Dragon Ninja / Bad Dudes vs. Dragon Ninja
Beat´em up

Lyrion
August 09

"I´m bad!"

Mit diesem Ausruf bekunden die beiden im Straßenkampf erprobten bösen Dudes Blade und Striker ihren Sieg über die Endgegner des sieben Stages umfassenden Spieles "Dragon Ninja" bzw. "Bad Dudes vs. Dragon Ninja", wie die US-Lokalisierung betitelt wurde. "Dragon Ninja" ist ein Arcade-Spiel mit böser Action, bösen Helden und noch böseren Bösewichten, was es zum Referenzspiel für alle bösen Zocker macht. Alle Zartbesaiteten sollten daher lieber einen weiten Bogen um dieses Spiel machen und an dieser Stelle mit dem Lesen aufhören. =)

Die verruchte Organisation mit dem wohlklingenden Namen Dragon Ninja terrorisiert das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Selbst das Weiße Haus wird von ihren üblen Machenschaften nicht verschont und schon bald landet der amerikanische Präsident Ronnie (dies ist der Spitzname des zum Zeitpunkt des Releases von "Dragon Ninja" amtierenden Präsidenten Ronald Reagan) in ihren Fängen. Und da die amerikanische Regierung wohl gar keine Erfahrung mit Ninjas und deren geheimen Kampfkünsten hat, werden die bösen Dudes auf sie losgelassen. Diese banale Story soll also die Hau-Drauf-Freudigkeit der beiden muskelbepackten Straßenkämpfer rechtfertigen. Das Ganze klingt natürlich recht dürftig, in den 80´er Jahren hatten aber selbst die meisten amerikanischen Martial Arts-Filme wie z.B. "American Ninja" kaum eine bessere Hintergrundgeschichte zu bieten. In solchen Streifen wurden die Ninjas regelrecht als Kanonenfutter dargestellt, was in dem Machwerk von Data East auch nicht viel anders ist. Und dies vermittelt eine völlig falsche Vorstellung von der traditionellen japanischen Ninjutsu-Kampfkunst. So war halt der Geist der damaligen Zeit und "Dragon Ninja" spiegelt ihn sehr gut wider.

Gegen die Übermacht der unterschiedlich bewaffneten Ninjas können die beiden Antihelden auf ihre starken Fäuste und ein breites Spektrum an Tritten, welche in alle Richtungen wie auch aus dem Sprung heraus ausgeführt werden können, zurückgreifen. Für einen besonders starken Angriff kann zusätzlich die Faust mit viel Kraft aufgeladen und in einem feuerartigen Hieb entladen werden. Das Aufladen dauert allerdings eine Weile, daher wird man als Spieler wohl nur selten, vorzugsweise bei den Bossgegnern, von dieser Technik Gebrauch machen. Viel effektiver sind da schon die schnellen Kicks, mit denen sich die regelrecht anstürmenden und wie aus dem Nichts auftauchenden Gegner am sichersten aus dem Weg räumen lassen. Gelegentlich lassen die besiegten roten Buki Ninjas auch noch ein Messer oder ein Nunchaku fallen, welche aufgehoben und ebenfalls im Kampf verwendet werden können. Die anderen Items stocken das Zeitkonto auf oder erfrischen die Lebensenergie. Der Weg zum Stützpunkt der Ninjas führt erst über die Straßen einer Großstadt, dann auf einem fahrenden Truck über den Highway, anschließend durch die Kanalisation und einen dunklen Wald, bevor es letztendlich auf einem Transportzug in eine dunkle Höhle geht. Die kräftigen Bosse, welche am Ende einer jeden Stage lauern, sind wahrlich nicht leicht und brauchen eine wirklich mächtige Tracht Prügel. Die letzteren von ihnen mutieren sogar zu richtigen Münzschluckern, denn eine wirksame Verteidigung gegen ihre starken Angriffe haben die beiden Dudes leider nicht auf Lager. Erwähnenswert ist noch der feuerspuckende und recht bekannte Data East-Charakter Karnov, welcher bei "Dragon Ninja" einen Gastauftritt hat und den schweren Job des ersten Endgegners übernimmt.

Aus heutiger Sicht betrachtet bewegt sich das Spiel sowohl technisch wie spielerisch im guten Mittelfeld. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zählte "Dragon Ninja" aber wahrscheinlich zur absoluten Spitze der Arcade-Spiele und löste, was ich mir sehr gut vorstellen kann, sicherlich eine wahre Kampfkunst-Euphorie unter den Spielern aus. Der Spielablauf ist relativ flüssig, trotz der etwas stockenden, aber gut von der Hand gehenden Steuerung. Die zahlreichen Kampftechniken dürften seinerzeit wohl für eine sehr hohe Motivation gesorgt haben. Die Grafik ist ebenfalls recht ordentlich und abwechslungsreich und die einzig vorhandene In-Game-Musik stimmig zur harten Action. Und auch wenn "Dragon Ninja" zu den waschechten Klassikern gezählt werden darf, so kann ich diesem einfach gestrickten und banalen Prügler doch nicht mehr als sieben Punkte geben.

Es ist vielleicht auch noch interessant zu wissen, dass die Endsequenz der US-Version von der japanischen abweicht. Zudem wird man im letzten Kampf der japanischen Fassung nicht zusätzlich von andauernd durchlaufenden Hunden belästigt wie es in der US-Fassung der Fall ist. Auffällig ist außerdem das Fehlen des dritten Bosses bei den Credits, der wahrscheinlich als einziger vergessen wurde und daher von mir als der namenlose Ninja-Meister bezeichnet wird. Mit seiner Vervielfältigungstechnik ist er in meinen Augen auf jeden Fall der interessanteste Endgegner des Spieles.

Da "Dragon Ninja" so erfolgreich war, wurde es auch für viele Heimsysteme konvertiert. Diese Aufgabe übernahm zum größten Teil der Hersteller Imagine. Leider wurde Imagine ihrem Slogan "...the name of the game" nicht bei allen Umsetzungen gerecht. Die mir bekannten Versionen sind die auf dem Commodore Amiga, Commodore 64 und ZX Spectrum. Die Amiga-Umsetzung kommt grafisch trotz abgespeckter Animationen sehr nahe an die Arcade-Vorlage heran, was ein sehr großer Pluspunkt ist. Aber im spielerischen Bereich heimst gerade diese Version die meisten Minuspunkte für eine unzumutbare Steuerung ein. Während das Kämpfen noch einigermaßen gut funktioniert, wollen die Sprünge überhaupt nicht gelingen, was an manchen Stellen fatal enden kann. Aus diesem Grund vergebe ich hier drei Punkte. Die nur für einen Spieler konzipierten Umsetzungen für den C-64 und den ZX Spectrum müssen mit schlichter Grafik und kleinen Sprites auskommen, überzeugen jedoch spielerisch und punkten noch zusätzlich im Vorfeld mit einer sehr schön komponierten Titelmusik. Die schwarz-weiße Spectrum-Version macht unter dem Aspekt der grafischen Vielfalt dabei die meisten Abstriche, sie spielt sich aber gut und bietet eine grundsolide Unterhaltung. Die bunte C-64-Version ist ebenfalls in Ordnung, auch wenn am Anfang die Steuerung etwas gewöhnungsbedürftig ist. Sechs Punkte sind mir die beiden kleineren Versionen aber allemal noch wert.