Dragon Breed
Shoot´em up

Lyrion
September 09

Mit 15 Jahren wurde Kayus bereits zum neuen König des Agamen Imperiums gekrönt. Diese sehr frühe Inthronisation schürte leider auch Missgunst, so dass all die Unzufriedenen einen Komplott schmiedeten und unbedacht das Siegel brachen, das Zambaquo(u)s, den König der Dunkelheit, und seine finstere Macht gefangen hielt. So wurde die Welt erneut mit Fäulnis, Gestank, Krankheit und tiefer Dunkelheit überschwemmt. Zusammen mit Bahamooth, dem Drachen des Lichts, obliegt es nun dem jungen König Kayus sein Reich vor der dunklen Bedrohung und dem nahenden Untergang zu retten. Dies ist die Legende von "Dragon Breed", einem sehr schönen Fantasy-Shooter von Irem aus dem Jahre 1989.

Fly up into the darkness filled with black clouds!

Dies spricht den wagemutigen Spieler an, der es wagt Zambaquo(u)s und seinen zahlreichen Schergen die Stirn zu bieten. Auf dem Rücken des großen Drachen muss man Kayus durch sechs ausgedehnte Action-Spielabschnitte dirigieren und darauf Acht geben, dass er nicht im Kampf zu Schaden kommt. Die Konzentration des Spielers sollte dabei ausschließlich auf Kayus und nicht auf Bahamooth gerichtet werden, denn der Drache ist unsterblich und sein sich dahinschlängelnder, flexibler Drachenkörper kann wirklich jedem Angriff mühelos widerstehen. Diesen großen Vorteil muss man natürlich zu seinen Gunsten nutzen, indem man Kayus vor den Gegnern und deren zielsicheren Geschossen durch geschicktes Manövrieren mit dem langen Drachenkörper schützt. Zusätzlich kann Bahamooths stählerner Schuppenkörper auch als Waffe eingesetzt werden, vorzugsweise um Gegner in Richtung Boden zu drücken und sie auf diese Weise und ohne Kayus einer unnötigen Gefahr auszusetzen zu besiegen. Was sich theoretisch relativ simpel anhört, ist in der Praxis jedoch alles andere als ein leichtes Unterfangen, denn mit fortschreitendem Spielverlauf wird man mit immer gefährlicheren und schnelleren Gegnern konfrontiert. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass man als Spieler oftmals dazu neigen wird sowohl Kayus als auch den unsterblichen Drachen durch unnötige Ausweichmanöver schützen zu wollen, was dann irgendwann zwangsläufig zu einem fatalen Fehler führen wird. Um bei "Dragon Breed" wirklich schnelle Fortschritte machen zu können, muss man sich erst die Tatsache, dass man bloß auf den Drachenreiter achten muss, vollkommen verinnerlichen, auch wenn man hier beide Spielfiguren gleichzeitig steuert. Der Abstieg vom sicheren Drachenrücken, um die sich gelegentlich auf den Bodenplattformen befindlichen Power up´s aufzulesen, sollte zudem nach Möglichkeit unterlassen werden, da etwaige Spaziergänge noch um einiges gefährlicher sind. In der Luft gibt es schließlich genügend Power up´s zum Aufsammeln. Diese gibt es in vier verschiedenen Ausführungen, welche nach der Aufnahme die Körperfarbe und die Kampfeigenschaften des anfangs grünfarbigen Bahamooths beeinflussen. Der rote Drache speit eine sehr starke Flamme, jedoch mit einer begrenzten Reichweite, der silberne Drache verschießt kleine zielsuchende Drachen, der blaue Drache lässt ein wahres Blitzgewitter unterhalb seines gesamten Körpers niedergehen und der goldene Drache attackiert die Gegner mit seinen Schuppen. Die beiden letzten Drachenformen verfügen auch noch über eine spezielle Technik, "Dragon´s coil" genannt, mittels welcher Bahamooth sich zu einem Kreis formt und in seiner blauen Gestalt einen viel stärker konzentrierten Blitzangriff vollführt während er als goldener Drache einen dichten Schutzring um Kayus bildet und eine Rundum-Schuppensalve abfeuert. Zu guter Letzt steht Bahamooth noch der aufladbare Feuerball alias Beamschuss zur Verfügung. Natürlich wird er auch permanent von Kayus mit seiner Armbrust unterstützt. Dessen Schusskraft kann durch die aufeinanderfolgende Aufnahme von gleichfarbigen Power up´s ebenfalls verstärkt werden.

Die Grafiken sind allesamt sehr gelungen und phantasievoll und lassen ein wirklich farbenprächtiges Fantasy-Gemälde vor dem Auge des Spielers entstehen, das von einer guten, aber nicht herausragenden Musik getragen wird. Die Höhenpunkte der einzelnen Spielabschnitte sind jedoch wie so oft die Endgegnerkämpfe. Die Bosse glänzen mit einem zum Teil wahrlich makabren Design und bringen die schnelle Action erst so richtig zum Kochen, zumal sich spätestens bei ihnen das relativ knappe Zeitlimit bemerkbar macht. Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei langsam, aber stetig an. Ab dem fünften Level wird das Spiel schon wirklich schwer und endet am Ende des sechsten Levels im sehr harten Kampf gegen den noch nicht vollständig regenerierten Zambaquo(u)s. Gelingt es dem Spieler den König der Dunkelheit zurück in die ewige Finsternis zu schicken, wird nach diesem glorreichen Kampf das Zeitalter der Drachenbrut endgültig beendet. Nachdem der verletzte Kayus in Sicherheit gebracht wurde, versetzt Bahamooth, der letzte der Drachen, Zambaquo(u)s den finalen Todesstoß und verschwindet selber dabei. Animas, der König des weißen Lichts, welcher den erbitterten Kampf die ganze Zeit über beobachtet hat, erhebt daraufhin Bahamooth in den Himmel und macht ihn zu einem Stern. Danach trennt Animas jegliche Verbindung zwischen dem Himmel und den Menschen, damit sie von nun an alleine auf der Erde herrschen mögen. Kayus, welcher später als der letzte Drachenkönig ("The Last Dragon King") bekannt wurde, lebte und regierte noch ganze zweihundert Jahre. In dem Moment, als der letzte Atem seinen Körper verließ, erschien plötzlich von irgendwoher ein leuchtender Drache, der seine Überreste mit in den Himmel nahm. Dies läutete das Zeitalter der Menschheit ein. Und so endet die Legende von "Dragon Breed".

"Dragon Breed" wurde ziemlich zügig auf viele Heimsysteme adaptiert. Die mir geläufigen Konvertierungen sind die für den Commodore 64, Commodore Amiga und Atari ST. Die Adaption für den kleinen C-64 ist dabei besonders gut für die Verhältnisse des Brotkastens gelungen. Die Programmierer von Digital Design haben einfach nur eine tolle Arbeit abgeliefert: sehr schöne Grafiken, vor allem sauber gezeichnete Hintergründe im ersten und fünften Level, beeindruckend große Bossgegner, auch wenn einige von ihnen, wie zum Beispiel der vierte Boss, stark vereinfacht wurden, einwandfreie Spielbarkeit und nur technisch bedingte Abstriche im Spielumfang und Leveldesign. Auf alle Fälle ist "Dragon Breed" besser geworden als manch andere Arcade-Umsetzung. Etwas auffällig ist noch das Fehlen von Bahamooths Einroll-Fähigkeiten sowie sein andauernd flackernder Körper. Die beiden anderen von Arc Developments entwickelten und daher sich sehr ähnelnden Versionen für den Amiga und den Atari ST weisen natürlich eine buntere und dem Original ähnlichere Grafik auf. Die Atari ST-Fassung sieht dabei meinem Empfinden nach sogar um einiges besser als die recht grobpixelige Amiga-Umsetzung aus, welche die Möglichkeiten der Hardware bei weitem nicht ausreizt. Die Spielbarkeit ist bei beiden Versionen sehr ordentlich, der Schwierigkeitsgrad jedoch um einiges höher als beim Original. Im Gegensatz zur C-64-Version gibt es auf den 16-Bit-Maschinen allerdings eine beschränkte Möglichkeit der Fortsetzung. Unter spielerischen Gesichtspunkten schneidet die Atari ST-Adaption im direkten Vergleich am schlechtesten ab, da Bahamooths Schutzfunktion hier nicht wirklich zuverlässig funktioniert. So kann Kayus auch noch getroffen werden, wenn man ihn mit dem Drachenkörper ausreichend schützt. Dies erschwert unnötig das ohnehin schon recht schwierige Atari ST-Spiel. Dafür gibt es einen Punkt Abzug.