Haunted Castle / Akumajou Dracula
Action

Lyrion
April 09

"Re-Vamp An Old Game With This New Kit!", dieser Blödsinn steht auf dem in meinen Augen recht unpassenden und hässlichen englischen Flyer von "Haunted Castle", einem Arcade-Spiel von Konami, das auf Japanisch "Akumajou Dracula" heißt und somit schon vom Namen her eindeutig den Castlevania-Spielen zuzuordnen ist. Den seltsamen Satz empfinde ich als begeisterter Castlevania-Spieler deswegen als Nonsens, da die Veröffentlichung des ersten Teils von "Castlevania" zum Erscheinungstermin von "Haunted Castle" höchstens zwei ganze Jahre zurücklag und "Castlevania" damals wohl noch lange nicht zum alten Eisen gehört haben dürfte und weil "Haunted Castle" design- und spieltechnisch dermaßen unausgereift wirkt, dass man bei diesem schon fast abstrakt wirkenden Werk als Unwissender eventuell annehmen könnte den wahren Ursprung der Castlevania-Reihe vor Augen zu haben, was bekanntermaßen nicht der Fall ist. Weiterer Blödsinn auf diesem Flyer ist die Betitelung des ersten Endgegners als "Wicked Mermaid", wo doch jedem Blinden sofort auffällt, dass es sich hierbei um Medusa handelt. Was sollte auch eine Meerjungfrau in einem Schloss mitten in einem Gebirge zu suchen haben? Aber genug der Aufregung. Widmen wir uns nun dem Spiel.

Mein erster Eindruck, als ich "Haunted Castle" anspielen durfte, war folgender: "Was ist denn das! Die Spielfigur schaut nicht nur so aus sondern bewegt sich auch noch so, als ob sie unter chronischem Hexenschuss leiden würde." Ja, dies ist kein Scherz, das Design der Spielfigur, welche Simon Belmont darstellt, ist wirklich stark gewöhnungsbedürftig. Mit "Haunted Castle" wurden die Abenteuer von Simon Belmont erneut aufgewärmt, aber diesmal mit einigen kleinen Veränderungen. Das wirklich neue an dieser neu erzählten Vampirgeschichte ist die Tatsache, dass Simons gerade frisch geehelichte Braut Serena (Diesen Namen findet man offiziell nirgendwo, aber inoffiziell wird Simons Frau von vielen Fans der Reihe so genannt, und dem schließe ich mich an.) ihm von Dracula direkt aus den Händen gerissen und auf sein dunkles Schloss verschleppt wird. So wird Simons Motivation Dracula zu Fall zu bringen noch um ein sehr persönliches Anliegen ergänzt. Sechs nicht allzu lange, aber doch relativ schwer zu meisternde Spielabschnitte sind bei "Haunted Castle" zu durchstreifen. Um sich der vielen typischen Castlevania-Gegner zu erwehren, greift man auf die Peitsche und die Subwaffen wie Fackel, Bombe, Bumerang, Zeituhr und Kreuz zurück. Die Peitsche kann im Verlauf des Spieles gegen den stärkeren Morgenstern oder ein Schwert getauscht werden. Auffällig ist hier das Fehlen der bei "Castlevania" vorhandenen Kerzen, welche beim Zerschlagen die begehrten Herzen für den Einsatz der Subwaffen und die Power up´s der Peitsche freigeben. Diese wichtigen Sachen wie auch die Subwaffen werden hier von besiegten Gegnern hinterlassen. Den Subwaffen fällt zudem eine besonders wichtige Rolle zu, da sie sehr stark sind und bei einem gut platzierten Treffer selbst die Endgegner schnell und direkt ins tiefste Grab befördern können. Wirklich unheilig und unnötig schwer, wenn nicht sogar schon unfair, sind bloß einige Stellen, die sich kaum ohne Energieverlust bewältigen lassen und das Spiel dermaßen erschweren, dass dem geneigten Spieler die Lust sehr schnell vergehen kann.

Auch wenn "Haunted Castle" auf den ersten Blick eher negativ auffällt, so gibt es doch noch etwas Positives zu berichten. Wirklich gut gelungen sind die großen Sprites der vielen Gegner und der interessanten Bosse sowie der teilweise sehr bunte und kontrastreiche Grafikstil, der vor allem im zweiten Level, der großen Höhle, sehr schön zur Geltung kommt. Und auch die Musik wie die Soundeffekte sind als sehr gelungen zu bezeichnen. So schlecht wie auf den ersten Blick ist das Spiel also gar nicht, zumindest aus der technischen Sichtweise. Man muss sich nur mit diesem etwas anderen Design ein wenig anfreunden können. Aber über das Mittelmaß kommt "Haunted Castle" wegen den vielen spielerischen Schwächen nicht hinaus.

Wahrscheinlich nur für die treuen und fanatischen Castlevania-Spieler wurde "Haunted Castle" im Jahre 2006 für die Playstation 2 herausgebracht. Leider, oder zum Glück, nur in Japan erhältlich, hält das Remake neben der Originalfassung noch einiges an Info-Material und den Soundtrack parat. Wer alle Castlevania-Spiele in seinem Regal stehen haben will, der kommt an diesem Release nicht vorbei.