"Metalgun Slinger" stellt etwas ganz Besonderes für mich
dar, denn ich habe mich ganze drei Jahre darum bemüht, es in den
zahlreichen Internetshops ausfindig zu machen. Nur in Japan erschienen,
gehört es zweifelsfrei zu den seltensten Spielen für den Game
Boy Advance. Und da es sich hierbei um einen actiongeladenen Plattformer
handelt, ist es auch in unseren westlichen Gefilden recht gefragt.
Auf den ersten Blick sieht "Metalgun Slinger" keineswegs
herausragend aus. Mit den kleinen, etwas pixelig geratenen Figuren sowie
den blassen Farben wirkt das stilechte Western-Spiel eher unscheinbar.
Mit dem unverbrauchten Szenario im Anime-Stil kommt es aber sehr frisch
rüber und stimmt bereits durch das mit Gesang unterstützte
Intro auf wilde Feuergefechte ein. Der Held dieses Abenteuers heißt
Billy Macdoleane und kämpft mit einem technisch sehr eindrucksvollen
Revolver, der durch diverse Leitungen mit seinem Körper verbunden
zu sein scheint, gegen irgendeine üble Mutantenbande. Die Western-Thematik
wird allzu bald mit zahlreichen Science-Fiction-Elementen verflochten,
so dass das ganze Spektakel an bekannte Mangas wie "Trigun"
erinnert. Der in zahlreichen Zwischensequenzen erzählten Story
vermag man ohne Japanisch-Kentnisse jedoch nicht zu folgen, so dass
man sich nur mit Vermutungen zufrieden geben muss.
Um den Abspann genießen zu können, müssen nach einem
unverständlichen, da ebenfalls japanischen, Tutorial fünf
umfangreiche Levels, die in der Regel in vier Spielabschnitte unterteilt
sind, überstanden werden. Dabei hüpft man durch die recht
verzweigten Landstriche über unzählige Plattformen, hangelt
sich an Seilen entlang und liefert sich mit den verstreuten Feinden
die tollkühnsten Schusswechsel. Mit der ihm zu Verfügung stehenden
Gun-Force kann Billy nicht nur Räder schlagen und Saltos vollführen,
sondern die eigenartigsten Feuersalven in stilechter Slow-Motion-Manier
auf die Gegner niederregnen lassen. Die Art der Geschosse hängt
dabei vom verwendeten Sheriff-Stern sowie der Gun-Art ab. Diese Hilfsmittel
erhält man nach jedem Bosskampf. Die Mittel- und Endgegner fallen
im Gegensatz zur etwas uninspirierten Plattform-Action allesamt sehr
abwechslungsreich aus und sind recht fordernd. Mit Fortschreiten des
Spieles werden sie immer imposanter und hartnäckiger, sind aber
niemals unfair und mit Billys Superangriffen durchaus für jedermann
zu schaffen. Die Supergeschosse werden auf dem Bildschirm als Patronenhülsen
dargestellt und sind auf fünf Stück begrenzt. Sie werden durch
das Drücken der A- oder B-Taste in Zusammenhang mit gedrücktem
R-Button aktiviert und fallen je nach ausgerüsteter Gun-Art unterschiedlich
aus. Das Spiel räumt damit auch etwas Platz zum Experimentieren
ein. Nicht unerwähnt bleiben sollten noch die Hochgeschwindigkeitslevels,
die die Plattform-Action auflockern und Billy auf einem futuristischen
Gefährt durch die Gegend sausen lassen. Die Jagd nach gesuchten
Verbrechern als Zusatzoption ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen,
da man nur dadurch seine Lebenskraft permanent erhöht, was sich
bei den Bosskämpfen sehr positiv auswirkt. Dies rechtfertigt wiederum
die gründliche Erkundung eines jeden Spielabschnitts. Die erzielten
Erfolge werden dabei automatisch nach jedem beendeten Level gesichert.
"Metalgun Slinger" fällt somit wirklich angenehm abwechslungsreich
aus. Mit einer Spieldauer von maximal sechs Stunden mag es für
den einen oder anderen jedoch etwas zu kurz ausfallen. Mich stört
das nicht und ich bereue keinen einzigen Cent, den ich für das
sündhaft teure Spiel ausgegeben habe. Auch wenn es sicherlich nicht
die Krönung des Genres darstellt, so kann ich doch eine klare Empfehlung
aussprechen, sofern man sich mit den recht hohen Preisen, die etwas
über dem damals regulären Verkaufspreis liegen, anfreunden
kann.
|