Castlevania - Order of Ecclesia
Action-Adventure


Lyrion
Mai 09

 


"Order of Ecclesia" ist das mittlerweile dritte und auch letzte Castlevania-Spiel für den Nintendo DS. Wie bereits die beiden DS-Vorgänger und die drei Castlevania-Spiele für den Game Boy Advance bietet es kompromisslose, mit Adventure-Elementen versehene Vampirhatz auf höchstem Niveau. Einige kleine spielerische Unterschiede drücken dem Spiel aber einen eigenen Stempel auf und lassen es doch wieder einzigartig erscheinen. Das Auffälligste an "Order of Ecclesia" ist die neue Hauptprotagonistin namens Shanoa. Seit Anbeginn der Castlevania-Reihe, die inzwischen mehr als 20 Spiele umfasst, ist es erst das zweite Mal, dass die schwierige Bürde, die Wiederauferstehung des Grafen Dracula zu verhindern, primär einer Frau zufällt. Zusätzlich wird mit diesem Spiel eine Brücke zu den etwas in der Luft hängenden Castlevania-Spielen ohne einen Angehörigen des Belmont-Klans geschlagen und eine weitere Lücke im Gesamtgefüge der langen Castlevania-Erzählung geschlossen.

Als sich die Spur der Blutlinie des berühmten Belmont-Klans, der seit dem frühen Mittelalter mit Hilfe der heiligen Peitsche gegen den immer wiederkehrenden Grafen Dracula kämpft, irgendwann schließlich gänzlich im unvorhergesehenen und verzweigten Verlauf der Geschichte verliert, werden viele neue Organisationen gegründet, die auf der Suche nach einem neuen wirksamen Mittel zur Bekämpfung des Grafen sind. Eine davon ist die so genannte Ecclesia. Der Gründer der Ecclesia, ein gewisser Barlowe, erforschte und entwickelte die Möglichkeit, Dracula mittels von Glyphen zu bekämpfen. Seine Forschung gipfelte letztendlich in der so genannten Dominus-Glyphe, der stärksten Glyphe überhaupt. Um diese neue Kraft aber überhaupt nutzen zu können, bildete er von Kindesalter an zwei spezielle Ecclesia-Krieger aus und bereitete sie auf die bevorstehende Aufgabe vor. Die Namen dieser beiden Krieger lauten Shanoa und Albus. Während Shanoa, primär für die Vernichtung des Grafen Dracula ausgebildet, die einzigartige Fähigkeit besitzt die Kraft der von ihrem Körper aufgenommenen Glyphen zu kanalisieren, kann Albus, der zum Forschungsleiter der Ecclesia und Assistenten von Barlowe wurde, mit seiner verzauberten Schusswaffe Agartha die Glyphenenergie in die Kugeln leiten und so magische Projektile erzeugen. Als Albus einmal vorzeitig von einer Mission zurückkehrt, erfährt er von Shanoa, dass sie während seiner Abwesenheit von Barlowe zur Trägerin der Dominus-Glyphe auserkoren wurde. Da seinem Wissen nach er der Träger von Dominus werden sollte, fühlt sich Albus von seinem Meister belogen und hintergangen. Beim anschließend stattfindenden Ritual zu Shanoas Vorbereitung auf Dominus greift er wütend in die Zeremonie ein, bemächtigt sich gewaltsam der Dominus-Glyphe und löst seine Bindung zu Ecclesia, in deren Obhut sich auch die Urne mit Draculas Überresten befindet, auf. Shanoa, die von Albus gerade bei der Aufnahme der Glyphe gestört wurde, verliert dabei ihr Bewusstsein. Als sie wieder zu sich kommt, fehlt ihr jegliche Erinnerung. So wird sie einige Wochen später nach einem vorbereitenden Training von Barlowe ausgeschickt, um Albus zu finden und die Dominus-Glyphe um jeden Preis zurückzuholen. Die Suche nach ihrem einstigen Mitstreiter, der immer wie ein Bruder zu ihr war, bringt aber nicht nur neue Erkenntnisse über seine Motive und das wahre Wesen der Dominus-Glyphe, sondern auch die ganze Wahrheit über Barlowe und seine Ecclesia-Organisation zutage. Was sich nun genau dahinter verbirgt, sollte der gewilligte Spieler aber schon selbst herausfinden.

Da "Order of Ecclesia" sich wirklich nur im Detail von den anderen Castlevania-Spielen unterscheidet und sich ansonsten genauso spielt wie die oben genannten Vorgänger, will ich mich hauptsächlich auf die neuen Gegebenheiten beschränken. Shanoas Waffen, die Glyphen, sind auf jeden Fall neu, auch wenn ihre Handhabung vom Prinzip her stark an Somas Seelenaufsaugtechnik erinnert. Auch sie müssen erst von Shanoa absorbiert werden, bevor man sie sich zu Nutze machen kann. Drei von ihnen können dann Shanoa nach Belieben als Haupt-, Zweit- und Rückenglyphe zugewiesen werden. Die beiden erstgenannten Glyphen gehen dabei einen so genannten Glyphenverbund ein und sind einzeln für normale und gemeinsam für schnelle Kombinations- und mächtige magische Spezialangriffe zuständig. Die Fähigkeiten der großen Rückenglyphe sind dagegen passiver Natur und bewirken metamorphosische Veränderungen, beschwören einen Helfer herbei oder wirken sich positiv auf die Statuswerte aus. Das Experimentieren mit den zahlreichen Glyphen führt zu vielen neuen Angriffen und Effekten und ist wohl das spielerische Herzstück von "Order of Ecclesia". Neu ist auch das Vorhandensein einer Weltkarte, auf der die einzelnen, meist doch ziemlich linear und nicht allzu lang geratenen Levels nach und nach aufgedeckt werden. Alle vorhandenen Locations dürfen und müssen dann von Shanoa mehrmals aufgesucht werden, denn nicht selten bergen sie Geheimnisse, die man erst später lüften kann. Einer der ersten Orte auf der Landkarte ist ein Dorf, dessen Bewohner von Albus entführt und für sein Experiment missbraucht wurden. Daher muss man überall im Spiel Ausschau nach verschleppten Dorfbewohnern halten und sie aus ihrer misslichen Lage befreien, damit sie in das geheimnisumwitterte Dorf zurückkehren können. Wenn man sie später dort besucht, bedanken sie sich bei Shanoa, indem sie ihr bei ihrer Aufgabe helfen. So erstellt der Heiler neue und stärkere Heilgegenstände, der Schmied neue und bessere Rüstungen, die Näherin neue Stoffkreationen oder man bekommt direkt eine brauchbare Sache in die Hand gedrückt. Allerdings muss man für die betroffenen Personen vorher immer noch etwas besorgen oder eine bestimmte Aufgabe für sie erledigen, wie z.B. Kräuter oder Erze beschaffen, einige spezielle Fotos aufnehmen oder irgendwelche Monster beseitigen. Diese Missionen machen besonders viel Spaß und motivieren ungemein. Neu sind auch die verstreuten Truhen, die je nach Aussehen gewöhnliche oder sehr seltene Gegenstände beherbergen können. Alles andere ist gewohnte Kost, heißt Erfahrungspunkte anhäufen, Treffer-, Magiepunkte und Herzen permanent aufstocken, Gold sammeln sowie Ausschau nach besseren Rüstungsgegenständen, Ringen und den wenigen, aber fürs Weiterkommen äußerst wichtigen Reliquien halten.

Grafisch und akustisch zeigt sich "Order of Ecclesia" natürlich auch von der besten Seite, mit tollen und stimmungsvollen Hintergründen sowie eingängigen und verspielten Melodien. Dazu gesellen sich wirklich abwechslungsreiche und fordernde Bosskämpfe, die wahrlich die ganze Kreativität der Entwickler widerspiegeln. "Order of Ecclesia" ist insgesamt ein wenig anspruchsvoller ausgefallen als die beiden Vorgänger, was allerdings positiv zu werten ist. Zwei geheime Levels und der Albus-Spielmodus, bei dem als einzige Ausnahme die Touchpen-Steuerung zwecks Teleportation benötigt wird, sowie weitere Spielmodi runden das Gesamtpaket dieses gelungenen Castlevania-Spieles ab.