Mit "Fatal Fury" bzw. "Garou Densetsu", was soviel
wie die Legende vom hungrigen Wolf bedeutet, legte SNK (Shin Nihon Kikaku)
den Grundstein für ihre zahlreichen, auf der ganzen Welt populären
Prügelspiele, von denen nicht wenige heutzutage einen absoluten Kultstatus
genießen. Ganz vorne auf der Beliebtheitsskala findet man natürlich
auch die letzten Ableger der Fatal Fury-Reihe. Der hier zur Debatte stehende
erste Teil mit dem Untertitel "King of Fighters" bzw. "Shukumei
no Tatakai" kann selbstverständlich nicht mit den späteren
Releases von SNK mithalten, aber er setzte seinerzeit neue Maßstäbe
und war wegweisend für die nachfolgenden Spiele. Aus diesem Grund
ist er ein Pflichttitel für alle Liebhaber klassischer 2D-Beat´em
up´s und diejenigen, die es noch werden wollen.
Die Hauptprotagonisten des Spieles sind die beiden Brüder Terry
und Andy Bogard. Sie sind hinter dem skrupellosen Verbrecherboss Geese
Howard her, welcher ihren Vater auf dem Gewissen hat. Aus diesem Grund
nehmen sie am King of Fighters-Turnier teil, bei dem sie Geese Howards
rechte Hand, den Champion Billy Kane, herausfordern und schlagen möchten,
in der Hoffnung auf diese Weise Geese Howard aus der Reserve locken
zu können. Unterstützung erhalten Terry und Andy von ihrem
Freund, dem Thaiboxer Joe Higashi, der Geese zu Fall bringen will, um
selber der weltbeste Kämpfer zu werden.
Terry, Andy und Joe sind entsprechend der dürftigen Story die
einzigen spielbaren Charaktere, was in Anbetracht anderer Beat´em
up´s wie z.B. "Street Fighter 2" etwas mager ist. Die
drei zornigen Kämpfer sind aber wirklich gut durchdacht und in
ihren Kampfstilen sehr unterschiedlich konzipiert, so dass sie doch
ein relativ großes Maß an Abwechslung bieten. Etwas negativ
ist wiederum die Tatsache, dass bei "Fatal Fury" nur drei
Buttons belegt sind: einer zum Schlagen, einer zum Treten und einer
zum Werfen. Dies ist ebenfalls etwas arg wenig im direkten Vergleich
mit der oben genannten Konkurrenz und bietet wenig Spielraum für
vielfältige Kombos. Aber immerhin verfügt jeder der drei Kämpfer
über ein gutes Repertoire an Specials, welche standardmäßig
mittels bestimmter Tastenabfolgen ausgelöst werden und relativ
gut von der Hand gehen. Weitere Punkte, die das Spiel in einem etwas
faden Licht erscheinen lassen, sind der relativ geringe Umfang und der
harte Schwierigkeitsgrad. Zusammen mit Geese Howard und dem Bo-Kämpfer
Billy Kane gibt es bloß acht Kontrahenten zum Vermöbeln.
Die anderen sechs sind der Capoeira-Kämpfer Richard Meyer, der
Boxer Michael Max, der mutierende Kung-Fu-Opa Tung Fu Rue, der Punker
Duck King , der Muay-Thai Hwa Jai und der Wrestler Raiden. Während
der erste Kampf noch ziemlich leicht zu bewältigen ist, wird man
spätestens ab dem dritten schon gehörig ins Schwitzen kommen.
Und bei den letzten beiden Kämpfen gegen Billy Kane und Geese Howard
kann man sich schon die Zähne am Gamepad ausbeißen. Ohne
eintönige Strategie und etwas Glück sind diese kaum zu schaffen,
es sei denn man gehört zu den begnadeten oder besessenen Beat´em
up-Spielern. Auf diese Weise wird das recht kurze Spiel künstlich
in die Länge gezogen. Abwechslung zwischen jedem zweiten Kampf
bietet eine witzige Bonus-Runde, in der man sich beim Armdrücken
gegen einen Spielautomaten versuchen darf. Unabhängig vom Erfolg
in der Bonus-Runde bekommt die Spielfigur danach einen neuen Special-Move.
Auch wenn "Fatal Fury" spielerisch nicht ganz so stark ausgefallen
ist, punktet es dafür in anderen Belangen, vor allem in der technischen
Darbietung. Angefangen beim Auswahlbildschirm mit dem kurzen, aber recht
kultigen Sound wird vor allem das Auge mit schönsten Grafiken verwöhnt.
Bei den zum Teil stark animierten und mit sehr vielen Details versehenen
Hintergründen, die bei jeder Kampfrunde in einem anderen Tageslicht
erstrahlen, muss sich damals wohl jedem Betrachter die Netzhaut vom
Auge gepellt haben. =) Heutzutage gehört derartiges zum Standard
eines jeden Beat´em up´s, das in der oberen Liga mitspielen
möchte. Dieser Standard wurde aber eindeutig von SNK mit "Fatal
Fury" begründet. Animationen der Kampftechniken sowie der
Sound im Allgemeinen sind bei "Fatal Fury" ebenfalls als sehr
gut zu bezeichnen, weshalb das Spiel von der technischen Seite her betrachtet
anfangs jedem anderen Prügler die Show stahl.
Ebenfalls neu war damals der Einsatz von zwei Spielebenen, zwischen
denen ständig gewechselt werden kann, z.B. um einem Angriff auszuweichen.
Auch wenn diese Idee vom Prinzip her nett ist, so kann der häufige
Wechsel der Ebenen schon mal für etwas Verwirrung sorgen oder gar
nerven. Und auch der kooperative Team-Modus, bei dem man zu zweit gegen
einen der acht Kontrahenten vorgehen kann, wirkt etwas unausgereift.
Dieser wurde aber später in der King of Fighters-Reihe, welche
in der Story und dem Untertitel von "Fatal Fury" ihren Ursprung
hat, perfektioniert.
Wie die meisten erfolgreichen Arcade-Spiele wurde auch "Fatal
Fury - King of Fighters" für die damals aktuellen Heimkonsolen
konvertiert, zum einen für das Super Nintendo und zum anderem für
das Sega Mega Drive. Beide Versionen wurden von Takara portiert und
sind viel schlechter als das Original, um es gleich zu sagen. Ich habe
mir einst "Fatal Fury" für das Super Nintendo geholt
und bin ganz und gar nicht glücklich mit diesem Spiel geworden.
Durch die selbst für SNES-Verhältnisse relativ grobe und pixelige
Grafik hat das Spiel nämlich sehr viel von seiner tollen Atmosphäre
verloren. Und das Weglassen der zweiten Spielebene sowie das Ersetzen
der originalen Bonus-Stages durch das Kaputthauen von Autoreifen sprechen
auch nicht für eine sehr gelungene Umsetzung. Aber das alles ist
noch einigermaßen in Ordnung im Vergleich zur Mega Drive-Version.
Da wurden nicht nur die Bonus-Runden, sondern auch gleich die beiden
Gegner Hwa Jai und Billy Kane gänzlich wegrationalisiert! Sie tauchen
nur noch in der Hintergrundgrafik auf. Stattdessen muss man gegen seine
beiden Mitstreiter antreten. Immerhin existieren hier die beiden Spielebenen.
Bei der schlechteren Steuerung und lahmeren Spielgeschwindigkeit tröstet
dies jedoch recht wenig. Und bessere Grafiken konnte man auch schon
früher auf dem Mega Drive bewundern. Dasselbe gilt für die
Musik und die absolut haarsträubende Sprachausgabe, die sich sehr
kindlich anhört und so gar nicht zu den harten Kämpfern passt.
Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich mich damals für die spielerisch
etwas bessere SNES-Version entschieden habe. Trotzdem, wenn man "Fatal
Fury" haben muss, dann am besten im Original, und das kann man
heutzutage günstig zusammen mit noch einigen anderen SNK-Spielen
als "SNK Arcade Classics Vol. 1" oder "Fatal Fury Battle
Archive Vol. 1" erwerben.
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