Psycho Chaser
Shoot´em up

Minrod
Mai 09
 


Aufgrund riesiger, klobiger Sprites und einer detailarmen, geradezu lieblos wirkenden Grafik wird der PC-Engine-Shooter "Psycho Chaser" oft von vorne herein als minderwertig angesehen. Im direkten Vergleich mit den beliebtesten Vertretern des Genres mag dies auf den ersten Blick sogar zutreffen. Eine intensive Auseinandersetzung offenbart jedoch einige Qualitäten, die trotz des schlichten Gesamteindrucks für eine gehörige Portion Spaß sorgen können.

Mit einem außerirdischen Krieger, welcher dem Spielcover nach der Hollywood-Produktion "Predator" entsprungen ist, ballert man sich aus der Vogelperspektive durch insgesamt sechs Levels, wahrscheinlich um, dem Vorbild entsprechend, seine schmucke kleine Sammlung mit neuen Trophäen aufzuwerten. Das schmächtige japanische Handbuch schweigt sich mir gegenüber diesbezüglich aus. Für diese Arbeit stehen uns vier unterschiedliche Waffen zur Verfügung, zwischen denen jederzeit gewechselt werden kann. Neben dem frontalen Standardschuss "Fire" darf man mit "Multiway" schwerpunktmäßig rückwärts und mit "Buster" seitlich feuern. Das etwas langsame "Thunder" jagt den Gegnern hinterher, lässt dafür unseren Krieger jedoch einige Zeit schutzlos im Raum stehen. Sofern man genügend Power up´s gesammelt hat, kann man sich noch mit einer Raketensalve verteidigen. Der geforderte Einsatz der vier unterschiedlichen Waffensysteme verleiht dem Spiel eine anständige taktische Tiefe und macht es trotz des einfach gestrickten Szenarios interessant.

Der Schwierigkeitsgrad von "Psycho Chaser" ist recht hoch, man muss von jeder Seite mit Angreifern rechnen. Während sie noch in den ersten drei Levels eher moderat ausfallen und wenig feuern, nimmt ihr Widerstand ab dem vierten Spielabschnitt gewaltig zu. Man kommt somit nicht umhin sich zu merken, welche Gegner mit welcher Waffe am besten zu schlagen sind. Dies beeinflusst auch den Aufbau der Waffensysteme, die nach dem Beenden eines Levels sowie nach Lebensverlust modifiziert werden können. Für jeden abgeschlossenen Level stehen uns dabei drei Psycho-Energie-Punkte zur Verfügung, die den vier Waffen maximal dreimal zugeteilt werden können. Nach Adam Riese darf man also bereits den fünften Level mit voll ausgebauter Bewaffnung in Angriff nehmen. Und trotzdem wird man es ab hier extrem schwer haben, da der Schwierigkeitsgrad noch um eine ganze Ecke mehr anzieht. Mit nur fünf vorhandenen Continues darf man den Level auch nicht oft genug wiederholen. Und nach dem Verlust eines Lebens wird man aller eingesammelter Power up´s beraubt, wovon die Geschwindigkeitserhöhung am meisten weh tut. Aus diesem Grund habe ich es bislang nie über diesen Level hinaus geschafft. Ich versuche es aber immer wieder, denn gerade wegen des hohen Schwierigkeitsgrades motiviert mich das Spiel ständig aufs Neue. Sollte man es bis in den letzten Level schaffen, muss man dort allen bereits besiegten Endgegnern noch einmal gegenübertreten. Die Bosse sind jedoch nicht ganz so schwer und mit der richtigen Taktik in der Regel leicht zu knacken.

Wie man sieht, ist "Psycho Chaser" gar nicht mal so schlecht wie es oft dargestellt wird. Das Spiel besitzt ausreichend Tiefe, um zumindest einmalig zu unterhalten, Höhensprünge macht es aber nie. Mehr als sechs Punkte sind trotz aller Liebe deshalb nicht drin.