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"The Legend of Kage 2" oder die Reinkarnation einer Ninja-Legende
Ein antiquiert anmutendes Action-Gehüpfe, das in jeder Beziehung
unspektakulär ist - mit diesen Worten wurde das Spiel "The
Legend of Kage 2" im Fachmagazin meines Vertrauens kurz und bündig
beschrieben und mit 61 von 100 Punkten bewertet, womit ich mich ganz
und gar nicht zufrieden geben kann. Schließlich bin ich schon
etwas länger im Besitz dieses hierzulande seltsamerweise von Square
Enix vertriebenen DS-Titels von Taito und kann mehr Positives als Negatives
berichten. Womöglich liegt es aber auch daran, dass mir der Vorgänger,
den ich zumindest auf dem Commodore 64 regelmäßig spielen
konnte, schon seinerzeit ziemlich gut gefiel. "The Legend of Kage
2" setzt relativ nahtlos an das alte Spiel aus den 80´ern
an, ohne an der bekannten Spielmechanik etwas zu verändern. Aus
diesem Grund kann ich das Adjektiv "antiquiert" auch akzeptieren,
jedoch ohne einen negativen Beigeschmack, denn durch eine schöne
bunte Grafik im Anime-Stil sowie kleine zeitgemäße Ergänzungen
im Spieldesign bekommen alte Hasen und Nostalgiker erneut ein breites
Grinsen auf ihr Gesicht gezaubert.
Schaut man sich die Story von "The Legend of Kage 2" etwas
genauer an, so kann man auf die Idee kommen, dass dieser zweite Teil
nicht als Fortsetzung sondern vielmehr als Neuauflage des ersten Teils
zu betrachten ist. Dieselben Namen, die man aus "The Legend of
Kage" bereits kennt, tauchen auch hier wieder auf: Kage, ein Ninja
aus dem Dorf Iga, als Held und Retter der noblen und mit einer gottgleichen
wie zerstörerischen Macht behafteten Priesterin Kirihime (in Teil
1 ist Kirihime allerdings eine Prinzessin), Yoshiro Yukikusa (in Teil
1 wird sein Name etwas anders geschrieben, nämlich Yoshiro Yukigusa,
was sicherlich auf die unterschiedliche Interpretation der Kanji-Schriftzeichen
zurückzuführen ist), der Oberbösewicht, der Kirihimes
Macht missbrauchen will, um die Welt für eine ihm widerfahrene
Ungerechtigkeit zu bestrafen und sein ihm absolut treu ergebener Handlager
und Ninja-Kämpfer Yukinosuke Kiri. Das Spielgeschehen findet in
der Tokugawa-Epoche statt und wird in zahlreichen Zwischensequenzen
und Dialogen wiedergegeben, was der Entwicklung der Charaktere zu Gute
kommt und so auch noch die Spannung steigert. Die Integration einiger
neuer Charaktere wie z.B. Hanzo Hattori, welcher hier als das legendäre
Oberhaupt der Iga-Ninjas und treuer Tokugawa-Anhänger fungiert,
verleiht der Story zusätzlich noch ein wenig mehr Würze. Und
das Beste: es gibt sogar einen zweiten spielbaren Charakter, eine junge,
mit Kusarigama (Kugel-Sichel-Kette) bewaffnete Kunoichi namens Chihiro.
Man könnte also sagen, dass das alte Spiel emanzipiert worden ist.
=)
Auch spielerisch ist fast alles beim Alten geblieben. Mit Riesensprüngen
hüpft man mit Kage oder Chihiro lockerleicht durch Baumkronen und
über Dächer der 13 sehr ausgedehnten Spielabschnitte und erwehrt
sich laufend einer Unmenge feindlicher Ninjas und anderer noch gefährlicherer
Gegner wie der magischen Mönche oder fliegender Tengus. Diese,
für einen modernen Spieler doch recht eintönig wirkende Aufgabe
wird lediglich durch die Suche nach den in den weiten Arealen selten
vorkommenden Schatztruhen und gelben Ninjas aufgelockert, die den Spieler
mit Elementkugeln oder einem kleinen Anstieg des Energiebalkens belohnen.
Die Elementkugeln, welche den vier Elementen Feuer, Wasser, Blitz und
Nichts zugeordnet sind, dienen der Erstellung der vielfältigsten
Formen des Ninjutsu. Dies kann man in einem speziellen Menü zwischen
den einzelnen Levels tun. Um brauchbare Techniken zu erlernen, müssen
die Kugeln verschiedenfaltig in allen nur denkbaren Dreierformationen
miteinander kombiniert werden. Dabei gilt: je mehr Kugeln man besitzt
und sinnvoll miteinander kombiniert, desto stärker wird die Ninja-Magie.
Leider ist der Gebrauch der stärksten Ninjutsu-Techniken durch
die hohen Magiekosten stark limitiert und auch immer zeitlich sehr begrenzt,
daher empfiehlt sich viel lieber der Einsatz einfacherer Techniken,
die man dafür öfters nutzen kann. Mit dem Fortschreiten des
Spiels werden auch die allgemeinen Ninjutsu-Fertigkeiten der beiden
Protagonisten verbessert, was ein weiterer großer Anreiz ist sich
mit "The Legend of Kage 2" intensiv auseinanderzusetzen. So
können Kage und Chihiro mit der Zeit immer höher springen,
immer mehr Shurikens auf einmal werfen bzw. mit der Kugel der Kusarigama
schneller hantieren, immer stärkere Angriffe und spezielle Techniken
ausführen oder gegnerische Shurikens abwehren. Es gibt also ein
breites Spektrum an Aktionsmöglichkeiten, aus denen man sich seine
bevorzugte Spielweise aussuchen darf. Dies verleiht dem Spiel das gewisse
Etwas und weiß auf lange Sicht zu gefallen.
Die wichtigsten Motivationsträger von "The Legend of Kage
2" sind aber die Endgegner. Am Ende eines jeden Levels wartet ein
mit starken dämonischen Kräften ausgestatteter Obermotz auf
Kage oder Chihiro, der viel verträgt und wahrlich nicht einfach
zu schlagen ist. Nur mit der richtigen Taktik, einem überlegten
Einsatz der Ninja-Magie und etwas Vorsicht und Geduld wird man den Sieg
davontragen können. Die Endgegner sind jedoch nie unfair, auch
wenn sie zum Schluss hin immer noch etwas mehr Dampf machen. Einige
sind zudem auch echte Augengucker. Vor allem der allerletzte, mehrere
DS-Schirme große Boss rechtfertigt schon alleine die Anschaffung
des Spieles, auch wenn die Grafik keine echten 3D-Effekte bietet und
das Spielprinzip schon in der Tat leicht angestaubt ist. Dafür
bekommt man immerhin eine tolle Soundkulisse geboten, die garantiert
einige Ohrwürmer bereithält. Retro-Spieler sollten ohnehin
nicht lange warten und sich "The Legend of Kage 2" sofort
und ohne zu überlegen zulegen, solange man es noch irgendwo auftreiben
kann. Mit 3D-Effekten und digitalisierter Grafik verwöhnte Spieler
sollten lieber erst einen Blick auf dieses Spiel riskieren, bevor sie
eventuell total unglücklich und depressiv werden. Ich mag das Spiel
sehr und vergebe daher acht Punkte. Leichte Abzüge gibt es für
das doch etwas schwache Leveldesign und die geringfügig humpelnde
Steuerung.
Um bei diesem Spiel alles zu sehen, muss man es übrigens mehrmals
zu Ende spielen, denn beim ersten Durchlauf schafft man es nicht alle
Techniken zu erlernen und alle Elementkugeln zu finden. Zudem können
die eigenen Kombo- und Score-Rekorde gebrochen werden und es winken
Belohnungen in Form von Einträgen in der Bilder-Galerie.
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