Was würdet ihr machen, wenn euch der Wind ein Blättchen mit
dem verzweifelten Hilfegesuch einer Prinzessin zukommen lassen würde?
Es auf dem Altpapierstapel neben der restlichen überflüssigen
Reklame ablegen oder euch ins ungewisse Abenteuer stürzen? Der Held
von Irems actionreichem Plattformspiel "Legend of Hero Tonma"
entscheidet sich in genau solch einem Fall für die zweite Option
und macht sich schnurstracks zur Insel Untrodden auf, wo die holde Maid
bangend auf ihren Retter wartet. Würde sich einer von euch ebenfalls
so entscheiden? Wohl kaum, denn ohne den passenden Zahnstocher, Super-
oder gar Zauberkräfte würde man gegen irgendwelche finsteren
Schurken nicht viel ausrichten können. Als Zauberlehrling vermag
sich Tonma dagegen mit mächtigen Feuerbällen zu helfen, die
er scharenweise auf die Gegner niederprasseln lässt.
Im Vordergrund dieses Arcade-Spieles steht definitiv massive Action,
während die Jump´n´run-Elemente eher eine untergeordnete
Rolle spielen, auch wenn man Mario-typisch auf alle Gegner draufhüpfen
kann. In der Regel werden sie dabei nur kurzzeitig betäubt und
geben erst nach mehreren Sprüngen klein bei. Da man jedoch ständig
von allen Seiten bedrängt wird, stellen Tonmas Feuerbälle
die weitaus bessere Alternative dar. Mit dem Feuerbutton im Dauereinsatz
schnitzelt es sich am besten durch die Monstermassen, einem Shoot´em
up-Spiel nicht ganz unähnlich. Die Feuerbälle entwickeln sich
dabei durch mehrmalige Aufnahme von Power-Kapseln zu richtig riesigen
Geschossen, die noch zusätzlich durch diverse Subwaffen verstärkt
werden können. Und diese sind zweifelsfrei an der hauseigenen Shooter-Legende
"R-Type" angelehnt.
Die Insel Untrodden besteht aus sechs oder, wenn man die finale Konfrontation
separat zählt, sieben Spielabschnitten, die mit malerisch schönen
Landschaften von den bunten, aber fiesen Gegnern ablenken. So erging
es zumindest mir am Anfang, als ich mich an den tollen Grafiken nicht
satt sehen konnte. Der hohe Schwierigkeitsgrad hat mich jedoch ruckzuck
auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Das Abenteuer findet
jeweils abwechselnd in drei horizontal und drei vertikal aufgebauten
Levels statt. Während die etwas umfangreichen horizontalen ausreichend
Rücksetzpunkte aufweisen, müssen die vertikalen komplett am
Stück bewältigt werden. Und das mitsamt Bossgegner! Da die
toll in Szene gesetzten Bosse wirklich knackig sind, wird man sich als
unerfahrener Spieler mit "Legend of Hero Tonma" recht schwer
tun. Das riesige Skelett am Ende des ersten und der fliegende Drache
am Ende des zweiten Levels sind noch mit etwas Übung gut zu packen,
der nachfolgende Teufelsbaum sowie die Steinwerfer am Ende des vierten
Spielabschnitts können aber schon gewaltig am Geduldsfaden zerren,
zumal jeder Bosskampf eine andere Strategie verlangt. Spieltechnisch
ist dies jedoch wirklich hervorragend! Gegen Ende wird das Spiel aber
Irem-typisch brutal schwer.
Etwas geruhsamer geht es in der einzigen Heimumsetzung für die
PC-Engine zu. Die Gegner sind nicht so zahlreich und weniger aggressiv,
so dass mit dem unerschöpflichen Vorrat an Continues die Aussichten
auf Erfolg weitaus größer sind. Zumal Tonma sich hier ducken
kann, was in der Arcade-Vorlage nicht möglich ist. Dadurch fällt
das Spiel an manchen Stellen, ganz besonders beim letzten Bosskampf,
wesentlich einfacher aus. Dafür muss man sich aber mit etwas abgespeckten
Grafiken zufrieden geben, auch wenn sie für die Verhältnisse
des Systems hervorragend sind. Die gelungenen musikalischen Ohrwürmer
runden die gelungene Umsetzung des Spielhallenklassikers ab, der übrigens
auch zum Download für die Wii zur Verfügung steht.
Mit "Legend of Hero Tonma" hat Irem eindrucksvoll bewiesen,
dass sie sich nicht nur auf Shooter verstehen und auch in anderen Bereichen
durchaus einiges zu Wege bringen. Das Spiel ist fordernd und dynamisch,
in der Gesamtheit jedoch etwas kurz, was sich gerade bei erfahrenen
Spielern negativ auswirken kann. Wegen des durchdachten und somit abwechslungsreichen
Leveldesigns macht es aber immer wieder Spaß. Dem Original vergebe
ich wegen dem zu hohen Schwierigkeitsgrad sieben Punkte, während
die spielerisch ausgereiftere PC-Engine-Fassung einen Punkt mehr kriegt.
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