Mit "The Legend of Kage" kreierte Taito ein relativ kurzweiliges
und unauffälliges Arcade-Spiel, zumindest wenn man es heutzutage
betrachtet. Vor über 20 Jahren war es aber ganz sicher alles andere
als unspektakulär, und so mancher Spieler wird bestimmt noch einige
gute Erinnerungen an dieses exotische Ninja-Abenteuer hegen, genauso wie
ich. Da vor nicht allzu langer Zeit der Ninja Kage ein Comeback auf dem
Nintendo DS feiern konnte und das Urspiel auf den Compilations "Taito
Legends 2" sowie "Taito Legends Power-Up" zu finden ist,
möchte ich einige Sätze zu diesem alten Schinken schreiben,
um es den Unkundigen etwas näher zu bringen.
Wie bei vielen anderen alten Spielen ist die Story ziemlich simpel
und erinnert an althergebrachte, nach Schema A gestrickte Märchen.
Es gibt Bösewichte, die nichts Gutes im Schilde führen, eine
Prinzessin, die natürlich von ihnen entführt wird, und den
obligatorischen Helden, der mit unglaublichen Kräften alles wieder
ins Lot bringt. Bei "The Legend of Kage" sieht dies dann so
aus: der Held des Spieles ist ein Ninja namens Kage (was auf Japanisch
Schatten bedeutet) aus dem berühmten Dorf Iga, das entführte
Opfer ist die Prinzessin Kirihime (auf dem NES einfach nur Kiri), und
die Bösewichte sind Yoshiro Yukigusa (bzw. Youshirou oder Yoshi,
wie in der NES-Version abgekürzt) und dessen treuer Gefolgsmann
Yukinosuke Kiri (auf dem NES Yuki). Nachdem nun alle Hauptdarsteller
bekannt sind, kann das furiose Schauspiel beginnen. Also Bühne
frei für den ersten Akt.
Das Spiel ist in zwei Akte mit jeweils vier Szenen unterteilt: die
Wald-Szene, in der erst drei weiße und anschließend ein
roter magischer Mönch besiegt werden müssen, die Versteckte-Passage-Szene,
in der man bloß eine vorgegebene Anzahl an angreifenden Ninjas
bezwingen muss, die Burgmauer-Szene, in der die Festung erklettert wird
sowie die Schloss-Szene, in der die gefesselte Prinzessin auf ihren
Retter wartet. Schafft man es Prinzessin Kirihime zu befreien, muss
man hilflos mit ansehen wie Yukinosuke sie Kage quasi aus den Händen
entreißt. Ist man dann im Zweikampf gegen Yukinosuke auch noch
siegreich, ist der erste Akt vorüber, und man beginnt sogleich
mit der selben Prozedur von vorne, also mit dem zweiten Akt, nur mit
dem kleinen Unterschied, dass die gesamte Umgebung nun in herbstliches
Rot getaucht ist, der Endgegner diesmal Yoshiro Yukigusa höchstpersönlich
ist und das ganze Unterfangen um einiges schwieriger wird. Erst wenn
man auch noch Yoshiro besiegt, bekommt man den kurzen Abspann zu sehen.
However… Das Spiel geht natürlich dann noch weiter, wieder
von vorne, mit einem noch höheren Schwierigkeitsgrad und diesmal
im Winter.
Wie man sehen kann, bietet "The Legend of Kage" doch recht
viel Abwechslung. Die einzelnen Spielabschnitte sind aber dermaßen
kurz gehalten, dass sie aus heutiger Sicht betrachtet eher wie ein Aufwärmspielchen
wirken. Den ersten Akt kann man mühelos in weniger als fünf
Minuten schaffen, sofern man mit der nicht ganz so einwandfreien Steuerung
zurecht kommt. Wenn Kage hoch in die Luft hüpft, was das Markenzeichen
des Spieles ist, mit seiner Waffe kämpft oder mit einer endlosen
Salve an Shurikens den Himmel verdunkelt (das ist jetzt nicht ernst
gemeint =) ), dann könnte man wirklich glauben, ein Puppentheater
zu verfolgen, denn die Figuren wirken wie an Fäden gezogen. Da
es ein altes Spiel ist, darf man von der Grafik und Akustik nicht allzu
viel erwarten. Wenn mich nicht alles täuscht, habe ich jetzt schon
alles zu dem Spiel gesagt. Ach, da fällt mir doch noch was ein.
Im Spiel kann man auch noch eine magische Schriftrolle finden, mit der
sich alle anstürmenden Gegner auf einmal vernichten lassen. Das
sieht dann aus, als ob es Ninjas regnen würde. Sehr bizarr. Und
man kann auch die Bäume hochklettern, aber so wirklich brauchbar
ist diese Fähigkeit nicht.
"The Legend of Kage" wird für die meisten Spieler sicherlich
nicht mehr eines Blickes würdig sein, es sei denn man kennt es
von früher. Objektiv kann ich daher nur eine durchschnittliche
Bewertung vergeben, möchte aber an dieser Stelle noch ausdrücklich
auf die gelungene Fortsetzung auf dem Nintendo DS verweisen.
Von "The Legend of Kage" gibt es auch einige Konvertierungen
für Heimsysteme, von denen mir die C-64- und die NES-Version bekannt
sind. Beide unterscheiden sich natürlich am meisten in den technischen
Aspekten von der Arcade-Version. Die C-64-Version ist extrem grobpixelig
und weist eine relativ zögerliche Steuerung auf, wofür ich
ihr noch einen Punkt in der Wertung abziehen muss. Aber dafür wartet
sie mit dem wohl am besten klingenden Kage-Song auf, der wie ein Shuriken
sofort in die Gehörgänge fliegt. =) Dadurch übt das Spiel
doch einen gewissen Reiz aus. Die NES-Konvertierung sieht grafisch ebenso
mager aus, die Animationen wirken aber am flüssigsten. Das Design
ist dagegen etwas kindgerechter ausgefallen, was allerdings nicht negativ
auffällt. Hier wurde das Spiel auch noch um einige Extras erweitert,
welche die Shuriken vergrößern, einen Shuriken-Rundumangriff
erlauben, Schnelligkeit verleihen, Schutz bieten oder zeitweise einen
Schatten von Kage erzeugen, der neben der doppelten Angriffskraft auch
noch Unverwundbarkeit gewährt. Zudem müssen bei dieser Version
drei Akte, Sommer, Herbst und Winter, bewältigt werden, bevor Kage
die Prinzessin Kiri in seine Arme schließen kann. Dadurch gibt
es noch einen weiteren Endgegner, die Zwillingsmönche, welche am
Ende des Sommer-Aktes auf Kage lauern.
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