Es gibt viele Spiele, die immer den gleichen Weg verfolgen. In jedem Genre
gibt es oftmals dieselben Aspekte, die so manchem nur noch ein müdes
Lächeln abgewinnen können. Sei es, dass ein ach so übermächtiger
Krieger (oder auch Ritter) irgendeine stinklangweilige Prinzessin retten
oder Drachen und sonstige Ungetüme bekämpfen muss. Alles schon
mal geschehen? Alles schon in RPG´s gesehen? Dann kennt man Mother
nicht. Die Serie, die insgesamt drei Spiele umfasst, begann damals auf
dem Famicom in Japan unter dem Slogan "No crying until the ending",
welcher wirklich gut das Spiel umschreibt. Damals war es die Zeit der
Final Fantasy´s und der Dragon Quest´s, welche natürlich
die eben angesprochenen Settings aufwiesen. Damals waren RPG´s immer
im Mittelalter angesiedelt. So ist das bei Mother natürlich nicht,
aber erst mal muss geklärt werden, was Mother eigentlich genau ist.
Mother, ein völlig ungewöhnliches Spiel, wurde von Shigesato
Itoi produziert und hatte in Japan großen Erfolg. 1991 wurde es
auch im Westen unter dem Namen EarthBound angekündigt. Allerdings
machte der Super Famicom dem Spiel einen Strich durch die Rechnung und
es verschwand von den Lokalisationslisten. Zu diesem Zeitpunkt wusste
keiner, dass das Spiel bereits komplett optimiert und übersetzt
vorlag.
Nun warum erzähl ich das alles und habe noch kein Wort über
das Spiel an sich verloren? Um die Hintergründe zu verstehen natürlich,
denn das Spiel existiert nach wie vor in Form von drei Prototypen. Einer
ist immer noch im Besitz von Nintendo of America, einer wurde noch vor
nicht allzu langer Zeit in einem berühmten Auktionshaus angeboten
und der letzte ging zuerst in Besitz von jemanden, der es an Starmen.net
für eine Weile verliehen hat. Dieses Forum wollte es den Fans des
Nachfolgers zur Verfügung stellen, fixte noch schnell ein paar
Bugs und stellte es als EarthBound Zero ins Netz.
Es ist nicht jedermanns Sache ROM´s zu spielen, meine normalerweise
auch nicht, aber dieses Spiel hat mich neugierig gemacht und so nutzte
ich aufgrund meiner nicht vorhandenen Kenntnisse der japanischen Sprache
die Möglichkeit, es in Englisch zu spielen.
Das Spiel soll in erster Hinsicht eine Dragon Quest-Parodie darstellen,
was auch Itois Absicht war. Das Spiel beginnt in den 80´er Jahren
mit dem Jungen Ninten, der von seiner Lampe angegriffen wird. Nach weiteren
merkwürdigen Geschehnissen macht er sich auf den Weg, um die Ursachen
dieser Ereignisse herauszufinden. Dabei geht es um die merkwürdige
Kraft PSI, welche der Junge und seine spätere Gefährtin Ana
erlernen. Ana kann nur offensive und Ninten nur unterstützende
und heilende PSI. Ana begleitet Ninten, um ihre Mutter wiederzufinden.
Dann gibt es da noch Lloyd, einen Streber und technisches Genie, der
von anderen Kindern gehänselt wird. Außerdem schließt
sich noch Teddy, der Anführer der Bla-Bla-Gang, der Gruppe an.
Seine Eltern wurden durch ein UFO getötet und er will sie rächen.
Nun aber zum Gameplay. Dieses ähnelt natürlich ziemlich dem
der ersten drei Dragon Quest-Spiele. Das Menü ist für heutige
Verhältnisse umständlich und muss für jede Aktion aufgerufen
werden, so auch um mit Personen zu sprechen, mit Gegenständen zu
interagieren oder etwas zu untersuchen. Außerdem werden hier die
Items und ausrüstbaren Gegenstände verwaltet sowie auch Einstellungen
vorgenommen. Geld verdient man natürlich dadurch, dass man Gegner
besiegt. In diesem Falle wird das Geld auf ein Bankkonto überwiesen
und kann von dort abgeholt werden. Solange es dort bleibt, ist es auch
sicher. Hebt man es ab und verliert einen Kampf, verliert man die Hälfte
des Geldes. Die Kämpfe selbst laufen rundenbasiert ab. Allerdings
sind es Zufallskämpfe. Die Zufallsrate ist sehr, sehr hoch, was
auch leider oft zur Monotonie führt. Speichern kann man mittels
Telefonaten mit dem Vater. Statusveränderungen, wie zum Beispiel
Schnupfen oder Ohnmächtigkeit, werden im Krankenhaus behandelt
und Verletzungen werden entweder mit Lebensmitteln wie Brot und Burgern
oder im Hotel kuriert.
Wie vorhin erwähnt ist das Spiel eine Parodie, und für eine
Parodie gehört es sich auch, alles mögliche in den Kakao zu
ziehen. Der Humor äußert sich auf vielerlei Weise. Sei es
der Doktor, der nach einer Behandlung sagt, dass Ninten sich gefälligst
noch mal verletzten soll, damit er mehr Geld verdient, oder der ewig
labernde Fischer, der solange redet, bis die Gefährten einschlafen
und der gleiche Effekt wie bei einer Übernachtung im Hotel einsetzt.
Die Umgebung ist schön gestaltet und die Charaktere erinnern an
die Peanuts, was auf jeden Fall Charme versprüht. In der englischen
Version können die Spielfiguren rennen, was die Spielgeschwindigkeit
erhöht. In der japanischen Originalversion ist dies nicht möglich.
Fazit: Mother bzw. EarthBound Zero ist wirklich gut. Der Humor ist
ein großer Pluspunkt. Allerdings wird der Spielspaß durch
die zu häufigen Kämpfe gemindert. Dennoch vergebe ich dem
Spiel acht Punkte.
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