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Trotz oder gerade wegen seines sensationellen Erfolgs wird der Nintendo
DS mit einer wahren Flut von drittklassiger Software überhäuft.
Die guten Spiele muss man deshalb mit der Lupe suchen. Wenn man jedoch
etwas richtig Tolles aufspürt, wie im Fall des erst kürzlich
erschienenen "Henry Hatsworth in the Puzzling Adventure",
ist die Freude umso größer.
Als Bewohner des Teelandes ist Henry Hatsworth ein echter Gentleman,
mit Anzug, Schlips und Melone, wie es sich eben gehört. Und als
solcher ist er stets bestrebt, seinen Stil zu perfektionieren. Was würde
einem passionierten alten Schatzsucher also besser zu Gesicht stehen
als ein goldener Hut? Solch einem ist der alte und ergraute Haudegen
bereits im tiefsten Dschungel auf der Spur, als wir ihn bei der Hand
nehmen.
In schönster Comic-Grafik hüpft man mit dem munteren Oldtimer
über den oberen Bildschirm und steht allzu bald vor dem Objekt
seiner Begierde. Die Warnungen über einen möglichen Fluch
in den Wind schlagend, setzt er den Hut auf und PLOP! Ein furchtbarer
Knall ertönt, die Decke droht einzustürzen, aus heiterem Himmel
tauchen Monster auf und der untere Bildschirm des NDS verwandelt sich
in ein Puzzle-Spiel. Dies alles nimmt der plötzlich jung gewordene
Henry aber gar nicht so richtig wahr, da er erst einmal seine Beine
in die Hand nehmen muss. Wieder in Teeland erfährt er von seinem
erstaunten Helfer Cole, dass durch seine Tat eine Verbindung zum Puzzle-Reich
entstanden ist, die es unbedingt wieder zu schließen gilt. Ansonsten
steht dem gesamten Teeland ein schreckliches Schicksal bevor. Leider
reicht die Kraft des Huts dazu nicht aus, so dass andere Teile des legendären
goldenen Gentleman-Outfits aufgespürt werden müssen, allen
voran das Meisterteil. Daraufhin macht sich der unerschrockene Schatzsucher,
gestärkt durch die Kraft des geheimnisvollen Huts, mit unserer
Hilfe auf die Jagd nach den anderen mystischen Kleidungsstücken.
Die Odyssee erstreckt sich über fünf Kontinente, die jeweils
in mehrere sehr umfangreiche Spielabschnitte unterteilt sind. Das Spiel
präsentiert sich primär als waschechter Action-Plattformer,
in dem Henry von Plattform zu Plattform hüpfen und dabei mit seinem
Stock oder einigen Feuerwaffen Monster aus dem Puzzle-Reich bekämpfen
muss. Sekundär ist es aber auch ein Puzzle-Spiel, auf das Henry
mittels seines Huts zurückgreifen kann. Das Besondere an "Henry
Hatsworth in the Puzzling Adventure" ist somit die Verknüpfung
zweier ganz unterschiedlicher Spielgenres. Diese Verbindung beruht im
Wesentlichen auf einer Puzzle- und Supermeterleiste. Die Puzzle-Leiste
zeigt an, wie lange Henry sich im Puzzle-Reich, also im Puzzle-Modus,
aufhalten darf. Durch das Betreten des Puzzle-Spieles pausiert die Plattform-Action
automatisch, und man darf in der Art von "Panel de Pon" oder
"Zoo Keeper" Puzzlesteine auflösen, indem man mindestens
drei horizontal oder vertikal zusammen bringt. Die Steuerung erfolgt
hierbei klassisch über das Steuerkreuz oder moderner und vor allem
angenehmer mit dem Touchpen. Während die Puzzle-Leiste beim Puzzeln
stetig abnimmt, füllt sich die Supermeterleiste durch die erzielten
Puzzle-Erfolge auf. Ist die Puzzle-Leiste verbraucht, fliegt man automatisch
aus diesem Modus raus, sofern man ihn nicht vorzeitig selbst verlässt.
Zurück im Action-Spiel benötigt man eine möglichst volle
Supermeterleiste, um gegen die zahlreichen Monster aus dem Puzzle-Reich
bestehen zu können. Durch den Kampf mit ihnen lädt sich erneut
die Puzzle-Leiste auf, die Benutzung der Schusswaffen sowie der altertümlichen
Feuerbüchse und anderer Spezialangriffe zehrt wiederum an der Supermeterleiste.
Diese gegenseitige Beeinflussung der beiden Spielarten stellt eine gelungene
Grundlage des gesamten Spieles dar. Das Kräfteverhältnis zwischen
den beiden unterschiedlichen Spielmechanismen kann im Laufe des Abenteuers
durch den Kauf diverser Extras positiv beeinflusst werden. Nachdem nun
die Basis erläutert ist, können wir uns jetzt den Details
widmen, denn in "Henry Hatsworth in the Puzzling Adventure"
steckt noch sehr viel mehr drin.
Fangen wir mit den Gegnern an. Die besiegten Monster sind nicht sofort
tot, sondern tauchen in ihrer wahren Form als böse grinsende Steinchen
in ihrer eigenen Welt und somit in unserem Puzzle-Spiel auf. Und da
das Puzzle-Spiel nie pausiert und ständig neue Steine generiert,
drohen sie nach Rache sinnend aus der Puzzle-Welt auszubrechen, sofern
man sie nicht mit gleichfarbigen Steinen gänzlich vernichtet. Einmal
draußen, machen sie einem das Leben als fliegende Steine im Action-Modus
unnötig schwer. Und da die Gegner im Verlauf des Spieles immer
zahlreicher und gemeiner werden, trifft dies auch auf die reanimierten
Monstersteine zu. Besonders brenzlig sind die oft vorkommenden Hinterhalte,
bei denen man von allen Seiten massiv bedrängt wird. In diesen
Spielsituationen müssen zum Weiterkommen wirklich alle Monster
besiegt werden. Dies führt zu einer richtigen Flut an Monstersteinen,
die im Puzzle-Spiel unbedingt vernichtet werden müssen, will man
sich nicht überrennen lassen. Im fortgeschrittenen Spielverlauf
nimmt der Schwierigkeitsgrad dermaßen zu, dass man sich allzu
viele Ausbrüche gar nicht leisten kann.
Die Massenvernichtung der sich mit Tränen in den Augen verabschiedenden
Steinmonster bringt aber die Supermeterleiste richtig zum Glühen.
Und diese hat auch noch ihre ganz besonderen Eigenschaften. Sie stellt
die Kraft von Henrys Hut dar und beeinflusst somit seine Gesundheit.
Wird sie voll aufgefüllt, schenkt sie Henry seine Jugend zurück,
falls sie bereits durch zu hohen Energieverlust aufgebraucht wurde.
Diese äußert sich nicht nur optisch sondern in Form von zusätzlichen
silbernen Herzen. Sie garantieren die Kraft der Jugend. Werden sie aufgebraucht,
wird man erneut alt und verliert noch zudem fast die gesamte Supermeterenergie.
Dann heißt es wieder puzzeln und hoffen, dass die restlichen Herzen
bis zur nächsten Verwandlung reichen. Soweit sollte man es jedoch
nicht kommen lassen, da sich die Supermeterleiste noch ein zweites Mal
auffüllen lässt. Schafft man dies, ist Tea Time angesagt!
Diese in ganz Teeland praktizierte Tradition wird mit lustigen Bildern
von berühmten Teeland-Bewohnern wie zum Beispiel Sherlock Holmes
eingeläutet. Von fetzigen E-Gitarren-Klängen begleitet, taucht
plötzlich ein Superduper-Kampfroboter auf, mit dem man dann kräftig
aufräumen darf. Mit seinen zahlreichen Kampftechniken, die im Verlauf
immer vielfältiger werden, ist er eine unschlagbare und unverzichtbare
Hilfe. Leider verbraucht er permanent Supermeterenergie, so dass sein
Einsatz zeitlich stark begrenzt ist. Durch zeitnahe Vernichtung der
Steinmonster lässt er sich aber oft verlängern.
Zusätzliche Unterstützung im Kampf bieten noch einige Hilfsgegenstände
wie Energieherzen oder Blitze, die nach dem Aufsammeln erst im Puzzle-Spiel
landen und auch aufgelöst werden müssen. Erst dann zeigen
sie Wirkung. Der Einsatz dieser Items muss somit nicht zwangsläufig
sofort erfolgen. Man darf sie sich taktisch klug einteilen, was gerade
bei den vielen anspruchsvollen Bosskämpfen notwendig ist. Als größter
Widersacher unseres Protagonisten tritt Leopold Charles Anthony Weaselby
der Dritte auf, ein zweitklassiger Schatzsucher und Henrys ewiger Rivale,
der mit allen möglichen schmutzigen Tricks um jeden Preis die Nummer
1 des Schatzsucher-Clubs werden möchte. So muss man sich auf jedem
Kontinent mit ihm und seinen Kumpanen auseinandersetzen. Und da sie
sehr skurril und lustig ausfallen, bleibt dabei auch das Auge nicht
ganz trocken. Mit total abgedrehten Attacken versuchen sie Henry an
seiner Aufgabe zu hindern. Dabei wird das auf dem unteren Bildschirm
ablaufende Puzzle-Spiel mit einbezogen, indem es beispielsweise mit
riesigen Ankerketten nach oben gezogen oder nach und nach unbrauchbar
gemacht wird. Die Programmierer gingen hier anscheinend voller Kreativität
und Freude zu Werke. :)
Mit vielen versteckten Schatztruhen, geheimen Bonusräumen und
alternativen Wegen gestalten sich die einzelnen Spielabschnitte ebenfalls
sehr abwechslungsreich und interessant. Auch die unterschiedlichen grafischen
Variationen innerhalb eines Kontinents fallen hier sehr positiv auf.
Die erbeuteten goldenen Habseligkeiten des perfekten Gentlemans eröffnen
dabei mit zusätzlichen Aktionsmöglichkeiten oft völlig
neue Wege. Im regulären Spielablauf wird man gerade nur die Hälfte
der begehrten Stücke ergattern. Viele verbergen sich in gut versteckten
und vor allem sehr schweren Bonusabschnitten. Da man alle abgeschlossenen
Spielbereiche jederzeit wieder besuchen darf, wird hier dem Forschergeist
auch genügend geboten.
Technisch bewegt sich das Spiel auf einem hohen und soliden Level,
auch wenn es die Möglichkeiten der Hardware ganz sicher nicht ausreizt.
Die liebevolle und schön animierte Bitmapgrafik ist mir persönlich
aber viel lieber als eine unausgegarte 3D-Arbeit. Die Steuerung geht
jederzeit gut von der Hand und die Musik überzeugt mal mit traditionell
britischen und mal mit rockigen Einlagen. Die zahlreichen Zwischensequenzen,
in denen sich meistens Henry, Cole und Weaselby miteinander unterhalten,
weisen eine eigene fiktive Sprachausgabe auf, die am Anfang noch ganz
witzig, später aber etwas nervtötend wirkt. Irgendwelche Bugs,
die mittlerweile leider auch im Konsolenbereich vorkommen, konnte ich
glücklicherweise nicht ausmachen. :)
Fazit: "Henry Hatsworth in the Puzzling Adventure" ist ein
in allen Punkten überzeugendes und vor allem innovatives Produkt.
Es ist so toll, dass ich wirklich versucht bin es mit elf von zehn Punkten
zu bewerten. Deshalb sage ich nur folgendes in den Worten des Teelandes:
Grab it, if you can! Und in diesem Zusammenhang habe ich noch zwei Mitteilungen
für euch, eine gute und eine schlechte. Die gute zuerst: Das Spiel
wird zu einem Budget-Preis von ca. 20€ angeboten! Und die schlechte:
Es ist bis jetzt nicht bei uns in Deutschland erschienen, so dass man
auf einen Teeland-Import angewiesen ist.
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