"Gods" im Science-Fiction-Gewand! Dieser Ausruf passt auf "Deep
Core" wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Eine kantige
Spielfigur, riesige Sprites sowie ein recht komplexes Leveldesign lassen
das Plattformspiel wie einen Zwilling des gepriesenen Werkes der Bitmap
Brothers erscheinen. Dennoch wird es von zahlreichen Amiga-Spielern als
billige Nachahmung abgestempelt. Meine ersten Erfahrungen mit "Deep
Core" ließen an dieser Aussage jedoch einige Zweifel aufkommen,
weshalb ich es gründlich auf Herz und Nieren testen musste. Das Ergebnis
dieser medizinischen Untersuchung möchte ich euch nun vorstellen.
Captain Downrazor heißt der muskulöse Protagonist des Spieles,
der nach dem Absturz eines unbekannten Objektes im Indischen Ozean in
einer Unterwasser-Forschungsstation für Nukleartechnologie nach
dem Rechten sehen soll. Und was er in den tiefsten Tiefen vorfindet,
dürfte jedem Spieler von Anfang an klar sein: bösartige Aliens,
die mal wieder nichts Besseres im Sinn haben, als die menschliche Rasse
auszulöschen.
Im Taucheranzug und nur mit einer Standardkanone ausgerüstet betritt
man furchtlos die schon zum Teil überflutete Station. Die in vielen
Blautönen gehaltene Grafik fängt die Unterwasser-Atmosphäre
gut ein, die im Zusammenhang mit der sehr großen Spielfigur und
ebenso großen Gegnern sogar ein Gefühl der Klaustrophobie
vermitteln kann, als ob man sich in einem feuchten Sarg aufhalten würde.
Man sollte aber nicht allzu lange bei der Betrachtung der Umgebung verweilen,
da der mitgeführte Sauerstoffvorrat in Form einer Oxygen-Anzeige
stetig abnimmt und im schlimmsten Fall zum Verlust eines der drei Leben
führt. Eile ist jedoch genauso wenig angesagt, da man sonst nicht
allzu weit kommt. Unbedachte Aktionen führen schnell zu unnötigem
Kontakt mit Gegnern und Fallen, dem der recht kurze Energiebalken unseres
Helden in der Regel nicht standhält. Aus diesem Grund mag das Spiel
anfangs auf viele recht schwer wirken.
Mit Umsicht ist es allerdings sehr gut zu handhaben, da Captain Downrazor
als waschechter Militär den Joystickbefehlen vorbildlich gehorcht.
Nach kurzer Zeit darf die Feuerwaffe aufgewertet oder gänzlich
durch eine stärkere ersetzt werden. Diverse Plasma- und Laserkanonen
stehen einem dabei zur Verfügung, die durch das mehrmalige Aufsammeln
des gleichen Symbols gehörig verstärkt werden können.
Beim Wechsel ist jedoch Vorsicht geboten, da jede neu aufgelesene Waffe
immer den schwächsten Feuerlevel aufweist. Zusätzlich dürfen
noch einige Smart-Bombs mit sich getragen werden, die bei Bedarf durch
das Halten des Feuerbuttons aktiviert werden. Da das Inventar jedoch
nur Platz für ganze drei Gegenstände bietet, kann man sie
sich meistens nicht für einen günstigen Zeitpunkt aufsparen,
da zahlreiche Schlüssel, ohne die man nicht weiterkommt, zwangsläufig
aufgesammelt werden wollen. Die Levelgestaltung fällt dabei nicht
so verzweigt wie beim Vorbild aus, um das Auswendiglernen der optimalen
Ablauffolge kommt man hier aber trotzdem nicht herum. Mehrere Anläufe
pro Level sollte man somit einkalkulieren, da unvertraute Gegner und
Hindernisse sowie unnötige Laufstrecken schnell an den Energie-
und Sauerstoffreserven zehren.
Aufgelockert wird die Alien-Jagd durch zahlreiche Bonusräume sowie
einen Jetpack-Abschnitt im dritten Level. Und in diesem trifft man ebenfalls
auf den ersten großen Boss. Leider auch den letzten und somit
einzigen im ganzen Spiel, das mit nur drei Levels insgesamt etwas zu
kurz ausfällt. Als ich den Abspann zu Gesicht bekam, war ich etwas
enttäuscht, da mir "Deep Core" wirklich viel Spaß
gemacht hat. Auch wenn es nicht ganz an das Vorbild herankommt, so ist
es verdammt gut. Musikalisch wird hier leider ebenfalls zu wenig geboten.
Nur der Titelbildschirm weist einen netten Track auf, das Spiel selbst
verzichtet auf jegliche Untermalung.
Für alle, die sich mit dem Spiel etwas schwer tun, hier die Passwörter,
die im Startbildschirm durch das Drücken der Leertaste eingetippt
werden können:
Level 2: Reanimator
Level 3: Psychonaut
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