Phoenix Wright, Ace Attorney
Adventure


Patricia
Juni 09

 


Wer zum ersten Mal das Wort "Gerichtssimulation" liest, wird vielleicht ungläubig den Kopf schütteln. Die Fälle von Junganwalt Phoenix haben jedoch weder etwas mit echten Verhandlungen noch mit den peinlichen TV-Shows zu tun. Das Ganze ist vielmehr eine originelle Mischung aus Adventure und spannenden, interaktiven Wortgefechten.

Der Spieler schlüpft in die Rolle des Strafverteidigers Phoenix Wright. Dieser arbeitet im kleinen, aber feinen Anwaltsbüro Fey & Co. Mia Fey, seine Mentorin, ist die beste Lehrerin, die man sich wünschen kann. Etwas später begleitet ihre quirlige, jüngere Schwester Maya uns quasi als Assistentin. Genau wie der Spieler muss Phoenix erst einmal alle Kniffe seines Berufes erlernen, um vor dem Richter überhaupt den Hauch einer Chance zu haben.

Aufgrund massiver Kürzungen im Justizbereich wurde die maximale Verfahrensdauer auf drei Tage beschränkt. Wenn der Verteidiger bis dahin nicht die Unschuld seines Mandanten beweisen kann, heißt es für den Angeklagten: Schuldig! Natürlich übernehmen Fey und Wright nur Fälle, bei denen sie von der weißen Weste ihres Klienten überzeugt sind. Wie in den meisten Krimi-Serien handelt es sich stets um verzwickte Mordfälle. Nachdem ein in Not geratener Kunde übernommen wurde, müssen zuerst Beweise gesammelt werden, denn auf die Polizei ist nicht unbedingt Verlass. Dies geschieht in Form eines Point & Click-Adventures aus der Ego-Perspektive. Tatorte können untersucht, Zeugen ausgefragt und relevante Dinge in die Gerichtsakte gelegt werden. So einfach lassen sich die Informationen aber dann doch nicht zusammentragen. Viele Beteiligte schweigen eisern und wollen eventuell mittels bestimmter Gegenstände oder Schlüsselwörter zum Reden gebracht werden. Einige Beweisstücke sind rätselhaft und ihre Bedeutung wird erst innerhalb des Verfahrens ersichtlich.

Mit einer mehr oder weniger gefüllten Akte geht es dann in den Gerichtssaal. Dort spielt sich Ace Attorney wie ein interaktiver Film. Der Spieler folgt dem Geschehen, kann aber nur vorgegebene Antworten und Fragen stellen. Im Kreuzverhör werden Zeugen durch Nachfragen oder Zeigen von Beweisen in die Mangel genommen. Die Gerichtsakte mit allen relevanten Indizien ist dabei jederzeit einsehbar. Nur wer die richtigen Schlüsse zieht und alle Gegenstände geschickt einsetzt, kann die teilweise recht kniffligen Fälle lösen. Falsche Beschuldigungen oder unklug eingesetzte Beweise führen zu einem Punkteabzug. Einige Ausrufezeichen symbolisieren die Geduldsleiste des Richters. Wenn keine mehr übrig sind, kommt automatisch der Schuldspruch, der gleichbedeutend mit einem Game Over ist. Die straffe Linearität ist notwendig, um die haarsträubenden Verwicklungen und Wendungen richtig in Szene zu setzen. Es gibt keine Zeitlimits. Wenn alles notwendige erledigt wurde, wird automatisch in den nächsten Abschnitt gewechselt.

Einzigartig ist das Sammelsurium an bizarren Charakteren, deren Emotionen durch eine Fülle an Bildvarianten und Animationen zum Leben erweckt werden. Die liebenswert überzeichneten Figuren und die witzigen Dialoge bringen einen einfach zum Schmunzeln. An Humor fehlt es dem Spiel definitiv nicht. Allen voran der arrogante Miles Edgeworth, Staatsanwalt und erklärter Feind von Phoenix, ist mir durch seine trockene Art sehr ans Herz gewachsen.

In insgesamt fünf Fällen darf man Verbrechern das Handwerk legen. Dies mag sich jetzt nach wenig anhören, mit Ausnahme des Tutorials nimmt jeder Fall jedoch mehrere Stunden in Anspruch. Gespeichert werden kann jederzeit, das bewahrt vor Frust und ist perfekt für die kleine Ermittlung zwischendurch.

Das gesamte Spiel kann mit dem Touchpen gesteuert werden. Im Kreuzverhör können "Einspruch" bzw. "Moment Mal" ins Mikrophon gerufen werden, um Zeugen zu unterbrechen. Diese zwei Sprüche werden auch durch Sprachsamples (in Deutsch) wiedergegeben.

Noch ein paar Worte zum letzten Mordfall, denn eigentlich ist Ace Attorney ein Remake eines GBA-Spieles, welches nie in westlichen Gefilden erschien. Nach dem sensationellen Erfolg in Japan wurde diese Perle mit angepasster Steuerung und neu gemixter Musik für den DS umgesetzt. Damit auch Fans der ersten Stunde zuschlagen, wurde ein sehr umfangreicher fünfter Fall hinzugefügt. Dieser bietet zusätzlich einige neue Touchscreen-Features.

Man könnte meinen, bei einem so storybezogenen Spiel dudelt die Musik unbemerkt im Hintergrund. Falsch gedacht, die einprägsamen Melodien sind ein großer Pluspunkt. Es gibt zwar nur wenige Themen, diese untermalen die Handlung aber perfekt. Die zweidimensionale Anime-Grafik ist sehr hübsch und detailliert. Die Schauplätze bestehen nur aus Standbildern, erfüllen aber ihren Zweck. Extras bietet das Spiel keine. Wirklich Schade, ich hätte mir zumindest ein Soundmenü gewünscht. Sammler halten am besten nach der japanischen Limited Edition mit CD und coolen Merchandise-Produkten Ausschau, da diese auch die englische Sprache unterstützt.

Fazit: Erfrischend, spannend und voller ausgeflippter Ideen - mit Phoenix Wright ist Capcom ein ganz großer Wurf gelungen. Das japanische Adventure könnte höchstens lesefaule Action-Liebhaber enttäuschen. Alle anderen sollten Phoenix, Mia und Miles
eine Chance geben.