"I´m bad!"
Mit diesem Ausruf bekunden die beiden im Straßenkampf erprobten
bösen Dudes Blade und Striker ihren Sieg über die Endgegner
des sieben Stages umfassenden Spieles "Dragon Ninja" bzw.
"Bad Dudes vs. Dragon Ninja", wie die US-Lokalisierung betitelt
wurde. "Dragon Ninja" ist ein Arcade-Spiel mit böser
Action, bösen Helden und noch böseren Bösewichten, was
es zum Referenzspiel für alle bösen Zocker macht. Alle Zartbesaiteten
sollten daher lieber einen weiten Bogen um dieses Spiel machen und an
dieser Stelle mit dem Lesen aufhören. =)
Die verruchte Organisation mit dem wohlklingenden Namen Dragon Ninja
terrorisiert das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Selbst das
Weiße Haus wird von ihren üblen Machenschaften nicht verschont
und schon bald landet der amerikanische Präsident Ronnie (dies
ist der Spitzname des zum Zeitpunkt des Releases von "Dragon Ninja"
amtierenden Präsidenten Ronald Reagan) in ihren Fängen. Und
da die amerikanische Regierung wohl gar keine Erfahrung mit Ninjas und
deren geheimen Kampfkünsten hat, werden die bösen Dudes auf
sie losgelassen. Diese banale Story soll also die Hau-Drauf-Freudigkeit
der beiden muskelbepackten Straßenkämpfer rechtfertigen.
Das Ganze klingt natürlich recht dürftig, in den 80´er
Jahren hatten aber selbst die meisten amerikanischen Martial Arts-Filme
wie z.B. "American Ninja" kaum eine bessere Hintergrundgeschichte
zu bieten. In solchen Streifen wurden die Ninjas regelrecht als Kanonenfutter
dargestellt, was in dem Machwerk von Data East auch nicht viel anders
ist. Und dies vermittelt eine völlig falsche Vorstellung von der
traditionellen japanischen Ninjutsu-Kampfkunst. So war halt der Geist
der damaligen Zeit und "Dragon Ninja" spiegelt ihn sehr gut
wider.
Gegen die Übermacht der unterschiedlich bewaffneten Ninjas können
die beiden Antihelden auf ihre starken Fäuste und ein breites Spektrum
an Tritten, welche in alle Richtungen wie auch aus dem Sprung heraus
ausgeführt werden können, zurückgreifen. Für einen
besonders starken Angriff kann zusätzlich die Faust mit viel Kraft
aufgeladen und in einem feuerartigen Hieb entladen werden. Das Aufladen
dauert allerdings eine Weile, daher wird man als Spieler wohl nur selten,
vorzugsweise bei den Bossgegnern, von dieser Technik Gebrauch machen.
Viel effektiver sind da schon die schnellen Kicks, mit denen sich die
regelrecht anstürmenden und wie aus dem Nichts auftauchenden Gegner
am sichersten aus dem Weg räumen lassen. Gelegentlich lassen die
besiegten roten Buki Ninjas auch noch ein Messer oder ein Nunchaku fallen,
welche aufgehoben und ebenfalls im Kampf verwendet werden können.
Die anderen Items stocken das Zeitkonto auf oder erfrischen die Lebensenergie.
Der Weg zum Stützpunkt der Ninjas führt erst über die
Straßen einer Großstadt, dann auf einem fahrenden Truck
über den Highway, anschließend durch die Kanalisation und
einen dunklen Wald, bevor es letztendlich auf einem Transportzug in
eine dunkle Höhle geht. Die kräftigen Bosse, welche am Ende
einer jeden Stage lauern, sind wahrlich nicht leicht und brauchen eine
wirklich mächtige Tracht Prügel. Die letzteren von ihnen mutieren
sogar zu richtigen Münzschluckern, denn eine wirksame Verteidigung
gegen ihre starken Angriffe haben die beiden Dudes leider nicht auf
Lager. Erwähnenswert ist noch der feuerspuckende und recht bekannte
Data East-Charakter Karnov, welcher bei "Dragon Ninja" einen
Gastauftritt hat und den schweren Job des ersten Endgegners übernimmt.
Aus heutiger Sicht betrachtet bewegt sich das Spiel sowohl technisch
wie spielerisch im guten Mittelfeld. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
zählte "Dragon Ninja" aber wahrscheinlich zur absoluten
Spitze der Arcade-Spiele und löste, was ich mir sehr gut vorstellen
kann, sicherlich eine wahre Kampfkunst-Euphorie unter den Spielern aus.
Der Spielablauf ist relativ flüssig, trotz der etwas stockenden,
aber gut von der Hand gehenden Steuerung. Die zahlreichen Kampftechniken
dürften seinerzeit wohl für eine sehr hohe Motivation gesorgt
haben. Die Grafik ist ebenfalls recht ordentlich und abwechslungsreich
und die einzig vorhandene In-Game-Musik stimmig zur harten Action. Und
auch wenn "Dragon Ninja" zu den waschechten Klassikern gezählt
werden darf, so kann ich diesem einfach gestrickten und banalen Prügler
doch nicht mehr als sieben Punkte geben.
Es ist vielleicht auch noch interessant zu wissen, dass die Endsequenz
der US-Version von der japanischen abweicht. Zudem wird man im letzten
Kampf der japanischen Fassung nicht zusätzlich von andauernd durchlaufenden
Hunden belästigt wie es in der US-Fassung der Fall ist. Auffällig
ist außerdem das Fehlen des dritten Bosses bei den Credits, der
wahrscheinlich als einziger vergessen wurde und daher von mir als der
namenlose Ninja-Meister bezeichnet wird. Mit seiner Vervielfältigungstechnik
ist er in meinen Augen auf jeden Fall der interessanteste Endgegner
des Spieles.
Da "Dragon Ninja" so erfolgreich war, wurde es auch für
viele Heimsysteme konvertiert. Diese Aufgabe übernahm zum größten
Teil der Hersteller Imagine. Leider wurde Imagine ihrem Slogan "...the
name of the game" nicht bei allen Umsetzungen gerecht. Die mir
bekannten Versionen sind die auf dem Commodore Amiga, Commodore 64 und
ZX Spectrum. Die Amiga-Umsetzung kommt grafisch trotz abgespeckter Animationen
sehr nahe an die Arcade-Vorlage heran, was ein sehr großer Pluspunkt
ist. Aber im spielerischen Bereich heimst gerade diese Version die meisten
Minuspunkte für eine unzumutbare Steuerung ein. Während das
Kämpfen noch einigermaßen gut funktioniert, wollen die Sprünge
überhaupt nicht gelingen, was an manchen Stellen fatal enden kann.
Aus diesem Grund vergebe ich hier drei Punkte. Die nur für einen
Spieler konzipierten Umsetzungen für den C-64 und den ZX Spectrum
müssen mit schlichter Grafik und kleinen Sprites auskommen, überzeugen
jedoch spielerisch und punkten noch zusätzlich im Vorfeld mit einer
sehr schön komponierten Titelmusik. Die schwarz-weiße Spectrum-Version
macht unter dem Aspekt der grafischen Vielfalt dabei die meisten Abstriche,
sie spielt sich aber gut und bietet eine grundsolide Unterhaltung. Die
bunte C-64-Version ist ebenfalls in Ordnung, auch wenn am Anfang die
Steuerung etwas gewöhnungsbedürftig ist. Sechs Punkte sind
mir die beiden kleineren Versionen aber allemal noch wert.
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