Chrono Trigger
RPG

Minrod
Juni 09
 

Die Zeit ist reif! Mit diesem Slogan erschien endlich auch bei uns das angeblich beste Rollenspiel aller Zeiten. Die Rede ist von "Chrono Trigger". Ursprünglich für den Super Nintendo erschienen, hat es offiziell nie den Weg nach Europa gefunden. Wollte man in den Genuss des Spieles gelangen, musste man zwangsläufig auf einen teuren US-Import zurückgreifen. Bei der ersten Neuauflage, die in aufpolierter Fassung zusammen mit "Final Fantasy 4" in der Compilation "Final Fantasy Chronicles" für die Playstation erschien, verlief es leider auch nicht anders. Damit ist jetzt Schluss, denn nun kann sich jeder von der Qualität dieses sagenumwobenen Schmuckstücks überzeugen. Erneut und diesmal weltweit auf dem Nintendo DS veröffentlicht, überrascht die zweite Neuauflage mit einer getreuen Wiedergabe des Originals. Im Gegensatz zu den zahlreichen 3D-Remakes diverser Final Fantasy-Spiele wurde an "Chrono Trigger" nichts verschlimmbessert. Man hat nach wie vor ein waschechtes Super Nintendo-Spiel vorliegen, das lediglich an das neue Format angepasst und um einige sinnvolle Aspekte ergänzt wurde.

Die bunte Bitmap-Grafik mit den recht großen Sprites, die bereits beim ersten Veröffentlichungstermin der Konkurrenz die Show stahl, kann sich noch immer sehen lassen und vermittelt ein wunderbar unverfälschtes Retro-Gefühl. Als einzige optische Ergänzung wurden dem Spiel prächtige Anime-Sequenzen beigefügt, die das unverwechselbare Charakterdesign von Akira Toriyama noch mehr zur Geltung bringen. Neben einer überarbeiteten englischen Übersetzung - das Spiel wurde nicht eingedeutscht - und einer überflüssigen Stylus-Steuerung bietet die neuste Auflage von "Chrono Trigger" eine Menge an neuen spielerischen Zusatzinhalten. Dazu zählen einige neue Bereiche, Gegner und Items, eine weitere optionale Endsequenz, eine Monsterarena als zusätzliche Multiplayer-Ergänzung via Wi-Fi sowie viele nette Extras wie zum Beispiel die Art Gallery. Somit können sich Kenner des Originals ebenfalls von dieser Neuauflage angesprochen fühlen.

Kommen wir nun zum Spiel selbst, das mir sowohl für das Super Nintendo und seit kurzem auch für den Nintendo DS bekannt ist. Da die Unterschiede zwischen den beiden Fassungen erläutert sind, treffen die nachfolgenden Zeilen auf beide zu.

Der Dreh- und Angelpunkt von "Chrono Trigger" beruht, wie man es sich aufgrund des Titels schon denken kann, auf Zeitreisen. Mit dem Jungen Crono besucht man im Jahr 1000 A.D. das örtliche Jahrmarkttreiben, als im Zusammenhang mit einer neuen Erfindung von Cronos bester Freundin Lucca seine frische weibliche Bekanntschaft Marle in einem Zeitloch verschwindet. Ohne groß nachzudenken hetzt Crono hinterher und stürzt sich ins Abenteuer seines Lebens. Nach einer Rettungsaktion im finsteren Mittelalter und anschließenden Problemen in der Gegenwart gelangen Crono, Marle und Lucca durch scheinbaren Zufall in die Zukunft des Jahres 2300 A.D. Dort finden sie zu ihrem Leidwesen eine völlig zerstörte Welt vor, die den wenigen Überlebenden einer globalen Katastrophe keine positiven Aussichten bietet. Als sie den Grund für die Zerstörung der Welt erfahren, beschließen sie die Zukunft zu ändern und den Verursacher Lavos vorzeitig zu stoppen. Dieses Vorhaben zwingt sie zu zahlreichen Zeitsprüngen, die nach und nach völlig neue Erkenntnisse über die Welt von "Chrono Trigger" offenbaren. Der Kampf gegen Lavos nimmt dabei ständig größere Ausmaße an. Glücklicherweise lernt man auf einer derartigen Reise viele neue Verbündete kennen, so dass sich die Riege an spielbaren Charakteren im Verlauf des Spieles von drei auf sieben erhöht. Sie alle entspringen den unterschiedlichsten Zeitepochen und müssen sich noch nebenher mit eigenen, nicht unbedingt kleinen Sorgen auseinandersetzen. So muss man zum Beispiel der fröhlichen Steinzeitdame Ayla im Kampf gegen die feindlich gesinnten Reptilien beistehen oder die Würde des verfluchten Ritters Frog wiederherstellen. Die Erzählung des Spieles mag vielleicht nicht an die Gewaltigkeit des ein Jahr zuvor erschienenen "Final Fantasy 6" herankommen, hebt sich mit viel Witz und Charme, zahlreichen Andeutungen und nicht zuletzt durch die unübliche Zeitreise-Thematik von der Konkurrenz ab. Die daraus resultierenden Verzwickungen sind immer logisch und nachvollziehbar, was wirklich sehr löblich ist.

Ein besonders hervorstechendes Merkmal von "Chrono Trigger" ist das Kampfsystem, welches komplett auf Zufallsbegegnungen verzichtet. Sofern man sich nicht auf der Weltkarte bewegt, ähnelt das komplett aus der Vogelperspektive dargestellte Spiel dem hauseigenen Action-Rollenspiel "Secret of Mana". Die Gegner sind also immer im Vorfeld zu sehen und greifen erst bei Berührungs-, manchmal auch schon bei Sichtkontakt an. Der eigentliche Kampf läuft auch ohne Wechsel in einen separaten Kampfbildschirm ab, dafür aber rundenbasierend. Hierbei hat man sich am ebenfalls hauseigenen Active Time Battle-System (ATB) der Final Fantasy-Reihe orientiert, so dass "Chrono Trigger" wie ein Mix aus Mana- und Final Fantasy-Spielen wirkt. Ganz kreativ war dies sicherlich nicht, funktioniert in der Praxis jedoch hervorragend. Während der Kämpfe ist neben den Standardaktionen besonders die Combo-Fähigkeit hervorzuheben, bei der zwei oder alle Mitglieder der dreiköpfigen Truppe den oder die Gegner gemeinsam angreifen. Von Fertigkeiten sowie der Zusammensetzung der Gruppe abhängig, lassen sich auf diese Weise mehr als 130 unterschiedliche Team-Angriffe freischalten, die nebenbei noch mit netten optischen Effekten aufwarten.

Für seine Zeit ist "Chrono Trigger" wirklich einmalig und punktet mit extrem viel Abwechslung. Auch technisch kann es voll überzeugen, sowohl damals auf dem Super Nintendo wie auch noch heute auf dem Nintendo DS. Etwas negativ fallen nur die kurzen, in ewiger Schleife ertönenden Melodien auf, die in manchen Fällen ganz schön nerven können. Die 12 bzw. 13 unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten erhöhen den Wiederspielwert nach dem ersten Durchgang, für den man 20 bis 30 Stunden benötigen wird. So wie es sich für mich darstellt, wird "Chrono Trigger" seinem Ruf durchaus gerecht, auch wenn es meiner Meinung nach weder an "Secret of Mana" noch an "Final Fantasy 6" ganz herankommt und mir deshalb im Allgemeinen leicht überbewertet erscheint. Für unseren Award reicht es aber allemal. ;) Wer es bislang verpasst hat, sollte schleunigst zur DS-Neuauflage greifen!