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Die recht erfolgreiche Reanimierung der tot geglaubten Dungeon-Crawler
durch "Etrian Odyssey" für den Nintendo DS brachte zwangsläufig
einige Nachahmer mit sich. Dabei sticht das erst einige Monate alte
"The Dark Spire" mit einer künstlerisch wertvollen Präsentation
besonders hervor. Vorwiegend in Schwarztönen mit möglichst
wenigen Farbakzenten gehalten, zaubert es optisch eine richtig düstere
und beklemmende Atmosphäre. Dies alleine war schon Grund genug
für mich, mir die amerikanische Lokalisierung zu importieren.
Die Aufgabe, mit der man bei "The Dark Spire" betraut wird,
entspricht voll und ganz dem klassischen Genreklischee: der böse
Zauberer Tyrhung, der dem Titel des Spieles entsprechend im obersten
Stockwerk eines dunklen Turmes residiert, muss aufgesucht und vernichtet
werden. Zu diesem Zweck darf man sich in der Gilde der Abenteurer eine
vierköpfige Gruppe aus sage und schreibe vier Rassen sowie ganzen
vier Klassen zusammenzimmern. Wenn man dies der Vielseitigkeit eines
"Etrian Odyssey" gegenüberstellt, erscheint einem die
Auswahl mehr als dürftig. Als Rassen stehen einem Menschen, Elfen,
Zwerge und Halblinge zur Verfügung, die in die obligatorischen
Berufe des Kriegers, Diebes, Priesters und Magiers schlüpfen können.
Die Zusammensetzung einer schlagkräftigen Gruppe sollte bei dieser
Auswahl niemandem allzu schwer fallen, so dass man sich nach einer kurzen
Trainingseinheit und nachfolgendem Bummel im ortsansässigen Shop
im düsteren Dungeon wieder findet.
Die bereits erwähnte schicke Darstellung, die bei Bedarf auch
in ganz simple Strichgrafik geändert werden kann (was jedoch nur
extrem harten Retro-Freaks zusagen wird), sowie die recht flotte, an
Castlevania erinnernde musikalische Untermalung überzeugen auf
Anhieb. Unter diesen Gesichtspunkten machen die anfänglich wirklich
harten Kämpfe sehr viel Spaß. Die ersten Schwächen des
Spieles lassen aber nicht lange auf sich warten und offenbaren sich
bereits direkt beim ersten Levelaufstieg.
Zu diesem Zweck muss jedes Mal die Gilde aufgesucht werden, in der
man seine Erfahrungspunkte gegen einen Levelaufstieg eintauscht. Zusätzlich
dürfen hier auch noch die Statuswerte erhöht oder besondere
Fähigkeiten erlernt werden. Anfangs sollte man sich aber definitiv
für einige Levelerhöhungen entscheiden, da man mit zusätzlichen
Lebenspunkten sowie neuen Zaubersprüchen seine Überlebenschancen
deutlich erhöht. Blöd nur, wenn man dabei jedes Mal nur einen
einzigen Lebenspunkt gutgeschrieben kriegt. Anfangs habe ich mir Nichts
dabei gedacht, aber nach 12 Würfen, bei denen die Lebenskraft meiner
Helden immer nur um einen einzigen mickrigen Lebenspunkt erhöht
wurde, roch ich den ersten Bug. Eine kleine Recherche im Internet gab
jedoch sofort Entwarnung. Die Lebenspunkte der Charaktere werden bei
jedem Stufenanstieg komplett neu ausgewürfelt. Ist der neu ermittelte
Wert dabei kleiner als die vorhandenen Lebenspunkte, kriegt man immer
nur einen Gnadenpunkt geschenkt. Da der Lebenspunktberechnung der Erfahrungslevel
des Helden als Multiplikator dient, müsste man, sofern man anfangs
immer nur einen Punkt kassiert hat, rein rechnerisch irgendwann 30 oder
gar 50 Lebenspunkte auf einmal erhalten. Theoretisch ja, praktisch leider
nein, denn bei 98% der Würfe muss man sich mit wirklich nur dem
einen Gnadenpunkt begnügen. Deshalb sollte man vor jedem Levelaufstieg
das Spiel speichern und dann so oft laden, bis man ein vernünftiges
Ergebnis erzielt. Macht man es nicht, wird man zwangsläufig sehr
oft das Zeitliche segnen. Ich kann mich hierbei nicht des Gefühls
erwehren, dass das Programm gezinkte Würfel benutzt, um einen noch
schneller als nötig ins virtuelle Grab zu befördern. Auf jeden
Fall erweist sich diese Tatsache als völlig nervige und unnötige
Spaßbremse.
Etliche Spielstunden und Levelaufstiege später darf man sich aus
dem Pulk teilweise wirklich einfallsloser Subquests einige zur Erschließung
neuer Charakterklassen vornehmen. Durch diverse Kombinationen der vier
Basisberufe lassen sich die Helden daraufhin in den Rang eines Paladins,
Samurais, Ninjas, Waldläufers, Druiden oder Zauberers erheben.
Rein theoretisch zumindest, denn durch die jeweiligen Subquests werden
nur die passenden Berufskombinationen offenbart, die restlichen Voraussetzungen
bleiben im Dunkeln. Dazu gehören nicht nur die benötigten
Erfahrungsstufen in den jeweiligen Berufen, sondern auch bestimmte Statuswerte
und Fähigkeiten. Letztere fallen noch zusätzlich durch einem
extrem hohen Grad an Sinnlosigkeit auf, da sie in den meisten Fällen
nur einmal oder gar überhaupt nicht im Spiel benötigt werden.
Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Spielmechanik undurchsichtig
und unlogisch erscheint.
Die acht großen Dungeons des regulären Spieles machen wiederum
einiges an Boden gut. Sie sind regelrecht vollgestopft mit Fallen, Geheimgängen,
Teleportern, lichtlosen Bereichen sowie anspruchsvollen Rätseln,
die den Streifzug durch den Turm sehr abwechslungsreich gestalten. Die
thematisch recht unterschiedlichen Stockwerke, die in einem Fall von
Schurken und Piraten mitsamt Schiff und Fluss (!) bewohnt werden, in
einem anderen wiederum einen Amazonenstamm und dichten Dschungel beherbergen,
tragen ebenfalls einen Löwenanteil zur Motivation bei. Schließlich
möchte man wissen, welche skurrilen Erlebnisse einen noch erwarten.
Dass der dunkle Turm dabei sehr surrealistisch wirkt und das Spiel nicht
ganz ernst genommen werden kann, erkennt man nicht nur an dem von einem
kleinen Eichhörnchen betriebenen Aufzug (den es erst zu reparieren
gilt), sondern an vielen sonderbaren Aufgaben. In der Regel bauen sie
aufeinander auf und spinnen die immer seltsamer werdende Story weiter.
Problematisch wird es nur, wenn man dabei irgendetwas übersieht.
Dann läuft man regelrecht gegen die sprichwörtliche Wand und
kommt keinen Schritt weiter. Aus derartiger Zwickmühle hilft nur
noch eine Komplettlösung, da das Spiel selbst jegliche Hilfestellung
verweigert. Es sei denn, man ist bereit alles noch einmal gründlich
zu untersuchen, was einen enormen Zeitaufwand mit sich bringt. Deshalb
ist es extrem wichtig, die Suchfunktion von Anfang an ständig zu
benutzen, da vieles erst durch explizite Betrachtung ans Tageslicht
kommt. Gute Englischkenntnisse sind dabei unerlässlich. Die tolle
Musik, die ebenfalls mit ständig neuen Melodien und gegen Ende
sogar mit einem Pseudo-Operngesang aufwartet, wertet die Dungeon-Spaziergänge
noch zusätzlich auf.
Von den zahlreichen Zufallsbegegnungen gibt es wiederum nicht soviel
Positives zu berichten. Auch wenn sie zu Beginn noch sehr fordernd und
unterhaltsam sind, degradieren sie im Verlauf mangels taktischer Möglichkeiten
zum reinen Button Smashing. Und das trotz eines sehr viel versprechenden
Kampfmenüs, das sowohl schnelle, präzise, wilde oder gar ganz
riskante Manöver erlaubt. Dies liegt größtenteils am
unausgewogenen Verhältnis zwischen physischen und magischen Angriffen.
Während die Zaubersprüche mit der Zeit immer stärker
und verheerender werden, erfahren die Nahkampfwaffen eine Abwertung.
Dies hängt mit dem beschränkten Sortiment an Waffen und sonstigen
Ausrüstungsgegenständen zusammen, da sogar der einzige Laden
der Stadt keine neuen Waren bekommt, so dass mit der Zeit auch das erbeutete
Geld nutzlos wird. In Anbetracht der immer stärker werdenden Gegner
verwandeln sich somit die einst guten Schwerter zu Zahnstochern. Aus
diesem Grund sollte man unbedingt sicherstellen, dass im fortgeschrittenen
Spielverlauf wirklich alle vier Charaktere über Zauberkräfte
verfügen. Die Kämpfe gestalten sich dadurch recht einfach,
sind jedoch sehr eintönig, da man später ständig auf
immer dieselben Zauber zurückgreift. Somit ist man in den Kampfphasen
primär mit dem Wegdrücken der unheimlich langsam scrollenden
Texte beschäftigt.
Fazit: Wie man sieht, macht "The Dark Spire" genauso viel
richtig wie falsch, so dass es im Endeffekt nicht ganz überzeugen
kann. Während es optisch, akustisch und atmosphärisch gefällt,
ist es spielmechanisch unausgereift und unnötig kompliziert. Die
diffuse, lückenhafte Story dürfte ebenfalls nicht jedermanns
Geschmack treffen, so dass ich das Spiel nicht einmal Genreliebhabern
uneingeschränkt empfehlen möchte. Der Schwerpunkt liegt eindeutig
auf den teilweise wirklich knackigen Aufgaben, die einen in manchen
Fällen an den Rand der Verzweiflung bringen können. Die beigefügte
Soundtrack-CD macht wiederum etwas gut, so dass ich an "The Dark
Spire" sieben Punkte vergebe, wenn auch recht knapp.
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