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Das letzte Jahr war für Contra-Fans ein Jahr der Freude, hat Konami
doch zum 20-jährigen Bestehen der berüchtigten Söldner-Reihe
einen neuen Teil veröffentlicht. Das besondere dabei ist, dass
das Spiel sich am Ursprung, den beiden ersten Contra-Spielen, und somit
dessen Stärken orientiert. Was einen erwartet, dürfte also
klar sein: gnadenlos schwere Action für Profis. Und dies auf dem
Nintendo DS, an dem der eher negative Ruf einer Casual-Konsole haftet.
Als elftes Spiel der Reihe trägt es den etwas verwirrenden Namen
"Contra 4". Laut Hersteller WayForward deshalb, weil es nach
"Contra 3" zum ersten Mal wieder das unverfälschte Gefühl
des Originalkonzepts vermittelt. Nach dem großartigen dritten
Teil entwickelte sich die Reihe weiter, leider nicht immer im positiven
Sinne. Viele unnötige zeitgemäße Änderungen machten
die einst unkomplizierte Ballerei oft unzugänglich oder ließen
sie im Fall des 3D-Wahns lieblos erscheinen. Deshalb war die Vorfreude
auf "Contra 4" meinerseits sehr groß. Bedenken hatte
ich jedoch bezüglich der Auftragsvergabe an WayForward, denn die
amerikanischen Entwickler haben mich mit dem hauseigenen, vielversprechenden
"Sigma Star Saga" stark enttäuscht. Wieso hat Konami
ein derart wichtiges Projekt in fremde Hände gelegt? Wir wischen
diese mittlerweile belanglose Frage beiseite und wenden uns lieber dem
eigentlichen Spiel zu, das trotz ursprünglicher Bedenken bombastisch
ausgefallen ist.
Die Handlung von "Contra 4" ist im Jahre 2638 angesiedelt,
zwei Jahre nach den Ereignissen von "Contra 3". Black Viper,
der Kopf einer bösen außerirdischen Streitmacht, dessen Vorhut
namens Red Falcon im dritten Teil endgültig besiegt wurde, sucht
die Erde mit einer massiven Welle der Zerstörung heim. Die vier
besten Soldaten der Menschheit werden daraufhin zum Versteck des Feindes
entsandt, um einen vernichtenden Gegenschlag zu verüben. Mit dabei
sind die beiden Contra-Veteranen Bill Rizor und Lance Bean sowie die
beiden Neuzugänge Mad Dog und Scorpion. Sie unterscheiden sich
jedoch nur farblich voneinander und spielen sich ausnahmslos gleich.
Im eigentlichen Arcade-Modus geht es dann sofort hammerhart zur Sache.
Im feindlichen Gebiet ausgesetzt muss man genau wie vor 20 Jahren seine
Haut teuer verkaufen. Einzig die ansehnliche Bitmap-Grafik sowie die
Verteilung des Geschehens auf zwei Bildschirme lassen hier auf ein neues
Spiel schließen. Jeder feindliche Treffer führt sofort zum
Verlust eines der wenigen Leben und der mitgeführten Feuerwaffe.
Eine Erleichterung gegenüber den beinharten Vorlagen bietet nur
die neue Upgrade-Fähigkeit des Kampfarsenals, das durch das Aufsammeln
zweier gleicher Waffen-Icons erheblich leistungsstärker wird. Besonders
die Bosse lassen sich damit viel leichter besiegen, sofern man sie mit
einer derartigen Waffe erreicht. Da man hier wie bei "Contra 3"
gleich zwei Waffen mit sich führen kann, sollte man sich für
die harten Boss-Brocken immer eine passende Kanone in der Hinterhand
aufbewahren. Ein Greifhaken, mit dem man besonders hohe Bereiche im
Spiel erreicht, ist ebenfalls neu, erleichtert einem das Leben aber
in keinster Weise. Eher das Gegenteil ist hier der Fall. Die Stellen,
an denen der Einsatz des Greifhakens notwendig ist, sind gewöhnungsbedürftig
und stören den ansonsten flüssigen Spielverlauf.
Neun lange Levels sind durchzustehen, will man der Erde erneut Frieden
bringen. Darunter befinden sich drei 3D-Spielabschnitte im Stil des
ersten Contra-Teils, die die unverwüstliche Plattform-Action auflockern.
Als Hommage an die ersten beiden Spiele der Reihe werden etliche bereits
bekannte Schauplätze besucht. Der legendäre Wasserfall gehört
genauso dazu wie der organische Alien-Stützpunkt. An grafischer
Abwechslung mangelt es nicht. Und auch musikalisch zeigt sich das Spiel
von seiner allerfeinsten Seite. Die bekannten Contra-Schlachthymnen
wurden teilweise neu arrangiert und klingen besser denn je. Technisch
gibt es an "Contra 4" nichts auszusetzen. Spielerisch ebenfalls
nichts, denn trotz des sehr hohen Schwierigkeitsgrades bleibt das Spiel
immer fair. Misserfolge lassen sich wirklich immer auf eigene Fehler
zurückführen. Die drei vorhandenen Schwierigkeitsgrade unterscheiden
sich primär in der Anzahl der verfügbaren Leben und Continues.
Der leichte Schwierigkeitsgrad beinhaltet zudem nur die verbesserten
Waffen, endet allerdings schon nach dem siebten Level. Ein simultaner
2-Spieler-Modus ist ebenfalls vorhanden, jedoch nur mit zwei Flash-Karten.
Insgesamt betrachtet ist "Contra 4" wirklich mehr als gelungen.
Der etwas zu harte Schwierigkeitsgrad, der aufgesetzte Greifhaken sowie
der Mangel an neuen Ideen sprechen jedoch gegen die volle Wertung. Deshalb
nur neun Punkte für ein Action-Spektakel, das es so auf dem Nintendo
DS bislang nicht gab. Der Gewaltdarstellung und des hohen Schwierigkeitsgrades
wegen ist das Spiel jedoch nicht in Europa erschienen. Man muss also
zwangsläufig auf den amerikanischen oder japanischen Import, der
auf den Namen "Contra Dual Spirits" hört, zurückgreifen.
Eine wichtige Sache habe ich bislang aber noch nicht erwähnt.
Neben dem Arcade- gibt es auch einen Challenge-Modus, der erst nach
dem Beenden des Spieles freigeschaltet wird. Hier müssen 50 Missionen,
die aus Teilabschnitten des Hauptspieles bestehen, unter ganz bestimmten
Bedingungen bewältigt werden. Als Dank winken viele Extras wie
zusätzliche Spielfiguren, digitale Comics sowie, was am allerwichtigsten
ist, die NES-Fassungen der beiden ersten Contra-Spiele. Mit "Contra
4" hält man somit ein wahres Retro-Power-Pack in den Händen!
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