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Wer zum ersten Mal das Wort "Gerichtssimulation" liest, wird
vielleicht ungläubig den Kopf schütteln. Die Fälle von
Junganwalt Phoenix haben jedoch weder etwas mit echten Verhandlungen
noch mit den peinlichen TV-Shows zu tun. Das Ganze ist vielmehr eine
originelle Mischung aus Adventure und spannenden, interaktiven Wortgefechten.
Der Spieler schlüpft in die Rolle des Strafverteidigers Phoenix
Wright. Dieser arbeitet im kleinen, aber feinen Anwaltsbüro Fey
& Co. Mia Fey, seine Mentorin, ist die beste Lehrerin, die man sich
wünschen kann. Etwas später begleitet ihre quirlige, jüngere
Schwester Maya uns quasi als Assistentin. Genau wie der Spieler muss
Phoenix erst einmal alle Kniffe seines Berufes erlernen, um vor dem
Richter überhaupt den Hauch einer Chance zu haben.
Aufgrund massiver Kürzungen im Justizbereich wurde die maximale
Verfahrensdauer auf drei Tage beschränkt. Wenn der Verteidiger
bis dahin nicht die Unschuld seines Mandanten beweisen kann, heißt
es für den Angeklagten: Schuldig! Natürlich übernehmen
Fey und Wright nur Fälle, bei denen sie von der weißen Weste
ihres Klienten überzeugt sind. Wie in den meisten Krimi-Serien
handelt es sich stets um verzwickte Mordfälle. Nachdem ein in Not
geratener Kunde übernommen wurde, müssen zuerst Beweise gesammelt
werden, denn auf die Polizei ist nicht unbedingt Verlass. Dies geschieht
in Form eines Point & Click-Adventures aus der Ego-Perspektive.
Tatorte können untersucht, Zeugen ausgefragt und relevante Dinge
in die Gerichtsakte gelegt werden. So einfach lassen sich die Informationen
aber dann doch nicht zusammentragen. Viele Beteiligte schweigen eisern
und wollen eventuell mittels bestimmter Gegenstände oder Schlüsselwörter
zum Reden gebracht werden. Einige Beweisstücke sind rätselhaft
und ihre Bedeutung wird erst innerhalb des Verfahrens ersichtlich.
Mit einer mehr oder weniger gefüllten Akte geht es dann in den
Gerichtssaal. Dort spielt sich Ace Attorney wie ein interaktiver Film.
Der Spieler folgt dem Geschehen, kann aber nur vorgegebene Antworten
und Fragen stellen. Im Kreuzverhör werden Zeugen durch Nachfragen
oder Zeigen von Beweisen in die Mangel genommen. Die Gerichtsakte mit
allen relevanten Indizien ist dabei jederzeit einsehbar. Nur wer die
richtigen Schlüsse zieht und alle Gegenstände geschickt einsetzt,
kann die teilweise recht kniffligen Fälle lösen. Falsche Beschuldigungen
oder unklug eingesetzte Beweise führen zu einem Punkteabzug. Einige
Ausrufezeichen symbolisieren die Geduldsleiste des Richters. Wenn keine
mehr übrig sind, kommt automatisch der Schuldspruch, der gleichbedeutend
mit einem Game Over ist. Die straffe Linearität ist notwendig,
um die haarsträubenden Verwicklungen und Wendungen richtig in Szene
zu setzen. Es gibt keine Zeitlimits. Wenn alles notwendige erledigt
wurde, wird automatisch in den nächsten Abschnitt gewechselt.
Einzigartig ist das Sammelsurium an bizarren Charakteren, deren Emotionen
durch eine Fülle an Bildvarianten und Animationen zum Leben erweckt
werden. Die liebenswert überzeichneten Figuren und die witzigen
Dialoge bringen einen einfach zum Schmunzeln. An Humor fehlt es dem
Spiel definitiv nicht. Allen voran der arrogante Miles Edgeworth, Staatsanwalt
und erklärter Feind von Phoenix, ist mir durch seine trockene Art
sehr ans Herz gewachsen.
In insgesamt fünf Fällen darf man Verbrechern das Handwerk
legen. Dies mag sich jetzt nach wenig anhören, mit Ausnahme des
Tutorials nimmt jeder Fall jedoch mehrere Stunden in Anspruch. Gespeichert
werden kann jederzeit, das bewahrt vor Frust und ist perfekt für
die kleine Ermittlung zwischendurch.
Das gesamte Spiel kann mit dem Touchpen gesteuert werden. Im Kreuzverhör
können "Einspruch" bzw. "Moment Mal" ins Mikrophon
gerufen werden, um Zeugen zu unterbrechen. Diese zwei Sprüche werden
auch durch Sprachsamples (in Deutsch) wiedergegeben.
Noch ein paar Worte zum letzten Mordfall, denn eigentlich ist Ace Attorney
ein Remake eines GBA-Spieles, welches nie in westlichen Gefilden erschien.
Nach dem sensationellen Erfolg in Japan wurde diese Perle mit angepasster
Steuerung und neu gemixter Musik für den DS umgesetzt. Damit auch
Fans der ersten Stunde zuschlagen, wurde ein sehr umfangreicher fünfter
Fall hinzugefügt. Dieser bietet zusätzlich einige neue Touchscreen-Features.
Man könnte meinen, bei einem so storybezogenen Spiel dudelt die
Musik unbemerkt im Hintergrund. Falsch gedacht, die einprägsamen
Melodien sind ein großer Pluspunkt. Es gibt zwar nur wenige Themen,
diese untermalen die Handlung aber perfekt. Die zweidimensionale Anime-Grafik
ist sehr hübsch und detailliert. Die Schauplätze bestehen
nur aus Standbildern, erfüllen aber ihren Zweck. Extras bietet
das Spiel keine. Wirklich Schade, ich hätte mir zumindest ein Soundmenü
gewünscht. Sammler halten am besten nach der japanischen Limited
Edition mit CD und coolen Merchandise-Produkten Ausschau, da diese auch
die englische Sprache unterstützt.
Fazit: Erfrischend, spannend und voller ausgeflippter Ideen - mit Phoenix
Wright ist Capcom ein ganz großer Wurf gelungen. Das japanische
Adventure könnte höchstens lesefaule Action-Liebhaber enttäuschen.
Alle anderen sollten Phoenix, Mia und Miles
eine Chance geben.
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