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Der vierte Teil der Final Fantasy-Serie hat bereits eine Reihe von Neuveröffentlichungen
hinter sich. Seit dem Erscheinungsjahr 1991 auf dem Super Nintendo tummelten
sich Cecil & Co bereits auf der Playstation, dem Wonder Swan Color
sowie dem Game Boy Advance. Die Nintendo DS-Version unterscheidet sich
jedoch stark von den anderen Remakes, denn sie bringt das Abenteuer
in die dritte Dimension.
Story/Charaktere: Als Dunkelritter Cecil von einem Raubzug
zurückkehrt, plagen ihn schwere Gewissensbisse. Im Auftrag seines
Königs hat er wehrlosen Zivilisten einen geheimnisvollen Kristall
entrissen. Im Thronsaal äußert er seine Bedenken. Doch statt
Antworten bekommt er gleich einen weiteren Auftrag. Zusammen mit seinem
Freund, dem Dragonier Kain, wird er zum Dorf des Nebels geschickt, um
ein Paket abzuliefern. Dort angekommen, entpuppt sich die Lieferung
jedoch als Bombe, welche die Bewohner des Dorfes auslöscht. Diese
beherrschten die Kunst gewaltige Mächte zu beschwören und
stellten angeblich eine Gefahr für das Königreich dar. Der
Dunkelritter und Kain sind entsetzt über die Grausamkeit ihres
Gebieters. Inmitten des Infernos versuchen sie wenigstens die letzte
Überlebende zu retten. Doch das junge Mädchen Rydia beschwört
in ihrer Wut ein mächtiges Erdbeben. Als Cecil wieder das Bewusstsein
erlangt, muss er feststellen, dass von Kain jede Spur fehlt und Rydia
leblos neben ihm liegt. Voller Mitgefühlt versorgt er sie in einer
nahen Stadt und kann schließlich ihr Vertrauen gewinnen, indem
er sie vor einer Gruppe Soldaten beschützt.
Nach diesen Ereignissen kann er unmöglich wieder in sein altes
Leben zurück. Er beschließt deshalb seine Heimat von der
Tyrannei zu befreien und das Geheimnis der mysteriösen Kristalle
zu lüften. Seine Reise führt ihn quer durch die ganze Welt,
in deren Tiefen und schließlich sogar auf den Mond. Dort verbirgt
sich der Schlüssel zu den Kristallen sowie zu Cecils mysteriösem
Gegenspieler Golbez.
Die erste Spielstunde gehört zu meinen schönsten RPG-Erfahrungen.
Final Fantasy 4 ist von der ersten Minute an spannend und katapultiert
den Spieler sofort in die Geschichte. Durch die vielen Dialoge wirken
die Charaktere glaubhaft und lebendig. Diese wurden wie auch einige
Storyabschnitte für die neue Version des Spieles überarbeitet.
Einige Protagonisten sind nur sehr kurz spielbar, dafür gibt es
eine große Abwechslung in der Kampftruppe:
Dunkelritter Cecil ist der innerlich zerrissene Hauptcharakter. Er
muss sich seiner dunklen Seite stellen, um den finsteren Mächten
Paroli zu bieten. Er ist ein starker Nahkämpfer und kann später
nach seinem Berufswechsel zum Paladin auch ein bisschen Weißmagie
ausüben.
Der Dragonier Kain ist sicherlich einer der interessantesten Charaktere
des Spieles. Im Laufe der Geschichte wechselt er öfters die Seiten
und erst nach und nach werden seine Beweggründe greifbar. Seine
bevorzugte Waffe ist die Lanze. Mit seiner Sprungfertigkeit startet
er nicht nur einen kraftvollen Angriff sondern ist auch kurze Zeit außerhalb
der Reichweite des Gegners.
Rosa ist Cecils Geliebte und reist ihm voll Sorge hinterher, als dieser
nicht mehr vom Dorf des Nebels zurückkehrt. Sie ist die beste Weißmagierin
des Spieles und kann auch vorzüglich mit Pfeil und Bogen umgehen.
Die Beschwörerin Rydia durchlebt eine gravierende Entwicklung
im Spiel. Anfangs ein Kind, kehrt sie später durch den Aufenthalt
in der Unterwelt als junge Frau zurück. Neben Schwarzmagie ist
ihre beste Fähigkeit natürlich das Rufen von mächtigen
Kreaturen.
Tellah ist ein alter Magier, der sich um seine hübsche Tochter
Anna sorgt. Vor allem seit diese mit einem windigen Barden durchgebrannt
ist. Er beherrscht starke weiße und schwarze Magie, leider ist
seine Abwehr nicht die Beste.
Hinter dem umherziehenden Barden Edward versteckt sich in Wirklichkeit
ein Prinz. Zuerst wirkt er sehr schwächlich und will von Verantwortung
nichts wissen. Erst durch eine unglückliche Liebe und den Zusammenhalt
in der Gruppe gewinnt er an Selbstvertrauen. Spielerisch ist Ed genauso
schwach wie sein Charakter und seine Angriffe mit der Harfe sind nur
bedingt nützlich.
General Yang muss hilflos mit ansehen wie seine Kämpfer durch
einen Hinterhalt von Dämonen getötet werden. Nun ist der Kristall
seines Landes eine leichte Beute für Golbez. Yang ist ein Experte
im waffenlosen Kampf und kann mit seiner Trittfertigkeit alle Feinde
auf einmal angreifen.
Der Mechaniker Cid ist einer der wenigen Charaktere, die in mehreren
Teilen der Final Fantasy-Serie auftreten. Seine überragenden Kenntnisse
im Bau von Schiffen sorgen für die Mobilität der Gruppe zu
Wasser und in der Luft. Außerdem ist er ein solider Kämpfer.
Palom und Porom sind magische Zwillingskinder. Sie begleiten Cecil
auf seiner Reise zur Paladin-Prüfung. Der freche Palom beherrscht
Schwarzmagie, seine ältere, vernünftige Schwester Weißmagie.
Sie können ihre Magie vereinen und dadurch starke Angriffe starten.
Dank ihrer Streitereien kommt auch der Humor nicht zu kurz.
Ninja-Prinz Edge schließt sich der Gruppe an, um seine Eltern
zu rächen. Eigentlich ist er aber ein freches Kerlchen mit einem
losen Mundwerk und einer Schwäche für schöne Frauen.
Der Mondbewohner FuSoYa. Er spielt sich ähnlich wie Tellah.
Neben der Hauptstory gibt es auch einige optionale Aufgaben. So können
zum Beispiel Rydias Standardbeschwörungen durch einige sehr starke
Kreaturen ergänzt werden. Diese sind teilweise gut versteckt und
müssen in optionalen Bosskämpfen "gezähmt"
werden.
Gameplay: Die Zufallskämpfe werden rundenbasierend ausgetragen.
Jeder Charakter besitzt eine Leiste. Wenn sich diese gefüllt hat,
kann er Angreifen, Magie wirken, Fertigkeiten einsetzen oder ein Item
benutzen. Durch dieses ATB (Active Time Battle System) gewinnen die
Auseinandersetzungen gegenüber herkömmlichen rundenbasierten
Kämpfen an Dynamik, denn nicht nur die Spielfiguren sondern auch
die Gegner können so jederzeit angreifen. Wem das Ganze zu hektisch
ist, der kann im Optionsmenü die Kämpfe auf "Warten"
einstellen, so dass Feinde nicht angreifen, wenn der Spieler sich im
Menü aufhält. Es können maximal fünf Charaktere
in der Kampftruppe agieren, die in einer vorderen und hinteren Reihe
aufgestellt werden. Nahkämpfer sind vorne bestens aufgehoben, während
Magieanwender und schwächere Charaktere hinten positioniert werden
sollten. Spezielle Fertigkeiten, die auf die festgelegten Berufe der
Figuren abgestimmt sind, bringen Abwechslung ins Kampfgeschehen und
sind zumeist sehr nützlich. So kann zum Beispiel Ninja Edge Wurfsterne
und andere Waffen auf Gegner werfen und Weißmagierin Rosa durch
Beten kostenlos einige Lebens- und Magie-Punkte auffüllen. Der
Schwierigkeitsgrad der Kämpfe ist hoch, aber immer fair und erfordert
ein perfektes Zusammenspiel aller Fähigkeiten.
Der untere Bildschirm wird für das Anzeigen der Karte genutzt,
die vom Spieler nach und nach aufgedeckt wird. Fleißige Spieler,
die 100 % einer Ebene freilegen, werden mit Extra-Items belohnt. Die
Dungeons sind groß und verschachtelt. Dank der automatischen Kartographierung
bleiben sie jedoch immer übersichtlich. Im Kampf wird unten das
Menü eingeblendet.
Die Steuerung erfolgt teilweise mit dem Touchscreen. Das Bewegen der
Figuren fühlt sich jedoch etwas ungenau an und hat mich nicht überzeugt.
Im Menü wird dieses Feature des DS kaum genutzt. Die wenigen Möglichkeiten
sind kaum relevant, dabei hätte sich gerade hier eine alternative
Steuerung angeboten. Stattdessen gibt es einige langweilige Minispiele,
mit denen eine neue beschwörbare Kreatur namens Pochka trainiert
werden kann, die Rydia im Kampf ersetzt. Mit verdienten Punkten werden
Pochkas Werte verbessert. Außerdem kann man sein Aussehen am Touchscreen
individuell verändern und dank WiFi mit ihm gegen die Pochkas anderer
Spieler antreten. Da Square-Enix mit der Chocobo-Tales-Reihe bereits
gezeigt hat, wie fantasievoll Minispiele auf dem DS sein können,
bin ich von diesen hier sehr enttäuscht. In drei von fünf
Spielen geht es nur darum, am Bildschirm erscheinende Feinde mit dem
Touchpen zu berühren. Das macht keinen Spaß und ist keine
Bereicherung für das Spiel.
Grafik: Highlight ist ein wunderschönes gerendertes Intro,
leider das einzige im ganzen Spiel. Die Modelle der Figuren sind anfangs
etwas ungewohnt, vor allem Cecil und Kain wirken mit ihren erwachsenen
Stimmen und ihren zusammengestauchten Körpern seltsam. Zwischensequenzen
konnten dank 3D nun cineastisch mit Zoom und Kameradrehungen inszeniert
werden. Während bei normalen Feinden der Kampf wie im Original
gewohnt von der Seite stattfindet, wird bei Endgegnern die Kamera hinter
die Charaktere gestellt. Dadurch wirken die Bosse noch imposanter. Ebenfalls
hübsch sind Rydias Beschwörungen, welche durch beeindruckende
Sequenzen eingeleitet werden. Leider sind diese viel zu lang geraten,
können aber abgebrochen werden.
Die neue 3D-Grafik bringt aber nicht nur Vorteile. Bei der Benutzung
von Magie oder Fertigkeiten wird für ein paar Augenblicke auf den
betreffenden Charakter gezoomt. Falls eine andere Figur bereit zum Angreifen
ist, wird das Anwählen von Gegnern am oberen Bildschirm erschwert.
Diese sind durch den Zoom nicht sichtbar und der Spieler muss seinen
Blick auf den unteren Bildschirm richten, auf dem das Anvisieren auch
textlich gezeigt wird. Ich empfand das als störende Unterbrechung
im Spielfluss.
Musik/Sound: Die englische Sprachausgabe, welche in vielen
Dialogen ertönt, ist ein weiterer Pluspunkt. Die Stimmen passen
großteils perfekt und hauchen den Charakteren Leben ein. Über
die Musik brauche ich eigentlich nicht viel zu schreiben, Nobuo Uematsus
Score hat nichts von seiner Genialität verloren.
Extras: Negativ ist mir das Fehlen des Extra-Dungeons aus
dem GBA-Ableger aufgefallen. Durch eine kleine Sidequest können
die Extras Jukebox, Bestiarium und Kino freigeschaltet werden. Die Jukebox
enthält die Musik des Spiels, das Bestiarium eine Statistik aller
bisher besiegten Monster und das Kino die Zwischensequenzen mit Sprachausgabe.
Leider muss die dazugehörige Sidequest an bestimmten Stellen im
Spiel durchgeführt werden. Wer das versäumt, muss auf das
Zusatzmaterial verzichten (oder einen zweiten Durchgang einlegen). Außerdem
wurden die Extras nicht mehr bequem im Startmenü wie beim GBA sondern
beim fetten Chocobo untergebracht.
Fazit: Die Beurteilung von Final Fantasy 4 fällt mir
nicht besonders leicht. Rein von der Technik, der Geschichte und vom
Gameplay her hätte das Spiel die volle Punktzahl verdient. Leider
fehlen einige Extras aus der GBA-Version während die neu hinzugefügten
Minispiele einfach nur schlecht sind. Insgesamt ist es aber eine gute
Neuauflage, die leider nicht an das rundum gelungene GBA-Remake herankommt.
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