Final Fantasy Fables - Chocobo Tales
Geschicklichkeit


Patricia
Juli 09

 


Den meisten Rollenspielern dürften Chocobos ein Begriff sein. Die gelben, süßen Vögel hatten Ende der Achtziger in Final Fantasy 2 ihren ersten Videospielauftritt und sind seitdem ein echtes Markenzeichen der Serie geworden. Mitte der Neunziger beschloss Square sich die Beliebtheit der gefiederten Reittiere zu Nutze zu machen und spendierte ihnen eigene Abenteuer. Dabei wurden von Dungeon-Crawler bis hin zum Rennspiel die unterschiedlichsten Genres abgedeckt. Mit Chocobo Tales bekommt der Nintendo DS nun ebenfalls einen Ableger in Form einer Minispielsammlung.

Unser Held ist natürlich ein Chocobo, der zusammen mit seinen Freunden auf einer Farm mit der Weißmagierin Shirma wohnt. Als der Schwarzmagier Croma ein geheimnisvolles Buch, das er auf einer seiner Reisen erworben hat, öffnet, werden alle erst einmal tüchtig durchgeschüttelt, denn der Schmöker erweist sich weder als Quelle neuer Zaubersprüche noch als spannendes Bilderbuch. In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um den versiegelten Dämon Bebuzzu. Dieser sperrt erst mal alle Chocobos in diverse Märchenbücher ein, damit die himmlischen Vögel ihm bei seinem Plan, die Macht der Kristalle zu erlangen, nicht im Wege stehen. Aber wie ihr euch denken könnt, ist ein Chocobo dem Fluch entkommen. Die ganze Geschichte ist recht simpel und eigentlich reines Beiwerk, um von einem Minispiel zum nächsten zu gelangen.

Mit unserem Chocobo wird zunächst die Umgebung der Insel, auf welcher die Geflügelfarm steht, erkundet. Dabei fallen sofort die leuchtenden Bücher auf, die verstreut auf dem Boden herumliegen. Mit ihnen können wir in unterschiedliche Märchen schlüpfen und daraus inspirierte Minispiele zocken. Die Geschichten sind eigentlich allseits bekannt, allerdings spielen diesmal Final Fantasy-Charaktere die Hauptrollen. Die dazugehörigen Spielchen sind meist Denk- oder Geschicklichkeitseinlagen und perfekt auf die Steuerung mit dem Touchpen abgestimmt. Mal gilt es ein Labyrinth zu durchqueren, mal ein Puzzle zu lösen. Jedes Buch hat fünf Schwierigkeitsgrade, wobei in der Regel nur die dritte oder vierte Stufe gelöst werden muss, um storyrelevante Ereignisse auszulösen. Wer besonders schnell oder geschickt ist, bekommt als Belohnung zusätzliche Quests oder Karten. Karten? Genau, die braucht ihr für die rundenbasierten Duelle gegen Bebuzzus Untertanen. Das Kampfsystem ist schnell erlernt, spaßig und eine willkommene Abwechslung. Auf dem Weg quer über die Insel stolpert man immer wieder über optionale Mikrospiele. Hierbei handelt es sich um kurze, jedoch knackige Highscore-Spielereien. Mir haben sie sogar oft besser als die manchmal langweiligen Minispiele gefallen. Alle bereits gezockten Spiele können auch direkt vom Startmenü aus angewählt werden. Für Multiplayer gibt es eine wahre Fülle an Features. So kann man Mikrospiele drahtlos austauschen und gegeneinander antreten. Wer sich gerne mit anderen Zockern in seinen Kartenkünsten messen will, kann dies vor Ort oder per Wi-Fi tun.

Technisch braucht sich Chocobo Tales wirklich nicht zu verstecken. Feinste 3D-Grafik und ein zuckersüßes Design machen das Spiel zu einem Augenschmaus. Bei den Kartenkämpfen materialisieren sich die Monster in Buntstift-Look mit coolem Papierrand. Es fällt sofort auf, dass mit Story und Grafik vor allem jüngere Spieler angesprochen werden sollen. Alles wirkt sehr niedlich und selbst Bebuzzus Schergen verbreiten eher Heiterkeit als Schrecken. Wer jedoch die älteren Final Fantasy-Spiele kennt, wird sich einige Male ein Schmunzeln nicht verkneifen können, wenn in Mikrospielen NES-Grafiken der Urserie verwendet werden.

Wie erwartet werden bekannte Melodien verwendet. So darf natürlich das beliebte Chocobo-Lied nicht fehlen. Die neuen Stücke können ebenfalls überzeugen und passen zur freundlichen Atmosphäre.

Die Spielzeit ist mit ca. 10-15 Stunden in Ordnung, je nachdem ob der Spieler einfach nur die Geschichte flott durchspielt oder sich Zeit nimmt, um die Bücher komplett zu lösen. Der Schwierigkeitsgrad ist durchweg einfach, einige Spielchen sind aber vor allem in höheren Stufen kein Zuckerschlecken. Es kann bequem jederzeit gespeichert werden. Das Spiel liegt komplett in deutscher Übersetzung vor.

Fazit: Für den DS gibt es ja bereits eine Menge Minispielsammlungen, diese hier punktet jedoch mit einem Final Fantasy- und Niedlichkeitsbonus. Wenn nur die Story nicht übertrieben kindgerecht und manche Minispiele so vermurkst wären. Unter dem Strich bleibt ein witziges, aber sehr kurzweiliges Spielvergnügen, das für Fans der schrägen Vögel durchaus zu empfehlen ist.