"Re-Vamp An Old Game With This New Kit!", dieser Blödsinn
steht auf dem in meinen Augen recht unpassenden und hässlichen englischen
Flyer von "Haunted Castle", einem Arcade-Spiel von Konami, das
auf Japanisch "Akumajou Dracula" heißt und somit schon
vom Namen her eindeutig den Castlevania-Spielen zuzuordnen ist. Den seltsamen
Satz empfinde ich als begeisterter Castlevania-Spieler deswegen als Nonsens,
da die Veröffentlichung des ersten Teils von "Castlevania"
zum Erscheinungstermin von "Haunted Castle" höchstens zwei
ganze Jahre zurücklag und "Castlevania" damals wohl noch
lange nicht zum alten Eisen gehört haben dürfte und weil "Haunted
Castle" design- und spieltechnisch dermaßen unausgereift wirkt,
dass man bei diesem schon fast abstrakt wirkenden Werk als Unwissender
eventuell annehmen könnte den wahren Ursprung der Castlevania-Reihe
vor Augen zu haben, was bekanntermaßen nicht der Fall ist. Weiterer
Blödsinn auf diesem Flyer ist die Betitelung des ersten Endgegners
als "Wicked Mermaid", wo doch jedem Blinden sofort auffällt,
dass es sich hierbei um Medusa handelt. Was sollte auch eine Meerjungfrau
in einem Schloss mitten in einem Gebirge zu suchen haben? Aber genug der
Aufregung. Widmen wir uns nun dem Spiel.
Mein erster Eindruck, als ich "Haunted Castle" anspielen
durfte, war folgender: "Was ist denn das! Die Spielfigur schaut
nicht nur so aus sondern bewegt sich auch noch so, als ob sie unter
chronischem Hexenschuss leiden würde." Ja, dies ist kein Scherz,
das Design der Spielfigur, welche Simon Belmont darstellt, ist wirklich
stark gewöhnungsbedürftig. Mit "Haunted Castle"
wurden die Abenteuer von Simon Belmont erneut aufgewärmt, aber
diesmal mit einigen kleinen Veränderungen. Das wirklich neue an
dieser neu erzählten Vampirgeschichte ist die Tatsache, dass Simons
gerade frisch geehelichte Braut Serena (Diesen Namen findet man offiziell
nirgendwo, aber inoffiziell wird Simons Frau von vielen Fans der Reihe
so genannt, und dem schließe ich mich an.) ihm von Dracula direkt
aus den Händen gerissen und auf sein dunkles Schloss verschleppt
wird. So wird Simons Motivation Dracula zu Fall zu bringen noch um ein
sehr persönliches Anliegen ergänzt. Sechs nicht allzu lange,
aber doch relativ schwer zu meisternde Spielabschnitte sind bei "Haunted
Castle" zu durchstreifen. Um sich der vielen typischen Castlevania-Gegner
zu erwehren, greift man auf die Peitsche und die Subwaffen wie Fackel,
Bombe, Bumerang, Zeituhr und Kreuz zurück. Die Peitsche kann im
Verlauf des Spieles gegen den stärkeren Morgenstern oder ein Schwert
getauscht werden. Auffällig ist hier das Fehlen der bei "Castlevania"
vorhandenen Kerzen, welche beim Zerschlagen die begehrten Herzen für
den Einsatz der Subwaffen und die Power up´s der Peitsche freigeben.
Diese wichtigen Sachen wie auch die Subwaffen werden hier von besiegten
Gegnern hinterlassen. Den Subwaffen fällt zudem eine besonders
wichtige Rolle zu, da sie sehr stark sind und bei einem gut platzierten
Treffer selbst die Endgegner schnell und direkt ins tiefste Grab befördern
können. Wirklich unheilig und unnötig schwer, wenn nicht sogar
schon unfair, sind bloß einige Stellen, die sich kaum ohne Energieverlust
bewältigen lassen und das Spiel dermaßen erschweren, dass
dem geneigten Spieler die Lust sehr schnell vergehen kann.
Auch wenn "Haunted Castle" auf den ersten Blick eher negativ
auffällt, so gibt es doch noch etwas Positives zu berichten. Wirklich
gut gelungen sind die großen Sprites der vielen Gegner und der
interessanten Bosse sowie der teilweise sehr bunte und kontrastreiche
Grafikstil, der vor allem im zweiten Level, der großen Höhle,
sehr schön zur Geltung kommt. Und auch die Musik wie die Soundeffekte
sind als sehr gelungen zu bezeichnen. So schlecht wie auf den ersten
Blick ist das Spiel also gar nicht, zumindest aus der technischen Sichtweise.
Man muss sich nur mit diesem etwas anderen Design ein wenig anfreunden
können. Aber über das Mittelmaß kommt "Haunted
Castle" wegen den vielen spielerischen Schwächen nicht hinaus.
Wahrscheinlich nur für die treuen und fanatischen Castlevania-Spieler
wurde "Haunted Castle" im Jahre 2006 für die Playstation
2 herausgebracht. Leider, oder zum Glück, nur in Japan erhältlich,
hält das Remake neben der Originalfassung noch einiges an Info-Material
und den Soundtrack parat. Wer alle Castlevania-Spiele in seinem Regal
stehen haben will, der kommt an diesem Release nicht vorbei.
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