Flower, Sun and Rain
Adventure


Patricia
Oktober 09

 


Nur wenige Entwickler schaffen es durch einen originellen Stil aus der Masse hervorzustechen. Suda51 und sein Team Grasshopper gehören ganz sicher dazu. Besonders aufgefallen sind sie mit ihren durchgeknallten Action-Spielen Killer 7 (Game Cube/Playstation 2) und No More Heroes (Wii). Dabei kann Suda51 auch leise Töne anschlagen wie er mit seinem nur in Japan erschienenen Playstation 2-Frühwerk "Flower, Sun and Rain" beweist, das ohne viel Aufsehen für den Nintendo DS portiert wurde. Diesmal auch bei uns.

Story: Sumio Mondo bezeichnet sich selbst als Sucher. Der stylische Privatdetektiv hat sich ganz darauf spezialisiert, verlorene Gegenstände aller Art wiederzufinden. Sein neuester Auftrag führt ihn auf die idyllische Urlaubsinsel Lospass Island. Beim Hotelmanager Edo Macalister erfährt er nähere Details und fällt direkt aus allen Wolken. Er soll eine von Terroristen in einem Flugzeug versteckte Bombe ausfindig machen! Edo versichert ihm, dass nur er in der Lage wäre der Insel zu helfen. Geheuer ist Sumio die Sache nicht, aber er hat noch nie einen Klienten abgewiesen oder gar einen Auftrag nicht erfüllt. Nichts ahnend, auf was für einen Irrsinn er sich da eingelassen hat, quartiert er sich im Hotel Flower, Sun and Rain ein.
Die Einführung in das Spiel beginnt noch relativ harmlos, doch allzu bald stolpert der Spieler mit Sumio in die bizarrsten Situationen. Ein betrunkener Engel, das Dienstmädchen unter dem Bett oder die hübsche Toriko, die ständig auf der Suche nach ihrem pinkfarbenen Krokodil ist, stellen nur einige der auffälligen Charaktere dar. Das Abenteuer ist in 18 Tage unterteilt, die vor allem anfangs noch abgeschlossene Begebenheiten erzählen. Erst später wird ein roter Faden sichtbar, der jedoch keineswegs Fragen beantwortet, sondern eher neue aufwirft. Denn irgendwas auf der Insel scheint überhaupt nicht in Ordnung zu sein.

Gameplay: Gleich zu Beginn überreicht Edo uns einen Reiseführer mit den Worten: "Er wird ihnen sicherlich nützlich sein". Wie wahr, denn die meisten Rätsellösungen sind in dem schlauen Prospekt versteckt. Um das Hauptziel jedes Kapitels zu erreichen, muss man einen Code herausfinden, der an einer bestimmten Stelle in den Computer eingegeben werden muss. Bei diesem Vorgang ist Catherine, so nennt Sumio seinen Laptop liebevoll, unerlässlich. Mit ihr kann man sich mit Hilfe diverser Schnittstellen an alle interaktive Objekte, die mit einem blau-roten Kreis sichtbar gemacht werden, einloggen. Dies beinhaltet auch lebende Personen! Aus Gesprächen und Hinweisen wird erkennbar, wo sich die Zahlen im Prospekt verstecken. Manchmal sind die Nummern einfach nur abgedruckt, ein anderes Mal ist im Reiseführer eine richtige Rätselnuss enthalten. Und hier liegt das größte Problem von "Flower, Sun and Rain". Einige Aufgaben sind intelligent und logisch, so dass es Spaß macht dem Code auf die Spur zu kommen. Doch zu oft bleibt der Spieler hängen, weil die Lösung an den Haaren herbeigezogen ist. Nicht immer ist das Spiel daran schuld. Bei der deutschen Übersetzung hat man an einigen Stellen geschlampt und unter anderem einige Zahlen falsch angereiht. Da die Reihenfolge jedoch essentiell ist, können zwei Rätsel ohne Hilfe nicht gelöst werden.

Catherine enthält eine kleine Datenbank. Dort können bereits getroffene Personen und gelöste Rätsel eingesehen werden. Für jeden Tag gibt es drei Extrarätsel, die nicht in die Story eingebunden sind. Für ihre Auflösung erhält man Bonusgegenstände zum Sammeln. Einige davon schalten bei einem erneuten Spiel alternative Kostüme für Sumio frei. Ganz nützlich bei den Nebenmissionen ist der automatische Schrittzähler. Mit einer bestimmten Schrittzahl wird ein Suchsystem aktiviert, das beim Finden der Subquests hilft. Apropos Laufen, die ersten Kapitel spielen sich noch innerhalb des Hotels ab. In der zweiten Hälfte von "Flower, Sun and Rain" ist der Spieler vor allem auf der Insel unterwegs. Die unterschiedlichen Orte sind durch elendslange Laufwege erreichbar, die einfach nur nerven. Ganz gut hat mir hingegen der Humor im Spiel gefallen. Selbstironisch, bitterböse oder einfach nur ulkig - so ganz ernst haben die Programmierer weder sich noch die Figuren genommen.

Grafik: Die eckige, pixelige 3D-Optik macht es schwer zu glauben, dass es sich hierbei um eine Playstation 2-Portierung handelt. Egal ob Personen oder Umgebung, hier ist einfach alles hässlich. Dabei handelt es sich nicht mal um eine schlechte Umsetzung, denn die Originalfassung sieht leider kaum besser aus.

Musik/Sound: Der Soundtrack besteht aus bekannten Stücken der Klassik und Popkultur. Durch die schrille und piepsige Präsentation wurden sie aber größtenteils unkenntlich gemacht. Einige Stücke profitieren jedoch davon und lassen eine psychedelische, surrealistische Atmosphäre aufkommen. Die anderen Lieder sind einfach unhörbar. Gut, dass der Nintendo DS einen Lautstärkeregler hat.

Fazit: Ohne die interessante Story hätte ich mich niemals durchringen können "Flower, Sun and Rain" durchzuspielen. Die lieblose Grafik und das unausgewogene Gameplay machen einige Passagen zu einer echten Qual. Andererseits habe ich viele Figuren lieb gewonnen und gerade die ersten Kapitel strotzen nur so vor Einfallsreichtum und Witz. Mutige Fans von David Lynch-Filmen und Mathematik-Rätseln können durchaus einen Blick riskieren. Alle anderen: Finger weg!