Kid Icarus
Action-Adventure

Minrod
Mai 08
 


Kid Icarus: Im Himmel ist die Hölle los!

Angel Land versinkt im Chaos, als Medusa, die Göttin der Dunkelheit, mit ihren Schergen im Paradies einfällt und ihre Gegenspielerin Palutena, die Göttin des Lichts, gefangen nimmt. Seitdem beherrschen böse Dämonen das Himmelreich, während die Engel durch Medusas Blick in Steinstatuen verwandelt nur noch zur Dekoration der Umgebung taugen oder ihr Dasein in den Kerkern der Unterwelt fristen. Einer der gefangenen Engel ist der junge Pit, dem Palutena mit ihrer letzten Kraft einen magischen Bogen zukommen lässt und den sie mit der Suche nach drei heiligen Artefakten beauftragt, mit deren Hilfe Medusa besiegt werden kann. Und damit nimmt Pits größtes Abenteuer seinen Anfang.

In der Riege der unzähligen Spiele für Nintendos erste Heimkonsole gilt "Kid Icarus" zweifelsfrei als Urgestein. Als eine der frühen Publikationen für das NES hat sich das Spiel seinerzeit einer extrem großen Beliebtheit erfreut. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich es als kleiner Knirps voller Begeisterung gespielt habe. Damals war ich noch ein blutiger Anfänger und habe es nie allzu weit gebracht. Erst mehr als 20 Jahre später konnte ich es auf meinem Game Boy Micro beenden. Die Neuauflage des Klassikers hat es leider nicht mehr nach Deutschland geschafft, da die Reihe der NES Classics bei uns mangels Erfolg vorzeitig eingestellt wurde. Will man es also unbedingt für seinen Game Boy Advance haben, sollte man fleißig nach dem japanischen Famicom Mini-Spiel "Hikari Shinwa: Parutena no Kagami" Ausschau halten.

In gewohntem Plattform-Stil begleitet man Pit durch vier unterschiedliche Welten, die insgesamt in 13 lange Spielabschnitte untergliedert sind. Glücklicherweise laufen sie nicht alle nach ein und demselben Strickmuster ab, sondern unterscheiden sich stark im Design.

In den ersten drei Spielabschnitten der ersten Welt muss sich unser geflügelter Held aus den tiefsten Tiefen der Unterwelt an die Oberfläche hocharbeiten, wobei man jederzeit von einer Bildschirmseite zur anderen wechseln kann, als ob man einen runden Turm erklimmen würde. Dies sorgt für einen hohen Anspruch bei den unzähligen Sprungaufgaben. An zahlreichen Feinden vorbei, gilt es dabei auch noch möglichst viele Punkte zu erzielen, die am Ende eines jeden Spielabschnitts für die Verlängerung des eigenen Energiebalkens ausschlaggebend sind. Leichter gesagt als getan, denn trotz Pits Flügeln endet jeder Fehlsprung für ihn tödlich. Es sei denn, man kauft sich in einem der Shops eine Feder, mit der man im Fall der Fälle kurzfristig fliegen kann. Das Geld für derart teure Accessoires steht einem zu Beginn des Spieles jedoch nicht zur Verfügung, weshalb man sich am ersten Spielabschnitt öfters versuchen muss. Auch wegen des recht kurzen Energiebalkens, der nicht allzu regen feindlichen Kontakt befürwortet. "Kid Icarus" ist am Anfang wirklich sehr schwer. Es dauert einige Zeit, bis man sich mit der Spielmechanik richtig vertraut macht und die ersten Erfolge erzielt. Mit einem längeren Energiebalken, der bei jedem Neustart leider nie aufgefüllt wird, magischen Pfeilen und anderen hilfreichen Utensilien wird das Spiel im Verlauf etwas gemächlicher. In Anbetracht des stetig steigenden Schwierigkeitsgrades aber nicht unbedingt leichter.

Der vierte Spielabschnitt der ersten wie auch der zweiten und dritten Welt präsentiert sich als ein Action-Adventure im Stile von "Zelda 2". In einer labyrinthartigen Festung muss jeweils einer der Wächter der drei heiligen Schätze ausfindig gemacht und besiegt werden. Bemerkenswert an diesen Spielabschnitten ist die Tatsache, dass man hier versteinerte Engel rekrutieren kann, die dann einen beim Bosskampf tatkräftig unterstützen. Für ein derart altes Spiel ist dies eine besonders schöne und innovative Idee. Ansonsten muss man sich in jeder der drei Festungen mit vielen gemeinen Feinden und Fallen herumplagen. Erwähnenswert sind vor allem die fiesen kleinen Glupsch-Wizards, die Pit in eine Aubergine verwandeln. In dieser Form kann man seinen Bogen nicht benutzen und muss zur Rückverwandlung eine Krankenstation aufsuchen, die sich irgendwo in der Festung befindet. Eine wirklich unangenehme Angelegenheit, genau wie die Tatsache, dass in den Festungen alle magischen Hilfsmittel ihren Dienst versagen. Dafür kann man sich hier bei Bedarf mit einer Übersichtskarte aushelfen.

Die drei ersten Abschnitte der zweiten Welt finden auf der Oberfläche statt und gleichen einem von links nach rechts verlaufenden Jump´n´run. Die dritte Welt ist mit der ersten identisch, nur dass Pit sich jetzt nicht durch die Unterwelt sondern durch das besetzte Angel Land nach oben abmüht.

Ist man endlich im Besitz der drei Artefakte, zieht man in der vierten und letzten Welt in die Endschlacht. Das Spiel präsentiert sich hier als ein simpler Shooter, der jedoch aufgrund einer komplizierten Steuerung unnötig schwer ist. Zumindest in der japanischen Originalfassung, in der man einen Button zum Feuern und einen weiteren für das Schlagen der Flügel gnadenlos bearbeiten muss. In der westlichen Fassung hat man dies angeblich geändert, so dass Pit ganz von alleine fliegt.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Versionen betrifft das Speichern des Fortschritts. Während die japanische Fassung (die GBA-Neuauflage ist mit dieser identisch) für das Famicom Disk System geschrieben wurde und nach jedem Spielabschnitt automatisch speichert, wurde die westliche Umsetzung auf ein Modul gequetscht. Aus diesem Grund muss man sich hierbei mit einem umständlichen Passwort-System zufrieden geben.

Grafisch ist "Kid Icarus" sicherlich niemals ein Hingucker gewesen. Alles wirkt eher schlicht und praktisch. Die Musik ist dagegen melodisch und unterhaltsam. Insgesamt macht das Spiel aber eine gute Figur, da alles flüssig dargestellt wird. Außerdem ist es sehr abwechslungsreich und trotz des hohen Schwierigkeitsgrades spielenswert. "Kid Icarus" erhält deshalb von mir neun Punkte. Es war damals seiner Zeit deutlich voraus und kann heute immer noch begeistern.