Seit der erfolgreichen Einführung im Videospielsektor ist Mega Man
nicht nur das wohl größte Zugpferd des Hauses Capcom sondern
auch einer der beliebtesten Charaktere der Branche. Auch ich habe den
blauen Blechhelden von Anfang an in mein Herz geschlossen. Vor mittlerweile
mehr als 20 Jahren habe ich mich mit dem ersten Mega Man-Spiel jedoch
sehr schwer getan. Selbst aus heutiger Sicht ist es noch als schwierig
zu bezeichnen. Zahlreiche gemeine Gegner, bewegliche und blinkende Plattformen
haben mich damals wirklich vor kaum lösbare Probleme gestellt. Der
böse Dr. Albert W. Wily hat schon damals viele niederträchtige
Ideen gehabt, die einem das virtuelle Pixel-Leben vermiesen konnten. Falls
es noch jemanden geben sollte, der mit Mega Man, Dr. Wily und Co. nichts
anzufangen weiß, für den fange ich ganz von vorne an.
Mega Man wurde ursprünglich vom brillanten Wissenschaftler Dr.
Thomas Light als einer von zwei Haushaltsrobotern erschaffen, die auf
die Namen Rock und Roll getauft wurden. Als sein ehemaliger Assistent
Dr. Albert W. Wily sich anschickt die Welt mit seinen eigenen Kreationen
zu erobern, baut Dr. Light den nach männlichem Vorbild erschaffenen
Rock in einen Kampfroboter um. Dieser heißt dann in der japanischen
Originalfassung Rockman, seinem ursprünglichen Namen entsprechend.
Für die westliche Lokalisierung wurde der Name jedoch zu Mega Man
geändert, um mögliche Missverständnisse in Bezug auf
die englische Sprache auszuräumen. Seitdem kämpft Mega Man
im Dienste von Dr. Light für das Gute und bietet Dr. Wily als einziger
die Stirn.
Im Zentrum des Konflikts steht der Kampf unseres blauen Helden gegen
folgende Schöpfungen des bösen Genies: Cut Man, Elec Man,
Ice Man, Fire Man, Bomb Man und Guts Man. Alle sechs Roboter verstecken
sich in eigenen, mit speziellen Fallen bespickten Territorien, die in
Form eines Action-Plattformers bewältigt werden müssen. Die
sechs Spielabschnitte sind frei wählbar und können theoretisch
in beliebiger Reihenfolge abgeschlossen werden. Praktisch sieht dies
jedoch etwas anders aus, denn mit dem Standard-Buster sind die abschließenden
Duelle mit den feindlichen Robotern teilweise unschaffbar. Capcom hat
die sechs Blechkameraden nach dem Stein-Schere-Papier-Prinzip entworfen
und jeden mit einer Waffe versehen, auf die ein anderer Roboter empfindlich
reagiert. Mega Man eignet sich von jedem erfolgreich besiegten Kontrahenten
dessen Waffe an, die ihm daraufhin begrenzt zur Verfügung steht.
Der Clou bei dem Spiel besteht nun darin, die Schwächen der einzelnen
Roboter auszuloten und auszunutzen. Für die Standardgegner während
der Plattform-Action gilt das gleiche Prinzip, womit die ansonsten schwierigen,
wenn auch kurzen Levels erheblich erleichtert werden. Mit etwas Geduld
und unendlich vielen Continues ist der Zugang zu Dr. Wilys Versteck
gut zu erreichen.
Ab hier nimmt die Intensität des Spieles drastisch zu, was sich
primär auf die Endgegnerkämpfe der noch vier ausstehenden
Levels bezieht. Sie sind teilweise so schwer, dass man aus purer Verzweiflung
ins Gamepad beißen könnte. Yellow Devil, der erste Wächter
von Dr. Wilys Versteck, wurde nachträglich sogar von Capcom als
zu schwierig eingestuft. In den Neuauflagen des Spieles wie zum Beispiel
der "Mega Man Anniversary Collection" wurden diese Bosskämpfe
deshalb deutlich entschärft. In der ursprünglichen NES-Fassung
darf man sich notfalls mit einem Trick, der eigentlich ein Bug ist,
behelfen. Er kann überall im Internet nachgelesen werden.
Der zum Schluss frustrierende Schwierigkeitsgrad trübt den positiven
Gesamteindruck des Mega Man-Erstlings. Das abwechslungsreiche und anspruchsvolle
Spielprinzip, das mit für die damaligen Verhältnisse guter
technischer Umsetzung aufwartet, hätte die Höchstwertung verdient,
hätte man damals etwas mehr auf die Spielbalance geachtet. Für
das erste Spiel der langlebigen Reihe ist "Mega Man" nach
wie vor erstaunlich gut, muss sich jedoch den fünf weiteren NES-Nachfolgern
geschlagen geben.
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