Dragon Quest 3 / Dragon Warrior 3
RPG

Patricia
September 09
 

Die Rollenspielserie Dragon Quest hatte es außerhalb Japans lange Zeit schwer. Die Probleme begannen bereits bei der Veröffentlichung der ersten vier NES-Teile in den Vereinigten Staaten. Aus rechtlichen Gründen musste der Name in Dragon Warrior umbenannt werden. Die Verkaufszahlen waren trotz aufwendiger Lokalisierung und technischer Verbesserungen nicht zufriedenstellend. Daraufhin wurden die genialen SNES-Nachfolger nur noch in Japan veröffentlicht. Erst ganze zehn Jahre später gab Enix der Reihe in Amerika eine weitere Chance in Form der Game Boy Color-Remakes der ersten drei Teile. Aufgrund dieses glücklichen Umstands kann ich euch heute einiges über ein kleines Rollenspielwunder alias Dragon Quest 3 bzw. Dragon Warrior 3 erzählen.

Bevor die eigentliche Geschichte beginnt, braucht unsere zukünftige Spielfigur einen Namen, einen Geburtstag und ein Geschlecht. Danach müssen moralische Fragen einer geheimnisvollen Stimme beantwortet und im Anschluss eine kleine Quest absolviert werden. Aus dem Ganzen wird anschließend unser Held mitsamt Statuswerten errechnet.

Raus aus den Federn! Am Morgen ihres 16. Geburtstags hat in meinem Fall die zukünftige Heldin eine Audienz beim König. Dort erfährt sie, dass ihr Vater beim Versuch den Dämonenkönig Baramos zu stoppen in den Vulkan gefallen und verschwunden ist. Als legitime Nachfolgerin bekommt sie nun den Auftrag, seine Mission zu vollenden. Da diese Aufgabe im Alleingang einen ganz schön harten Brocken darstellen würde, geht es zuerst in die Taverne. Aus diversen Berufsgruppen können dort bis zu drei willige Mitkämpfer rekrutiert werden:

-Warrior: Besitzt sehr hohe Angriffswerte und kann mit schweren Waffen und Rüstungen umgehen. Dafür ist er langsam und kann auf keine Magie zurückgreifen.
-Fighter: Ein schneller Kämpfer mit guten Angriffswerten. Benötigt wenig Ausrüstung und verfügt ebenfalls über keine Magie.
-Cleric: Der typische Heiler mit überraschend guter Verteidigung.
-Mage: Weist eine große Anzahl an Offensivsprüchen auf, ist jedoch sehr verletzlich.
-Dealer: Der Spezialist für den Handel und somit Items, kann diese untersuchen und bewerten. Zusätzlich sorgt er für eine höhere finanzielle Ausbeute nach den Kämpfen.
-Jester: Ein Witzbold, der fast nie auf Befehle hört. Scheinbar nutzlos, wäre da nicht ein Geheimnis.
-Thief: Durch ihn lassen die Gegner mehr Items fallen. Er ist schnell, aber nicht besonders stark.

Der Bonusberuf Sage wird erst im Verlauf des Spieles freigeschaltet. Er stellt eine Mischung aus Cleric und Mage mit traumhaften Statuswerten dar.

Später wird ein Tempel zugänglich, in dem die Charaktere ab dem 20. Level den ausgeübten Beruf wechseln können. Die Erfahrungsstufen gehen dabei verloren, die Statuswerte werden halbiert und alle gelernten Zaubersprüche beibehalten. Dieses Berufssystem ist nicht allzu komplex, bietet jedoch einige tolle Möglichkeiten. Ein magiekundiger Krieger oder ein blitzschneller Heiler können das Überleben wesentlich erleichtern.

Die ersten Spielstunden verlaufen in klassischer Rollenspielmanier linear. Man bereist andere Städte, kauft neue Ausrüstung, besucht diverse Dungeons, leistet Hilfe und levelt bei Bedarf in rundenbasierten Zufallskämpfen auf. Allzu bald verfügt man über ein stattliches Schiff, das in uns den Forscherinstinkt weckt. Mit dem Kahn lässt sich fast die gesamte riesige Welt mit all ihren Geheimnissen erkunden. Ich habe mich dabei nie verloren gefühlt, da man von Anfang an mit guten Tipps versorgt wird. Und mit der Karte, die bequem mit Select aufgerufen werden kann, ist man über seinen derzeitigen Aufenthaltsstandort immer im Bilde.

Mitten in einem See und von einer Bergkette umschlossen findet man schließlich die scheinbar uneinnehmbare Festung von Baramos. Um Zugang zum Hort des Bösen zu erhalten, ist man auf fremde Hilfe angewiesen, die auf einer eisigen Insel in Form zweier Priesterinnen, die ein heiliges Ei bewachen, zu finden ist. Mit sechs magischen Orbs lässt sich der göttliche Vogel Lamia erwecken, der uns daraufhin seine Gunst erweist. Um die Edelsteine zusammenzutragen, müssen jedoch einige Aufgaben und Rätsel gelöst werden. Diese sind sehr abwechslungsreich und unterhalten vorzüglich. Eine Variante der japanischen Legende um den Jungfrauen verspeisenden Drachen Orochi oder ein Besuch auf einem Geisterschiff sind dabei ebenso enthalten wie eine Solomutprobe. So können letztendlich auch die restlichen weißen Flecken auf der Karte erkundet werden, unter anderem auch Baramos Unterkunft. Nach dem harten Sieg über den Dämonenkönig fängt das Abenteuer aber erst richtig an...

Im letzten Drittel des Spieles wird eine Verbindung zu den beiden ersten Dragon Quest-Spielen hergestellt. Der dritte Teil entpuppt sich dabei als Prequel und somit chronologisch als das allererste Dragon Quest. Wer also schon immer wissen wollte, wie diese kultige Rollenspielreihe ihren Anfang nahm, ist hier goldrichtig.

Das Gameplay bleibt stets schnörkellos und übersichtlich. Trotzdem gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken. Der Tag-/Nachtrhythmus ist essentiell für das Lösen vieler Rätsel. Während nachts viele Bewohner schlafen, quellen die Tavernen vor lauter Gästen über und draußen treiben sich besonders viele Monster herum. Der Held hat einen ungewöhnlichen Zauberspruch auf Lager. Mit "Remember" kann er ein gerade geführtes Gespräch aufzeichnen und jederzeit abrufen. Dies ist sehr praktisch, wenn zum Beispiel ein Kinderreim angeblich irgendetwas mit dem nahgelegenen Dungeon zu tun hat. Gespeichert werden kann nur in Schlössern, im Freien ist aber auch eine Schnellspeicherung möglich.

Grafisch gibt es bei Dragon Quest 3 nichts zu bemängeln. Die farbenfrohe Welt ist voller Details und lädt zum Erkunden ein. Da die Kämpfe aus der Egoperspektive gezeigt werden, sind vor allem die großen und abwechslungsreichen Monster-Sprites erwähnenswert. Die niedlichen Schurken aus der Feder des Manga-Zeichners Akira Toriyama wurden sogar mit individuellen Animationen aufgewertet. Die Musik beinhaltet viele bekannte Dragon Quest-Stücke, die perfekte Untermalung für ein heroisches Abenteuer garantieren.

Die technisch angepasste Game Boy Color-Umsetzung wurde gegenüber dem NES-Original um einige Zusatzinhalte erweitert. Das Intro des nur in Japan erschienenen SNES-Remakes ist ebenfalls enthalten wie ein Bonus-Dungeon mit einem ultimativen Endgegner. Diverse Nebenquests und Ablenkungen wie zum Beispiel Monsterringkämpfe sowie Pachisi-Spielbretter laden zu einer Verschnaufpause ein. Mit dem Sammeln von Tiny-Medals und Monstermedaillen könnte man Stunden verbringen.

Fazit: Kaum zu glauben, aber nach den ersten beiden eher simpel gestrickten Dragon Quest-Teilen hat Enix mit dem dritten Ableger ein echtes Epos und den Anfang einer Legende geschaffen. Die unkomplizierte Steuerung und der gut ausbalancierte Schwierigkeitsgrad überzeugen ebenso wie der stattliche Umfang. Dragon Quest 3 ist einfach eine runde Sache, die dauernd motiviert, voller Überraschungen steckt und sich nie zu Ernst nimmt. Ein absolutes Muss für Liebhaber klassischer Rollenspielkultur!