Die Zeit ist reif! Mit diesem Slogan erschien endlich auch bei uns das
angeblich beste Rollenspiel aller Zeiten. Die Rede ist von "Chrono
Trigger". Ursprünglich für den Super Nintendo erschienen,
hat es offiziell nie den Weg nach Europa gefunden. Wollte man in den Genuss
des Spieles gelangen, musste man zwangsläufig auf einen teuren US-Import
zurückgreifen. Bei der ersten Neuauflage, die in aufpolierter Fassung
zusammen mit "Final Fantasy 4" in der Compilation "Final
Fantasy Chronicles" für die Playstation erschien, verlief es
leider auch nicht anders. Damit ist jetzt Schluss, denn nun kann sich
jeder von der Qualität dieses sagenumwobenen Schmuckstücks überzeugen.
Erneut und diesmal weltweit auf dem Nintendo DS veröffentlicht, überrascht
die zweite Neuauflage mit einer getreuen Wiedergabe des Originals. Im
Gegensatz zu den zahlreichen 3D-Remakes diverser Final Fantasy-Spiele
wurde an "Chrono Trigger" nichts verschlimmbessert. Man hat
nach wie vor ein waschechtes Super Nintendo-Spiel vorliegen, das lediglich
an das neue Format angepasst und um einige sinnvolle Aspekte ergänzt
wurde.
Die bunte Bitmap-Grafik mit den recht großen Sprites, die bereits
beim ersten Veröffentlichungstermin der Konkurrenz die Show stahl,
kann sich noch immer sehen lassen und vermittelt ein wunderbar unverfälschtes
Retro-Gefühl. Als einzige optische Ergänzung wurden dem Spiel
prächtige Anime-Sequenzen beigefügt, die das unverwechselbare
Charakterdesign von Akira Toriyama noch mehr zur Geltung bringen. Neben
einer überarbeiteten englischen Übersetzung - das Spiel wurde
nicht eingedeutscht - und einer überflüssigen Stylus-Steuerung
bietet die neuste Auflage von "Chrono Trigger" eine Menge
an neuen spielerischen Zusatzinhalten. Dazu zählen einige neue
Bereiche, Gegner und Items, eine weitere optionale Endsequenz, eine
Monsterarena als zusätzliche Multiplayer-Ergänzung via Wi-Fi
sowie viele nette Extras wie zum Beispiel die Art Gallery. Somit können
sich Kenner des Originals ebenfalls von dieser Neuauflage angesprochen
fühlen.
Kommen wir nun zum Spiel selbst, das mir sowohl für das Super
Nintendo und seit kurzem auch für den Nintendo DS bekannt ist.
Da die Unterschiede zwischen den beiden Fassungen erläutert sind,
treffen die nachfolgenden Zeilen auf beide zu.
Der Dreh- und Angelpunkt von "Chrono Trigger" beruht, wie
man es sich aufgrund des Titels schon denken kann, auf Zeitreisen. Mit
dem Jungen Crono besucht man im Jahr 1000 A.D. das örtliche Jahrmarkttreiben,
als im Zusammenhang mit einer neuen Erfindung von Cronos bester Freundin
Lucca seine frische weibliche Bekanntschaft Marle in einem Zeitloch
verschwindet. Ohne groß nachzudenken hetzt Crono hinterher und
stürzt sich ins Abenteuer seines Lebens. Nach einer Rettungsaktion
im finsteren Mittelalter und anschließenden Problemen in der Gegenwart
gelangen Crono, Marle und Lucca durch scheinbaren Zufall in die Zukunft
des Jahres 2300 A.D. Dort finden sie zu ihrem Leidwesen eine völlig
zerstörte Welt vor, die den wenigen Überlebenden einer globalen
Katastrophe keine positiven Aussichten bietet. Als sie den Grund für
die Zerstörung der Welt erfahren, beschließen sie die Zukunft
zu ändern und den Verursacher Lavos vorzeitig zu stoppen. Dieses
Vorhaben zwingt sie zu zahlreichen Zeitsprüngen, die nach und nach
völlig neue Erkenntnisse über die Welt von "Chrono Trigger"
offenbaren. Der Kampf gegen Lavos nimmt dabei ständig größere
Ausmaße an. Glücklicherweise lernt man auf einer derartigen
Reise viele neue Verbündete kennen, so dass sich die Riege an spielbaren
Charakteren im Verlauf des Spieles von drei auf sieben erhöht.
Sie alle entspringen den unterschiedlichsten Zeitepochen und müssen
sich noch nebenher mit eigenen, nicht unbedingt kleinen Sorgen auseinandersetzen.
So muss man zum Beispiel der fröhlichen Steinzeitdame Ayla im Kampf
gegen die feindlich gesinnten Reptilien beistehen oder die Würde
des verfluchten Ritters Frog wiederherstellen. Die Erzählung des
Spieles mag vielleicht nicht an die Gewaltigkeit des ein Jahr zuvor
erschienenen "Final Fantasy 6" herankommen, hebt sich mit
viel Witz und Charme, zahlreichen Andeutungen und nicht zuletzt durch
die unübliche Zeitreise-Thematik von der Konkurrenz ab. Die daraus
resultierenden Verzwickungen sind immer logisch und nachvollziehbar,
was wirklich sehr löblich ist.
Ein besonders hervorstechendes Merkmal von "Chrono Trigger"
ist das Kampfsystem, welches komplett auf Zufallsbegegnungen verzichtet.
Sofern man sich nicht auf der Weltkarte bewegt, ähnelt das komplett
aus der Vogelperspektive dargestellte Spiel dem hauseigenen Action-Rollenspiel
"Secret of Mana". Die Gegner sind also immer im Vorfeld zu
sehen und greifen erst bei Berührungs-, manchmal auch schon bei
Sichtkontakt an. Der eigentliche Kampf läuft auch ohne Wechsel
in einen separaten Kampfbildschirm ab, dafür aber rundenbasierend.
Hierbei hat man sich am ebenfalls hauseigenen Active Time Battle-System
(ATB) der Final Fantasy-Reihe orientiert, so dass "Chrono Trigger"
wie ein Mix aus Mana- und Final Fantasy-Spielen wirkt. Ganz kreativ
war dies sicherlich nicht, funktioniert in der Praxis jedoch hervorragend.
Während der Kämpfe ist neben den Standardaktionen besonders
die Combo-Fähigkeit hervorzuheben, bei der zwei oder alle Mitglieder
der dreiköpfigen Truppe den oder die Gegner gemeinsam angreifen.
Von Fertigkeiten sowie der Zusammensetzung der Gruppe abhängig,
lassen sich auf diese Weise mehr als 130 unterschiedliche Team-Angriffe
freischalten, die nebenbei noch mit netten optischen Effekten aufwarten.
Für seine Zeit ist "Chrono Trigger" wirklich einmalig
und punktet mit extrem viel Abwechslung. Auch technisch kann es voll
überzeugen, sowohl damals auf dem Super Nintendo wie auch noch
heute auf dem Nintendo DS. Etwas negativ fallen nur die kurzen, in ewiger
Schleife ertönenden Melodien auf, die in manchen Fällen ganz
schön nerven können. Die 12 bzw. 13 unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten
erhöhen den Wiederspielwert nach dem ersten Durchgang, für
den man 20 bis 30 Stunden benötigen wird. So wie es sich für
mich darstellt, wird "Chrono Trigger" seinem Ruf durchaus
gerecht, auch wenn es meiner Meinung nach weder an "Secret of Mana"
noch an "Final Fantasy 6" ganz herankommt und mir deshalb
im Allgemeinen leicht überbewertet erscheint. Für unseren
Award reicht es aber allemal. ;) Wer es bislang verpasst hat, sollte
schleunigst zur DS-Neuauflage greifen!
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