Legend of Kage 2, The
Action


Lyrion
Januar 09

 


"The Legend of Kage 2" oder die Reinkarnation einer Ninja-Legende

Ein antiquiert anmutendes Action-Gehüpfe, das in jeder Beziehung unspektakulär ist - mit diesen Worten wurde das Spiel "The Legend of Kage 2" im Fachmagazin meines Vertrauens kurz und bündig beschrieben und mit 61 von 100 Punkten bewertet, womit ich mich ganz und gar nicht zufrieden geben kann. Schließlich bin ich schon etwas länger im Besitz dieses hierzulande seltsamerweise von Square Enix vertriebenen DS-Titels von Taito und kann mehr Positives als Negatives berichten. Womöglich liegt es aber auch daran, dass mir der Vorgänger, den ich zumindest auf dem Commodore 64 regelmäßig spielen konnte, schon seinerzeit ziemlich gut gefiel. "The Legend of Kage 2" setzt relativ nahtlos an das alte Spiel aus den 80´ern an, ohne an der bekannten Spielmechanik etwas zu verändern. Aus diesem Grund kann ich das Adjektiv "antiquiert" auch akzeptieren, jedoch ohne einen negativen Beigeschmack, denn durch eine schöne bunte Grafik im Anime-Stil sowie kleine zeitgemäße Ergänzungen im Spieldesign bekommen alte Hasen und Nostalgiker erneut ein breites Grinsen auf ihr Gesicht gezaubert.

Schaut man sich die Story von "The Legend of Kage 2" etwas genauer an, so kann man auf die Idee kommen, dass dieser zweite Teil nicht als Fortsetzung sondern vielmehr als Neuauflage des ersten Teils zu betrachten ist. Dieselben Namen, die man aus "The Legend of Kage" bereits kennt, tauchen auch hier wieder auf: Kage, ein Ninja aus dem Dorf Iga, als Held und Retter der noblen und mit einer gottgleichen wie zerstörerischen Macht behafteten Priesterin Kirihime (in Teil 1 ist Kirihime allerdings eine Prinzessin), Yoshiro Yukikusa (in Teil 1 wird sein Name etwas anders geschrieben, nämlich Yoshiro Yukigusa, was sicherlich auf die unterschiedliche Interpretation der Kanji-Schriftzeichen zurückzuführen ist), der Oberbösewicht, der Kirihimes Macht missbrauchen will, um die Welt für eine ihm widerfahrene Ungerechtigkeit zu bestrafen und sein ihm absolut treu ergebener Handlager und Ninja-Kämpfer Yukinosuke Kiri. Das Spielgeschehen findet in der Tokugawa-Epoche statt und wird in zahlreichen Zwischensequenzen und Dialogen wiedergegeben, was der Entwicklung der Charaktere zu Gute kommt und so auch noch die Spannung steigert. Die Integration einiger neuer Charaktere wie z.B. Hanzo Hattori, welcher hier als das legendäre Oberhaupt der Iga-Ninjas und treuer Tokugawa-Anhänger fungiert, verleiht der Story zusätzlich noch ein wenig mehr Würze. Und das Beste: es gibt sogar einen zweiten spielbaren Charakter, eine junge, mit Kusarigama (Kugel-Sichel-Kette) bewaffnete Kunoichi namens Chihiro. Man könnte also sagen, dass das alte Spiel emanzipiert worden ist. =)

Auch spielerisch ist fast alles beim Alten geblieben. Mit Riesensprüngen hüpft man mit Kage oder Chihiro lockerleicht durch Baumkronen und über Dächer der 13 sehr ausgedehnten Spielabschnitte und erwehrt sich laufend einer Unmenge feindlicher Ninjas und anderer noch gefährlicherer Gegner wie der magischen Mönche oder fliegender Tengus. Diese, für einen modernen Spieler doch recht eintönig wirkende Aufgabe wird lediglich durch die Suche nach den in den weiten Arealen selten vorkommenden Schatztruhen und gelben Ninjas aufgelockert, die den Spieler mit Elementkugeln oder einem kleinen Anstieg des Energiebalkens belohnen. Die Elementkugeln, welche den vier Elementen Feuer, Wasser, Blitz und Nichts zugeordnet sind, dienen der Erstellung der vielfältigsten Formen des Ninjutsu. Dies kann man in einem speziellen Menü zwischen den einzelnen Levels tun. Um brauchbare Techniken zu erlernen, müssen die Kugeln verschiedenfaltig in allen nur denkbaren Dreierformationen miteinander kombiniert werden. Dabei gilt: je mehr Kugeln man besitzt und sinnvoll miteinander kombiniert, desto stärker wird die Ninja-Magie. Leider ist der Gebrauch der stärksten Ninjutsu-Techniken durch die hohen Magiekosten stark limitiert und auch immer zeitlich sehr begrenzt, daher empfiehlt sich viel lieber der Einsatz einfacherer Techniken, die man dafür öfters nutzen kann. Mit dem Fortschreiten des Spiels werden auch die allgemeinen Ninjutsu-Fertigkeiten der beiden Protagonisten verbessert, was ein weiterer großer Anreiz ist sich mit "The Legend of Kage 2" intensiv auseinanderzusetzen. So können Kage und Chihiro mit der Zeit immer höher springen, immer mehr Shurikens auf einmal werfen bzw. mit der Kugel der Kusarigama schneller hantieren, immer stärkere Angriffe und spezielle Techniken ausführen oder gegnerische Shurikens abwehren. Es gibt also ein breites Spektrum an Aktionsmöglichkeiten, aus denen man sich seine bevorzugte Spielweise aussuchen darf. Dies verleiht dem Spiel das gewisse Etwas und weiß auf lange Sicht zu gefallen.

Die wichtigsten Motivationsträger von "The Legend of Kage 2" sind aber die Endgegner. Am Ende eines jeden Levels wartet ein mit starken dämonischen Kräften ausgestatteter Obermotz auf Kage oder Chihiro, der viel verträgt und wahrlich nicht einfach zu schlagen ist. Nur mit der richtigen Taktik, einem überlegten Einsatz der Ninja-Magie und etwas Vorsicht und Geduld wird man den Sieg davontragen können. Die Endgegner sind jedoch nie unfair, auch wenn sie zum Schluss hin immer noch etwas mehr Dampf machen. Einige sind zudem auch echte Augengucker. Vor allem der allerletzte, mehrere DS-Schirme große Boss rechtfertigt schon alleine die Anschaffung des Spieles, auch wenn die Grafik keine echten 3D-Effekte bietet und das Spielprinzip schon in der Tat leicht angestaubt ist. Dafür bekommt man immerhin eine tolle Soundkulisse geboten, die garantiert einige Ohrwürmer bereithält. Retro-Spieler sollten ohnehin nicht lange warten und sich "The Legend of Kage 2" sofort und ohne zu überlegen zulegen, solange man es noch irgendwo auftreiben kann. Mit 3D-Effekten und digitalisierter Grafik verwöhnte Spieler sollten lieber erst einen Blick auf dieses Spiel riskieren, bevor sie eventuell total unglücklich und depressiv werden. Ich mag das Spiel sehr und vergebe daher acht Punkte. Leichte Abzüge gibt es für das doch etwas schwache Leveldesign und die geringfügig humpelnde Steuerung.

Um bei diesem Spiel alles zu sehen, muss man es übrigens mehrmals zu Ende spielen, denn beim ersten Durchlauf schafft man es nicht alle Techniken zu erlernen und alle Elementkugeln zu finden. Zudem können die eigenen Kombo- und Score-Rekorde gebrochen werden und es winken Belohnungen in Form von Einträgen in der Bilder-Galerie.