FF Crystal Chronicles - Echoes of Time
Action-RPG


Patricia
November 09

 


Eigentlich könnte man den Präfix von "Final Fantasy Crystal Chronicles - Echoes of Time" streichen, denn mit den beliebten Rollenspielen hat die Spin-Off-Reihe Crystal Chronicles nur noch ganz wenig gemeinsam. "Echoes of Time" ist bereits das vierte Spiel des Action-RPG-Ablegers, der nach dem Game Cube-Debüt mit einem WiiWare und zwei DS-Spielen Nintendo treu bleibt. Dabei wurde der Fokus von Crystal Chronicles von Anfang an auf den Mehrspieler-Modus gelegt. Bei den DS-Nachfolgern wurden die Einzelabenteuer aber deutlich aufgewertet. Ob bei "Echoes of Time" auch mutige Solisten richtig zum Zug kommen, erfahrt ihr in diesem Review.

Bevor unsere Geschichte beginnt, darf man sich aus vier Rassen einen Charakter auswählen. Clavats sind im Kampf ebenso begabt wie in der Anwendung von Magie. Wegen ihrer Ausgeglichenheit empfiehlt das Handbuch sie besonders Anfängern. Die seltsam anmutenden Yukes sind auf das Wirken von mächtigen Zaubern spezialisiert. Klein, aber oho sind die Liltys. Die knuffigen Zwiebelköpfe bestechen durch ihre starke Angriffskraft und können vorbildlich mit Speer und Hammer umgehen. Schnell und geschickt sind die lustigen Selkies. Sie beherrschen den sehr nützlichen Doppelsprung und bevorzugen Fernwaffen wie den Bogen. Bei allen vier Rassen darf noch außerdem das Geschlecht festgelegt werden.

Nachdem eine Auswahl getroffen wurde, kann es losgehen, wobei ich mich übrigens für eine Clavat entschieden habe. Unser Heimatdorf ist tief im Wald verborgen und die kleine, aber verschworene und aus allen Völkern bunt zusammengemischte Gemeinschaft hütet ein besonderes Geheimnis. Zwischen dem grünen Geäst liegt eine Quelle, die den letzten Kristall der Welt beherbergt. Einst war das Land mit der Macht der Kristalle erfüllt, die unermessliche Gier der Menschen ließ sie aber verschwinden. Davon ahnt mein Charakter jedoch noch nichts. Für mich steht erst einmal die Volljährigkeitsprüfung auf dem Programm, als plötzlich einer der Dorfbewohner von einer geheimnisvollen Krankheit heimgesucht wird. Natürlich erklären wir uns bereit ein Heilmittel zu besorgen und reisen kurzerhand in die große Stadt. Als wir uns in der örtlichen Bibliothek danach erkundigen, machen wir eine Bekanntschaft, mit der das Unglück seinen Lauf nimmt.

Die Geschichte fängt recht unspektakulär an und plätschert in den ersten Spielstunden vor sich hin. Erst im letzten Drittel kommt sie einigermaßen in Fahrt, was auch an der hohen Anzahl an Zwischensequenzen in den letzten Spielstunden liegt. So ganz überzeugen konnte mich die Story trotzdem nicht. Der eigentliche Plot ist zu verworren und unlogisch. Dabei weisen die einzelnen Charaktere wie Sherlotta und Larkeicus durchaus ausreichend Charisma auf. Zu meiner Lieblingsfigur habe ich jedoch einen Nebencharakter erhoben. Der Monsterprinzessin sind zwar nur wenige Auftritte beschieden, diese gehören aber definitiv zu den witzigsten Momenten des Spieles.

Das Wichtigste im Spiel sind sowieso die mit Rätseln, Geschicklichkeitseinlagen und Kämpfen gefüllten Dungeons. Über ein Dutzend dieser gefährlichen Labyrinthe warten auf ihren Meister. Dem gegenüber steht die einzige Stadt. Gleich am Eingang der Metropole befinden sich die beiden lebensnotwendigen Shops, die beim Kauf von Waffen und Rüstungen ein nettes Item-System verwenden. Während ein Laden wie gewohnt Ware gegen hart verdientes Geld verkauft, bietet die Konkurrenz gegenüber einen anderen Service. Durch den Kauf von Skizzen können hier Rezepte für besonders gute Ausrüstung erworben werden. Damit finden die verschiedenartigen, von Monstern hinterlassenen Items Verwendung. So kann aus einem Stück Leder und zwei Klumpen Eisen ein Kettenhelm entstehen. Leider betätigt sich unser Charakter nicht selbst als Schmied, sondern schaltet durch die Skizzen nur die entsprechende Kaufmöglichkeit frei. Dies ist etwas umständlich, da zuerst Geld für die Skizze und anschließend noch für die eigentliche Bestellung hingelegt werden muss. Aber halt, es fehlt ja noch Material, das bei keinem Monster aufzutreiben ist! Wertvolle Materialien werden gesondert verkauft und weisen natürlich ihre ganz eigenen Skizzen auf. So kann die Herstellung einer begehrten Rüstung schon einige Zeit in Anspruch nehmen. So ganz neu ist das Konzept nicht, es motiviert aber durchaus die Dungeons noch einmal zu besuchen. Erwähnenswert ist außerdem, dass alle angelegten Gegenstände das Aussehen des eigenen Charakters deutlich verändern. Teilweise mit sehr... nun ja, ausgefallenem Design. Voller Freude habe ich mir den megastarken Büffelhelm gekauft, nur um herausfinden zu müssen, dass der Kopf meiner süßen Clavat nun WIRKLICH wie ein eiserner Hornochse aussieht. Es gibt aber natürlich auch extrem coole Sets wie die Tempelritter- oder die Piratenkluft.

Beim Heilen muss man sich primär auf die Magie verlassen, da Heilgegenstände wie Obst oder Potions sofort beim Einsammeln verwendet werden. Die Monster lassen aber auch sonst noch allerlei Brauchbares fallen. So erhöhen Elementarkugeln ab einer bestimmten Anzahl die Resistenz und ab und zu findet man sogar eine seltene Skizze. Weit weniger abwechslungsreich fallen jedoch die Kämpfe aus. Fast alle Gegner lassen sich durch simples Draufkloppen besiegen. Der Rest ist schnell mit den richtigen Sprüchen erledigt. Meiner Clavat standen neben den Elementarkräften Feuer, Eis und Blitz noch Heilung, Wiederbelebung (Wichtig für den Mehrspieler-Modus!) und Entgiftung zur Verfügung. Sehr schnell habe ich herausgefunden, dass Eiszauber zu 99% die idealste Lösung darstellen, da sie die Gegner für wertvolle Sekunden einfrieren. Eine Taktik, die sogar bei vielen Endgegnern angewendet werden kann. Somit gestaltet sich der Magieeinsatz in den Kämpfen eher monoton. Viel besser unterhalten dagegen die Rätsel. Auch hier gibt es eigentlich nichts Revolutionäres. Doch die Mischung aus Schiebeaufgaben, engen Zeitlimits und Einbindung der Zauberkräfte weiß zu gefallen und hat mir im Endeffekt am meisten Spaß bereitet. Aufgrund einiger Sprungpassagen raucht nicht nur der Kopf sondern bald auch der Daumen. Dabei ist der Schwierigkeitsgrad immer ausgewogen, leichte und etwas kniffligere Aufgaben wechseln sich ab. Für erfahrene Zocker dürfte das Spiel aber im ersten Schwierigkeitsgrad über weite Strecken zu wenig Herausforderung bieten. Am Ende beinahe jedes Dungeons wartet ein Boss als letzte Prüfung. Einfaches Angreifen führt hier selten zum Ziel, Taktik ist gefragt. So müssen ein Frosch im richtigen Moment im eigenen Teich eingefroren und zwei Kampfroboter gegeneinander ausgespielt werden. Bis auf zwei oder drei Ausnahmen, welche dann doch etwas Übung erfordern, fallen die Bosskämpfe eher entspannend aus.

Nach einem aufregenden Kampf, tut ein bisschen Zerstreuung gut. Zum Glück gibt es in der Stadt einen Mogry, der Nebenmissionen anbietet. Leider macht sich hier sehr schnell die Langeweile breit. Aufgaben wie besiege Monster X oder finde Item Y können auf die Dauer nichts reißen - da kann ich genauso gut auf die Jagd nach Items für meine Skizzen gehen. Im Mehrspieler-Modus fällt die Auswahl aber etwas reichlicher aus.

Etwas, was mich besonders gestört hat, ist der Mangel an Rücksetzpunkten. Es gibt nämlich keine. Von der Stadt mal abgesehen kann man nur vor jedem Endgegnerkampf speichern. Wer vorher draufgeht, wird an den Anfang des aktuellen Dungeons zurückgeschickt, der komplett in den ursprünglichen Zustand versetzt wird. Dies frustriert vor allem später ungemein, wenn die Dungeons wirklich lang und zeitintensiv werden. Schnellspeichern? Fehlanzeige! Für ein Handheld-Rollenspiel einfach unverzeihlich. Dafür kann man sich jederzeit zurück in die Stadt warpen.

Die Steuerung ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Um zwischen den Magiesprüchen zu wechseln, muss die rechte Schultertaste in Kombination mit dem Steuerkreuz betätigt werden. Dazu muss der Charakter noch stillstehen und darf nicht angreifen. Im Eifer des Gefechts schnell mal den Feuerzauber auswählen kann somit schon zum tödlichen Fehler führen. Viel besser ist dagegen die alternative Touchscreen-Steuerung. Hier kann man sich ohne Unterbrechungen mit dem Stylus durch das Menü durchklicken. Wer aber gleichzeitig angreift, Magie auswählt und Items aufhebt, bekommt bald einen Knoten in der Hand. Strategisch ist es immer besser, die richtige Magie im Vorfeld parat zu haben. Wie es bei anderen Online- oder Mehrspieler-Rollenspielen üblich ist, gibt es hier keine Pausefunktion. Der obere Bildschirm zeigt das Geschehen, während unten zwischen Karte, Magieauswahl und Hauptmenü gewählt werden kann. Die Karte ist aufgrund der linearen Dungeon-Führung eigentlich überflüssig.

Nun möchte ich noch ein paar Worte zum Mehrspieler-Modus verlieren. Per W-LAN oder Online können bis zu vier Spieler gemeinsam auf Abenteuer gehen. Dabei gibt es eine großzügige Auswahl an Einstellungen wie zum Beispiel vorgefertigte Chat-Sätze. Wer weder Online-Zugang noch lokale Zockerfreunde hat, kann auch alternativ in der Stadt computergesteuerte Charaktere anheuern.

Die Grafik gehört zu den besten, die ich bis jetzt auf dem Nintendo DS zu sehen gekriegt habe. Die Orte sind großteils sehr hübsch anzuschauen, die Gegner sowie Spielcharaktere vorzüglich animiert. Alles ist niedlich und farbenfroh gehalten, selbst gefährliche Monster möchte man manchmal einfach nur knuddeln. Da verzeiht man den Entwicklern auch, dass manche Dungeons mehrmals Verwendung finden.

Der Soundtrack ist ebenfalls gelungen und begleitet das Geschehen mit heiteren Melodien. Wirkliche Ohrwurmqualität weist aber keines der Stücke auf. Die Zwischensequenzen werden alle in guter englischer Sprachausgabe wiedergegeben.

Nach dem erfolgreichen Durchspielen schaltet sich ein Bonus-Dungeon sowie ein Boss-Rush-Modus frei. Wer jetzt eine neue Herausforderung suchen sollte, der wendet sich aber lieber den Schwierigkeitsgraden "Hard" und anschließend "Very Hard" zu, da das Zusatzmaterial eher eine Hommage für die Fans darstellt. Während der neue Dungeon alten Hasen aus dem Cube-Erstling bekannt sein sollte, muss man im Boss-Rush-Modus gegen Endgegner aus dem direkten Vorgänger "Ring of Fates" kämpfen.

Fazit: "Echoes of Time" kann im Einzelspielermodus nicht wirklich überzeugen. Nur die hervorragende Präsentation sowie die Rätsel sind positiv hervorzuheben. Spielmechanik und Story sind austauschbar. Somit reiht sich das Spiel in die Reihe der mittlerweile unzähligen Durchschnittstitel auf dem DS ein. Zum Schnäppchenpreis kann es durchaus lockere, kurzweilige Unterhaltung bieten, man muss es aber nicht unbedingt gespielt haben. Wer jedoch vorwiegend mit Freunden oder online spielt und zuckersüße Fantasy-Welten mag, kann hier getrost zugreifen.