Final Fantasy 3
RPG


Lyrion
Juli 08

 


Bis vor einigen Monaten war "Final Fantasy 3" das einzige Spiel der Reihe, das im Gegensatz zu allen anderen Final Fantasy-Teilen noch nie in irgendeiner Form, sei es als Original, Neuauflage oder Konvertierung, außerhalb von Japan veröffentlicht wurde, und selbst im Land des Lächelns war es bis dato nur als das NES-Original aus dem Jahre 1990 zu haben. Damit ist nun aber endgültig Schluss, denn bedingt durch den Siegeszug des Nintendo DS hat sich Square Enix dazu entschlossen endlich diese Lücke zu schließen und "Final Fantasy 3" exklusiv in einer komplett überarbeiteten 3D-Fassung weltweit auf dieser kleinen Konsole herauszubringen.

Von der Story her schlägt der dritte Teil in die gleiche Kerbe wie die Vorgänger und auch viele andere ähnliche japanische Rollenspiele, nur halt mit etwas anderen Schwerpunkten bzw. Nuancen. Es geht mal wieder um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, um das Licht und die Dunkelheit, um das Gleichgewicht bzw. die Harmonie zwischen den beiden und um das ewige Nichts, das alles zu verschlingen droht. Und nur die Macht der Hoffnung vermag sich dieser übermächtigen Kraft entgegenzustellen. Es wird hier also ein sehr philosophisches, wenn nicht sogar ein wenig religiöses Thema behandelt, welches geschickt in ein unterhaltendes Medium verpackt wurde. Aus dieser Sicht betrachtet ist auch "Final Fantasy 3" als ein relativ lehrreiches Phantasie-Abenteuer zu werten, das den Spielern gewisse Werte auf der Basis der Unterhaltung vermitteln möchte.

Das Abenteuer beginnt mit einem großen Erdbeben. Durch dieses sollten die vier Kristalle, welche das Licht der Welt darstellen, vernichtet und somit der Weg der Dunkelheit geebnet werden, was jedoch der dunklen Macht nicht gänzlich gelungen ist. Die Kristalle, für das weltliche Gleichgewicht mitverantwortlich, wählen in dieser dunklen Stunde vier Krieger des Lichts aus, auf deren Schultern die schwere Bürde lastet die Weltordnung wiederherstellen zu müssen. Später im Spiel erfährt man auch, dass vor 1000 Jahren bereits ein ähnlicher Vorfall die Welt beinahe zerstörte, jedoch war es damals genau umgekehrt. Die Dominanz des Lichtes hatte die Dunkelheit nahezu ganz verdrängt, und nur durch den Kampf der vier auserwählten Ritter der Dunkelheit konnte das Schlimmste verhindert werden.

Luneth, ein abenteuerlustiger Junge aus dem Dorf Ur ist der erste Krieger des Lichts. Beim Erdbeben fällt er in ein Loch, wo er nach einer Bewährungsprobe vom sich dort befindenden Kristall des Windes für würdig erachtet und auf die Suche nach den drei weiteren Auserwählten geschickt wird. Diese sind dann auch relativ schnell gefunden. Gleich in seinem Heimatdorf trifft Luneth auf seinen besten Freund, den viel wissenden, aber schüchternen Bücherwurm Arc. Nach dem Besuch des Nachbardorfes Kazus schließt sich die von zu Hause davongelaufene Refia den beiden an, und nur kurze Zeit später lernt man den treuen Soldaten von König Sasune namens Ingus kennen. Gemeinsam macht man sich anschließend an die erste Herausforderung des Spieles, die mit dem Fluch eines Dschinns zusammenhängt. Diese kleine Aufgabe ist schnell gelöst, und schon steht man erneut vor dem Kristall des Windes. Nun, da die vierköpfige Heldengruppe komplett ist, wird man auch mit der Kraft des Kristalls gesegnet, was sich in einem interessanten Feature widerspiegelt, nämlich der Wahl der Berufe. Mit "Final Fantasy 3" wurde seinerzeit zum ersten Mal dieses neuartige Element mit ins Spielgeschehen integriert, welches wohl viel mehr Abwechslung bieten, die Motivation ankurbeln und zudem jedem Spieler erlauben sollte sich seine eigene recht individuell gestaltete Abenteurergruppe zusammenzustellen. Jedes Mal, wenn man einen anderen der vier Kristalle, die den vier Naturelementen entsprechen, aufspürt, werden einige neue Berufe der Auswahl hinzugefügt, wobei man die allerbesten und stärksten natürlich erst vom zuletzt gefundenen Kristall erhält. Zusammen mit dem anfänglichen Freiberufler kann man im Laufe des Spieles auf folgende 22 Berufe zurückgreifen, welche die Entwicklung der Charaktere natürlich unterschiedlich beeinflussen und ihnen spezifische Fähigkeiten verleihen:

1. Freiberufler - der Allrounder sozusagen, ohne Vor- und Nachteile. Als besondere Fähigkeit kann der Freiberufler weiße und schwarze Magie der ersten Stufe wirken.
2. Krieger - der obligatorische Kämpfer, wenn es um den Umgang mit den meisten Waffen geht. Seine besondere Fähigkeit ist der Ausfall, mit dem er im Kampf mehr Schaden als mit dem Standardangriff zufügen kann.
3. Weißmagier - der klassische und unverzichtbare Beruf, kann der Weißmagier doch alle Wunden, Krankheiten und Zustandsveränderungen heilen sowie auch gefallenen Charakteren neue Lebensgeister einhauchen. Er kann die weiße Magie allerdings nur bis zur siebten Stufe wirken. Die achte und letzte Stufe bleibt ihm verwehrt.
4. Schwarzmagier - als der Gegenpart zum Weißmagier ist der Schwarzmagier auf zerstörerische Angriffsmagie spezialisiert. Er kann die schwarze Magie ebenfalls nur bis zur siebten Stufe erlernen. Die achte und letzte Stufe bleibt auch ihm für immer verwehrt.
5. Mönch - ein Kämpfer, der sich lieber auf seine Fäuste als auf den blanken Stahl verlässt. Mit der Rache-Fähigkeit, welche Konterangriffe erlaubt, ist dieser Beruf ideal für etwas unsichere Spieler.
6. Rotmagier - dieser Beruf ist eigentlich eine Fusion aus den Fähigkeiten des Weiß- und Schwarzmagiers, so dass der Rotmagier sowohl die weiße wie auch die schwarze Magie bis zur siebten Stufe wirken kann.
7. Dieb - Stehlen und sich vom Acker machen, das sind die großen Talente des flinken und wendigen Diebes, aber auch das Öffnen verschlossener Türen ist für ihn eine der leichtesten Übungen. Das ist der Beruf, in dem man am schnellsten die 99. Stufe erreichen kann.
8. Waldläufer - mit Pfeil und Bogen ausgerüstet kann er gleichzeitig vier zufällige Ziele unter Beschuss nehmen.
9. Ritter - ein gut gepanzerter Kämpfer mit einer hohen Abwehr und der Fähigkeit die Weißmagie der ersten Stufe zu sprechen. Die ehrenvollen Ritter stellen sich schon mal schützend vor andere Charaktere, um sie so vor großem Schaden zu bewahren.
10. Gelehrter - Studieren ist seine Vorliebe, das Wissen über die Schwächen der vielen Gegner sein Verdienst (Analyse). Zudem ist der Gelehrte auch noch auf dem Gebiet beider Magieschulen bewandt, allerdings nur bis zur dritten Stufe.
11. Geomant - mit dem Befehl Terrain kann er eine zufällige Kraft der Natur anzapfen und auf diese Weise starke Elementarzauber hervorrufen. Ein sehr interessanter und vielseitiger Beruf.
12. Wikinger - das Reizen der Gegner mit dem Nebeneffekt der Lenkung ihrer Aufmerksamkeit auf sich selbst und der Senkung ihrer Abwehr ist die Spezialität des Äxte schwingenden robusten Kämpfers.
13. Dragoon - ein mit Speeren kämpfender Drachenritter, welcher mit seiner Sprung-Attacke besonders fliegenden Gegnern einen enormen Schaden zufügen kann.
14. Karateka - die Boost-Fähigkeit verstärkt seine nachfolgenden Angriffe, man sollte es aber nicht übertreiben.
15. Dunkelritter - einen kleinen Teil seiner Lebensenergie opfern, um auf diese Art allen Gegnern großen Schaden zuzufügen, das kann man nur als Dunkelritter. In Verbindung mit einem Weißmagier ein sehr brauchbarer Beruf.
16. Beschwörer - wie der Name schon sagt, beschwört er mittels Magie Helfer herauf, welche im Kampf entweder einen positiven weißmagischen, sich auf die Gruppe auswirkenden oder einen starken schwarzmagischen auf die Gegner abzielenden Zauber bzw. Angriff bewirkt. Der Gruppe stehen unterstützend folgende Wesen zur Seite: Chocobo, Shiva, Ramuh, Ifrit, Titan, Odin, Leviathan und Bahamut.
17. Barde - mit seiner Harfe und seinem Gesang kann er die Moral der Gruppe steigern oder die der Gegner senken.
18. Hexer - als die Vervollkommnung des Schwarzmagiers kann man mit dem Beruf des Hexers die stärksten Angriffszauber überhaupt, die der achten Stufe, sprechen.
19. Schamane - mit diesem Beruf steht dem Spieler endlich die achte und letzte Stufe der weißen Magie zur Verfügung. Gerade der Wiederbelebungszauber Erzengel ist später sehr wichtig.
20. Evokateur - ein Perfektionist unter den Beschwörern, welcher den beschworenen Wesen sowohl den Weiß- wie auch Schwarzmagie-Effekt gleichzeitig entlocken kann.
21. Weiser - der Beherrscher aller Magie- wie auch Beschwörungszauber bis hin zur letzten Stufe.
22. Ninja - der Beruf des Ninja ist vielleicht der wichtigste, denn mit seiner Wurf-Fähigkeit kann man alle Waffen als starke Geschosse verwenden. Der Shuriken, die stärkste und teuerste Wurfwaffe im ganzen Spiel (welche in großer Menge beim versteckten Händler in Eureka erworben werden kann) macht selbst beim allerletzten Endgegner noch satte 9999 Schadenspunkte.

Da es doch recht viele Berufe gibt, wird man in der Regel sowieso nicht alle meistern können, es sei denn man investiert eine Unmenge an Zeit in dieses Spiel. Daher ist es ratsamer sich für einige einem zusagende Jobs zu entscheiden. Im Spiel gibt es allerdings einige Stellen, welche mit bestimmten Berufen viel leichter zu bewältigen sind, wozu z.B. einige Endgegnerkämpfe gehören. Da lohnt es sich die Ratschläge der Bewohner zu beherzigen, zwingend erforderlich ist es aber nicht. Mag man z.B. unter gar keinen Umständen einen Dieb in seinen Reihen haben, welcher in dem goldenen Schloss mit zig verschlossenen Türen eigentlich die erste Wahl ist, kann man sich auch wahlweise in einem kleinen Dorf mit magischen Schlüsseln eindecken, die ebenfalls jede Tür öffnen. Dieses Beispiel lässt sich eigentlich auf alle berufsbedingten Situationen im Spiel ummünzen, so dass der Spieler letztendlich immer die Entscheidungsfreiheit besitzt die Berufe wählen zu können, die er möchte. Die einzige Ausnahme bilden die Abschnitte, in denen man unter dem Einfluss des Zaubers Wicht unterwegs ist. Da muss man eigentlich nur Magiekundige in der Gruppe haben, denn mit physischen Attacken kann man aufgrund dieser Zustandsveränderung nichts gegen die Gegner ausrichten.

Auf der Suche nach den drei weiteren Kristallen durchquert man in gewohnter Manier den gesamten Kontinent, immer von einem Punkt zum nächsten, den erhaltenen Hinweisen und Informationen entsprechend folgend. Während dieser Reise bringt man viele Dinge in Erfahrung, z.B. dass es sich bei den vier Helden allesamt um Waisenkinder handelt, dass der schwebende Kontinent nur einen kleinen Teil der Welt darstellt, dass hinter dem großen Erdbeben ein gewisser Xande steckt usw. "Final Fantasy 3" ist noch sehr klassisch und geradlinig aufgebaut, eine Abweichung vom vorgeschriebenen Weg ist eigentlich so gut wie nicht möglich. Den Hauptkern der Aufgabe stellt meiner Ansicht nach die Suche nach verschiedenen Flugschiffen dar, mit denen bestimmte Hindernisse überwunden werden können. Hier und da trifft man noch auf einige Nebencharaktere, welche die Gruppe temporär begleiten und gelegentlich auch aktiv im Kampf unterstützen.

Wirklich positiv sind die technischen Aspekte des Spieles. Komplett in schönen 3D-Grafiken gehalten, von denen das Intro ganz besonders hervorsticht, weiß es den Next-Generation-Spielern sicherlich zu gefallen. Ich für meinen Teil hätte das Spiel lieber in einer bunten und verbesserten 2D-Grafik gesehen, ähnlich den Playstation-, GBA- und PSP-Remakes der anderen Final Fantasy-Teile. Nun, es ist aber wie es ist, meckern muss man hier definitiv nicht, also höre ich auch damit auf. Wirklich toll gelungen ist die musikalische Darbietung von "Final Fantasy 3", besonders in den späteren Levels und beim allerletzten Endkampf. Und auch die Touchscreen-Steuerung wie die Nutzung der beiden Bildschirme (oben findet man z.B. immer die Landkarte) verdient ein Lob, wobei ich zur Steuerung sagen muss, dass mich die Eingabe der Kampfbefehle schon etwas genervt hat, da ich anstelle einer Bestätigung des Öfteren einen Abbruch des Befehls ausgelöst habe, wenn ich nicht exakt den gewünschten Charakter getroffen habe. Notfalls kann man aber immer noch auf die Buttons zurückgreifen. Ein wenig lästig empfand ich ebenfalls das ständige Zoomen der Umgebung, stets auf der Suche nach einem Funkeln, das den Standort auffindbarer Gegenstände wie z.B. der seltenen Elixiere preisgibt, sowie die Tatsache, dass nach jedem Berufswechsel die Charaktere komplett neu ausgerüstet werden müssen. Vergisst man es einmal, was mir auch einige Male passiert ist, steht man im nächsten Kampf den Gegnern so gut wie nackt gegenüber und muss das Weite suchen. Positiv empfand ich aber, dass man Kämpfer mit zwei Waffen ausrüsten darf, was die ewig vielen und gleichen Kämpfe auf jeden Fall ein wenig beschleunigt.

Abschließend kann ich sagen, dass "Final Fantasy 3" ziemlich gut gelungen ist und mindestens an die 30 Stunden lang gute Unterhaltungskost bietet. Allerdings ist das ganze Spiel an heutigen Maßstäben gemessen etwas zu überschaubar, und durch den Einsatz der neumodernen 3D-Grafik wollte bei einem Retro-Spieler wie mir der Funken nicht so ganz überspringen wie bei den anderen 2D-Remakes. Auch das recht interessante, jedoch durch die große Vielfalt - sprich Qual der Wahl - stellenweise etwas nervende Berufssystem, welches im fünften Teil der Reihe in einer überarbeiteten Version erneut Anwendung fand, lässt mich nur acht Punkte an dieses Spiel vergeben.