Little Nemo - The Dream Master
Jump´n´run

Axel Meßinger
Mai 06
 

In "Little Nemo - The Dream Master" wird die Geschichte des kleinen Jungen Nemo erzählt, der in seinen Träumen nach Schlummerland (Slumberland) reist, um der Spielgefährte der Prinzessin Camille zu werden. In Wirklichkeit soll er aber König Morpheus von Schlummerland retten, welcher von dem König der Alpträume entführt wurde. Dass er sich dabei in jedem seiner Abenteuer in viele gefährliche Situationen begibt, das dürfte dem Spieler natürlich klar sein…

Das Spiel orientiert sich am gleichnamigen Comicstrip, der 1905 bis 1914 in der "New York Herald" und in der "New York American" erschien. In den kurzen Strips erlebt Nemo im besagten Schlummerland jede Nacht neue Abenteuer, die ihn in unmöglichste Situationen bringen. 1911 produzierten James Stuart Blacton und der Erfinder von "Little Nemo" Winsor McCay einen kurzen Trickfilm, der auf dem Comic basierte. 1992 wurde das Ganze von Masami & Masanori Hata sowie William T. Hutz in Form eines Animes mit dem Titel "Little Nemo: Adventures in Slumberland" neu verfilmt, jedoch ohne einen nennenswerten Erfolg. Des Weiteren liegt mit "Little Nemo 1905-1914" die komplette Sammlung der Comicstrips vor, die man sich unter der ISBN-Nr. 3822863009 bestellen kann. Der Ursprung liegt also in den Comics. Wieso andere Review-Seiten eine Verbindung zu alten angelsächsischen Mythologien sehen, bleibt mir ein Rätsel.

1990 erschien dann Capcoms Interpretation des klassischen Stoffes in der Form des hier vorliegenden Jump´n´run´s, welches sich in acht Levels unterteilt. Um ein Level erfolgreich beenden zu können, gilt es jeweils mehrere Schlüssel zu finden. Die Levels sind dabei sehr groß gehalten und die Suche nach den Schlüsseln erweist sich schwieriger als erwartet, denn Nemo kann sich mit den zahlreichen Gegnern in keinster Weise anlegen (z.B. indem er ihnen auf den Kopf springt, wie es in vielen anderen Jump´n´run-Spielen der damaligen Epoche der Fall ist). Vielmehr muss er verschiedene Tiere wie Frösche, Eidechsen, Gorillas oder Bienen mit Bonbons füttern, um sie auf diese Weise dazu zu bringen, ihm zu helfen. Im Spiel ist dies dann so dargestellt, dass Nemo auf dem Tier reitet oder in ein bestimmtes Kostüm schlüpft und die Eigenschaften des jeweiligen Tieres annimmt. So kann er als Frosch schwimmen und auf Gegner springen, als Biene fliegen und stechen und als Gorilla seine starken Fäuste sprechen lassen. Für das Auffinden der wirklich gut versteckten Schlüssel werden alle Tierfähigkeiten benötigt und in Anspruch genommen.

Das Design des Spieles ist wunderbar gelungen, typisch Capcom halt. ^-^
Kein Level gleicht dem anderem, jeder hat sein eigenes Thema. Die Gegner sind sehr verschieden, ob ihr nun Riesenschnecken ausweichen oder Skelettfliegen besiegen müsst. Auf Endgegner muss man hier aber verzichten, denn es gibt keine, vom letzten Level mal abgesehen, in dem es dann gleich drei von ihnen gibt. Dieses Spiel wurde halt für Kinder gemacht, und das sieht man nicht nur an der Optik, die sehr schön der Comicvorlage entspricht. Der Schwierigkeitsgrad ist jedoch recht durchwachsen. In den einzelnen Levels gibt es doch streckenweise ganz schwierige Passagen. Aber diese bleiben - zum Glück - immer fair.

Die Animationen sind an sich sehr schön gelungen und strotzen vor Spielwitz. Die Grafik ist im Allgemeinen auf dem hohen Capcom-Niveau, gehört also mit zu dem besten, was das NES zu bieten hat. Nur die Musik nervt hier ein wenig. Die Titelmusik ist zwar schön gelungen, doch die In-Game-Musik ist meiner Meinung nach einfach nur störend. Da stellt man den Ton am besten ganz aus. Und an dieser Stelle kommt, wie immer, wenn mir die Musik eines Spieles nicht gefällt, mein obligatorischer Musiktipp. Dieser soll diesmal das Album "Mars" von Ex-Malice Mizer-Sänger Camui Gackt aus dem Jahre 2000 sein, denn die Musik passt irgendwie zum Spiel: beide wunderschön und zum Träumen gedacht! :D
Wenn man die Musik ausklammert, macht Capcoms Reise durch das Schlummerland aber einen sehr guten Eindruck. Besonders das Cover des Spieles gefällt mir.

Fazit: Zwei Punkte Abzug gibt es für die verkorkste Musik, das nicht vorhandene Passwortsystem und den etwas zu geringen Umfang. Dennoch gehört für mich "Little Nemo" zu den schönsten Jump´n´run-Spielen für das gute alte Famicom, vor allem durch die unverbrauchte Thematik und das Spielprinzip. Wobei man die Thematik wohl erst dann richtig verstehen wird, wenn man die Comics gelesen hat. Aber oben steht ja die ISBN-Nummer! :D Wer sich also mal wieder in andere Traumwelten fallen lassen möchte, der ist bei "Little Nemo" genau richtig!

Im Titelbildschirm folgende Tasten drücken, um die Level-Auswahl freizuschalten: Oben, Select, Links, Rechts, A, A und B.