Mega Man
Action

Minrod
September 08
 

Seit der erfolgreichen Einführung im Videospielsektor ist Mega Man nicht nur das wohl größte Zugpferd des Hauses Capcom sondern auch einer der beliebtesten Charaktere der Branche. Auch ich habe den blauen Blechhelden von Anfang an in mein Herz geschlossen. Vor mittlerweile mehr als 20 Jahren habe ich mich mit dem ersten Mega Man-Spiel jedoch sehr schwer getan. Selbst aus heutiger Sicht ist es noch als schwierig zu bezeichnen. Zahlreiche gemeine Gegner, bewegliche und blinkende Plattformen haben mich damals wirklich vor kaum lösbare Probleme gestellt. Der böse Dr. Albert W. Wily hat schon damals viele niederträchtige Ideen gehabt, die einem das virtuelle Pixel-Leben vermiesen konnten. Falls es noch jemanden geben sollte, der mit Mega Man, Dr. Wily und Co. nichts anzufangen weiß, für den fange ich ganz von vorne an.

Mega Man wurde ursprünglich vom brillanten Wissenschaftler Dr. Thomas Light als einer von zwei Haushaltsrobotern erschaffen, die auf die Namen Rock und Roll getauft wurden. Als sein ehemaliger Assistent Dr. Albert W. Wily sich anschickt die Welt mit seinen eigenen Kreationen zu erobern, baut Dr. Light den nach männlichem Vorbild erschaffenen Rock in einen Kampfroboter um. Dieser heißt dann in der japanischen Originalfassung Rockman, seinem ursprünglichen Namen entsprechend. Für die westliche Lokalisierung wurde der Name jedoch zu Mega Man geändert, um mögliche Missverständnisse in Bezug auf die englische Sprache auszuräumen. Seitdem kämpft Mega Man im Dienste von Dr. Light für das Gute und bietet Dr. Wily als einziger die Stirn.

Im Zentrum des Konflikts steht der Kampf unseres blauen Helden gegen folgende Schöpfungen des bösen Genies: Cut Man, Elec Man, Ice Man, Fire Man, Bomb Man und Guts Man. Alle sechs Roboter verstecken sich in eigenen, mit speziellen Fallen bespickten Territorien, die in Form eines Action-Plattformers bewältigt werden müssen. Die sechs Spielabschnitte sind frei wählbar und können theoretisch in beliebiger Reihenfolge abgeschlossen werden. Praktisch sieht dies jedoch etwas anders aus, denn mit dem Standard-Buster sind die abschließenden Duelle mit den feindlichen Robotern teilweise unschaffbar. Capcom hat die sechs Blechkameraden nach dem Stein-Schere-Papier-Prinzip entworfen und jeden mit einer Waffe versehen, auf die ein anderer Roboter empfindlich reagiert. Mega Man eignet sich von jedem erfolgreich besiegten Kontrahenten dessen Waffe an, die ihm daraufhin begrenzt zur Verfügung steht. Der Clou bei dem Spiel besteht nun darin, die Schwächen der einzelnen Roboter auszuloten und auszunutzen. Für die Standardgegner während der Plattform-Action gilt das gleiche Prinzip, womit die ansonsten schwierigen, wenn auch kurzen Levels erheblich erleichtert werden. Mit etwas Geduld und unendlich vielen Continues ist der Zugang zu Dr. Wilys Versteck gut zu erreichen.

Ab hier nimmt die Intensität des Spieles drastisch zu, was sich primär auf die Endgegnerkämpfe der noch vier ausstehenden Levels bezieht. Sie sind teilweise so schwer, dass man aus purer Verzweiflung ins Gamepad beißen könnte. Yellow Devil, der erste Wächter von Dr. Wilys Versteck, wurde nachträglich sogar von Capcom als zu schwierig eingestuft. In den Neuauflagen des Spieles wie zum Beispiel der "Mega Man Anniversary Collection" wurden diese Bosskämpfe deshalb deutlich entschärft. In der ursprünglichen NES-Fassung darf man sich notfalls mit einem Trick, der eigentlich ein Bug ist, behelfen. Er kann überall im Internet nachgelesen werden.

Der zum Schluss frustrierende Schwierigkeitsgrad trübt den positiven Gesamteindruck des Mega Man-Erstlings. Das abwechslungsreiche und anspruchsvolle Spielprinzip, das mit für die damaligen Verhältnisse guter technischer Umsetzung aufwartet, hätte die Höchstwertung verdient, hätte man damals etwas mehr auf die Spielbalance geachtet. Für das erste Spiel der langlebigen Reihe ist "Mega Man" nach wie vor erstaunlich gut, muss sich jedoch den fünf weiteren NES-Nachfolgern geschlagen geben.