Fatal Fury - King of Fighters
Beat´em up

Lyrion
März 09
 

Mit "Fatal Fury" bzw. "Garou Densetsu", was soviel wie die Legende vom hungrigen Wolf bedeutet, legte SNK (Shin Nihon Kikaku) den Grundstein für ihre zahlreichen, auf der ganzen Welt populären Prügelspiele, von denen nicht wenige heutzutage einen absoluten Kultstatus genießen. Ganz vorne auf der Beliebtheitsskala findet man natürlich auch die letzten Ableger der Fatal Fury-Reihe. Der hier zur Debatte stehende erste Teil mit dem Untertitel "King of Fighters" bzw. "Shukumei no Tatakai" kann selbstverständlich nicht mit den späteren Releases von SNK mithalten, aber er setzte seinerzeit neue Maßstäbe und war wegweisend für die nachfolgenden Spiele. Aus diesem Grund ist er ein Pflichttitel für alle Liebhaber klassischer 2D-Beat´em up´s und diejenigen, die es noch werden wollen.

Die Hauptprotagonisten des Spieles sind die beiden Brüder Terry und Andy Bogard. Sie sind hinter dem skrupellosen Verbrecherboss Geese Howard her, welcher ihren Vater auf dem Gewissen hat. Aus diesem Grund nehmen sie am King of Fighters-Turnier teil, bei dem sie Geese Howards rechte Hand, den Champion Billy Kane, herausfordern und schlagen möchten, in der Hoffnung auf diese Weise Geese Howard aus der Reserve locken zu können. Unterstützung erhalten Terry und Andy von ihrem Freund, dem Thaiboxer Joe Higashi, der Geese zu Fall bringen will, um selber der weltbeste Kämpfer zu werden.

Terry, Andy und Joe sind entsprechend der dürftigen Story die einzigen spielbaren Charaktere, was in Anbetracht anderer Beat´em up´s wie z.B. "Street Fighter 2" etwas mager ist. Die drei zornigen Kämpfer sind aber wirklich gut durchdacht und in ihren Kampfstilen sehr unterschiedlich konzipiert, so dass sie doch ein relativ großes Maß an Abwechslung bieten. Etwas negativ ist wiederum die Tatsache, dass bei "Fatal Fury" nur drei Buttons belegt sind: einer zum Schlagen, einer zum Treten und einer zum Werfen. Dies ist ebenfalls etwas arg wenig im direkten Vergleich mit der oben genannten Konkurrenz und bietet wenig Spielraum für vielfältige Kombos. Aber immerhin verfügt jeder der drei Kämpfer über ein gutes Repertoire an Specials, welche standardmäßig mittels bestimmter Tastenabfolgen ausgelöst werden und relativ gut von der Hand gehen. Weitere Punkte, die das Spiel in einem etwas faden Licht erscheinen lassen, sind der relativ geringe Umfang und der harte Schwierigkeitsgrad. Zusammen mit Geese Howard und dem Bo-Kämpfer Billy Kane gibt es bloß acht Kontrahenten zum Vermöbeln. Die anderen sechs sind der Capoeira-Kämpfer Richard Meyer, der Boxer Michael Max, der mutierende Kung-Fu-Opa Tung Fu Rue, der Punker Duck King , der Muay-Thai Hwa Jai und der Wrestler Raiden. Während der erste Kampf noch ziemlich leicht zu bewältigen ist, wird man spätestens ab dem dritten schon gehörig ins Schwitzen kommen. Und bei den letzten beiden Kämpfen gegen Billy Kane und Geese Howard kann man sich schon die Zähne am Gamepad ausbeißen. Ohne eintönige Strategie und etwas Glück sind diese kaum zu schaffen, es sei denn man gehört zu den begnadeten oder besessenen Beat´em up-Spielern. Auf diese Weise wird das recht kurze Spiel künstlich in die Länge gezogen. Abwechslung zwischen jedem zweiten Kampf bietet eine witzige Bonus-Runde, in der man sich beim Armdrücken gegen einen Spielautomaten versuchen darf. Unabhängig vom Erfolg in der Bonus-Runde bekommt die Spielfigur danach einen neuen Special-Move.

Auch wenn "Fatal Fury" spielerisch nicht ganz so stark ausgefallen ist, punktet es dafür in anderen Belangen, vor allem in der technischen Darbietung. Angefangen beim Auswahlbildschirm mit dem kurzen, aber recht kultigen Sound wird vor allem das Auge mit schönsten Grafiken verwöhnt. Bei den zum Teil stark animierten und mit sehr vielen Details versehenen Hintergründen, die bei jeder Kampfrunde in einem anderen Tageslicht erstrahlen, muss sich damals wohl jedem Betrachter die Netzhaut vom Auge gepellt haben. =) Heutzutage gehört derartiges zum Standard eines jeden Beat´em up´s, das in der oberen Liga mitspielen möchte. Dieser Standard wurde aber eindeutig von SNK mit "Fatal Fury" begründet. Animationen der Kampftechniken sowie der Sound im Allgemeinen sind bei "Fatal Fury" ebenfalls als sehr gut zu bezeichnen, weshalb das Spiel von der technischen Seite her betrachtet anfangs jedem anderen Prügler die Show stahl.

Ebenfalls neu war damals der Einsatz von zwei Spielebenen, zwischen denen ständig gewechselt werden kann, z.B. um einem Angriff auszuweichen. Auch wenn diese Idee vom Prinzip her nett ist, so kann der häufige Wechsel der Ebenen schon mal für etwas Verwirrung sorgen oder gar nerven. Und auch der kooperative Team-Modus, bei dem man zu zweit gegen einen der acht Kontrahenten vorgehen kann, wirkt etwas unausgereift. Dieser wurde aber später in der King of Fighters-Reihe, welche in der Story und dem Untertitel von "Fatal Fury" ihren Ursprung hat, perfektioniert.

Wie die meisten erfolgreichen Arcade-Spiele wurde auch "Fatal Fury - King of Fighters" für die damals aktuellen Heimkonsolen konvertiert, zum einen für das Super Nintendo und zum anderem für das Sega Mega Drive. Beide Versionen wurden von Takara portiert und sind viel schlechter als das Original, um es gleich zu sagen. Ich habe mir einst "Fatal Fury" für das Super Nintendo geholt und bin ganz und gar nicht glücklich mit diesem Spiel geworden. Durch die selbst für SNES-Verhältnisse relativ grobe und pixelige Grafik hat das Spiel nämlich sehr viel von seiner tollen Atmosphäre verloren. Und das Weglassen der zweiten Spielebene sowie das Ersetzen der originalen Bonus-Stages durch das Kaputthauen von Autoreifen sprechen auch nicht für eine sehr gelungene Umsetzung. Aber das alles ist noch einigermaßen in Ordnung im Vergleich zur Mega Drive-Version. Da wurden nicht nur die Bonus-Runden, sondern auch gleich die beiden Gegner Hwa Jai und Billy Kane gänzlich wegrationalisiert! Sie tauchen nur noch in der Hintergrundgrafik auf. Stattdessen muss man gegen seine beiden Mitstreiter antreten. Immerhin existieren hier die beiden Spielebenen. Bei der schlechteren Steuerung und lahmeren Spielgeschwindigkeit tröstet dies jedoch recht wenig. Und bessere Grafiken konnte man auch schon früher auf dem Mega Drive bewundern. Dasselbe gilt für die Musik und die absolut haarsträubende Sprachausgabe, die sich sehr kindlich anhört und so gar nicht zu den harten Kämpfern passt. Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich mich damals für die spielerisch etwas bessere SNES-Version entschieden habe. Trotzdem, wenn man "Fatal Fury" haben muss, dann am besten im Original, und das kann man heutzutage günstig zusammen mit noch einigen anderen SNK-Spielen als "SNK Arcade Classics Vol. 1" oder "Fatal Fury Battle Archive Vol. 1" erwerben.