Orcs & Elves
RPG


Patricia
April 09

 


Das Rollenspielgenre ist voller Variationen und Abwechslung. Leider sind einige Arten in den letzten Jahren verkümmert und werden kaum noch produziert. Dazu gehörten auch Dungeon-Crawler. Im Gegensatz zu vielen aktuellen Rollenspielen steht hier nicht die Story, ja nicht mal eine erforschbare Oberwelt, im Vordergrund sondern einzig und allein das Überleben im Dungeon. Auf dem Nintendo DS scheinen diese Spiele jedoch eine Zuflucht gefunden zu haben. Mit Orcs & Elves bringt Electronic Arts aber keine Neuentwicklung an den Start sondern den erweiterten Port eines Handyspiels.

Der junge Elfenkrieger Elli bekommt eine seltsame Nachricht des Zwergenkönigs Brahms. Da dieser ein enger Freund seines Vaters ist, macht er sich zusammen mit dem sprechenden Zauberstab Ellon auf, um das Rätsel in der unterirdischen Zwergenstadt Zharrkarag zu lösen. Dort angekommen, gibt es erst mal eine böse Überraschung. Statt gutmütige Zwerge empfangen uns kampfwütige Orks. Um zu erfahren, was hier vor sich geht, müssen Elli und sein - etwas vorlauter - Zauberstab tief in den Berg vordringen. Die Story ist genretypisch flach und dient nur als Vorwand, um sich durch Horden von Monstern zu schnetzeln. Die Dialoge mit den Zwergen sind aber durchaus unterhaltsam.

Anstatt des rundenbasierten Kampfes gibt es hier ein zugbasiertes System in Ego-Perspektive. Fast jede Bewegung oder Handlung ist ein Zug. Die Gegner sind jederzeit sichtbar und reagieren nach jedem Zug des Spielers.

Neben physischen Waffen wie Schwert und Armbrust gibt es einige magische Gegenstände, die sich im Kampf als nützlich erweisen. Außer dem sehr effektiven Stab Ellon bekommt man im Laufe des Spieles explodierende Eier oder eine Art antiker Feuerwerfer. Die Strategie besteht darin, die richtige Waffe gegen den richtigen Gegner einzusetzen. So ist es nicht besonders klug ein Flammenschwert gegen ein Lavawesen zu erheben. Rüstungen spielen leider eine untergeordnete Rolle. Die wenigen Körperpanzer besitzen Punkte, die sich mit jedem Gegnerangriff dezimieren. Mit einem Rüstungs-Kit können diese wiederaufgefüllt werden. Leider wurde auf Helme, Stiefel oder sonstige Rüstungen verzichtet. Nur ein paar Ringe mit magischen Eigenschaften können erworben werden.
Bei den Items dominieren Tränke. Egal ob Heilung oder das zeitweise Aufbessern der Statuswerte, für alles gibt es ein Schlückchen. Ganz speziell sind die Biere, die starken Gebräue geben nicht nur einen besonders hohen Statusschub, sondern senken auch gleichzeitig die Präzision erheblich. Um sich mit allem Nützlichen einzudecken, ist ein Besuch bei Gaya ratsam. Die Drachenlady handelt für Gold und Edelsteine. Bei ihr können auch Warp-Portale aktiviert werden, um schnell von einem Dungeon-Abschnitt in den nächsten zu gelangen.

Die wenigen Schalterrätsel sind kaum der Rede wert, der Fokus liegt eindeutig auf dem Kampf. Dafür gibt es in den Höhlen viel zu entdecken. Fast alle Gegenstände und Barrikaden lassen sich zerstören. Einige Mauern geben geheime Gänge frei, die auf der Übersichtskarte am unteren Bildschirm dezent angedeutet werden.

Benutzerfreundlichkeit wird bei Orcs & Elves groß geschrieben. Die Steuerung ist einfach und nach wenigen Minuten ins Blut übergegangen. Auf dem unteren Bildschirm werden komfortabel alle Items und nötigen Infos angezeigt. Ob dafür der Touchpen oder die traditionelle Steuerung benutzt wird, ist ganz dem Spieler überlassen. Von Anfang an stehen drei Schwierigkeitsgrade zur Auswahl, wobei Normal eigentlich in Leicht umbenannt werden sollte. Hier werfen die Gegner massig Items ab und die Strategie kann aufgrund der schwachen Monster vernachlässigt werden. Gespeichert werden kann jederzeit.

Die größte Schwäche des Spieles ist sein Umfang mit sechs bis acht Stunden. Zwar wurde das ursprüngliche Handyspiel noch um einige Dungeon-Abschnitte erweitert, aber selbst für den Budgetpreis wird hier einfach zu wenig geboten. Als Extra lässt sich mit der Zeit eine kleine Galerie freischalten. Leider sind die Bilder winzig und meist nicht besonders hübsch.

Im Gegensatz zu den 3D-Dungeons präsentieren sich die Monster in pixeligem 2D. Dies hat mich jedoch nicht so gestört wie die wenigen uninspirierten Gegnertypen. Orks, Schleimhaufen und riesige Ratten in verschiedenen Färbungen sind nicht nur für erfahrene Spieler schnell langweilig. Einige Details haben mir allerdings gut gefallen. Das Trinken des Bieres hat nicht nur einen Effekt auf die Werte, sondern lässt die Figur auch schwanken und lustige Geräusche von sich geben. Gegner, die fliehen oder sich vor einer bestimmten Waffe fürchten, reißen angsterfüllt die Augen auf.
Die wenigen Musikstücke bleiben immer dezent im Hintergrund. Hier wurde einiges an Atmosphäre verschenkt. Die Soundeffekte sind in Ordnung.

Fazit: Trotz einiger Schwächen hat mir das Erkunden der alten Zwergenfestung Spaß bereitet. Leider ist der mickrige Umfang ein unverzeihlicher Minuspunkt. Wer Dungeon-Crawler mag und sich an der altbackenen Technik nicht stört, kann für wenig Geld einen Blick riskieren.