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Den meisten Rollenspielern dürften Chocobos ein Begriff sein. Die
gelben, süßen Vögel hatten Ende der Achtziger in Final
Fantasy 2 ihren ersten Videospielauftritt und sind seitdem ein echtes
Markenzeichen der Serie geworden. Mitte der Neunziger beschloss Square
sich die Beliebtheit der gefiederten Reittiere zu Nutze zu machen und
spendierte ihnen eigene Abenteuer. Dabei wurden von Dungeon-Crawler
bis hin zum Rennspiel die unterschiedlichsten Genres abgedeckt. Mit
Chocobo Tales bekommt der Nintendo DS nun ebenfalls einen Ableger in
Form einer Minispielsammlung.
Unser Held ist natürlich ein Chocobo, der zusammen mit seinen
Freunden auf einer Farm mit der Weißmagierin Shirma wohnt. Als
der Schwarzmagier Croma ein geheimnisvolles Buch, das er auf einer seiner
Reisen erworben hat, öffnet, werden alle erst einmal tüchtig
durchgeschüttelt, denn der Schmöker erweist sich weder als
Quelle neuer Zaubersprüche noch als spannendes Bilderbuch. In Wirklichkeit
handelt es sich hierbei um den versiegelten Dämon Bebuzzu. Dieser
sperrt erst mal alle Chocobos in diverse Märchenbücher ein,
damit die himmlischen Vögel ihm bei seinem Plan, die Macht der
Kristalle zu erlangen, nicht im Wege stehen. Aber wie ihr euch denken
könnt, ist ein Chocobo dem Fluch entkommen. Die ganze Geschichte
ist recht simpel und eigentlich reines Beiwerk, um von einem Minispiel
zum nächsten zu gelangen.
Mit unserem Chocobo wird zunächst die Umgebung der Insel, auf
welcher die Geflügelfarm steht, erkundet. Dabei fallen sofort die
leuchtenden Bücher auf, die verstreut auf dem Boden herumliegen.
Mit ihnen können wir in unterschiedliche Märchen schlüpfen
und daraus inspirierte Minispiele zocken. Die Geschichten sind eigentlich
allseits bekannt, allerdings spielen diesmal Final Fantasy-Charaktere
die Hauptrollen. Die dazugehörigen Spielchen sind meist Denk- oder
Geschicklichkeitseinlagen und perfekt auf die Steuerung mit dem Touchpen
abgestimmt. Mal gilt es ein Labyrinth zu durchqueren, mal ein Puzzle
zu lösen. Jedes Buch hat fünf Schwierigkeitsgrade, wobei in
der Regel nur die dritte oder vierte Stufe gelöst werden muss,
um storyrelevante Ereignisse auszulösen. Wer besonders schnell
oder geschickt ist, bekommt als Belohnung zusätzliche Quests oder
Karten. Karten? Genau, die braucht ihr für die rundenbasierten
Duelle gegen Bebuzzus Untertanen. Das Kampfsystem ist schnell erlernt,
spaßig und eine willkommene Abwechslung. Auf dem Weg quer über
die Insel stolpert man immer wieder über optionale Mikrospiele.
Hierbei handelt es sich um kurze, jedoch knackige Highscore-Spielereien.
Mir haben sie sogar oft besser als die manchmal langweiligen Minispiele
gefallen. Alle bereits gezockten Spiele können auch direkt vom
Startmenü aus angewählt werden. Für Multiplayer gibt
es eine wahre Fülle an Features. So kann man Mikrospiele drahtlos
austauschen und gegeneinander antreten. Wer sich gerne mit anderen Zockern
in seinen Kartenkünsten messen will, kann dies vor Ort oder per
Wi-Fi tun.
Technisch braucht sich Chocobo Tales wirklich nicht zu verstecken.
Feinste 3D-Grafik und ein zuckersüßes Design machen das Spiel
zu einem Augenschmaus. Bei den Kartenkämpfen materialisieren sich
die Monster in Buntstift-Look mit coolem Papierrand. Es fällt sofort
auf, dass mit Story und Grafik vor allem jüngere Spieler angesprochen
werden sollen. Alles wirkt sehr niedlich und selbst Bebuzzus Schergen
verbreiten eher Heiterkeit als Schrecken. Wer jedoch die älteren
Final Fantasy-Spiele kennt, wird sich einige Male ein Schmunzeln nicht
verkneifen können, wenn in Mikrospielen NES-Grafiken der Urserie
verwendet werden.
Wie erwartet werden bekannte Melodien verwendet. So darf natürlich
das beliebte Chocobo-Lied nicht fehlen. Die neuen Stücke können
ebenfalls überzeugen und passen zur freundlichen Atmosphäre.
Die Spielzeit ist mit ca. 10-15 Stunden in Ordnung, je nachdem ob der
Spieler einfach nur die Geschichte flott durchspielt oder sich Zeit
nimmt, um die Bücher komplett zu lösen. Der Schwierigkeitsgrad
ist durchweg einfach, einige Spielchen sind aber vor allem in höheren
Stufen kein Zuckerschlecken. Es kann bequem jederzeit gespeichert werden.
Das Spiel liegt komplett in deutscher Übersetzung vor.
Fazit: Für den DS gibt es ja bereits eine Menge Minispielsammlungen,
diese hier punktet jedoch mit einem Final Fantasy- und Niedlichkeitsbonus.
Wenn nur die Story nicht übertrieben kindgerecht und manche Minispiele
so vermurkst wären. Unter dem Strich bleibt ein witziges, aber
sehr kurzweiliges Spielvergnügen, das für Fans der schrägen
Vögel durchaus zu empfehlen ist.
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