Legend of Hero Tonma
Action

Minrod
Oktober 09

Was würdet ihr machen, wenn euch der Wind ein Blättchen mit dem verzweifelten Hilfegesuch einer Prinzessin zukommen lassen würde? Es auf dem Altpapierstapel neben der restlichen überflüssigen Reklame ablegen oder euch ins ungewisse Abenteuer stürzen? Der Held von Irems actionreichem Plattformspiel "Legend of Hero Tonma" entscheidet sich in genau solch einem Fall für die zweite Option und macht sich schnurstracks zur Insel Untrodden auf, wo die holde Maid bangend auf ihren Retter wartet. Würde sich einer von euch ebenfalls so entscheiden? Wohl kaum, denn ohne den passenden Zahnstocher, Super- oder gar Zauberkräfte würde man gegen irgendwelche finsteren Schurken nicht viel ausrichten können. Als Zauberlehrling vermag sich Tonma dagegen mit mächtigen Feuerbällen zu helfen, die er scharenweise auf die Gegner niederprasseln lässt.

Im Vordergrund dieses Arcade-Spieles steht definitiv massive Action, während die Jump´n´run-Elemente eher eine untergeordnete Rolle spielen, auch wenn man Mario-typisch auf alle Gegner draufhüpfen kann. In der Regel werden sie dabei nur kurzzeitig betäubt und geben erst nach mehreren Sprüngen klein bei. Da man jedoch ständig von allen Seiten bedrängt wird, stellen Tonmas Feuerbälle die weitaus bessere Alternative dar. Mit dem Feuerbutton im Dauereinsatz schnitzelt es sich am besten durch die Monstermassen, einem Shoot´em up-Spiel nicht ganz unähnlich. Die Feuerbälle entwickeln sich dabei durch mehrmalige Aufnahme von Power-Kapseln zu richtig riesigen Geschossen, die noch zusätzlich durch diverse Subwaffen verstärkt werden können. Und diese sind zweifelsfrei an der hauseigenen Shooter-Legende "R-Type" angelehnt.

Die Insel Untrodden besteht aus sechs oder, wenn man die finale Konfrontation separat zählt, sieben Spielabschnitten, die mit malerisch schönen Landschaften von den bunten, aber fiesen Gegnern ablenken. So erging es zumindest mir am Anfang, als ich mich an den tollen Grafiken nicht satt sehen konnte. Der hohe Schwierigkeitsgrad hat mich jedoch ruckzuck auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Das Abenteuer findet jeweils abwechselnd in drei horizontal und drei vertikal aufgebauten Levels statt. Während die etwas umfangreichen horizontalen ausreichend Rücksetzpunkte aufweisen, müssen die vertikalen komplett am Stück bewältigt werden. Und das mitsamt Bossgegner! Da die toll in Szene gesetzten Bosse wirklich knackig sind, wird man sich als unerfahrener Spieler mit "Legend of Hero Tonma" recht schwer tun. Das riesige Skelett am Ende des ersten und der fliegende Drache am Ende des zweiten Levels sind noch mit etwas Übung gut zu packen, der nachfolgende Teufelsbaum sowie die Steinwerfer am Ende des vierten Spielabschnitts können aber schon gewaltig am Geduldsfaden zerren, zumal jeder Bosskampf eine andere Strategie verlangt. Spieltechnisch ist dies jedoch wirklich hervorragend! Gegen Ende wird das Spiel aber Irem-typisch brutal schwer.

Etwas geruhsamer geht es in der einzigen Heimumsetzung für die PC-Engine zu. Die Gegner sind nicht so zahlreich und weniger aggressiv, so dass mit dem unerschöpflichen Vorrat an Continues die Aussichten auf Erfolg weitaus größer sind. Zumal Tonma sich hier ducken kann, was in der Arcade-Vorlage nicht möglich ist. Dadurch fällt das Spiel an manchen Stellen, ganz besonders beim letzten Bosskampf, wesentlich einfacher aus. Dafür muss man sich aber mit etwas abgespeckten Grafiken zufrieden geben, auch wenn sie für die Verhältnisse des Systems hervorragend sind. Die gelungenen musikalischen Ohrwürmer runden die gelungene Umsetzung des Spielhallenklassikers ab, der übrigens auch zum Download für die Wii zur Verfügung steht.

Mit "Legend of Hero Tonma" hat Irem eindrucksvoll bewiesen, dass sie sich nicht nur auf Shooter verstehen und auch in anderen Bereichen durchaus einiges zu Wege bringen. Das Spiel ist fordernd und dynamisch, in der Gesamtheit jedoch etwas kurz, was sich gerade bei erfahrenen Spielern negativ auswirken kann. Wegen des durchdachten und somit abwechslungsreichen Leveldesigns macht es aber immer wieder Spaß. Dem Original vergebe ich wegen dem zu hohen Schwierigkeitsgrad sieben Punkte, während die spielerisch ausgereiftere PC-Engine-Fassung einen Punkt mehr kriegt.