Contra 4 / Contra Dual Spirits
Action


Minrod
Juli 08

 


Das letzte Jahr war für Contra-Fans ein Jahr der Freude, hat Konami doch zum 20-jährigen Bestehen der berüchtigten Söldner-Reihe einen neuen Teil veröffentlicht. Das besondere dabei ist, dass das Spiel sich am Ursprung, den beiden ersten Contra-Spielen, und somit dessen Stärken orientiert. Was einen erwartet, dürfte also klar sein: gnadenlos schwere Action für Profis. Und dies auf dem Nintendo DS, an dem der eher negative Ruf einer Casual-Konsole haftet. Als elftes Spiel der Reihe trägt es den etwas verwirrenden Namen "Contra 4". Laut Hersteller WayForward deshalb, weil es nach "Contra 3" zum ersten Mal wieder das unverfälschte Gefühl des Originalkonzepts vermittelt. Nach dem großartigen dritten Teil entwickelte sich die Reihe weiter, leider nicht immer im positiven Sinne. Viele unnötige zeitgemäße Änderungen machten die einst unkomplizierte Ballerei oft unzugänglich oder ließen sie im Fall des 3D-Wahns lieblos erscheinen. Deshalb war die Vorfreude auf "Contra 4" meinerseits sehr groß. Bedenken hatte ich jedoch bezüglich der Auftragsvergabe an WayForward, denn die amerikanischen Entwickler haben mich mit dem hauseigenen, vielversprechenden "Sigma Star Saga" stark enttäuscht. Wieso hat Konami ein derart wichtiges Projekt in fremde Hände gelegt? Wir wischen diese mittlerweile belanglose Frage beiseite und wenden uns lieber dem eigentlichen Spiel zu, das trotz ursprünglicher Bedenken bombastisch ausgefallen ist.

Die Handlung von "Contra 4" ist im Jahre 2638 angesiedelt, zwei Jahre nach den Ereignissen von "Contra 3". Black Viper, der Kopf einer bösen außerirdischen Streitmacht, dessen Vorhut namens Red Falcon im dritten Teil endgültig besiegt wurde, sucht die Erde mit einer massiven Welle der Zerstörung heim. Die vier besten Soldaten der Menschheit werden daraufhin zum Versteck des Feindes entsandt, um einen vernichtenden Gegenschlag zu verüben. Mit dabei sind die beiden Contra-Veteranen Bill Rizor und Lance Bean sowie die beiden Neuzugänge Mad Dog und Scorpion. Sie unterscheiden sich jedoch nur farblich voneinander und spielen sich ausnahmslos gleich.

Im eigentlichen Arcade-Modus geht es dann sofort hammerhart zur Sache. Im feindlichen Gebiet ausgesetzt muss man genau wie vor 20 Jahren seine Haut teuer verkaufen. Einzig die ansehnliche Bitmap-Grafik sowie die Verteilung des Geschehens auf zwei Bildschirme lassen hier auf ein neues Spiel schließen. Jeder feindliche Treffer führt sofort zum Verlust eines der wenigen Leben und der mitgeführten Feuerwaffe. Eine Erleichterung gegenüber den beinharten Vorlagen bietet nur die neue Upgrade-Fähigkeit des Kampfarsenals, das durch das Aufsammeln zweier gleicher Waffen-Icons erheblich leistungsstärker wird. Besonders die Bosse lassen sich damit viel leichter besiegen, sofern man sie mit einer derartigen Waffe erreicht. Da man hier wie bei "Contra 3" gleich zwei Waffen mit sich führen kann, sollte man sich für die harten Boss-Brocken immer eine passende Kanone in der Hinterhand aufbewahren. Ein Greifhaken, mit dem man besonders hohe Bereiche im Spiel erreicht, ist ebenfalls neu, erleichtert einem das Leben aber in keinster Weise. Eher das Gegenteil ist hier der Fall. Die Stellen, an denen der Einsatz des Greifhakens notwendig ist, sind gewöhnungsbedürftig und stören den ansonsten flüssigen Spielverlauf.

Neun lange Levels sind durchzustehen, will man der Erde erneut Frieden bringen. Darunter befinden sich drei 3D-Spielabschnitte im Stil des ersten Contra-Teils, die die unverwüstliche Plattform-Action auflockern. Als Hommage an die ersten beiden Spiele der Reihe werden etliche bereits bekannte Schauplätze besucht. Der legendäre Wasserfall gehört genauso dazu wie der organische Alien-Stützpunkt. An grafischer Abwechslung mangelt es nicht. Und auch musikalisch zeigt sich das Spiel von seiner allerfeinsten Seite. Die bekannten Contra-Schlachthymnen wurden teilweise neu arrangiert und klingen besser denn je. Technisch gibt es an "Contra 4" nichts auszusetzen. Spielerisch ebenfalls nichts, denn trotz des sehr hohen Schwierigkeitsgrades bleibt das Spiel immer fair. Misserfolge lassen sich wirklich immer auf eigene Fehler zurückführen. Die drei vorhandenen Schwierigkeitsgrade unterscheiden sich primär in der Anzahl der verfügbaren Leben und Continues. Der leichte Schwierigkeitsgrad beinhaltet zudem nur die verbesserten Waffen, endet allerdings schon nach dem siebten Level. Ein simultaner 2-Spieler-Modus ist ebenfalls vorhanden, jedoch nur mit zwei Flash-Karten.

Insgesamt betrachtet ist "Contra 4" wirklich mehr als gelungen. Der etwas zu harte Schwierigkeitsgrad, der aufgesetzte Greifhaken sowie der Mangel an neuen Ideen sprechen jedoch gegen die volle Wertung. Deshalb nur neun Punkte für ein Action-Spektakel, das es so auf dem Nintendo DS bislang nicht gab. Der Gewaltdarstellung und des hohen Schwierigkeitsgrades wegen ist das Spiel jedoch nicht in Europa erschienen. Man muss also zwangsläufig auf den amerikanischen oder japanischen Import, der auf den Namen "Contra Dual Spirits" hört, zurückgreifen.

Eine wichtige Sache habe ich bislang aber noch nicht erwähnt. Neben dem Arcade- gibt es auch einen Challenge-Modus, der erst nach dem Beenden des Spieles freigeschaltet wird. Hier müssen 50 Missionen, die aus Teilabschnitten des Hauptspieles bestehen, unter ganz bestimmten Bedingungen bewältigt werden. Als Dank winken viele Extras wie zusätzliche Spielfiguren, digitale Comics sowie, was am allerwichtigsten ist, die NES-Fassungen der beiden ersten Contra-Spiele. Mit "Contra 4" hält man somit ein wahres Retro-Power-Pack in den Händen!