Mother / EarthBound Zero
RPG

Motherfreak
Januar 10
 

Es gibt viele Spiele, die immer den gleichen Weg verfolgen. In jedem Genre gibt es oftmals dieselben Aspekte, die so manchem nur noch ein müdes Lächeln abgewinnen können. Sei es, dass ein ach so übermächtiger Krieger (oder auch Ritter) irgendeine stinklangweilige Prinzessin retten oder Drachen und sonstige Ungetüme bekämpfen muss. Alles schon mal geschehen? Alles schon in RPG´s gesehen? Dann kennt man Mother nicht. Die Serie, die insgesamt drei Spiele umfasst, begann damals auf dem Famicom in Japan unter dem Slogan "No crying until the ending", welcher wirklich gut das Spiel umschreibt. Damals war es die Zeit der Final Fantasy´s und der Dragon Quest´s, welche natürlich die eben angesprochenen Settings aufwiesen. Damals waren RPG´s immer im Mittelalter angesiedelt. So ist das bei Mother natürlich nicht, aber erst mal muss geklärt werden, was Mother eigentlich genau ist.

Mother, ein völlig ungewöhnliches Spiel, wurde von Shigesato Itoi produziert und hatte in Japan großen Erfolg. 1991 wurde es auch im Westen unter dem Namen EarthBound angekündigt. Allerdings machte der Super Famicom dem Spiel einen Strich durch die Rechnung und es verschwand von den Lokalisationslisten. Zu diesem Zeitpunkt wusste keiner, dass das Spiel bereits komplett optimiert und übersetzt vorlag.

Nun warum erzähl ich das alles und habe noch kein Wort über das Spiel an sich verloren? Um die Hintergründe zu verstehen natürlich, denn das Spiel existiert nach wie vor in Form von drei Prototypen. Einer ist immer noch im Besitz von Nintendo of America, einer wurde noch vor nicht allzu langer Zeit in einem berühmten Auktionshaus angeboten und der letzte ging zuerst in Besitz von jemanden, der es an Starmen.net für eine Weile verliehen hat. Dieses Forum wollte es den Fans des Nachfolgers zur Verfügung stellen, fixte noch schnell ein paar Bugs und stellte es als EarthBound Zero ins Netz.

Es ist nicht jedermanns Sache ROM´s zu spielen, meine normalerweise auch nicht, aber dieses Spiel hat mich neugierig gemacht und so nutzte ich aufgrund meiner nicht vorhandenen Kenntnisse der japanischen Sprache die Möglichkeit, es in Englisch zu spielen.

Das Spiel soll in erster Hinsicht eine Dragon Quest-Parodie darstellen, was auch Itois Absicht war. Das Spiel beginnt in den 80´er Jahren mit dem Jungen Ninten, der von seiner Lampe angegriffen wird. Nach weiteren merkwürdigen Geschehnissen macht er sich auf den Weg, um die Ursachen dieser Ereignisse herauszufinden. Dabei geht es um die merkwürdige Kraft PSI, welche der Junge und seine spätere Gefährtin Ana erlernen. Ana kann nur offensive und Ninten nur unterstützende und heilende PSI. Ana begleitet Ninten, um ihre Mutter wiederzufinden. Dann gibt es da noch Lloyd, einen Streber und technisches Genie, der von anderen Kindern gehänselt wird. Außerdem schließt sich noch Teddy, der Anführer der Bla-Bla-Gang, der Gruppe an. Seine Eltern wurden durch ein UFO getötet und er will sie rächen.

Nun aber zum Gameplay. Dieses ähnelt natürlich ziemlich dem der ersten drei Dragon Quest-Spiele. Das Menü ist für heutige Verhältnisse umständlich und muss für jede Aktion aufgerufen werden, so auch um mit Personen zu sprechen, mit Gegenständen zu interagieren oder etwas zu untersuchen. Außerdem werden hier die Items und ausrüstbaren Gegenstände verwaltet sowie auch Einstellungen vorgenommen. Geld verdient man natürlich dadurch, dass man Gegner besiegt. In diesem Falle wird das Geld auf ein Bankkonto überwiesen und kann von dort abgeholt werden. Solange es dort bleibt, ist es auch sicher. Hebt man es ab und verliert einen Kampf, verliert man die Hälfte des Geldes. Die Kämpfe selbst laufen rundenbasiert ab. Allerdings sind es Zufallskämpfe. Die Zufallsrate ist sehr, sehr hoch, was auch leider oft zur Monotonie führt. Speichern kann man mittels Telefonaten mit dem Vater. Statusveränderungen, wie zum Beispiel Schnupfen oder Ohnmächtigkeit, werden im Krankenhaus behandelt und Verletzungen werden entweder mit Lebensmitteln wie Brot und Burgern oder im Hotel kuriert.

Wie vorhin erwähnt ist das Spiel eine Parodie, und für eine Parodie gehört es sich auch, alles mögliche in den Kakao zu ziehen. Der Humor äußert sich auf vielerlei Weise. Sei es der Doktor, der nach einer Behandlung sagt, dass Ninten sich gefälligst noch mal verletzten soll, damit er mehr Geld verdient, oder der ewig labernde Fischer, der solange redet, bis die Gefährten einschlafen und der gleiche Effekt wie bei einer Übernachtung im Hotel einsetzt.

Die Umgebung ist schön gestaltet und die Charaktere erinnern an die Peanuts, was auf jeden Fall Charme versprüht. In der englischen Version können die Spielfiguren rennen, was die Spielgeschwindigkeit erhöht. In der japanischen Originalversion ist dies nicht möglich.

Fazit: Mother bzw. EarthBound Zero ist wirklich gut. Der Humor ist ein großer Pluspunkt. Allerdings wird der Spielspaß durch die zu häufigen Kämpfe gemindert. Dennoch vergebe ich dem Spiel acht Punkte.