Lunar - The Silver Star
RPG

Patricia
April 09
 

Das Sega CD (in Europa Mega CD) wurde mit wenigen, aber feinen Rollenspielen versorgt. Der erste Teil der Lunar-Serie war Anfang der 90´er einer DER Kaufgründe für die Mega Drive-Erweiterung. Nachdem ich die vollkommen überarbeitete Saturn-Fassung gespielt habe, wurde ich neugierig auf das Original, welches ich hier vorstellen möchte.

Story/Charaktere: Der abenteuerlustige Alex lebt mit seiner Familie und Sandkastenfreundin Luna fernab von allem Trubel im friedlichen Inselstädtchen Burg. Sein großes Idol ist der Drachenmeister Dyne, dessen Grab an einem nahen Hügel liegt. Als sein Kumpel Ramus ihn um Hilfe bei einer Schatzsuche bittet, ist Alex sofort Feuer und Flamme. Begleitet werden sie von Alex´s "Haustier" Nall, einem seltsamen katzenähnlichen Wesen mit Flügeln, sowie von Luna, die sich Sorgen um die Flausen der beiden Jungs macht. In der weißen Höhle finden die jungen Abenteurer jedoch nicht nur einen Schatz sondern auch einen echten Drachen, der zum Glück freundlich gesinnt ist. Danach geht es in die Hauptstadt, um den gefundenen Edelstein zu verkaufen. Alex spürt wie es ihn in die Welt zieht, schweren Herzens trennt er sich von Luna und nimmt das nächste Schiff Richtung Festland. Im Laufe des Spieles schließt Alex nicht nur neue Freundschaften, sondern macht auch Bekanntschaft mit Vile Tribe, einer Organisation, die bereits vor vielen Jahren Unheil über das Land brachte. Doch damals konnten vier legendäre Helden mit Hilfe der Göttin Althena ihrem dämonischen Treiben ein Ende bereiten. Unter der Herrschaft des mächtigen Magiers Ghaleon ist Vile Tribe jedoch wiederauferstanden und die Welt steht erneut kurz vor dem Untergang. Doch nur, wenn er der neue Drachenmeister wird, hat Alex überhaut eine Chance gegen die bösen Mächte, die zudem ein besonderes Interesse an der geheimnisvollen Luna haben.

Der Übersichtlichkeit wegen möchte ich euch nun die Charaktere des Spieles näher bringen:

Alex: Ein lebensfroher junger Bursche, liebt seine Freundin Luna und verehrt Drachenmeister Dyne. Im Nahkampf wie in der Magie eine echte Granate und der stärkste Charakter im Spiel.

Luna: Begabte Sängerin, Findelkind, wurde von Alex´s Familie aufgezogen. Nur kurz spielbar, statt Magie greift sie auf magische Gesänge zurück.

Ramus: Alex´s bester Freund, träumt von Reichtum und einem eigenen Geschäft. Wenige Stunden am Anfang verfügbar, durchwachsener Nahkämpfer ohne magische Begabung.

Nash: Eingebildeter Magier aus der fliegenden Festung Vane, ist in Mia verliebt. Zaubert ausschließlich mit Donnersprüchen, wegen seiner schwachen Verteidigung besser für Fernwaffen geeignet.

Jessica: Burschikose, vorlaute Priesterin, Tochter eines der vier alten Helden. Spezialistin für Heil- und Hilfszauber, moderate Nahkämpferin.

Mia: Vanes vielversprechendste Magierin, ihre Mutter zählt ebenfalls zu den vier Helden. Kann auf eine Vielzahl nützlicher Zaubersprüche zurückgreifen, an der vordersten Front ist sie jedoch unbrauchbar.

Kyle: Früher ein Bandit, nun Chef der Grenze zum Frontier, arroganter Ladykiller. Starker Nahkämpfer, statt Magie benutzt er diverse Schwerttechniken.

Die Geschichte überzeugt durch ihre liebenswerten Charaktere sowie die lebendige Welt. Dramatische Ereignisse und humorvolle Dialoge lassen es nie langweilig werden und motivieren zum Weiterspielen. Überhaupt haben die Bewohner in Lunar sehr viel zu erzählen. Oft ergibt sich ein Dialog mit einem der Helden und nicht wie in vielen anderen Rollenspielen ein Monolog des Angesprochenen.

Gameplay: Lunar ist ein klassisches, rundenbasiertes Rollenspiel. Lange, verwinkelte Dungeons wechseln sich mit knuffigen Städten ab, die zum Aufrüsten und Plauschen genutzt werden. Die Mitglieder der Kampfgruppe wechseln immer wieder und sorgen somit zusätzlich für Abwechslung. Nall fungiert nicht nur als Verwalter des Menüs, er kann auf Wunsch im Kampf - meist nutzlose - Infos zum Gegner geben.

Während der Auseinandersetzungen bleiben die Charaktere und Feinde nicht starr auf ihren Posten sitzen, sondern bewegen sich auf dem Kampffeld. Je näher die Monster, desto öfter können Alex und Co. zuschlagen. Wenn sie zu einem Monster hinlaufen müssen, wird diese Bewegung von der Angriffshäufigkeit abgezogen. Magie ist daran nicht gebunden und kann überall eingesetzt werden. Die Charaktere können in vordere und hintere Reihe geordnet werden. Neben dem Angriff-, Magie- und Item-Befehl gibt es auch noch den Punkt Flee (Fliehen). Damit ist nicht die Flucht aus dem Kampf gemeint sondern der Rückzug der Figur in eine sichere Ecke des Kampffeldes. Interessanterweise ist die Flucht aus dem Kampf (Run) nicht nur zusammen sondern auch einzeln möglich, ohne dass der Kampf unterbrochen wird.

Anstatt wie die meisten Rollenspiele Gasthäuser als Orte der Heilung einzusetzen, sind auf der ganzen Oberwelt orange und blaue Steine verteilt. Während die orangenen die Verletzungen heilen, füllen die blauen die Magieleiste wieder auf. Komplette Regeneration ist nur in den sporadisch auftauchenden Althena-Tempeln möglich.
Für ein 16-Bit-RPG ist der Schwierigkeitsgrad erstaunlich niedrig. Schon nach wenigen Stunden kann man sich kostenfrei zwischen allen besuchten Städten und wichtigen Orten hin und her teleportieren. Während vor allem am Anfang manche Dungeons etwas härter sind, ist die zweite Hälfte aufgrund des schnellen Auflevelns und der schwachen Gegner (Oder starken Charaktere?) problemlos zu bewältigen.
Typisch für ein Spiel dieses Alters ist das umständliche Einkaufen. Es gibt keine Infos über den Effekt einzelner Items oder die Auswirkung neuer Ausrüstung. Hier ist einfach ein Blick in die Bedienungsanleitung oder ins Internet unverzichtbar.

Grafik: Technisch ist Lunar stark gealtert. Die Spielgrafik entspricht dem 16-Bit-Standard und kann mit späteren SNES/PCE-Perlen nicht mithalten. Bei den Zwischensequenzen kommt jedoch die Sega CD-Power zum Einsatz. In schöner Anime-Grafik werden immer wieder kurze Filme oder hübsche Standbilder eingeblendet. Während die Städte abwechslungsreich gestaltet sind, wird bei den Dungeons oft nur die Farbe gewechselt. In den einzelnen Gebieten gibt es nur wenige Gegner, dafür sind es meistens neue und fast keine Farbvariationen.

Musik/Sound: Der Soundtrack ist guter Durchschnitt. Die gelungene englische Sprachausgabe unterstützt die kurzweilige Geschichte und trägt sehr viel zur Atmosphäre bei. Im Intro gibt es ein fetziges Lied, leider das einzige im Spiel.

Fazit: Lunar ist ein kleines, aber sehr feines Rollenspiel. Obwohl es etwas unausgewogen ist, kann es durch seine herzliche Geschichte überzeugen. Leider ist das Spielvergnügen etwas kurz geraten und schon in 15 bis 20 Stunden zu Ende. Selbst für Kenner der Playstation/Saturn/GBA-Remakes bleibt es aufgrund einiger Storyveränderungen interessant. Wer ein Sega CD oder einen Importadapter besitzt, kommt um dieses Kleinod sowieso nicht herum. Es ist nur Schade, dass es keine europäische Ausgabe gibt.