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Kid Icarus: Im Himmel ist die Hölle los!
Angel Land versinkt im Chaos, als Medusa, die Göttin der Dunkelheit,
mit ihren Schergen im Paradies einfällt und ihre Gegenspielerin
Palutena, die Göttin des Lichts, gefangen nimmt. Seitdem beherrschen
böse Dämonen das Himmelreich, während die Engel durch
Medusas Blick in Steinstatuen verwandelt nur noch zur Dekoration der
Umgebung taugen oder ihr Dasein in den Kerkern der Unterwelt fristen.
Einer der gefangenen Engel ist der junge Pit, dem Palutena mit ihrer
letzten Kraft einen magischen Bogen zukommen lässt und den sie
mit der Suche nach drei heiligen Artefakten beauftragt, mit deren Hilfe
Medusa besiegt werden kann. Und damit nimmt Pits größtes
Abenteuer seinen Anfang.
In der Riege der unzähligen Spiele für Nintendos erste Heimkonsole
gilt "Kid Icarus" zweifelsfrei als Urgestein. Als eine der
frühen Publikationen für das NES hat sich das Spiel seinerzeit
einer extrem großen Beliebtheit erfreut. Ich kann mich noch sehr
gut daran erinnern, wie ich es als kleiner Knirps voller Begeisterung
gespielt habe. Damals war ich noch ein blutiger Anfänger und habe
es nie allzu weit gebracht. Erst mehr als 20 Jahre später konnte
ich es auf meinem Game Boy Micro beenden. Die Neuauflage des Klassikers
hat es leider nicht mehr nach Deutschland geschafft, da die Reihe der
NES Classics bei uns mangels Erfolg vorzeitig eingestellt wurde. Will
man es also unbedingt für seinen Game Boy Advance haben, sollte
man fleißig nach dem japanischen Famicom Mini-Spiel "Hikari
Shinwa: Parutena no Kagami" Ausschau halten.
In gewohntem Plattform-Stil begleitet man Pit durch vier unterschiedliche
Welten, die insgesamt in 13 lange Spielabschnitte untergliedert sind.
Glücklicherweise laufen sie nicht alle nach ein und demselben Strickmuster
ab, sondern unterscheiden sich stark im Design.
In den ersten drei Spielabschnitten der ersten Welt muss sich unser
geflügelter Held aus den tiefsten Tiefen der Unterwelt an die Oberfläche
hocharbeiten, wobei man jederzeit von einer Bildschirmseite zur anderen
wechseln kann, als ob man einen runden Turm erklimmen würde. Dies
sorgt für einen hohen Anspruch bei den unzähligen Sprungaufgaben.
An zahlreichen Feinden vorbei, gilt es dabei auch noch möglichst
viele Punkte zu erzielen, die am Ende eines jeden Spielabschnitts für
die Verlängerung des eigenen Energiebalkens ausschlaggebend sind.
Leichter gesagt als getan, denn trotz Pits Flügeln endet jeder
Fehlsprung für ihn tödlich. Es sei denn, man kauft sich in
einem der Shops eine Feder, mit der man im Fall der Fälle kurzfristig
fliegen kann. Das Geld für derart teure Accessoires steht einem
zu Beginn des Spieles jedoch nicht zur Verfügung, weshalb man sich
am ersten Spielabschnitt öfters versuchen muss. Auch wegen des
recht kurzen Energiebalkens, der nicht allzu regen feindlichen Kontakt
befürwortet. "Kid Icarus" ist am Anfang wirklich sehr
schwer. Es dauert einige Zeit, bis man sich mit der Spielmechanik richtig
vertraut macht und die ersten Erfolge erzielt. Mit einem längeren
Energiebalken, der bei jedem Neustart leider nie aufgefüllt wird,
magischen Pfeilen und anderen hilfreichen Utensilien wird das Spiel
im Verlauf etwas gemächlicher. In Anbetracht des stetig steigenden
Schwierigkeitsgrades aber nicht unbedingt leichter.
Der vierte Spielabschnitt der ersten wie auch der zweiten und dritten
Welt präsentiert sich als ein Action-Adventure im Stile von "Zelda
2". In einer labyrinthartigen Festung muss jeweils einer der Wächter
der drei heiligen Schätze ausfindig gemacht und besiegt werden.
Bemerkenswert an diesen Spielabschnitten ist die Tatsache, dass man
hier versteinerte Engel rekrutieren kann, die dann einen beim Bosskampf
tatkräftig unterstützen. Für ein derart altes Spiel ist
dies eine besonders schöne und innovative Idee. Ansonsten muss
man sich in jeder der drei Festungen mit vielen gemeinen Feinden und
Fallen herumplagen. Erwähnenswert sind vor allem die fiesen kleinen
Glupsch-Wizards, die Pit in eine Aubergine verwandeln. In dieser Form
kann man seinen Bogen nicht benutzen und muss zur Rückverwandlung
eine Krankenstation aufsuchen, die sich irgendwo in der Festung befindet.
Eine wirklich unangenehme Angelegenheit, genau wie die Tatsache, dass
in den Festungen alle magischen Hilfsmittel ihren Dienst versagen. Dafür
kann man sich hier bei Bedarf mit einer Übersichtskarte aushelfen.
Die drei ersten Abschnitte der zweiten Welt finden auf der Oberfläche
statt und gleichen einem von links nach rechts verlaufenden Jump´n´run.
Die dritte Welt ist mit der ersten identisch, nur dass Pit sich jetzt
nicht durch die Unterwelt sondern durch das besetzte Angel Land nach
oben abmüht.
Ist man endlich im Besitz der drei Artefakte, zieht man in der vierten
und letzten Welt in die Endschlacht. Das Spiel präsentiert sich
hier als ein simpler Shooter, der jedoch aufgrund einer komplizierten
Steuerung unnötig schwer ist. Zumindest in der japanischen Originalfassung,
in der man einen Button zum Feuern und einen weiteren für das Schlagen
der Flügel gnadenlos bearbeiten muss. In der westlichen Fassung
hat man dies angeblich geändert, so dass Pit ganz von alleine fliegt.
Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Versionen
betrifft das Speichern des Fortschritts. Während die japanische
Fassung (die GBA-Neuauflage ist mit dieser identisch) für das Famicom
Disk System geschrieben wurde und nach jedem Spielabschnitt automatisch
speichert, wurde die westliche Umsetzung auf ein Modul gequetscht. Aus
diesem Grund muss man sich hierbei mit einem umständlichen Passwort-System
zufrieden geben.
Grafisch ist "Kid Icarus" sicherlich niemals ein Hingucker
gewesen. Alles wirkt eher schlicht und praktisch. Die Musik ist dagegen
melodisch und unterhaltsam. Insgesamt macht das Spiel aber eine gute
Figur, da alles flüssig dargestellt wird. Außerdem ist es
sehr abwechslungsreich und trotz des hohen Schwierigkeitsgrades spielenswert.
"Kid Icarus" erhält deshalb von mir neun Punkte. Es war
damals seiner Zeit deutlich voraus und kann heute immer noch begeistern.
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