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Das Rollenspielgenre ist voller Variationen und Abwechslung. Leider
sind einige Arten in den letzten Jahren verkümmert und werden kaum
noch produziert. Dazu gehörten auch Dungeon-Crawler. Im Gegensatz
zu vielen aktuellen Rollenspielen steht hier nicht die Story, ja nicht
mal eine erforschbare Oberwelt, im Vordergrund sondern einzig und allein
das Überleben im Dungeon. Auf dem Nintendo DS scheinen diese Spiele
jedoch eine Zuflucht gefunden zu haben. Mit Orcs & Elves bringt
Electronic Arts aber keine Neuentwicklung an den Start sondern den erweiterten
Port eines Handyspiels.
Der junge Elfenkrieger Elli bekommt eine seltsame Nachricht des Zwergenkönigs
Brahms. Da dieser ein enger Freund seines Vaters ist, macht er sich
zusammen mit dem sprechenden Zauberstab Ellon auf, um das Rätsel
in der unterirdischen Zwergenstadt Zharrkarag zu lösen. Dort angekommen,
gibt es erst mal eine böse Überraschung. Statt gutmütige
Zwerge empfangen uns kampfwütige Orks. Um zu erfahren, was hier
vor sich geht, müssen Elli und sein - etwas vorlauter - Zauberstab
tief in den Berg vordringen. Die Story ist genretypisch flach und dient
nur als Vorwand, um sich durch Horden von Monstern zu schnetzeln. Die
Dialoge mit den Zwergen sind aber durchaus unterhaltsam.
Anstatt des rundenbasierten Kampfes gibt es hier ein zugbasiertes System
in Ego-Perspektive. Fast jede Bewegung oder Handlung ist ein Zug. Die
Gegner sind jederzeit sichtbar und reagieren nach jedem Zug des Spielers.
Neben physischen Waffen wie Schwert und Armbrust gibt es einige magische
Gegenstände, die sich im Kampf als nützlich erweisen. Außer
dem sehr effektiven Stab Ellon bekommt man im Laufe des Spieles explodierende
Eier oder eine Art antiker Feuerwerfer. Die Strategie besteht darin,
die richtige Waffe gegen den richtigen Gegner einzusetzen. So ist es
nicht besonders klug ein Flammenschwert gegen ein Lavawesen zu erheben.
Rüstungen spielen leider eine untergeordnete Rolle. Die wenigen
Körperpanzer besitzen Punkte, die sich mit jedem Gegnerangriff
dezimieren. Mit einem Rüstungs-Kit können diese wiederaufgefüllt
werden. Leider wurde auf Helme, Stiefel oder sonstige Rüstungen
verzichtet. Nur ein paar Ringe mit magischen Eigenschaften können
erworben werden.
Bei den Items dominieren Tränke. Egal ob Heilung oder das zeitweise
Aufbessern der Statuswerte, für alles gibt es ein Schlückchen.
Ganz speziell sind die Biere, die starken Gebräue geben nicht nur
einen besonders hohen Statusschub, sondern senken auch gleichzeitig
die Präzision erheblich. Um sich mit allem Nützlichen einzudecken,
ist ein Besuch bei Gaya ratsam. Die Drachenlady handelt für Gold
und Edelsteine. Bei ihr können auch Warp-Portale aktiviert werden,
um schnell von einem Dungeon-Abschnitt in den nächsten zu gelangen.
Die wenigen Schalterrätsel sind kaum der Rede wert, der Fokus
liegt eindeutig auf dem Kampf. Dafür gibt es in den Höhlen
viel zu entdecken. Fast alle Gegenstände und Barrikaden lassen
sich zerstören. Einige Mauern geben geheime Gänge frei, die
auf der Übersichtskarte am unteren Bildschirm dezent angedeutet
werden.
Benutzerfreundlichkeit wird bei Orcs & Elves groß geschrieben.
Die Steuerung ist einfach und nach wenigen Minuten ins Blut übergegangen.
Auf dem unteren Bildschirm werden komfortabel alle Items und nötigen
Infos angezeigt. Ob dafür der Touchpen oder die traditionelle Steuerung
benutzt wird, ist ganz dem Spieler überlassen. Von Anfang an stehen
drei Schwierigkeitsgrade zur Auswahl, wobei Normal eigentlich in Leicht
umbenannt werden sollte. Hier werfen die Gegner massig Items ab und
die Strategie kann aufgrund der schwachen Monster vernachlässigt
werden. Gespeichert werden kann jederzeit.
Die größte Schwäche des Spieles ist sein Umfang mit
sechs bis acht Stunden. Zwar wurde das ursprüngliche Handyspiel
noch um einige Dungeon-Abschnitte erweitert, aber selbst für den
Budgetpreis wird hier einfach zu wenig geboten. Als Extra lässt
sich mit der Zeit eine kleine Galerie freischalten. Leider sind die
Bilder winzig und meist nicht besonders hübsch.
Im Gegensatz zu den 3D-Dungeons präsentieren sich die Monster
in pixeligem 2D. Dies hat mich jedoch nicht so gestört wie die
wenigen uninspirierten Gegnertypen. Orks, Schleimhaufen und riesige
Ratten in verschiedenen Färbungen sind nicht nur für erfahrene
Spieler schnell langweilig. Einige Details haben mir allerdings gut
gefallen. Das Trinken des Bieres hat nicht nur einen Effekt auf die
Werte, sondern lässt die Figur auch schwanken und lustige Geräusche
von sich geben. Gegner, die fliehen oder sich vor einer bestimmten Waffe
fürchten, reißen angsterfüllt die Augen auf.
Die wenigen Musikstücke bleiben immer dezent im Hintergrund. Hier
wurde einiges an Atmosphäre verschenkt. Die Soundeffekte sind in
Ordnung.
Fazit: Trotz einiger Schwächen hat mir das Erkunden der alten
Zwergenfestung Spaß bereitet. Leider ist der mickrige Umfang ein
unverzeihlicher Minuspunkt. Wer Dungeon-Crawler mag und sich an der
altbackenen Technik nicht stört, kann für wenig Geld einen
Blick riskieren.
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