Mit dem neuen Active Time Battle-Kampfsystem sowie einer epischen und
unglaublich tiefgründigen Story konnte das Super Famicom-Spiel "Final
Fantasy 4" seinerzeit die Konkurrenz deutlich hinter sich lassen.
Diese wegweisenden Spielelemente trugen mit Sicherheit einen großen
Anteil zum Erfolg der heutzutage berühmtesten Rollenspielreihe der
Welt bei. Viele Fans betrachten "Final Fantasy 4" deshalb als
das beste Spiel der Serie. Trotz der Innovationen wurde es im Westen nur
in Amerika veröffentlicht, als "Final Fantasy 2". Die europäische
Lokalisierung erfolgte erst viele Jahre später auf der Playstation
und dem Game Boy Advance. Letztere in einer erweiterten Fassung, mit der
ich mich in den letzten Tagen explizit beschäftigt habe.
In der Rolle des dunklen Ritters Cecil, der für das aufstrebende
Königreich Baron andere Nationen plündert, fängt das
Spiel recht untypisch an. Man spielt keinen Helden sondern einen Antihelden!
Als ein ganzes Dorf voller unschuldiger Menschen den Ambitionen von
Baron zum Opfer fällt und Cecil die Aufgabe der Beseitigung der
einzigen überlebenden Zeugin zukommt, wird er von Gewissensbissen
und Schuldgefühlen eingeholt. Er beschließt die kleine Rydia
zu retten und stellt sich auf die Seite der Unterdrückten. Zwischen
dem abtrünnigen Cecil und dem bösen Golbez, dem Machthaber
von Baron, entbrennt daraufhin ein Konflikt, der das Kerngeschehen des
Spieles ausmacht. Cecils aufgewühlte Gefühlswelt wird dem
Spieler dabei besonders detailliert näher gebracht, was ihm eine
enorme Charaktertiefe verleiht, die bei der Erstveröffentlichung
des Spieles sicherlich für viele Begeisterungsrufe sorgte. Eine
ständige Charakter-Fluktuation mit dramatischen und traurigen Trennungen
sowie freudigen und überraschenden Wiedersehen stellt das zweite
Standbein der Erzählung dar. Die nach heutigen Maßstäben
recht klassisch und geradlinig wirkende Story fällt dadurch interessant
und abwechslungsreich aus. Die Einbeziehung eines futuristischen Raumschiffes
und der Besuch des Mondes verleihen dem Spiel eine angenehme Sciene
Fiction-Nuance. Einige Side Quests, die sich ausschließlich mit
der Suche nach mächtigen Waffen und Elementargeistern beschäftigen,
erweitern das etwas kurz geratene Spiel. Mit rund 20 bis 25 Stunden
Spielzeit ist Final Fantasy 4 der kürzeste Teil der Reihe. Die
Game Boy Advance-Fassung trumpft jedoch mit zwei ganz neuen Bonus-Dungeons
auf, die den geneigten Spieler aufgrund des hohen Anspruchs lange Zeit
bei Laune zu halten vermögen.
Der Schwierigkeitsgrad des regulären Spieles ist dagegen niedrig.
Als erfahrener Rollenspieler und Kenner der Serie habe ich mich die
meiste Zeit stark unterfordert gefühlt. Mit der richtigen Taktik
geben sogar viele der zahlreichen Endgegner sehr schnell klein bei.
Die absolute Ausnahme bildet der letzte Spielabschnitt samt allerletztem
Endgegner, der im Vergleich zum restlichen Spiel wirklich sehr schwer
und sogar schon etwas unfair ist. Mit seiner mächtigen Urknall-Attacke
vermag er die ganze Gruppe auf Anhieb auszulöschen. Da man auf
die Entwicklung der Charaktere absolut gar keinen Einfluss besitzt,
bleibt einem nichts anderes übrig, als kurz vor dem Ende des Spieles
kräftigst aufzuleveln. Der bis dahin sehr flotte Spielverlauf wird
dadurch ziemlich ungünstig und meiner Ansicht nach unnötig
unterbrochen.
Mit schön gezeichneten und aufpolierten, jedoch animationsschwachen
Grafiken fällt die Präsentation von "Final Fantasy 4
Advance" nicht ganz zeitgemäß aus. Der dadurch erzeugte
Retro-Charme ist aber keineswegs negativ. Echten Anlass zur Kritik geben
einzig die unerklärbaren Slowdowns, die im Kampfmodus regelmäßig
zu Aussetzern führen. In Anbetracht der geringeren Veränderungen
gegenüber der flüssigen Originalfassung ist dieser Umstand,
den ich bereits im Nachfolger aufgeführt habe, irgendwie schwer
nachzuvollziehen. Von den vielen Bugs, unter denen die Übersee-Releases
zu leiden hatten, ist in der europäischen Fassung zum Glück
nichts mehr zu spüren. Die lange Lokalisierungszeit hat sich in
diesem Fall ausnahmsweise positiv ausgewirkt. Die melodische Musikuntermalung
kann in jedem Fall überzeugen, so dass die technische Umsetzung
des Spieles insgesamt als gut einstuft werden kann.
Somit bietet "Final Fantasy 4 Advance" nach wie vor ein absolut
gelungenes Unterhaltungsprogramm, das aufgrund der aufgezeigten Mängel
von mir nur acht Punkte erhält. Allen, die es noch nicht kennen,
kann ich es bedenkenlos empfehlen. Aufgrund des am Anfang angesprochenen
hohen Beliebtheitsgrades ist vor kurzem in Japan ein drittes Remake
des Spieles für das Nintendo DS erschienen. Geduldige Naturen sollten
sich vielleicht lieber diese Ausgabe vormerken.
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