Henry Hatsworth in the Puzzling Adventure
Action


Minrod
Mai 09

 


Trotz oder gerade wegen seines sensationellen Erfolgs wird der Nintendo DS mit einer wahren Flut von drittklassiger Software überhäuft. Die guten Spiele muss man deshalb mit der Lupe suchen. Wenn man jedoch etwas richtig Tolles aufspürt, wie im Fall des erst kürzlich erschienenen "Henry Hatsworth in the Puzzling Adventure", ist die Freude umso größer.

Als Bewohner des Teelandes ist Henry Hatsworth ein echter Gentleman, mit Anzug, Schlips und Melone, wie es sich eben gehört. Und als solcher ist er stets bestrebt, seinen Stil zu perfektionieren. Was würde einem passionierten alten Schatzsucher also besser zu Gesicht stehen als ein goldener Hut? Solch einem ist der alte und ergraute Haudegen bereits im tiefsten Dschungel auf der Spur, als wir ihn bei der Hand nehmen.

In schönster Comic-Grafik hüpft man mit dem munteren Oldtimer über den oberen Bildschirm und steht allzu bald vor dem Objekt seiner Begierde. Die Warnungen über einen möglichen Fluch in den Wind schlagend, setzt er den Hut auf und PLOP! Ein furchtbarer Knall ertönt, die Decke droht einzustürzen, aus heiterem Himmel tauchen Monster auf und der untere Bildschirm des NDS verwandelt sich in ein Puzzle-Spiel. Dies alles nimmt der plötzlich jung gewordene Henry aber gar nicht so richtig wahr, da er erst einmal seine Beine in die Hand nehmen muss. Wieder in Teeland erfährt er von seinem erstaunten Helfer Cole, dass durch seine Tat eine Verbindung zum Puzzle-Reich entstanden ist, die es unbedingt wieder zu schließen gilt. Ansonsten steht dem gesamten Teeland ein schreckliches Schicksal bevor. Leider reicht die Kraft des Huts dazu nicht aus, so dass andere Teile des legendären goldenen Gentleman-Outfits aufgespürt werden müssen, allen voran das Meisterteil. Daraufhin macht sich der unerschrockene Schatzsucher, gestärkt durch die Kraft des geheimnisvollen Huts, mit unserer Hilfe auf die Jagd nach den anderen mystischen Kleidungsstücken.

Die Odyssee erstreckt sich über fünf Kontinente, die jeweils in mehrere sehr umfangreiche Spielabschnitte unterteilt sind. Das Spiel präsentiert sich primär als waschechter Action-Plattformer, in dem Henry von Plattform zu Plattform hüpfen und dabei mit seinem Stock oder einigen Feuerwaffen Monster aus dem Puzzle-Reich bekämpfen muss. Sekundär ist es aber auch ein Puzzle-Spiel, auf das Henry mittels seines Huts zurückgreifen kann. Das Besondere an "Henry Hatsworth in the Puzzling Adventure" ist somit die Verknüpfung zweier ganz unterschiedlicher Spielgenres. Diese Verbindung beruht im Wesentlichen auf einer Puzzle- und Supermeterleiste. Die Puzzle-Leiste zeigt an, wie lange Henry sich im Puzzle-Reich, also im Puzzle-Modus, aufhalten darf. Durch das Betreten des Puzzle-Spieles pausiert die Plattform-Action automatisch, und man darf in der Art von "Panel de Pon" oder "Zoo Keeper" Puzzlesteine auflösen, indem man mindestens drei horizontal oder vertikal zusammen bringt. Die Steuerung erfolgt hierbei klassisch über das Steuerkreuz oder moderner und vor allem angenehmer mit dem Touchpen. Während die Puzzle-Leiste beim Puzzeln stetig abnimmt, füllt sich die Supermeterleiste durch die erzielten Puzzle-Erfolge auf. Ist die Puzzle-Leiste verbraucht, fliegt man automatisch aus diesem Modus raus, sofern man ihn nicht vorzeitig selbst verlässt. Zurück im Action-Spiel benötigt man eine möglichst volle Supermeterleiste, um gegen die zahlreichen Monster aus dem Puzzle-Reich bestehen zu können. Durch den Kampf mit ihnen lädt sich erneut die Puzzle-Leiste auf, die Benutzung der Schusswaffen sowie der altertümlichen Feuerbüchse und anderer Spezialangriffe zehrt wiederum an der Supermeterleiste. Diese gegenseitige Beeinflussung der beiden Spielarten stellt eine gelungene Grundlage des gesamten Spieles dar. Das Kräfteverhältnis zwischen den beiden unterschiedlichen Spielmechanismen kann im Laufe des Abenteuers durch den Kauf diverser Extras positiv beeinflusst werden. Nachdem nun die Basis erläutert ist, können wir uns jetzt den Details widmen, denn in "Henry Hatsworth in the Puzzling Adventure" steckt noch sehr viel mehr drin.

Fangen wir mit den Gegnern an. Die besiegten Monster sind nicht sofort tot, sondern tauchen in ihrer wahren Form als böse grinsende Steinchen in ihrer eigenen Welt und somit in unserem Puzzle-Spiel auf. Und da das Puzzle-Spiel nie pausiert und ständig neue Steine generiert, drohen sie nach Rache sinnend aus der Puzzle-Welt auszubrechen, sofern man sie nicht mit gleichfarbigen Steinen gänzlich vernichtet. Einmal draußen, machen sie einem das Leben als fliegende Steine im Action-Modus unnötig schwer. Und da die Gegner im Verlauf des Spieles immer zahlreicher und gemeiner werden, trifft dies auch auf die reanimierten Monstersteine zu. Besonders brenzlig sind die oft vorkommenden Hinterhalte, bei denen man von allen Seiten massiv bedrängt wird. In diesen Spielsituationen müssen zum Weiterkommen wirklich alle Monster besiegt werden. Dies führt zu einer richtigen Flut an Monstersteinen, die im Puzzle-Spiel unbedingt vernichtet werden müssen, will man sich nicht überrennen lassen. Im fortgeschrittenen Spielverlauf nimmt der Schwierigkeitsgrad dermaßen zu, dass man sich allzu viele Ausbrüche gar nicht leisten kann.

Die Massenvernichtung der sich mit Tränen in den Augen verabschiedenden Steinmonster bringt aber die Supermeterleiste richtig zum Glühen. Und diese hat auch noch ihre ganz besonderen Eigenschaften. Sie stellt die Kraft von Henrys Hut dar und beeinflusst somit seine Gesundheit. Wird sie voll aufgefüllt, schenkt sie Henry seine Jugend zurück, falls sie bereits durch zu hohen Energieverlust aufgebraucht wurde. Diese äußert sich nicht nur optisch sondern in Form von zusätzlichen silbernen Herzen. Sie garantieren die Kraft der Jugend. Werden sie aufgebraucht, wird man erneut alt und verliert noch zudem fast die gesamte Supermeterenergie. Dann heißt es wieder puzzeln und hoffen, dass die restlichen Herzen bis zur nächsten Verwandlung reichen. Soweit sollte man es jedoch nicht kommen lassen, da sich die Supermeterleiste noch ein zweites Mal auffüllen lässt. Schafft man dies, ist Tea Time angesagt! Diese in ganz Teeland praktizierte Tradition wird mit lustigen Bildern von berühmten Teeland-Bewohnern wie zum Beispiel Sherlock Holmes eingeläutet. Von fetzigen E-Gitarren-Klängen begleitet, taucht plötzlich ein Superduper-Kampfroboter auf, mit dem man dann kräftig aufräumen darf. Mit seinen zahlreichen Kampftechniken, die im Verlauf immer vielfältiger werden, ist er eine unschlagbare und unverzichtbare Hilfe. Leider verbraucht er permanent Supermeterenergie, so dass sein Einsatz zeitlich stark begrenzt ist. Durch zeitnahe Vernichtung der Steinmonster lässt er sich aber oft verlängern.

Zusätzliche Unterstützung im Kampf bieten noch einige Hilfsgegenstände wie Energieherzen oder Blitze, die nach dem Aufsammeln erst im Puzzle-Spiel landen und auch aufgelöst werden müssen. Erst dann zeigen sie Wirkung. Der Einsatz dieser Items muss somit nicht zwangsläufig sofort erfolgen. Man darf sie sich taktisch klug einteilen, was gerade bei den vielen anspruchsvollen Bosskämpfen notwendig ist. Als größter Widersacher unseres Protagonisten tritt Leopold Charles Anthony Weaselby der Dritte auf, ein zweitklassiger Schatzsucher und Henrys ewiger Rivale, der mit allen möglichen schmutzigen Tricks um jeden Preis die Nummer 1 des Schatzsucher-Clubs werden möchte. So muss man sich auf jedem Kontinent mit ihm und seinen Kumpanen auseinandersetzen. Und da sie sehr skurril und lustig ausfallen, bleibt dabei auch das Auge nicht ganz trocken. Mit total abgedrehten Attacken versuchen sie Henry an seiner Aufgabe zu hindern. Dabei wird das auf dem unteren Bildschirm ablaufende Puzzle-Spiel mit einbezogen, indem es beispielsweise mit riesigen Ankerketten nach oben gezogen oder nach und nach unbrauchbar gemacht wird. Die Programmierer gingen hier anscheinend voller Kreativität und Freude zu Werke. :)

Mit vielen versteckten Schatztruhen, geheimen Bonusräumen und alternativen Wegen gestalten sich die einzelnen Spielabschnitte ebenfalls sehr abwechslungsreich und interessant. Auch die unterschiedlichen grafischen Variationen innerhalb eines Kontinents fallen hier sehr positiv auf. Die erbeuteten goldenen Habseligkeiten des perfekten Gentlemans eröffnen dabei mit zusätzlichen Aktionsmöglichkeiten oft völlig neue Wege. Im regulären Spielablauf wird man gerade nur die Hälfte der begehrten Stücke ergattern. Viele verbergen sich in gut versteckten und vor allem sehr schweren Bonusabschnitten. Da man alle abgeschlossenen Spielbereiche jederzeit wieder besuchen darf, wird hier dem Forschergeist auch genügend geboten.

Technisch bewegt sich das Spiel auf einem hohen und soliden Level, auch wenn es die Möglichkeiten der Hardware ganz sicher nicht ausreizt. Die liebevolle und schön animierte Bitmapgrafik ist mir persönlich aber viel lieber als eine unausgegarte 3D-Arbeit. Die Steuerung geht jederzeit gut von der Hand und die Musik überzeugt mal mit traditionell britischen und mal mit rockigen Einlagen. Die zahlreichen Zwischensequenzen, in denen sich meistens Henry, Cole und Weaselby miteinander unterhalten, weisen eine eigene fiktive Sprachausgabe auf, die am Anfang noch ganz witzig, später aber etwas nervtötend wirkt. Irgendwelche Bugs, die mittlerweile leider auch im Konsolenbereich vorkommen, konnte ich glücklicherweise nicht ausmachen. :)

Fazit: "Henry Hatsworth in the Puzzling Adventure" ist ein in allen Punkten überzeugendes und vor allem innovatives Produkt. Es ist so toll, dass ich wirklich versucht bin es mit elf von zehn Punkten zu bewerten. Deshalb sage ich nur folgendes in den Worten des Teelandes: Grab it, if you can! Und in diesem Zusammenhang habe ich noch zwei Mitteilungen für euch, eine gute und eine schlechte. Die gute zuerst: Das Spiel wird zu einem Budget-Preis von ca. 20€ angeboten! Und die schlechte: Es ist bis jetzt nicht bei uns in Deutschland erschienen, so dass man auf einen Teeland-Import angewiesen ist.