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Nur wenige Entwickler schaffen es durch einen originellen Stil aus der
Masse hervorzustechen. Suda51 und sein Team Grasshopper gehören
ganz sicher dazu. Besonders aufgefallen sind sie mit ihren durchgeknallten
Action-Spielen Killer 7 (Game Cube/Playstation 2) und No More Heroes
(Wii). Dabei kann Suda51 auch leise Töne anschlagen wie er mit
seinem nur in Japan erschienenen Playstation 2-Frühwerk "Flower,
Sun and Rain" beweist, das ohne viel Aufsehen für den Nintendo
DS portiert wurde. Diesmal auch bei uns.
Story: Sumio Mondo bezeichnet sich selbst als Sucher. Der
stylische Privatdetektiv hat sich ganz darauf spezialisiert, verlorene
Gegenstände aller Art wiederzufinden. Sein neuester Auftrag führt
ihn auf die idyllische Urlaubsinsel Lospass Island. Beim Hotelmanager
Edo Macalister erfährt er nähere Details und fällt direkt
aus allen Wolken. Er soll eine von Terroristen in einem Flugzeug versteckte
Bombe ausfindig machen! Edo versichert ihm, dass nur er in der Lage
wäre der Insel zu helfen. Geheuer ist Sumio die Sache nicht, aber
er hat noch nie einen Klienten abgewiesen oder gar einen Auftrag nicht
erfüllt. Nichts ahnend, auf was für einen Irrsinn er sich
da eingelassen hat, quartiert er sich im Hotel Flower, Sun and Rain
ein.
Die Einführung in das Spiel beginnt noch relativ harmlos, doch
allzu bald stolpert der Spieler mit Sumio in die bizarrsten Situationen.
Ein betrunkener Engel, das Dienstmädchen unter dem Bett oder die
hübsche Toriko, die ständig auf der Suche nach ihrem pinkfarbenen
Krokodil ist, stellen nur einige der auffälligen Charaktere dar.
Das Abenteuer ist in 18 Tage unterteilt, die vor allem anfangs noch
abgeschlossene Begebenheiten erzählen. Erst später wird ein
roter Faden sichtbar, der jedoch keineswegs Fragen beantwortet, sondern
eher neue aufwirft. Denn irgendwas auf der Insel scheint überhaupt
nicht in Ordnung zu sein.
Gameplay: Gleich zu Beginn überreicht Edo uns einen Reiseführer
mit den Worten: "Er wird ihnen sicherlich nützlich sein".
Wie wahr, denn die meisten Rätsellösungen sind in dem schlauen
Prospekt versteckt. Um das Hauptziel jedes Kapitels zu erreichen, muss
man einen Code herausfinden, der an einer bestimmten Stelle in den Computer
eingegeben werden muss. Bei diesem Vorgang ist Catherine, so nennt Sumio
seinen Laptop liebevoll, unerlässlich. Mit ihr kann man sich mit
Hilfe diverser Schnittstellen an alle interaktive Objekte, die mit einem
blau-roten Kreis sichtbar gemacht werden, einloggen. Dies beinhaltet
auch lebende Personen! Aus Gesprächen und Hinweisen wird erkennbar,
wo sich die Zahlen im Prospekt verstecken. Manchmal sind die Nummern
einfach nur abgedruckt, ein anderes Mal ist im Reiseführer eine
richtige Rätselnuss enthalten. Und hier liegt das größte
Problem von "Flower, Sun and Rain". Einige Aufgaben sind intelligent
und logisch, so dass es Spaß macht dem Code auf die Spur zu kommen.
Doch zu oft bleibt der Spieler hängen, weil die Lösung an
den Haaren herbeigezogen ist. Nicht immer ist das Spiel daran schuld.
Bei der deutschen Übersetzung hat man an einigen Stellen geschlampt
und unter anderem einige Zahlen falsch angereiht. Da die Reihenfolge
jedoch essentiell ist, können zwei Rätsel ohne Hilfe nicht
gelöst werden.
Catherine enthält eine kleine Datenbank. Dort können bereits
getroffene Personen und gelöste Rätsel eingesehen werden.
Für jeden Tag gibt es drei Extrarätsel, die nicht in die Story
eingebunden sind. Für ihre Auflösung erhält man Bonusgegenstände
zum Sammeln. Einige davon schalten bei einem erneuten Spiel alternative
Kostüme für Sumio frei. Ganz nützlich bei den Nebenmissionen
ist der automatische Schrittzähler. Mit einer bestimmten Schrittzahl
wird ein Suchsystem aktiviert, das beim Finden der Subquests hilft.
Apropos Laufen, die ersten Kapitel spielen sich noch innerhalb des Hotels
ab. In der zweiten Hälfte von "Flower, Sun and Rain"
ist der Spieler vor allem auf der Insel unterwegs. Die unterschiedlichen
Orte sind durch elendslange Laufwege erreichbar, die einfach nur nerven.
Ganz gut hat mir hingegen der Humor im Spiel gefallen. Selbstironisch,
bitterböse oder einfach nur ulkig - so ganz ernst haben die Programmierer
weder sich noch die Figuren genommen.
Grafik: Die eckige, pixelige 3D-Optik macht es schwer zu glauben,
dass es sich hierbei um eine Playstation 2-Portierung handelt. Egal
ob Personen oder Umgebung, hier ist einfach alles hässlich. Dabei
handelt es sich nicht mal um eine schlechte Umsetzung, denn die Originalfassung
sieht leider kaum besser aus.
Musik/Sound: Der Soundtrack besteht aus bekannten Stücken
der Klassik und Popkultur. Durch die schrille und piepsige Präsentation
wurden sie aber größtenteils unkenntlich gemacht. Einige
Stücke profitieren jedoch davon und lassen eine psychedelische,
surrealistische Atmosphäre aufkommen. Die anderen Lieder sind einfach
unhörbar. Gut, dass der Nintendo DS einen Lautstärkeregler
hat.
Fazit: Ohne die interessante Story hätte ich mich niemals
durchringen können "Flower, Sun and Rain" durchzuspielen.
Die lieblose Grafik und das unausgewogene Gameplay machen einige Passagen
zu einer echten Qual. Andererseits habe ich viele Figuren lieb gewonnen
und gerade die ersten Kapitel strotzen nur so vor Einfallsreichtum und
Witz. Mutige Fans von David Lynch-Filmen und Mathematik-Rätseln
können durchaus einen Blick riskieren. Alle anderen: Finger weg!
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