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Mit "Luminous Arc" kreierte Marvelous Interactive eine weitere
Strategie-RPG-Perle, welche sich stark an die vielen artverwandten Spiele
von Nippon Ichi und Koei anlehnt und sich ebenfalls im besten Anime-Look
präsentiert. Alleine schon aus diesem Grund kann man wirklich gar
nichts falsch machen, wenn man sich diesen Titel in seine vier Wände
holt. Erschienen ist das Spiel exklusiv für den Nintendo DS und
wie so oft exklusiv nicht bei uns in Deutschland, daher sollte man als
SRPG-Liebhaber seine Fühler entweder nach dem englischen Kontinent
oder dem großen Land hinter dem großen Teich ausstrecken
und sich dieses Importspiel solange es noch geht zulegen.
Den Kern von "Luminous Arc" bildet die interessante, in vielen
langen Szenarien erzählte Story, welche während der Schlüsselszenen
sogar mit sehr guter englischer Sprachausgabe aufwartet. Dabei lernt
man nach und nach die einzelnen Spielcharaktere mitsamt ihrer Gefühlswelt
und den vielschichtigen Beziehungen zwischen ihnen sehr gut kennen.
Der spielerische Aspekt steht ein wenig im Hintergrund, denn die aus
der isometrischen Perspektive dargestellten Kämpfe sind in der
Regel nicht besonders anspruchsvoll und dürften dem einigermaßen
geübten Strategen wirklich kaum Kopfschmerzen bereiten. Die ganze
Handlung der in fünfundzwanzig Kapitel unterteilten Geschichte
beschäftigt sich, um es mal direkt auf den Punkt zu bringen, mit
dem Kampf zwischen den lebensspendenden Kräften der Natur und den
zerstörerischen Kräften eines von den Menschen angebeteten
Gottes. Diese Thematik ist nicht unbedingt neu, fand sie doch in vielfältigen
Formen bereits Verwendung in anderen Spielen, sie wird hier aber um
die eine zentrale Rolle spielenden Hexen bereichert. Die mit magischen
Runen hantierenden Hexen, welche von der Luminous Church als Urheber
des vor tausend Jahren stattgefundenen Krieges abgestempelt und daher
als sehr gefährlich und abgrundtief böse betrachtet werden,
verbreiten alleine schon durch ihre Anwesenheit Angst und Schrecken
unter der Bevölkerung. Laut den heiligen Lehren der Kirche wurden
sie damals von dem vom Himmel hinabgestiegenen Gott höchstpersönlich
versiegelt, wodurch der Krieg beendet wurde. Nun sind die Hexen erneut
auf der Welt erschienen, und aus diesem Grund muss die einzig und allein
für diesen Fall aufgestellte Spezialeinheit zur Tat schreiten.
Diese Kampftruppe, welche ausschließlich aus kleinen Waisenkindern
zusammengestellt wurde, wird bereits seit der Geburt des aktuellen Großkardinals
Johannes von dem Arc Knight Heath trainiert und angeführt. Die
ihr zugehörigen Kinder werden als "The Garden Children"
bezeichnet, ein Name, welcher von dem Ort Ever Garden, ihrem Hauptquartier,
abgeleitet wurde. Zu ihnen gehören unter anderem der mit Schusswaffen
hantierende Alph, der primäre Hauptcharakter des Spieles, sein
im Umgang mit Pfeil und Bogen sehr talentierte kleiner Bruder Theo,
Leon, der Sohn eines großen im Kampf gefallenen Kriegers mit dem
Beinamen "The Lion King" und die heilkundige Priesterin Cecille.
Als plötzlich Monster auftauchen und wehrlose Menschen anfallen,
werden die Garden Children zu ihrem ersten ernsten Einsatz ausgesandt.
Im Verlauf der Geschichte gesellt sich sehr bald noch ein seltsames
Mädchen namens Lucia zu der Gruppe hinzu, und auch die beiden am
Anfang des Spieles noch mit anderen sehr wichtigen Aufgaben betrauten
Garden Children, die flinke Ninja-Kriegerin Saki sowie der auf Hexen
spezialisierte Wissenschaftler Nikolai, stellen sich vor, wobei der
letztere viel eher einen total durchgeknallten Hexen-Narr als einen
Gelehrten abgibt. Zusammen rückt man dann der feurigen Witch of
Immolation zu Leibe, welche von der Luminous Church für einige
üble Untaten verantwortlich gemacht wird. Ohne nun auf weitere
Details eingehen zu wollen, sei an dieser Stelle noch gesagt, dass im
Endeffekt der die Fäden der Luminous Church in seinen Händen
haltende Kardinal Kingston finstere Pläne zur Erweckung des Gottes
schmiedet und ziemlich üble Experimente mit den als Lapistier bekannten
und sehr mächtigen magischen Steinen betreibt, während die
Hexen im Auftrag der Mutter Natur handeln und die sich dem Untergang
nah befindende Welt zu retten versuchen. So werden die Garden Children
unvermeidlicherweise mit vielen Gewissenskonflikten konfrontiert, und
da sie sich letztendlich mit den sieben Hexen, denen auch Lucia angehört,
verbünden, werden sie von der machtgierigen Luminous Church als
Verräter hingestellt und verfolgt. So entbrennt im Nachhinein ein
Kampf gegen die Kirche und deren Gott. Der bis dahin von Heath und den
Garden Children so oft und voller Inbrunst aufgesagte Spruch "Protect
the Light, Condemn the Dark" verliert somit seine ursprüngliche
Bedeutung.
Die Kämpfe, welche den größten zeitlichen Rahmen des
auf ca. 30 Stunden angesetzten Spieles in Anspruch nehmen, erinnern
optisch stark an "Final Fantasy Tactics Advance" und können
entweder per Steuerkreuz oder alternativ mit dem Stylus bestritten werden.
Die Steuerung per Stylus ist eigentlich die bequemere und schnellere
Variante, leider ist sie aber bei "Luminous Arc" etwas misslungen.
Ist eine der Spielfiguren oder ein freies Feld durch eine andere Figur
verdeckt, so lässt sich diese Figur oder das Feld kaum bzw. gar
nicht mehr mit dem Stylus antippen, was dann zwingend zu einer ungewollten
Änderung der Taktik führt, wenn sich die gewünschte Aktion
einfach nicht mehr ausführen lässt. Auf die Dauer kann dies
dann doch sehr nervig und gerade bei den etwas schwierigeren Gegnern
frustrierend sein. Die grafische Darbietung ist auch während der
Kämpfe, welche in für die Handlung relevante und unumgängliche
Szenario-Kämpfe und in die das Spiel in die Länge streckende
Zufallskämpfe unterteilt werden, sehr gut gelungen und besticht
mit einem lustigen Small-Design. Sehr schön ist noch die Tatsache,
dass bevor die spielbaren Charaktere an der Reihe sind, eine Aktion
ausführen oder Schaden erleiden, sie sich immer irgendwie akustisch
bemerkbar machen, meist indem sie einen kurzen, zu ihren Charaktereigenschaften
passenden Spruch aufsagen. Dadurch wird das Geschehen auf dem Bildschirm
um einiges lebendiger und viel unterhaltsamer. Mit dem hier als Active
Turn bezeichneten System, welches auf dem Move-Wert der Spielfiguren
basiert, was soviel bedeutet, dass die schnellsten von ihnen zuerst
und auch sogar öfters eine Aktion ausführen können, darf
man sich dann Zug um Zug mit den Gegnern herumschlagen. Da die in allen
SRPG´s vorkommenden Standardbefehle wie Move, Attack, Magic, Skill
und Item eindeutig und selbsterklärend sind, gehe ich nur noch
kurz auf die für "Luminous Arc" spezifischen Spielgegebenheiten
ein. Dazu gehören die Befehle Flash Drive und Synergy. Unter dem
Begriff Flash Drive verstecken sich besonders starke Spezialangriffe,
von denen jede Spielfigur bis zu drei Stück mit dem Aufstieg in
höhere Level erlernen kann. Um diese im Kampf einsetzen zu können,
benötigt man allerdings so genannte Flash Points, einen für
den ersten, zwei für den zweiten und drei für den dritten
und stärksten Spezialangriff. Die Flash Point-Leiste ist am Anfang
eines jeden Kampfes bei jedem Charakter leer und muss jedes Mal von
Neuem aufgeladen werden. Für jede ausgeführte Aktion füllt
sie sich um einen relativ geringen Wert, während das Besiegen eines
Gegners sie gleich sehr stark ansteigen lässt. Auch für die
Synergy-Angriffe, welche nichts anderes als Teamwork-Attacken von meist
zwei sich gut verstehenden Charakteren darstellen, werden Flash Points
benötigt. Diese Angriffe bekommt man als Spieler aber nur selten
zu sehen, denn um sie ausführen zu können, müssen alle
daran teilnehmenden Charaktere erst volle Flash Point-Leisten aufweisen,
und bevor es soweit ist, ist der Kampf meistens schon entschieden. Die
gemeinsame ultimative Synergy-Attacke aller sieben Hexen (Lucia, Mel,
Vivi, Mavi, Claire, Vanessa und Cecille) habe ich deshalb noch nie ausführen
können (oder vielleicht auch ausführen wollen), denn so viele
Flash Point-Leisten hätte ich nur mit den selten vorkommenden Items
oder mit zig sinnlosen und zeitraubenden Aktionen füllen können,
wozu ich keine Lust hatte. Dennoch, um sinnlose Aktionen kommt man bei
diesem Spiel sowieso nicht herum, denn damit etwa die Heiler schnell
aufsteigen, muss man mit ihnen stets zaubern, auch wenn niemand von
der Gruppe ernsthaft verletzt ist. Die vollständige Regeneration
der Lebens- und Magiepunkte ist hier zudem noch zusätzlich mit
dem Levelaufstieg gekoppelt, was man immer mit in die taktischen Überlegungen
einfließen lassen sollte, da es einem das Leben noch mehr erleichtern
kann. Erst wenn ein Charakter den 99. Level erreicht, ist dieser Vorteil
endgültig dahin. Nach beendeten Kämpfen gibt es immer noch
die als Intermission bezeichnete Unterhaltung mit einem der am Kampf
beteiligten Charaktere, welche die Bindung zwischen ihm und Alph verfestigen
kann, wenn man zum Schluss hin aus den drei zur Auswahl stehenden Antworten
die richtige wählt. Die Szenario-Kämpfe werden zudem noch
mit einer kurzen Episode aus dem Leben eines Kopins abgeschlossen, was
wohl für noch mehr Unterhaltung gut sein soll. Die Kopins sind
die kleinen lustigen Elementargeschöpfe der Hexen, welche sie stark
im Kampf unterstützen (leider aber nicht, wenn die Hexe in der
Gruppe des Spielers ist) und sehr gefährlich werden können.
Abgesehen von der Austragung zahlreicher Kämpfe darf man sich
als Spieler auch noch mit der Herstellung neuer magischer Ausrüstungsgegenstände
beschäftigen, natürlich nur wenn man möchte. Dazu benötigt
man neben den gewöhnlichen Ausrüstungssachen zusätzlich
noch die als Vitae bezeichneten Steine, in denen eingeschlossen die
Kraft der Runen schlummert. Mit diesen Steinen muss man sich dann zu
dem ziemlich seltsam aussehenden Weisen Payan aufmachen, welcher wie
sein tollpatschiger Schüler Pollon ein Dugong ist (dies ist ein
Meeressäugetier aus der Ordnung der Seekühe, welche früher
von den Matrosen für Meerjungfrauen gehalten wurden). Dort werden
die Vitaes erst identifiziert und anschließend mit den gewünschten
Sachen verschmolzen. Leider klappt nicht jede Kombination, so dass man
erst ein wenig herumprobieren muss, um gute und vor allem zufriedenstellende
Ergebnisse auf diesem Gebiet zu erzielen. Wie die sieben Hexen und auch
alle anderen Figuren im Spiel sind die Vitaes einem der sieben Elemente
(Fire, Water, Nature, Wind, Thunder, Light und Darkness) oder der beiden
speziellen Elemente Neutral und Dragon zugeordnet und verbessern dementsprechend
die Waffen oder Rüstungen. Feuer verbessert zum Beispiel die Angriffskraft,
Wasser die Abwehr, Wind die Geschwindigkeit und so weiter und so fort.
"Luminous Arc" ist trotz kleiner Schwächen ein sehr
schönes Strategie-Rollenspiel, dass vor allem durch die interessante
und mitreißende Story sowie die vielen sympathischen Charaktere
zu überzeugen weiß. Es ist auch ein Spiel, dass man auf jeden
Fall mindestens zweimal durchspielt, denn neben den regulären Kapiteln
gibt es auch noch elf spezielle, sehr schwere Side Quests, welche vom
Spieler ausfindig gemacht werden müssen. Ich bin zumindest zu dem
Schluss gekommen, dass diese Zusatzkapitel beim ersten Durchlauf gar
nicht zu bewältigen sind. Erst beim zweiten Spiel, bei dem die
Charaktere all ihre Erfahrungswerte beibehalten, sollte man sie sich
primär vorknüpfen, denn sie bringen noch mehr Würze in
die schon bekannte Story. Die ganz harten Spieler können dann auch
noch den Extra-Dungeon durchstreifen, in dem man auf die schwierigsten
Gegner des ganzen Spieles stoßen wird.
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