Golden Axe
Beat´em up

Minrod
April 08
 

"Golden Axe", dieser Name steht nicht nur für irgendein Videospiel sondern für eine Legende. In der Videospielbranche ist "Golden Axe" ein wahrer Mythos, eine Größe, an die lange Zeit keiner heran kam. Mit diesem Spiel hat Sega wahrlich ein Glanzstück der Programmierarbeit geschaffen, das noch heute nichts von seinem ursprünglichen Reiz verloren hat. Auch wenn es keinen einzigen Spieler mehr geben dürfte, der "Golden Axe" nicht kennt, möchte ich diesem Spiel trotzdem einige Zeilen widmen, schon der schönen Erinnerungen an die gute alte Zeit wegen.

Als Vorreiter für Fantasy-Stage-Beat´em up´s erzählt "Golden Axe" die Geschichte dreier mutiger Krieger, die gegen den Tyrannen und Bösewicht Death Adder kämpfen. Als dieser den König des Landes und seine Tochter gefangen nimmt, machen sie sich auf den gefahrvollen Weg zum Schloss, um ihm das Handwerk zu legen. Der Barbar Ax Battler, die Amazone Tyris Flare sowie der Zwerg Gilius Thunderhead haben zudem noch eine Rechnung mit dem Usurpator offen und wollen ihre Waffen um jeden Preis in seinem Blut baden.

Spielerisch unterscheiden sich die drei Charaktere nur wenig voneinander. Mit dem ersten Button dreschen sie mit ihren Waffen auf die Feinde ein, mit dem zweiten können sie springen, primär um aus der Luft anzugreifen, sekundär um Hindernisse zu überwinden. Durch das gleichzeitige Drücken beider Buttons führen sie noch einen Rückwärtshieb aus, im Laufschritt rammen sie die Gegner. Damit sind mit Ausnahme der Magie alle Bewegungsmuster der Helden abgedeckt. Die Magie, die durch einen dritten Button ausgelöst wird, stellt den einzigen individuellen Angriff der drei Charaktere dar. Sie weist je nach Charakter unterschiedlich viele Levels auf und beruht auf der Kraft magischer Tränke. Die feurige Tyris Flare vermag auf dem höchsten Magielevel einen Drachen herbeizurufen, der alle Feinde auf dem Bildschirm mit seinem Feuerodem verbrennt. Dafür braucht sie aber eine stattliche Anzahl an Tränken. Ihre männlichen Kameraden sind nicht ganz so zauberkundig, können sich aber im Fall von Ax Battler mit Erdbeben und im Fall von Gilius Thunderhead mit Blitzen aushelfen.

Die Reise zum königlichen Schloss erstreckt sich über neun Spielabschnitte, die jedoch vier Bonusrunden beinhalten, in denen man kleine diebische Wichte um magische Tränke und Fleischstücke zur Wiederherstellung seiner drei Energiepunkte erleichtert. Der Kampf gegen Death Adders Schergen findet somit nur in ganzen fünf Spielabschnitten statt. Die Gegner sind sehr aggressiv und recht intelligent. In Überzahl machen sie einem das Leben wirklich zur Hölle. Besonders gemein sind die großen Bossgegner, die nur mit der richtigen Taktik ohne große Verluste klein beigeben. Hilfe im Kampf stellen einzig die exotischen Reittiere dar, die man den Feinden erst entreißen muss. Mit ihnen darf man die Gegner im wahrsten Sinne des Wortes wegfegen oder rösten.

"Golden Axe" ist mittlerweile fast 20 Jahre alt, macht aber auch noch heute verdammt viel Spaß. Besonders zu zweit, auch wenn die technische Darbietung stark veraltet ist. Damals ergaben die bunten Grafiken mitsamt Parallax-Scrolling jedoch ein wunderschönes Gesamtbild und die melodische Fantasy-Musik kam glorreichen Fanfaren gleich. Die teilweise seltsam klingenden Geräusche fielen damals keinem negativ auf. Heute betrachtet, bröckelt das einst so gewaltige Monument allmählich. Der Zahn der Zeit verschont wirklich nichts und niemanden. Neun Punkte sind aus meiner Sicht trotzdem noch drin. "Golden Axe" ist und bleibt ein zeitloser Klassiker!

Aufgrund des riesigen Erfolges in den Spielhallen, wurde "Golden Axe" selbstverständlich auch für sehr viele Heimsysteme konvertiert. Mit richtiger Liebe wurden sie jedoch nur von Sega selbst für ihre eigenen Konsolen Mega Drive und Master System umgesetzt. Deshalb gehe ich noch kurz auf diese beiden ein.

Mit deutlich geringerer Farbpalette und ohne Parallax-Scrolling ist die Mega Drive-Fassung technisch immer noch die beste Wahl für die eigenen vier Wände. Vor allem deshalb, weil das Spiel an sich um einige Punkte ergänzt wurde. Neben dem erweiterten Arcade-Modus hat Sega diese Umsetzung noch mit dem vereinfachten Beginner- sowie dem neuen Duell-Modus ausgestattet. Während der Beginner-Modus selbsterklärend ist, darf man im Duell-Modus rundenweise sein Können gegen immer stärker werdende Gegner oder seine eigenen Freunde unter Beweis stellen. Ansonsten spielt sich diese Umsetzung ähnlich gut wie das Original. Mit nur vier verfügbaren Credits muss man aber schon einiges an Geschick beweisen, um Death Adder ins Jenseits zu befördern. Die Energieanzeige lässt sich hier zum Glück noch auf bis zu fünf Energiepunkte aufstocken. Da die technischen Nachteile durch die recht vielen Neuerungen aufgewogen werden, gibt es auch hier neun Punkte.

Die Master System-Konvertierung wirkt dagegen stark abgespeckt. Der 2-Spieler-Modus ist nicht vorhanden und es gibt nur einen spielbaren Charakter. Tyris und Gilius passten nicht mehr auf das Modul, man darf nur mit Ax Battler spielen, der hier auf den Namen Tarik hört. Dafür kann er wahlweise auch noch auf die Feuer- oder die Blitz-Magie zurückgreifen. Das Spiel selbst zeigt sich jedoch von derart guter und fast unglaublich hoher Qualität, dass man den Programmierern die Kürzungen sofort verzeiht. Für die Systemleistung unglaubliche Grafiken, genauso große und zahlreiche Sprites wie auf dem großen Bruder stehen zweifelsfrei für eine gelungene Portierung. Derartige Leistung hätte ich dem kleinen Gerät nicht zugetraut! Technisch besser bestückte Konsolen wie zum Beispiel die PC-Engine werden dabei neidisch. Einziger Kritikpunkt ist der recht hohe Schwierigkeitsgrad, der durch einen einzigen Gnaden-Credit zustande kommt. Ich habe das Spiel früher sehr oft gespielt, beenden konnte ich es auf dem Master System jedoch nie. Aus diesem Grund vergebe ich dieser gelungenen Umsetzung keine neun sondern nur acht Punkte.