In "Little Nemo - The Dream Master" wird die Geschichte des
kleinen Jungen Nemo erzählt, der in seinen Träumen nach Schlummerland
(Slumberland) reist, um der Spielgefährte der Prinzessin Camille
zu werden. In Wirklichkeit soll er aber König Morpheus von Schlummerland
retten, welcher von dem König der Alpträume entführt wurde.
Dass er sich dabei in jedem seiner Abenteuer in viele gefährliche
Situationen begibt, das dürfte dem Spieler natürlich klar sein…
Das Spiel orientiert sich am gleichnamigen Comicstrip, der 1905 bis
1914 in der "New York Herald" und in der "New York American"
erschien. In den kurzen Strips erlebt Nemo im besagten Schlummerland
jede Nacht neue Abenteuer, die ihn in unmöglichste Situationen
bringen. 1911 produzierten James Stuart Blacton und der Erfinder von
"Little Nemo" Winsor McCay einen kurzen Trickfilm, der auf
dem Comic basierte. 1992 wurde das Ganze von Masami & Masanori Hata
sowie William T. Hutz in Form eines Animes mit dem Titel "Little
Nemo: Adventures in Slumberland" neu verfilmt, jedoch ohne einen
nennenswerten Erfolg. Des Weiteren liegt mit "Little Nemo 1905-1914"
die komplette Sammlung der Comicstrips vor, die man sich unter der ISBN-Nr.
3822863009 bestellen kann. Der Ursprung liegt also in den Comics. Wieso
andere Review-Seiten eine Verbindung zu alten angelsächsischen
Mythologien sehen, bleibt mir ein Rätsel.
1990 erschien dann Capcoms Interpretation des klassischen Stoffes in
der Form des hier vorliegenden Jump´n´run´s, welches
sich in acht Levels unterteilt. Um ein Level erfolgreich beenden zu
können, gilt es jeweils mehrere Schlüssel zu finden. Die Levels
sind dabei sehr groß gehalten und die Suche nach den Schlüsseln
erweist sich schwieriger als erwartet, denn Nemo kann sich mit den zahlreichen
Gegnern in keinster Weise anlegen (z.B. indem er ihnen auf den Kopf
springt, wie es in vielen anderen Jump´n´run-Spielen der
damaligen Epoche der Fall ist). Vielmehr muss er verschiedene Tiere
wie Frösche, Eidechsen, Gorillas oder Bienen mit Bonbons füttern,
um sie auf diese Weise dazu zu bringen, ihm zu helfen. Im Spiel ist
dies dann so dargestellt, dass Nemo auf dem Tier reitet oder in ein
bestimmtes Kostüm schlüpft und die Eigenschaften des jeweiligen
Tieres annimmt. So kann er als Frosch schwimmen und auf Gegner springen,
als Biene fliegen und stechen und als Gorilla seine starken Fäuste
sprechen lassen. Für das Auffinden der wirklich gut versteckten
Schlüssel werden alle Tierfähigkeiten benötigt und in
Anspruch genommen.
Das Design des Spieles ist wunderbar gelungen, typisch Capcom halt.
^-^
Kein Level gleicht dem anderem, jeder hat sein eigenes Thema. Die Gegner
sind sehr verschieden, ob ihr nun Riesenschnecken ausweichen oder Skelettfliegen
besiegen müsst. Auf Endgegner muss man hier aber verzichten, denn
es gibt keine, vom letzten Level mal abgesehen, in dem es dann gleich
drei von ihnen gibt. Dieses Spiel wurde halt für Kinder gemacht,
und das sieht man nicht nur an der Optik, die sehr schön der Comicvorlage
entspricht. Der Schwierigkeitsgrad ist jedoch recht durchwachsen. In
den einzelnen Levels gibt es doch streckenweise ganz schwierige Passagen.
Aber diese bleiben - zum Glück - immer fair.
Die Animationen sind an sich sehr schön gelungen und strotzen
vor Spielwitz. Die Grafik ist im Allgemeinen auf dem hohen Capcom-Niveau,
gehört also mit zu dem besten, was das NES zu bieten hat. Nur die
Musik nervt hier ein wenig. Die Titelmusik ist zwar schön gelungen,
doch die In-Game-Musik ist meiner Meinung nach einfach nur störend.
Da stellt man den Ton am besten ganz aus. Und an dieser Stelle kommt,
wie immer, wenn mir die Musik eines Spieles nicht gefällt, mein
obligatorischer Musiktipp. Dieser soll diesmal das Album "Mars"
von Ex-Malice Mizer-Sänger Camui Gackt aus dem Jahre 2000 sein,
denn die Musik passt irgendwie zum Spiel: beide wunderschön und
zum Träumen gedacht! :D
Wenn man die Musik ausklammert, macht Capcoms Reise durch das Schlummerland
aber einen sehr guten Eindruck. Besonders das Cover des Spieles gefällt
mir.
Fazit: Zwei Punkte Abzug gibt es für die verkorkste Musik, das
nicht vorhandene Passwortsystem und den etwas zu geringen Umfang. Dennoch
gehört für mich "Little Nemo" zu den schönsten
Jump´n´run-Spielen für das gute alte Famicom, vor allem
durch die unverbrauchte Thematik und das Spielprinzip. Wobei man die
Thematik wohl erst dann richtig verstehen wird, wenn man die Comics
gelesen hat. Aber oben steht ja die ISBN-Nummer! :D Wer sich also mal
wieder in andere Traumwelten fallen lassen möchte, der ist bei
"Little Nemo" genau richtig!
Im Titelbildschirm folgende Tasten drücken, um die Level-Auswahl
freizuschalten: Oben, Select, Links, Rechts, A, A und B.
|