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Da das Rollenspielangebot auf der PSP größtenteils aus Remakes
bekannter und erfolgreicher Spiele besteht, konnten sich exklusive Titel
auf Sonys portablem System bisher nur selten behaupten. Die meisten
wurden kurzerhand als ideen- und innovationslos abgestempelt und fielen
daraufhin schnell der Vergessenheit anheim. Das aus Korea stammende
"Astonishia Story 2", das in Japan "Garnet Chronicle"
und in der englischsprachigen Ausgabe "Crimson Gem Saga" heißt,
würde hier wohl keine Ausnahme machen, wäre es nicht derart
schön anzusehen. Die sorgfältig von Hand gezeichneten Hintergrundgrafiken
verschmelzen mit der makellosen Bitmap-Kunst, die überaus verschwenderisch
noch so unbedeutenden Spielelementen eine eigene Animation verpasst,
zu einem Monument einer bunten und teilweise zuckersüßen
Fantasy-Welt. Hier wird wahrlich Augenschmaus in Vollendung geboten,
der mir derart in bisher keinem anderen Rollenspiel begegnet ist. Alleine
schon deshalb ist "Crimson Gem Saga" mehr als nur eines flüchtigen
Blickes würdig.
Fangen wir deshalb ganz am Anfang und zwar mit der Story an. Nach einem
einstimmenden Anime-Intro lässt uns das Spiel in die Rolle des
Green Hill Academy-Absolventen Killian schlüpfen, der als Hauptprotagonist
des Spieles fungiert. Als frischgebackener Chevalier muss er bei der
Abschlusszeremonie mit bitterer Enttäuschung feststellen, dass
er trotz aller Anstrengungen die Schule nur als Zweitbester verlässt
und sich erneut seinem ewigen Kontrahenten Herbert von Guterrian geschlagen
geben muss. Glücklicherweise räumt ihm der Akademieleiter
keine Zeit für müßige Grübeleien ein und entsendet
ihn als Bewerber zu einer benachbarten Eliteschutztruppe. Somit wird
dem malerischen Städtchen Shern Village der Rücken gekehrt
und man macht sich durch die wunderschönsten Landstriche zum benachbarten
Ort Vardenhoff auf. Kurz vor dem Ziel begegnet Killian jedoch einer
Gruppe Schurken, die ein scheinbar harmloses Elfenmädchen bedrängen.
Seinen ritterlichen Instinkten folgend kann er natürlich nicht
anders als der theatralisch gestikulierenden Dame zur Hilfe zu eilen,
nur um im Nachhinein feststellen zu müssen, dass sie ihm zum Dank
die Geldbörse entwendet hat. Dieses überaus witzig dargestellte
Ereignis glänzt nicht nur mit vielen lustigen Charakteranimationen,
sondern stellt auch eine Schlüsselszene in Killians Leben dar.
Denn nachdem er sich über Umwege endlich seiner Einheit anschließt,
wird diese kurzerhand durch einen mysteriösen Mann ausgelöscht.
Und hier tritt erneut die besagte Elfe namens Spinel auf den Plan, die
zur Abwechslung diesmal ihn rettet. Die überaus freche Schatzsucherin
überredet danach den auf Vergeltung sinnenden, edlen, strahlenden
und glorreichen Ritter sie bei ihrer nächsten spannenden Mission
zu begleiten, denn schließlich ist er soooo stark und sie doch
nur ein zartes und zerbrechliches Ding. ^^ Ohne allzu viele Optionen
zu haben, willigt Killian ein, aber nicht ohne vorher die Sache mit
seiner Geldbörse geklärt zu haben, was den Spieler natürlich
erneut zum Schmunzeln verführt. Die besagte Schatzsuche führt
die beiden zum Deadman´s Spire, dem Ort, an dem Killians Einheit
vor ihrer Auslöschung ein überaus wichtiges Artefakt sicherstellen
sollte. Es wird direkt deutlich, dass Spinel mit der Beschaffung des
gleichen Gegenstandes betraut wurde. Nach zahlreichen Zwischenfällen
und mit Hilfe des aufgelesenen Magiers Henson sowie des ebenfalls an
dem Artefakt interessierten Klerikers Gelts können die beiden ihre
Mission erfolgreich abschließen. Bei der anschließenden
Übergabe des blutroten, als Wicked Stone bezeichneten Edelsteins
wird die nunmehr vierköpfige Gruppe von einer Kampfeinheit der
übermächtigen Radiant Crusaders verhaftet, die zu allem Überfluss
von keinem geringeren als Herbert von Guterrian befehligt wird! In Killians
Augen die reinste Katastrophe! Daraufhin werden die vier Gefährten
als Sünder zu lebenslanger Haft verurteilt, da sie laut Anklage
durch das verunreinigte Artefakt verdorben wurden. Als einzige Möglichkeit
zur Rehabilitation wird ihnen die Bergung der restlichen fünf Steine
angeboten. Alternativlos willigen Killian und seine Freunde ein und
reisen unter strenger Aufsicht des Kampfmönchs Lahduk zum Aufenthaltsort
des nächsten Wicked Stones.
Dass die Kirche kein Wohlfahrtsverein ist und nichts Gutes im Schilde
führt, dürfte wohl jeder nach dem Ende des ersten Kapitels
erkannt haben. Der darauf folgende Handlungsstrang, der in drei weiteren
Kapiteln erzählt wird, dürfte deshalb niemanden vom Hocker
reißen. Um die verfluchten Steine dem Einfluss des Bösen
zu entziehen, sucht man ständig nach ihnen, ohne so richtig zu
wissen, wozu sie überhaupt gut sind. Das Geheimnis der Wicked Stones
wird nämlich erst gegen Ende des Spieles enthüllt. "Crimson
Gem Saga" bietet somit eine klassische Geschichte, die in ähnlicher
Form bereits unzählige Male in anderen Rollenspielen Verwendung
fand. Auf den Punkt gebracht ist sie sogar recht kompakt, lebt aber
von den klischeehaften, dafür jedoch sehr liebevoll gestalteten
Charakteren. Zahlreiche Sticheleien und sonstige Auseinandersetzungen
innerhalb der letztendlich sechsköpfigen Gruppe unterhalten bestens
und vermögen die Laune stets aufrecht zu erhalten, so dass hier
keine Langeweile aufkommt.
Spielmechanisch erinnert der Titel wiederum an eine Collage, die aus
den interessantesten Aspekten diverser Vorbilder zu einem neuen Konzept
zusammengefügt wurde. Erwähnenswert ist das Hinterhalt-System,
das es der Gruppe oder den Gegnern erlaubt, noch vor Beginn der ersten
Kampfrunde massiven Schaden auszuteilen. Dieses System setzt natürlich
voraus, dass man die Gegner im Vorfeld sieht und umgekehrt auch von
ihnen gesehen wird. Deshalb sind nervige Zufallskämpfe bei "Crimson
Gem Saga" kein Thema mehr. Überrascht man die sich in wunderschönen
Arealen frei bewegenden Monster von hinten, erlangt man den Hinterhaltsvorteil
für sich. Wird man dagegen von den Gegnern bemerkt, muss man für
die Eröffnung einer neutralen Auseinandersetzung innerhalb einer
kurzen Zeitspanne angreifen, ansonsten fällt der Kampfvorteil den
Monstern zu. Da der Schwierigkeitsgrad des Spieles recht hoch ist, entscheidet
dieses System oft über Sieg und Niederlage. Die Kämpfe selbst
spielen sich wie gewohnt in einzelnen Runden ab, bedienen sich aber
eines auf kritischen Treffern basierenden Combo-Systems, das vom Spieler
eine gut getimte Betätigung der Angriffstaste verlangt. Dieses
Combo-System erlaubt nicht nur mächtige und vor allem MP-unabhängige
Zusatzangriffe, sondern lässt die zahlreichen Kampfhandlungen stets
dynamisch wirken. Ansonsten darf man wie bei allen anderen Rollenspielen
auch auf diverse Items und Spezialfähigkeiten zurückgreifen.
Letztere sind zahlreich vorhanden und müssen charakterbezogen erst
in einem Fähigkeitsbaum aufgedeckt und anschließend bei Bedarf
aktiviert werden. Von Sonderattacken, Angriffs-, Schutz- sowie Heilzaubern
bis hin zu gruppenbezogenen Kombinationstechniken ist hier alles zu
finden, was das Rollenspielgenre jemals hervorgebracht hat. Ein weiterer
wichtiger Aspekt im Bezug auf den Kampf stellt die Affinität zu
vorherrschenden Elementarkräften dar. Sie wird durch getragene
Waffen und Rüstungen beeinflusst, die noch zusätzlich mit
diversen Klunkern und Karten individuell verändert werden können.
Mit der entsprechenden Modifikation kann somit manch ein schwerer Kampf
erheblich zu den eigenen Gunsten gedreht werden. Wenn man dies bedenkt
und sich mit dem Hinterhalt- sowie dem Combo-System bestens vertraut
macht, wird man hier vor keinen unlösbaren Problemen stehen. Der
Schwierigkeitsgrad ist somit als sehr ausgewogen zu bezeichnen, da man
sich nie über-, aber auch nie unterfordert fühlt.
Einen beachtlichen Teil zum Erfolgt eines jeden Rollenspieles tragen
die Dungeons bei. In "Crimson Gem Saga" fallen sie sehr umfangreich,
dafür aber zu monoton und zum Schluss sogar schon ein wenig zu
ausgedehnt aus. Aufgrund der tollen grafischen Inszenierung habe ich
sie dennoch nie als zu langweilig empfunden. Sie beherbergen nicht nur
unterschiedliche Monster, sondern sind auch großzügig mit
Schatztruhen und mit zunehmendem Fortschritt mit diversen Schalterrätseln
ausgestattet.
Über die technische Seite des Spieles könnte ich, wie bereits
im Vorfeld angedeutet, stundenlang Lobeshymnen anstimmen. Die Grafik
ist überwältigend schön, die Animationen schier unendlich.
Vögel fliegen durch die Gegend, Frösche und Küken laufen
einem über den Weg, selbstverständlich mit entsprechender
Geräuschkulisse. Man hat hier anscheinend an jedes noch so winzige
und unbedeutende Detail gedacht, sowohl in optischer als auch in akustischer
Hinsicht. Kein einziger Bewohner dieser bunten Fantasy-Welt gleicht
dem anderen, ein derart hoher Grad an Individualität ist absolut
einzigartig! Das alles wurde wirklich pixelgenau von Hand gezeichnet,
matschige Texturen oder irgendwelche Vektoren sucht man hier vergeblich.
Dasselbe Bild lässt sich ebenfalls im Kampfmodus finden. Jeder
der sechs Charaktere verfügt über ein stattliches Arsenal
an Animationen und frechen Sprüchen, die Spezialattacken ergießen
sich in flächendeckenden Effekten. Musikalisch wird hier ebenfalls
keine Ausnahme gemacht. Alle Stücke sind schön anzuhören,
manche besitzen sogar einen Ohrwurmcharakter. Die wichtigsten Dialoge
wurden synchronisiert und zeugen von einer anständigen Lokalisierung.
Unter technischen Gesichtspunkten lässt sich "Crimson Gem
Saga" einfach nur als perfekt bezeichnen, da auch die bei einem
PSP-Spiel unvermeidbaren Ladezeiten sich niemals negativ bemerkbar machen.
Da alle Aspekte abgehandelt sind, stellt sich zum Schluss nur noch
die Frage der richtigen Bewertung. Wenn man das Spiel mit moderner Konkurrenz
vergleicht, wird einem primär die Geschichte von der Stange übel
aufstoßen, zumal die Handlung minimalistisch und durchschaubar
ist. Geistig labile oder mit einem unheimlich verworrenen Innenleben
ausstaffierte Charaktere sind hier ebenso Mangelware wie die heute überaus
beliebten Psychopaten. Und den Rest hat man mit Ausnahme der tollen
Grafik schon tausende Male in anderen Rollenspielen gesehen. Unter diesen
Gesichtspunkten könnte man das Spiel höchstens überdurchschnittlich
mit sechs Punkten bewerten. Auf der anderen Seite lässt sich "Crimson
Gem Saga" aber als eine Hommage an das klassische 8- und 16-Bit-Rollenspielzeitalter
verstehen, denn schließlich ist die Geschichte nicht unbedingt
schlechter als bei jedem beliebigen Dragon-Quest-Spiel. Spielmechanisch
ist es sehr ausgewogen und technisch brillant, so dass man hier von
einer Liebeserklärung an das klassische Rollenspielgenre sprechen
kann. Aus dieser Sicht sind jedoch maximal acht Punkte gerechtfertigt,
da sich zu den bereits aufgeführten kleinen Mängeln auch noch
einige uninspirierte Bosskämpfe dazugesellen. Und da ich persönlich
diese zweite Meinung vertrete, wird "Crimson Gem Saga" mit
eben acht Punkten bewertet. In diesem Sinne bleibt nur noch zu hoffen,
dass auch andere koreanische Produkte die Grenzen ihres Landes verlassen.
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