel Morrowind oder Neverwinter
Nights und ist aufgrund des Massenaufgebotes und mangelnder Vermarktung
irgendwie total untergegangen. Und dies leider völlig zu unrecht,
denn das Spiel konnte und kann immer noch mit der Konkurrenz ohne große
Probleme Schritt halten.
In einer Welt, deren Sonne vor einiger Zeit vollständig erlosch,
handelt das Spiel vom Schicksal der Stadt Arx, die kurz vor der Vereisung
der Oberfläche mit gemeinsamen Kräften aller bekannten Völker
unter die Erde verlegt wurde. Die genaue Geschichte des Unglücks
von Arx wird in einem schönen Intro mit einer makellosen Sprachausgabe
erzählt, die jeden RPG-Spieler mit höchsten Erwartungen erfüllt.
Sie endet jedoch plötzlich, als der Sprecher, kein Geringerer als
der Hofastrologe von Arx, plötzlich aus dem Hinterhalt von einem
Rattenmenschen ermordet wird. Somit bleibt die Erzählung unvollständig
und die neuen unheilvollen Vorahnungen im Dunkeln verborgen...
Und an dieser Stelle betritt der Spieler die Bühne der unterirdischen
Welt von Arx. Halb nackt, ohne Hab und Gut und was das schlimmste ist,
ohne Gedächtnis, wachen wir in einem Goblingefängnis auf.
Jedoch nicht ohne sich vorher einen Helden erstellt zu haben. Leider,
leider gibt es hierbei nur einen einzigen Charakter mit vier unterschiedlichen
Gesichtsvarianten zur Auswahl. Dies ist mehr als wenig und einer der
wenigen negativen Kritikpunkte von Arx Fatalis. In Anbetracht der zahlreichen
Völker, die in der Welt um Arx leben, ist dies sehr schade. Eine
weibliche Ausführung ist genauso wenig vertreten, was zur Missgunst
von RPG-Spielerinnen führen kann. Dies ist wohl damit zu begründen,
dass der Held im Verlauf des Abenteuers sehr oft in aufwendigen grafischen
und akustischen Zwischensequenzen dargestellt wird, die in zigfachen
Ausführungen den Rahmen sprengen würden. Hat man sich für
ein Aussehen seiner Wahl entschieden, so gilt es nur noch einige Punkte
in die vier primären Attribute wie Stärke, Intelligenz, Geschicklichkeit
und Konstitution sowie in die neun vorhandenen Fertigkeiten zu verteilen.
Aufgrund der Fertigkeiten sind an sich drei Charakterklassen möglich:
Krieger, Magier und Dieb. Eine Spezialisierung in eine dieser Richtungen
gestaltet sich beim ersten Durchlauf aber besonders schwierig, denn
in den zahlreichen Dungeons des Spieles werden irgendwann mal alle Fertigkeiten
abgefragt. Zwar gibt es Items wie zum Beispiel Zauberrollen, die bestimmte
Fertigkeiten umgehen, sie lassen den Spieler beim falschen Einsatz jedoch
hilflos zurück. Eine Mischung aus allen drei Klassen ist also für
den ersten Versuch am sinnvollsten, denn Zaubern, Kämpfen und Truhen
knacken muss man hier immer. Ist auch dies erledigt, startet man das
Spiel als Gefangener in einer kleinen Zelle, aus der es zunächst
zu entkommen gilt.
Das Spiel präsentiert sich komplett aus der Ich-Perspektive und
ist mit Ultima Underworld, Gothic oder sogar etwas mit Dark Projekt
(Man kann auch als reiner Dieb spielen!) zu vergleichen. Die realistische
und sehr detaillierte Umgebung der Zelle fällt dabei besonders
ins Auge. Sich mit der Umgebung vertraut gemacht, fangen wir ein Gespräch
mit einem Mitgefangenen an, der uns etwas über die missliche Lage
aufklärt. Mit dem vorhandenen Tutorial, das uns über den Anfang
hinweg begleitet, ist es ein Leichtes aus der Zelle auszubrechen und
die vorhandene Goblinwache mit einem Knochen zu erschlagen, denn dies
ist die einzige Waffe, die uns am Anfang zur Verfügung steht. Das
Kämpfen gestaltet sich dabei sehr leicht. Während man sich
mit dem Keyboard bewegt und ausweicht, führt man mit dem linken
Mausknopf die Attacken aus. Von seinem Mitgefangenen, einem Mitglied
der Gilde der Reisenden, bekommt man den Namen "Am Shaegar"
verpasst, der in einer alten Sprache "Der Mann ohne Namen"
bedeuten soll. Nach dem wir einige nützliche Dinge (man kann hier
fast alles an sich nehmen) in das sehr übersichtliche Inventar
verstauen, betreten wir durch eine Falltür ein dunkles Gewölbe.
Die dunkle und bedrückende Kulisse wirkt hier sehr lebendig, wird
sie durch das Pfeifen des Windes, dem Plätschern von Wasser und
anderen Geräuschen noch erheblich unterstrichen. Auch wenn das
ganze Abenteuer unter der Erde stattfindet, glänzt Arx Fatalis
durch unzählige unterschiedliche Schauplätze, die über
ganze acht Ebenen verteilt sind und von der recht freundlichen Stadt
Arx über verzweigte Höhlensysteme bis hin zu gefährlichen
Orten wie der Krypta oder dem Nest der Rattenmenschen führen. Wie
dem auch sei, am Anfang tasten wir uns mehr oder weniger durch einige
dunkle Gänge, die hier und da durch einen Lichtspalt beleuchtet
werden. Erst nach dem Durchsuchen einer Leiche sind wir in der Lage
Licht ins Dunkel zu bringen, indem wir die ersten zwei gefundenen Runensteine
benutzen.
Damit lässt sich der erste einfache Zauber bewirken. Die Magie
stellt bei Arx Fatalis einen sehr wichtigen Bestandteil des Spieles
dar, gestaltet sich eine Lösung ohne sie doch äußerst
schwierig. Wie bereits erwähnt, basiert die Ausübung auf Runensteinen,
indem man die Zeichen auf den Steinen in der Luft mit brennenden Lettern
nachahmt. Dazu muss man mit dem Mauszeiger wahrlich die Symbole nachzeichnen,
was sich am Anfang als besonders schwierig darstellt, war man bislang
gewohnt einen gewählten Zauber mit nur einem Mausknopf auszuüben.
Diese aktive Handhabung macht das Zaubern besonders realistisch und
gibt ihm eine besondere Note. Schlichtweg eine geniale Idee, auch wenn
in der Hitze des Gefechts das Zaubern nur wirklich geschickten Spielern
zu empfehlen ist. Zum Glück kann man sich drei Zauber merken und
sie dann doch noch mit nur einem Knopfdruck auslösen. Die Lichteffekte
beim Zaubern und deren Wirkung sind besonders schön anzusehen,
bekommt man die Umgebung dadurch in allen möglichen Lichtvarianten
zu sehen. Besonders erwähnenswert ist an dieser Stelle der Nachtsicht-Zauber,
der uns ermöglicht mit Hilfe der Infravision zu sehen und die ganze
Umgebung in schwarz-rötlichen Farben zeigt.
Sich mit der Magie etwas vertraut gemacht, zünden wir die vorhandenen
Fackeln an und machen uns auf die Suche nach einem Ausweg. Über
einige kleine Umwege hinweg führt uns der Weg in den Goblinaußenposten,
aus dem es zu entfliehen gilt. Viele Goblins machen uns die Sache nicht
leicht, denn mit der mageren Ausrüstung, einer schäbigen Lederhose
und einer Goblinkeule, sind die Kämpfe zunächst nicht ganz
so leicht. So ist es eher ratsam, sich von Schatten zu Schatten zu schleichen,
um mögliche Konfrontationen zu vermeiden. Dabei kommt man eventuell
in den Genuss eines oder mehrerer schlechter Goblinwitze oder gelangt
an einige interessante Informationen.
Die KI der unterschiedlichen NP-Charaktere im Spiel ist erstaunlich
gut gelungen. Die Charaktere besitzen jeweils eine Vielzahl von unterschiedlichen
Verhaltensmustern und erscheinen nicht immer gleich. Auch im Kampf agieren
sie intelligent, sind aggressiv in der Überlegenheit oder ergreifen
in Bedrängnis die Flucht und kehren erst mit Hilfe zurück,
sofern möglich. Grafisch sind sie alle sehr gut gelungen, ob Mensch,
Goblin oder Troll. Gesichtsspiele und passende Stimmen vermitteln ein
gewisses Gefühl der Lebendigkeit.
Sich aus dem Goblinaußenposten bis nach Arx durchschlagend, erfahren
wir einiges über die Welt um uns herum und bekommen einen kleinen
Vorgeschmack auf die umfassenden Dungeons, die noch vor uns liegen.
Diese wurden wahrlich riesig und kompliziert entworfen und weisen sehr
viele Rätsel auf. Wenn ich darüber so nachdenke, dann möchte
ich sogar behaupten, dass der Schwerpunkt dieses Rollenspieles wirklich
auf den Rätseln liegt. Ob einfache Hebelrätsel, mathematische
Kopfnüsse oder komplexe Illusionspassagen, Arx Fatalis bietet alles
was ein echtes Rollenspiel in dieser Hinsicht ausmacht und ist somit
reinen Anfängern nicht unbedingt zu empfehlen. Denn man sieht sich
meistens eher von einer verschlossenen Tür als von irgendeinem
gefährlichen Monster behindert.
Nach einiger Zeit erlangen wir unser Gedächtnis wieder und finden
uns als Mittelpunkt eines dunklen Komplotts zur Erweckung des bösen
Gottes Akbaa wieder. Mehr wird an dieser Stelle aber nicht verraten,
denn schließlich sollten alle Rollenspielbegeisterten das Spiel
selbst ausprobieren. Ein besseres Old-School-RPG in einem fast perfekten
technischen Gewand wird man heute kaum finden. Bei dem mittlerweile
vorliegenden Low-Budget-Preis von nur 9,99€ sieht man über
die mangelnde Charakterauswahl und einige kleine grafische Mängel
großzügig hinweg. Das gute Spieldesign und die tolle düstere
Atmosphäre machen Arx Fatalis zu einem echten Leckerbissen.
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