Luminous Arc
Strategie-RPG


Lyrion
September 09

 


Mit "Luminous Arc" kreierte Marvelous Interactive eine weitere Strategie-RPG-Perle, welche sich stark an die vielen artverwandten Spiele von Nippon Ichi und Koei anlehnt und sich ebenfalls im besten Anime-Look präsentiert. Alleine schon aus diesem Grund kann man wirklich gar nichts falsch machen, wenn man sich diesen Titel in seine vier Wände holt. Erschienen ist das Spiel exklusiv für den Nintendo DS und wie so oft exklusiv nicht bei uns in Deutschland, daher sollte man als SRPG-Liebhaber seine Fühler entweder nach dem englischen Kontinent oder dem großen Land hinter dem großen Teich ausstrecken und sich dieses Importspiel solange es noch geht zulegen.

Den Kern von "Luminous Arc" bildet die interessante, in vielen langen Szenarien erzählte Story, welche während der Schlüsselszenen sogar mit sehr guter englischer Sprachausgabe aufwartet. Dabei lernt man nach und nach die einzelnen Spielcharaktere mitsamt ihrer Gefühlswelt und den vielschichtigen Beziehungen zwischen ihnen sehr gut kennen. Der spielerische Aspekt steht ein wenig im Hintergrund, denn die aus der isometrischen Perspektive dargestellten Kämpfe sind in der Regel nicht besonders anspruchsvoll und dürften dem einigermaßen geübten Strategen wirklich kaum Kopfschmerzen bereiten. Die ganze Handlung der in fünfundzwanzig Kapitel unterteilten Geschichte beschäftigt sich, um es mal direkt auf den Punkt zu bringen, mit dem Kampf zwischen den lebensspendenden Kräften der Natur und den zerstörerischen Kräften eines von den Menschen angebeteten Gottes. Diese Thematik ist nicht unbedingt neu, fand sie doch in vielfältigen Formen bereits Verwendung in anderen Spielen, sie wird hier aber um die eine zentrale Rolle spielenden Hexen bereichert. Die mit magischen Runen hantierenden Hexen, welche von der Luminous Church als Urheber des vor tausend Jahren stattgefundenen Krieges abgestempelt und daher als sehr gefährlich und abgrundtief böse betrachtet werden, verbreiten alleine schon durch ihre Anwesenheit Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Laut den heiligen Lehren der Kirche wurden sie damals von dem vom Himmel hinabgestiegenen Gott höchstpersönlich versiegelt, wodurch der Krieg beendet wurde. Nun sind die Hexen erneut auf der Welt erschienen, und aus diesem Grund muss die einzig und allein für diesen Fall aufgestellte Spezialeinheit zur Tat schreiten. Diese Kampftruppe, welche ausschließlich aus kleinen Waisenkindern zusammengestellt wurde, wird bereits seit der Geburt des aktuellen Großkardinals Johannes von dem Arc Knight Heath trainiert und angeführt. Die ihr zugehörigen Kinder werden als "The Garden Children" bezeichnet, ein Name, welcher von dem Ort Ever Garden, ihrem Hauptquartier, abgeleitet wurde. Zu ihnen gehören unter anderem der mit Schusswaffen hantierende Alph, der primäre Hauptcharakter des Spieles, sein im Umgang mit Pfeil und Bogen sehr talentierte kleiner Bruder Theo, Leon, der Sohn eines großen im Kampf gefallenen Kriegers mit dem Beinamen "The Lion King" und die heilkundige Priesterin Cecille. Als plötzlich Monster auftauchen und wehrlose Menschen anfallen, werden die Garden Children zu ihrem ersten ernsten Einsatz ausgesandt. Im Verlauf der Geschichte gesellt sich sehr bald noch ein seltsames Mädchen namens Lucia zu der Gruppe hinzu, und auch die beiden am Anfang des Spieles noch mit anderen sehr wichtigen Aufgaben betrauten Garden Children, die flinke Ninja-Kriegerin Saki sowie der auf Hexen spezialisierte Wissenschaftler Nikolai, stellen sich vor, wobei der letztere viel eher einen total durchgeknallten Hexen-Narr als einen Gelehrten abgibt. Zusammen rückt man dann der feurigen Witch of Immolation zu Leibe, welche von der Luminous Church für einige üble Untaten verantwortlich gemacht wird. Ohne nun auf weitere Details eingehen zu wollen, sei an dieser Stelle noch gesagt, dass im Endeffekt der die Fäden der Luminous Church in seinen Händen haltende Kardinal Kingston finstere Pläne zur Erweckung des Gottes schmiedet und ziemlich üble Experimente mit den als Lapistier bekannten und sehr mächtigen magischen Steinen betreibt, während die Hexen im Auftrag der Mutter Natur handeln und die sich dem Untergang nah befindende Welt zu retten versuchen. So werden die Garden Children unvermeidlicherweise mit vielen Gewissenskonflikten konfrontiert, und da sie sich letztendlich mit den sieben Hexen, denen auch Lucia angehört, verbünden, werden sie von der machtgierigen Luminous Church als Verräter hingestellt und verfolgt. So entbrennt im Nachhinein ein Kampf gegen die Kirche und deren Gott. Der bis dahin von Heath und den Garden Children so oft und voller Inbrunst aufgesagte Spruch "Protect the Light, Condemn the Dark" verliert somit seine ursprüngliche Bedeutung.

Die Kämpfe, welche den größten zeitlichen Rahmen des auf ca. 30 Stunden angesetzten Spieles in Anspruch nehmen, erinnern optisch stark an "Final Fantasy Tactics Advance" und können entweder per Steuerkreuz oder alternativ mit dem Stylus bestritten werden. Die Steuerung per Stylus ist eigentlich die bequemere und schnellere Variante, leider ist sie aber bei "Luminous Arc" etwas misslungen. Ist eine der Spielfiguren oder ein freies Feld durch eine andere Figur verdeckt, so lässt sich diese Figur oder das Feld kaum bzw. gar nicht mehr mit dem Stylus antippen, was dann zwingend zu einer ungewollten Änderung der Taktik führt, wenn sich die gewünschte Aktion einfach nicht mehr ausführen lässt. Auf die Dauer kann dies dann doch sehr nervig und gerade bei den etwas schwierigeren Gegnern frustrierend sein. Die grafische Darbietung ist auch während der Kämpfe, welche in für die Handlung relevante und unumgängliche Szenario-Kämpfe und in die das Spiel in die Länge streckende Zufallskämpfe unterteilt werden, sehr gut gelungen und besticht mit einem lustigen Small-Design. Sehr schön ist noch die Tatsache, dass bevor die spielbaren Charaktere an der Reihe sind, eine Aktion ausführen oder Schaden erleiden, sie sich immer irgendwie akustisch bemerkbar machen, meist indem sie einen kurzen, zu ihren Charaktereigenschaften passenden Spruch aufsagen. Dadurch wird das Geschehen auf dem Bildschirm um einiges lebendiger und viel unterhaltsamer. Mit dem hier als Active Turn bezeichneten System, welches auf dem Move-Wert der Spielfiguren basiert, was soviel bedeutet, dass die schnellsten von ihnen zuerst und auch sogar öfters eine Aktion ausführen können, darf man sich dann Zug um Zug mit den Gegnern herumschlagen. Da die in allen SRPG´s vorkommenden Standardbefehle wie Move, Attack, Magic, Skill und Item eindeutig und selbsterklärend sind, gehe ich nur noch kurz auf die für "Luminous Arc" spezifischen Spielgegebenheiten ein. Dazu gehören die Befehle Flash Drive und Synergy. Unter dem Begriff Flash Drive verstecken sich besonders starke Spezialangriffe, von denen jede Spielfigur bis zu drei Stück mit dem Aufstieg in höhere Level erlernen kann. Um diese im Kampf einsetzen zu können, benötigt man allerdings so genannte Flash Points, einen für den ersten, zwei für den zweiten und drei für den dritten und stärksten Spezialangriff. Die Flash Point-Leiste ist am Anfang eines jeden Kampfes bei jedem Charakter leer und muss jedes Mal von Neuem aufgeladen werden. Für jede ausgeführte Aktion füllt sie sich um einen relativ geringen Wert, während das Besiegen eines Gegners sie gleich sehr stark ansteigen lässt. Auch für die Synergy-Angriffe, welche nichts anderes als Teamwork-Attacken von meist zwei sich gut verstehenden Charakteren darstellen, werden Flash Points benötigt. Diese Angriffe bekommt man als Spieler aber nur selten zu sehen, denn um sie ausführen zu können, müssen alle daran teilnehmenden Charaktere erst volle Flash Point-Leisten aufweisen, und bevor es soweit ist, ist der Kampf meistens schon entschieden. Die gemeinsame ultimative Synergy-Attacke aller sieben Hexen (Lucia, Mel, Vivi, Mavi, Claire, Vanessa und Cecille) habe ich deshalb noch nie ausführen können (oder vielleicht auch ausführen wollen), denn so viele Flash Point-Leisten hätte ich nur mit den selten vorkommenden Items oder mit zig sinnlosen und zeitraubenden Aktionen füllen können, wozu ich keine Lust hatte. Dennoch, um sinnlose Aktionen kommt man bei diesem Spiel sowieso nicht herum, denn damit etwa die Heiler schnell aufsteigen, muss man mit ihnen stets zaubern, auch wenn niemand von der Gruppe ernsthaft verletzt ist. Die vollständige Regeneration der Lebens- und Magiepunkte ist hier zudem noch zusätzlich mit dem Levelaufstieg gekoppelt, was man immer mit in die taktischen Überlegungen einfließen lassen sollte, da es einem das Leben noch mehr erleichtern kann. Erst wenn ein Charakter den 99. Level erreicht, ist dieser Vorteil endgültig dahin. Nach beendeten Kämpfen gibt es immer noch die als Intermission bezeichnete Unterhaltung mit einem der am Kampf beteiligten Charaktere, welche die Bindung zwischen ihm und Alph verfestigen kann, wenn man zum Schluss hin aus den drei zur Auswahl stehenden Antworten die richtige wählt. Die Szenario-Kämpfe werden zudem noch mit einer kurzen Episode aus dem Leben eines Kopins abgeschlossen, was wohl für noch mehr Unterhaltung gut sein soll. Die Kopins sind die kleinen lustigen Elementargeschöpfe der Hexen, welche sie stark im Kampf unterstützen (leider aber nicht, wenn die Hexe in der Gruppe des Spielers ist) und sehr gefährlich werden können.

Abgesehen von der Austragung zahlreicher Kämpfe darf man sich als Spieler auch noch mit der Herstellung neuer magischer Ausrüstungsgegenstände beschäftigen, natürlich nur wenn man möchte. Dazu benötigt man neben den gewöhnlichen Ausrüstungssachen zusätzlich noch die als Vitae bezeichneten Steine, in denen eingeschlossen die Kraft der Runen schlummert. Mit diesen Steinen muss man sich dann zu dem ziemlich seltsam aussehenden Weisen Payan aufmachen, welcher wie sein tollpatschiger Schüler Pollon ein Dugong ist (dies ist ein Meeressäugetier aus der Ordnung der Seekühe, welche früher von den Matrosen für Meerjungfrauen gehalten wurden). Dort werden die Vitaes erst identifiziert und anschließend mit den gewünschten Sachen verschmolzen. Leider klappt nicht jede Kombination, so dass man erst ein wenig herumprobieren muss, um gute und vor allem zufriedenstellende Ergebnisse auf diesem Gebiet zu erzielen. Wie die sieben Hexen und auch alle anderen Figuren im Spiel sind die Vitaes einem der sieben Elemente (Fire, Water, Nature, Wind, Thunder, Light und Darkness) oder der beiden speziellen Elemente Neutral und Dragon zugeordnet und verbessern dementsprechend die Waffen oder Rüstungen. Feuer verbessert zum Beispiel die Angriffskraft, Wasser die Abwehr, Wind die Geschwindigkeit und so weiter und so fort.

"Luminous Arc" ist trotz kleiner Schwächen ein sehr schönes Strategie-Rollenspiel, dass vor allem durch die interessante und mitreißende Story sowie die vielen sympathischen Charaktere zu überzeugen weiß. Es ist auch ein Spiel, dass man auf jeden Fall mindestens zweimal durchspielt, denn neben den regulären Kapiteln gibt es auch noch elf spezielle, sehr schwere Side Quests, welche vom Spieler ausfindig gemacht werden müssen. Ich bin zumindest zu dem Schluss gekommen, dass diese Zusatzkapitel beim ersten Durchlauf gar nicht zu bewältigen sind. Erst beim zweiten Spiel, bei dem die Charaktere all ihre Erfahrungswerte beibehalten, sollte man sie sich primär vorknüpfen, denn sie bringen noch mehr Würze in die schon bekannte Story. Die ganz harten Spieler können dann auch noch den Extra-Dungeon durchstreifen, in dem man auf die schwierigsten Gegner des ganzen Spieles stoßen wird.