Black Tiger
Action

Lyrion
April 09
 

Long long ago, three dragons descended from skies above with a rolling thunder and destroyed a kingdom into darkness.
From lenghty suffering and darkness of the kingdom came one brave fighter.

Mit diesen wenigen Worten beginnt Capcoms Action-Spektakel "Black Tiger". Warum die westlichen Lokalisierungen den japanischen Originalnamen "Black Dragon" nicht beibehalten haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Fakt ist aber, dass die japanische Version einen kleinen Tick härter ist. Black Tiger ist auch der Name des barbarischen Helden, der mit gehörntem Helm, glänzender Rüstung und großem Schild eine wirklich sehr imposante Figur abgibt. Mit seinem mächtigen Morgenstern gedenkt er die Schädel der Drachentyrannen zu zertrümmern, deren Herrschaft das Land überschattet.

Schon auf den ersten Blick kann das Spiel direkt den klassischen Plattformern zugeordnet werden. Den schweren, an einer langen Kette befestigten und von Wurfdolch-Salven begleiteten Morgenstern schwingend, erwehrt man sich permanent aller anstürmender oder wie aus dem Nichts auftauchender Gegner, hüpft von einer Plattform zur nächsten und erklettert diverse säulenartige Gebilde, immer den Richtungspfeilen folgend, die den Spieler zum Endkampf des gerade aktuellen Levels dirigieren. Acht relativ verzweigte und gut designte Levels müssen von Black Tiger bewältigt werden, bevor man dem finalen Endgegner, dem schwarzen Drachen gegenübertreten darf. Die primär dunkle Höhlen und alte Gemäuer umfassenden Levels sind mit vielen gemeinen Fallen gespickt, von denen einige, wie z.B. die von oben herabfallenden Felsbrocken, äußerst gefährlich und andere, wie die mit messerscharfen Speeren übersäten Fallgruben, gar direkt tödlich sind. Kämpferisch ist Black Tiger aber zum Glück keine Mimose und kann schon einige Treffer einstecken, bevor er sich geschlagen gibt. Die Anzahl der verkraftbaren Treffer hängt zum einen von der Stärke der Rüstung und zum anderen von der Vitalität ab. Die anfängliche Rüstung verträgt nur zwei Treffer, kann aber im Laufe des Spiels für das hart erkämpfte Geld gegen stärkere mit vier, sechs oder acht Trefferpunkten ausgetauscht werden. Die Vitalität kommt erst zum Einsatz, wenn die Rüstung ganz zerschlagen ist. Von den erspielten Punkten abhängig, verbessert sie sich permanent. Bei häufigem Gebrauch der Continue-Funktion wird man folglich nie viel Vitalität erlangen, daher ist ein vorsichtiges Vorgehen bei diesem doch recht schnellen Action-Spiel der Schlüssel zum Erfolg, auch wenn das Zeitlimit zur Eile drängt. Aber es gibt auch viele Bonus-Items. So gibt es auf dem Weg nicht nur genügend das Zeitkonto aufstockende Sanduhren und Pow-Symbole, welche wie Smartbomben fungieren, auch verschlossene Truhen und versteinerte weise Männer sind überall im Spiel auszumachen. Die alten Weisen sind dabei besonders wichtig, da sie unseren Helden nicht nur gute Ratschläge erteilen, sondern ihm auch neue Ausrüstung, Truhenschlüssel und Gegengifttränke verkaufen. Neben den bereits erwähnten Rüstungen bieten die Weisen auch noch vier stärkere Morgensterne an, die für das Weiterkommen unentbehrlich sind. Spezielle Dungeons, die mit besonders vielen Schätzen aufwarten, lockern das Spiel noch gelegentlich etwas auf.

Vom Schwierigkeitsgrad her ist "Black Tiger" recht moderat ausgefallen, wenn man in die Betrachtung miteinbezieht, dass es sich hierbei um ein Arcade-Spiel handelt. Hat man einmal die wenigen Knackstellen und die richtigen Taktiken für die Bosse stets vor Augen, so wird man relativ zügig weit, wenn nicht sogar bis zum Ende, kommen. Lediglich einige schwierige Sprungpassagen im dritten Level können schon mal für den einen oder anderen barbarischen Fluch gut sein, da sie wirklich eine exakte und pixelgenaue Abfrage verlangen. Ein weiterer etwas negativer Aspekt dieses ansonsten tadellosen Action-Spektakels ist die Wiederholung der Endgegner. Eine bloße Änderung der Farbe wie z.B. bei den drei Drachen ist etwas phantasielos. Mehr Kreativität hätte ich den Entwicklern schon zugestanden. Aber alles andere ist sehr gut gelungen, ob die Steuerung, die Soundkulisse, die Grafik oder die dichte barbarische Atmosphäre, die selbst Conan gut zu Gesicht stehen würde. Daher acht dicke Punkte für dieses tolle Action-Vergnügen.

Auch "Black Tiger" wurde seinerzeit für einige Heimcomputer umgesetzt, unter anderem für den Commodore Amiga und den Atari ST. Auch wenn diese beiden Versionen optisch wirklich gut aussehen, wird man spätestens bei der ersten Bewegung mit Black Tiger merken, dass U.S. Gold mal wieder einen tollen Titel in den Sand gesetzt hat. Ein wirklich hundsmiserables Scrolling und damit verbunden eine grausige Steuerung ersticken den Spielspaß direkt im Keim. Nur jemandem mit der Ausdauer eines Barbaren kann eines dieser Machwerke empfohlen werden. Ich für meinen Teil greife lieber zum Original, das auf einer der "Capcom Classics Collection" mittlerweile zu haben ist, oder weiche viel lieber auf die kleine C-64- Fassung aus. Diese ebenfalls von U.S. Gold vermarktete, aber von Softworx entwickelte Version bietet zwar nur sechs im Design etwas vereinfachte Levels, kaum Hintergründe und eine sehr klein gehaltene und pixelige Grafik, weiß aber mit einer schnellen und flüssigen Spielbarkeit ähnlich dem Original zu überzeugen. Nervig ist hier bloß die Tatsache, dass man während des Springens nicht gleichzeitig mit dem Morgenstern angreifen kann.