Final Fantasy 4
RPG


Patricia
Dezember 08

 


Der vierte Teil der Final Fantasy-Serie hat bereits eine Reihe von Neuveröffentlichungen hinter sich. Seit dem Erscheinungsjahr 1991 auf dem Super Nintendo tummelten sich Cecil & Co bereits auf der Playstation, dem Wonder Swan Color sowie dem Game Boy Advance. Die Nintendo DS-Version unterscheidet sich jedoch stark von den anderen Remakes, denn sie bringt das Abenteuer in die dritte Dimension.

Story/Charaktere: Als Dunkelritter Cecil von einem Raubzug zurückkehrt, plagen ihn schwere Gewissensbisse. Im Auftrag seines Königs hat er wehrlosen Zivilisten einen geheimnisvollen Kristall entrissen. Im Thronsaal äußert er seine Bedenken. Doch statt Antworten bekommt er gleich einen weiteren Auftrag. Zusammen mit seinem Freund, dem Dragonier Kain, wird er zum Dorf des Nebels geschickt, um ein Paket abzuliefern. Dort angekommen, entpuppt sich die Lieferung jedoch als Bombe, welche die Bewohner des Dorfes auslöscht. Diese beherrschten die Kunst gewaltige Mächte zu beschwören und stellten angeblich eine Gefahr für das Königreich dar. Der Dunkelritter und Kain sind entsetzt über die Grausamkeit ihres Gebieters. Inmitten des Infernos versuchen sie wenigstens die letzte Überlebende zu retten. Doch das junge Mädchen Rydia beschwört in ihrer Wut ein mächtiges Erdbeben. Als Cecil wieder das Bewusstsein erlangt, muss er feststellen, dass von Kain jede Spur fehlt und Rydia leblos neben ihm liegt. Voller Mitgefühlt versorgt er sie in einer nahen Stadt und kann schließlich ihr Vertrauen gewinnen, indem er sie vor einer Gruppe Soldaten beschützt.
Nach diesen Ereignissen kann er unmöglich wieder in sein altes Leben zurück. Er beschließt deshalb seine Heimat von der Tyrannei zu befreien und das Geheimnis der mysteriösen Kristalle zu lüften. Seine Reise führt ihn quer durch die ganze Welt, in deren Tiefen und schließlich sogar auf den Mond. Dort verbirgt sich der Schlüssel zu den Kristallen sowie zu Cecils mysteriösem Gegenspieler Golbez.

Die erste Spielstunde gehört zu meinen schönsten RPG-Erfahrungen. Final Fantasy 4 ist von der ersten Minute an spannend und katapultiert den Spieler sofort in die Geschichte. Durch die vielen Dialoge wirken die Charaktere glaubhaft und lebendig. Diese wurden wie auch einige Storyabschnitte für die neue Version des Spieles überarbeitet. Einige Protagonisten sind nur sehr kurz spielbar, dafür gibt es eine große Abwechslung in der Kampftruppe:

Dunkelritter Cecil ist der innerlich zerrissene Hauptcharakter. Er muss sich seiner dunklen Seite stellen, um den finsteren Mächten Paroli zu bieten. Er ist ein starker Nahkämpfer und kann später nach seinem Berufswechsel zum Paladin auch ein bisschen Weißmagie ausüben.

Der Dragonier Kain ist sicherlich einer der interessantesten Charaktere des Spieles. Im Laufe der Geschichte wechselt er öfters die Seiten und erst nach und nach werden seine Beweggründe greifbar. Seine bevorzugte Waffe ist die Lanze. Mit seiner Sprungfertigkeit startet er nicht nur einen kraftvollen Angriff sondern ist auch kurze Zeit außerhalb der Reichweite des Gegners.

Rosa ist Cecils Geliebte und reist ihm voll Sorge hinterher, als dieser nicht mehr vom Dorf des Nebels zurückkehrt. Sie ist die beste Weißmagierin des Spieles und kann auch vorzüglich mit Pfeil und Bogen umgehen.

Die Beschwörerin Rydia durchlebt eine gravierende Entwicklung im Spiel. Anfangs ein Kind, kehrt sie später durch den Aufenthalt in der Unterwelt als junge Frau zurück. Neben Schwarzmagie ist ihre beste Fähigkeit natürlich das Rufen von mächtigen Kreaturen.

Tellah ist ein alter Magier, der sich um seine hübsche Tochter Anna sorgt. Vor allem seit diese mit einem windigen Barden durchgebrannt ist. Er beherrscht starke weiße und schwarze Magie, leider ist seine Abwehr nicht die Beste.

Hinter dem umherziehenden Barden Edward versteckt sich in Wirklichkeit ein Prinz. Zuerst wirkt er sehr schwächlich und will von Verantwortung nichts wissen. Erst durch eine unglückliche Liebe und den Zusammenhalt in der Gruppe gewinnt er an Selbstvertrauen. Spielerisch ist Ed genauso schwach wie sein Charakter und seine Angriffe mit der Harfe sind nur bedingt nützlich.

General Yang muss hilflos mit ansehen wie seine Kämpfer durch einen Hinterhalt von Dämonen getötet werden. Nun ist der Kristall seines Landes eine leichte Beute für Golbez. Yang ist ein Experte im waffenlosen Kampf und kann mit seiner Trittfertigkeit alle Feinde auf einmal angreifen.

Der Mechaniker Cid ist einer der wenigen Charaktere, die in mehreren Teilen der Final Fantasy-Serie auftreten. Seine überragenden Kenntnisse im Bau von Schiffen sorgen für die Mobilität der Gruppe zu Wasser und in der Luft. Außerdem ist er ein solider Kämpfer.

Palom und Porom sind magische Zwillingskinder. Sie begleiten Cecil auf seiner Reise zur Paladin-Prüfung. Der freche Palom beherrscht Schwarzmagie, seine ältere, vernünftige Schwester Weißmagie. Sie können ihre Magie vereinen und dadurch starke Angriffe starten. Dank ihrer Streitereien kommt auch der Humor nicht zu kurz.

Ninja-Prinz Edge schließt sich der Gruppe an, um seine Eltern zu rächen. Eigentlich ist er aber ein freches Kerlchen mit einem losen Mundwerk und einer Schwäche für schöne Frauen.

Der Mondbewohner FuSoYa. Er spielt sich ähnlich wie Tellah.

Neben der Hauptstory gibt es auch einige optionale Aufgaben. So können zum Beispiel Rydias Standardbeschwörungen durch einige sehr starke Kreaturen ergänzt werden. Diese sind teilweise gut versteckt und müssen in optionalen Bosskämpfen "gezähmt" werden.

Gameplay: Die Zufallskämpfe werden rundenbasierend ausgetragen. Jeder Charakter besitzt eine Leiste. Wenn sich diese gefüllt hat, kann er Angreifen, Magie wirken, Fertigkeiten einsetzen oder ein Item benutzen. Durch dieses ATB (Active Time Battle System) gewinnen die Auseinandersetzungen gegenüber herkömmlichen rundenbasierten Kämpfen an Dynamik, denn nicht nur die Spielfiguren sondern auch die Gegner können so jederzeit angreifen. Wem das Ganze zu hektisch ist, der kann im Optionsmenü die Kämpfe auf "Warten" einstellen, so dass Feinde nicht angreifen, wenn der Spieler sich im Menü aufhält. Es können maximal fünf Charaktere in der Kampftruppe agieren, die in einer vorderen und hinteren Reihe aufgestellt werden. Nahkämpfer sind vorne bestens aufgehoben, während Magieanwender und schwächere Charaktere hinten positioniert werden sollten. Spezielle Fertigkeiten, die auf die festgelegten Berufe der Figuren abgestimmt sind, bringen Abwechslung ins Kampfgeschehen und sind zumeist sehr nützlich. So kann zum Beispiel Ninja Edge Wurfsterne und andere Waffen auf Gegner werfen und Weißmagierin Rosa durch Beten kostenlos einige Lebens- und Magie-Punkte auffüllen. Der Schwierigkeitsgrad der Kämpfe ist hoch, aber immer fair und erfordert ein perfektes Zusammenspiel aller Fähigkeiten.

Der untere Bildschirm wird für das Anzeigen der Karte genutzt, die vom Spieler nach und nach aufgedeckt wird. Fleißige Spieler, die 100 % einer Ebene freilegen, werden mit Extra-Items belohnt. Die Dungeons sind groß und verschachtelt. Dank der automatischen Kartographierung bleiben sie jedoch immer übersichtlich. Im Kampf wird unten das Menü eingeblendet.

Die Steuerung erfolgt teilweise mit dem Touchscreen. Das Bewegen der Figuren fühlt sich jedoch etwas ungenau an und hat mich nicht überzeugt. Im Menü wird dieses Feature des DS kaum genutzt. Die wenigen Möglichkeiten sind kaum relevant, dabei hätte sich gerade hier eine alternative Steuerung angeboten. Stattdessen gibt es einige langweilige Minispiele, mit denen eine neue beschwörbare Kreatur namens Pochka trainiert werden kann, die Rydia im Kampf ersetzt. Mit verdienten Punkten werden Pochkas Werte verbessert. Außerdem kann man sein Aussehen am Touchscreen individuell verändern und dank WiFi mit ihm gegen die Pochkas anderer Spieler antreten. Da Square-Enix mit der Chocobo-Tales-Reihe bereits gezeigt hat, wie fantasievoll Minispiele auf dem DS sein können, bin ich von diesen hier sehr enttäuscht. In drei von fünf Spielen geht es nur darum, am Bildschirm erscheinende Feinde mit dem Touchpen zu berühren. Das macht keinen Spaß und ist keine Bereicherung für das Spiel.

Grafik: Highlight ist ein wunderschönes gerendertes Intro, leider das einzige im ganzen Spiel. Die Modelle der Figuren sind anfangs etwas ungewohnt, vor allem Cecil und Kain wirken mit ihren erwachsenen Stimmen und ihren zusammengestauchten Körpern seltsam. Zwischensequenzen konnten dank 3D nun cineastisch mit Zoom und Kameradrehungen inszeniert werden. Während bei normalen Feinden der Kampf wie im Original gewohnt von der Seite stattfindet, wird bei Endgegnern die Kamera hinter die Charaktere gestellt. Dadurch wirken die Bosse noch imposanter. Ebenfalls hübsch sind Rydias Beschwörungen, welche durch beeindruckende Sequenzen eingeleitet werden. Leider sind diese viel zu lang geraten, können aber abgebrochen werden.
Die neue 3D-Grafik bringt aber nicht nur Vorteile. Bei der Benutzung von Magie oder Fertigkeiten wird für ein paar Augenblicke auf den betreffenden Charakter gezoomt. Falls eine andere Figur bereit zum Angreifen ist, wird das Anwählen von Gegnern am oberen Bildschirm erschwert. Diese sind durch den Zoom nicht sichtbar und der Spieler muss seinen Blick auf den unteren Bildschirm richten, auf dem das Anvisieren auch textlich gezeigt wird. Ich empfand das als störende Unterbrechung im Spielfluss.

Musik/Sound: Die englische Sprachausgabe, welche in vielen Dialogen ertönt, ist ein weiterer Pluspunkt. Die Stimmen passen großteils perfekt und hauchen den Charakteren Leben ein. Über die Musik brauche ich eigentlich nicht viel zu schreiben, Nobuo Uematsus Score hat nichts von seiner Genialität verloren.

Extras: Negativ ist mir das Fehlen des Extra-Dungeons aus dem GBA-Ableger aufgefallen. Durch eine kleine Sidequest können die Extras Jukebox, Bestiarium und Kino freigeschaltet werden. Die Jukebox enthält die Musik des Spiels, das Bestiarium eine Statistik aller bisher besiegten Monster und das Kino die Zwischensequenzen mit Sprachausgabe. Leider muss die dazugehörige Sidequest an bestimmten Stellen im Spiel durchgeführt werden. Wer das versäumt, muss auf das Zusatzmaterial verzichten (oder einen zweiten Durchgang einlegen). Außerdem wurden die Extras nicht mehr bequem im Startmenü wie beim GBA sondern beim fetten Chocobo untergebracht.

Fazit: Die Beurteilung von Final Fantasy 4 fällt mir nicht besonders leicht. Rein von der Technik, der Geschichte und vom Gameplay her hätte das Spiel die volle Punktzahl verdient. Leider fehlen einige Extras aus der GBA-Version während die neu hinzugefügten Minispiele einfach nur schlecht sind. Insgesamt ist es aber eine gute Neuauflage, die leider nicht an das rundum gelungene GBA-Remake herankommt.