Luminous Arc 2
Strategie-RPG


Lyrion
Dezember 09

 


Während in Japan bereits der dritte Teil der exklusiv auf dem Nintendo DS erschienenen Strategie-RPG-Reihe von Marvelous Interactive und Atlus pünktlich zum Weihnachtsfest angekündigt wurde, möchte ich mich sputen und noch vorher einige Worte zu "Luminous Arc 2" verlieren, das im japanischen Namen zusätzlich noch den kurzen Untertitel "Will" mitführt. Wie auf der Rückseite der Verpackung zu lesen, garantiert dieses Spiel "More Strategy, More Witches, More Fun!", also von allem etwas mehr als der gute Vorgänger zu bieten hat. Zusätzlich hat Atlus "Luminous Arc 2" zusammen mit der als "Luminous Symphony" benannten Soundtrack-CD und einem sehr schön aufgemachten Artbook mit dem Titel "Luminous Art" herausgebracht, ohne einen Aufpreis für diese schönen Extras zu verlangen. Und dies sollte jeden Sympathisanten von "Luminous Arc" dazu animieren sich auch die Fortsetzung unverzüglich zu beschaffen.

Dem Kenner des ersten Teils wird direkt auffallen, dass bei der Fortsetzung so ziemlich alles aufpoliert wurde. Die Grafiken, ganz besonders die während der Kämpfe, wirken viel schöner und detaillierter, wobei die Umgebungselemente sowie die Spielfiguren alle etwas größer als noch bei "Luminous Arc" dargestellt sind, so dass dieser zweite Teil nicht mehr ganz so sehr an "Final Fantasy Tactics Advance" erinnert, sondern durchaus eigenständige Charakterzüge aufweist, was auf jeden Fall positiv gewertet werden kann. Auch die musikalischen Ergüsse klingen irgendwie schöner, und einige der Songs bleiben auf jeden Fall in den Gehörgängen hängen. Eines dieser Musikstücke hat mich stellenweise sogar an die erfolgreichen Castlevania-Spiele erinnert, und das will schon was heißen. =) Besonders erfreulich ist aber die überarbeitete Stylus-Steuerung. Wies sie bei "Luminous Arc" noch einen groben Makel auf, welcher es nicht erlaubte verdeckte Spielfiguren und Felder problemlos anzutippen, so funktioniert sie hier wirklich sehr vorbildlich. Ich habe zumindest zu keinem Zeitpunkt Schwierigkeiten mit dem Antippen gehabt, noch musste ich, wie beim ersten Teil oft vorgekommen, meine mir zurechtgelegte Taktik aus irgendeinem steuerungstechnischen Grund abändern.

Spieltechnisch ist bei "Luminous Arc 2" fast alles gleich geblieben, abgesehen von einigen kleinen Verbesserungen. So sind die bei mir nur äußerst selten zum Zuge gekommenen und daher als relativ sinnlos abgestempelten Synergy- bzw. Teamwork-Angriffe aus dem ersten Teil nun ganz weggefallen. Von den als Flash Drives benannten Spezialangriffen gibt es jetzt nur noch einen einzigen pro Charakter, aber dessen Wirkungsgrad entfaltet sich in drei unterschiedlich starken Stufen. Eine wahrlich tolle Verbesserung gegenüber dem Vorgänger ist der relativ schnelle Anstieg der drei Drive Points, so dass man nun wirklich häufig Gebrauch von den sehr starken Flash Drives machen kann. Alternativ können die Drive Points nun aber auch zur Verstärkung der Effekte aller Zauber, Fähigkeiten und der im Kampf eingesetzten Gegenstände verwendet werden, was gelegentlich hilfreich sein kann. Als besonders positiv möchte ich das Fehlen der Zufallskämpfe vermerken. Zwar gibt es neben den regulären Szenario- und einigen Sub-Szenario-Kämpfen auch noch etliche Special Quests, aber diese in der Gilde von Carnava angebotenen Aufträge müssen nicht angenommen werden. Es lohnt sich dennoch diese zu bestreiten, denn auf diese Weise kann man seine Charaktere schneller und gezielter aufleveln und auch einige brauchbare Gegenstände und seltene Lapis ergattern. Die Lapis entsprechen den Vitaes aus dem ersten Teil, aber diesmal müssen sie nicht erst aufwendig identifiziert und anschließend noch unwiderruflich mit den Rüstungsgegenständen verschmolzen werden, sondern können direkt den Charakteren zugewiesen werden. Jede Spielfigur kann mit bis zu drei von den ergatterten Lapis-Steinen ausgerüstet werden, was ihre Statuswerte verbessert oder ihr eine besondere Fähigkeit verleiht. Auffällig ist auch noch, dass man bei "Luminous Arc 2" nur maximal sechs Charaktere gleichzeitig in den Kampf schicken kann, während es beim ersten Teil noch acht waren. Unverändert gibt es nach wie vor am Ende der Szenario-Kämpfe die lustigen bis sehr makabren Episoden aus dem Leben eines Kopins sowie die Intermissions mit den am Kampf beteiligten Charakteren. Die Intermissions sind diesmal um einiges umfangreicher und es fällt zudem viel schwieriger sich für die richtigen Antworten zu entscheiden. Je nachdem welche Wahl man tätigt, enden sie in einem Good, einem Normal oder einem Best Break.

Auch diesmal liegt der Fokus des Spieles auf der in dreißig Kapiteln erzählten, sehr interessanten Story, welche im Königreich Carnava angesiedelt ist. Eine Verbindung zum ersten Teil gibt es eigentlich nicht, aber im Zusammenhang mit den Bonus-Kämpfen an den heißen Quellen trifft man auf bekannte Gesichter wie z.B. Cecille oder Vanessa. Auch Alice und Therese, die beiden für das Schmieden der Vitaes zuständigen passiven Charaktere aus dem ersten Teil, welche über einen Regenbogen nach Carnava gelangt sind, können im Spiel gefunden und sogar in die eigene Gruppe aufgenommen werden. Und wie bereits beim Vorgänger dreht sich der gesamte Handlungsstrang erneut um die liebenswerten Hexen und ihre Magie. Als die für die dunkle Magie zuständige Shadow Frost Witch, welche stets von ihrer untoten, niedlich dreinschauenden und Golems beschwörenden Katze Josie begleitet wird, die Rev Magic Association verlässt und sich gegen sie wendet, entbrennt der Witch Conflict. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Shadow Frost Witch Fatima und der Leiterin der Rev Magic Association, der Brillant Witch Dia, über gewisse magische Angelegenheiten bringen viel Unruhe in das ehemals friedliche Königreich. Und wie der Zufall es so will, wird auch Roland, ein junger Ritter und der Hauptcharakter des Spiels, nach der Begegnung mit Althea, einer jungen Feuerhexe in der Ausbildung, in diesen Konflikt verwickelt, als durch einen unglücklichen Unfall die vom königlichen Forscher Steiner gerade frisch erstellte Runic Engine ungewollt mit seiner Hand fusioniert. Dies macht Roland zum zweiten Rune Knight in der langen Geschichte von Carnava. Danach geht es Schlag auf Schlag weiter, es werden immer neue Geheimnisse und Artefakte wie zum Beispiel das Dämonenschwert Rega oder das Conclusion Gate offenbart, neue Charaktere wie Master Matthias, Bharva und letztendlich die vor 4000 Jahren wegen verbotener Experimente mit dem Leben versiegelte Mage Queen Elicia betreten die Bühne, so dass sich zum Schluss hin die vielen einzelnen Puzzle-Stücke zu einer ganzen ungeheuerlichen Wahrheit zusammenfügen. Im Verlauf des Spiels gesellen sich, abgesehen jetzt von Rolands Bruder Rasche und der Bogenschützin Rina, auch noch die anderen Elementarhexen, die immer durstige Tide Witch Luna, die noch kindliche und sehr aufbrausende Verdure Witch Pop und die geflügelte Breeze Witch Sadie, sowie einige seltsame Gestalten wie der verrückte Witch-Otaku Kaph, der sehr höfliche Heiler Pip, die mit der Silver Magic umgehende Ayano oder die Anführerin der Diebesbande Rosetta Rosso namens Karen zu der Gruppe hinzu. Sie alle haben total unterschiedliche Charakterzüge, was zu sehr vielen Turbulenzen innerhalb der Gruppe führt und den Spieler bestens zu unterhalten vermag. Ein Novum in Bezug auf den Hauptcharakter Roland ist noch seine Fähigkeit sich der Magie der sechs Elementarhexen (irgendwann stößt auch Fatima zur Gruppe hinzu) mittels deren Unity Rings zu bedienen. Eine derartige geistige Verbindung steigert nicht nur einen seiner Statuswerte erheblich, sondern verleiht ihm auch neue magische Fähigkeiten und erlaubt ihm das Nutzen des Flash Drive, welcher bei Roland im normalen Zustand nicht verfügbar ist. Eine ganz besondere Verbindung kann Roland mit Althea oder alternativ auch mit Fatima eingehen, was zum Schluss hin im Final Bond mit der Erwählten gipfelt und die Endsequenz beeinflusst.

"Luminous Arc 2" setzt keine neuen Maßstäbe im Strategie-RPG-Genre, weiß jedoch, wie bereits der erste Teil, mit einer mitreißenden Story, sympathischen Charakteren, die sich stets mit den kleinen, zu ihren Charakterzügen passenden Kommentaren im Kampf bemerkbar machen, und zusätzlich auch noch mit der perfekt inszenierten technischen Aufmachung tadellos zu unterhalten. Einige freispielbare Extras sowie die Notwendigkeit eines weiteren Durchgangs zwecks 100% Completion sorgen noch zusätzlich für den nötigen Schub an Motivation. Wenn man Strategie-RPG´s mag und sich auch noch für den japanischen Anime-Look begeistern kann, dann sollte man sich dieses Spiel auf gar keinen Fall entgehen lassen.