Ranger-X / Ex-Ranza
Action

Minrod
Oktober 08

"Ranger-X" oder "Ex-Ranza", wie die ursprüngliche japanische Ausgabe des Spieles heißt, ist eine völlig zu Unrecht untergegangene Mega Drive-Perle, die sowohl spielerisch wie auch technisch den höchsten Maßstäben gerecht wird. Wegen der recht komplexen Handhabung sowie des daraus resultierenden hohen Schwierigkeitsgrades wurde das Spiel seinerzeit von der Kundschaft verschmäht. Als Mech-Plattformer im Anime-Look hätte es dabei den Geschmack der damaligen Spielerzunft treffen müssen. Somit erschloss sich "Ranger-X" in seinem gesamten Umfang nur wenigen Spielern. Heute, 15 Jahre später, hat sich am Ruf des Spieles nicht viel geändert, bei der breiten Masse gilt es nach wie vor als unzugänglich. Dem wahren Fachmann bleibt das vorhandene Potenzial aber nicht verborgen. ^^

Im Inneren des riesigen Ranger-X-Kampfroboters verteidigt man in ferner Zukunft seinen Heimatplaneten vor einer feindlichen terroristischen Organisation. In sechs Missionen mit jeweils zwei Spielabschnitten hat man dabei einiges zu tun. Strom-Generatoren müssen zerstört, feindliche Schlachtschiffe ausgeschaltet und biologische Mutationen beseitigt werden. Die Levelgestaltung von "Ranger-X" fällt extrem vielseitig aus. Wer mit gedrücktem Dauerfeuer durch die Levels zu rasen versucht, der segnet das Zeitliche schneller als ihm lieb ist. Das Spiel erfordert gut überlegte taktische Vorgehensweisen, die sich zum einen durch den Einsatz der sieben unterschiedlichen Waffen und zum zweiten durch den sinnvollen Einsatz der Support-Einheit ergeben.

Die Support-Einheit steht unserem Mech-Ranger bereits ab dem ersten Level zur Verfügung und sorgt mit Sicherheit für eine Menge Verwirrung, denn sie muss analog zur Hauptfigur ebenfalls vom Spieler gesteuert werden. Während der Roboter mit dem Steuerkreuz und den Tasten A, B und C gelenkt wird, muss die am Boden fahrende, an ein futuristisches Motorrad erinnernde Support-Einheit mit den Tasten X und Z bewegt werden. Das Spiel lässt sich also am besten mit einem Sechs-Button-Gamepad handhaben. Schießen tut die Support-Einheit zum Glück selbständig. Sie wird aber nicht nur als zusätzliche Feuerkraft benötigt, sondern fungiert ihrem Status entsprechend auch als Träger für die zahlreichen schweren Geschütze. Zwei davon stehen von Anfang an zur Verfügung, die restlichen wie zum Beispiel der zielsuchende Mech-Falke müssen im Verlauf des Spieles gefunden werden. Der Einsatz der starken Waffen ist durch einen Energiebalken begrenzt. Die Technologie des Rangers beruht allerdings auf Sonnenenergie, so dass sich der Balken im Freien wieder auflädt. In Höhlen und sonstigen überdachten Einsatzorten muss man mit seinen Energievorräten bedacht umgehen, sofern keine mit Sonnenlicht durchflutete Stelle in der Nähe ist. Der Wechsel der Waffen erfolgt nicht wie üblich durch das Drücken eines Buttons, sondern ist nur im gekoppelten Zustand mit der Support-Einheit möglich. Die Support-Einheit besitzt in dieser Form ebenfalls einen eigenen Lebensbalken und kann den angeschlagenen Kampfroboter in mancher Situation Schutz bieten. Des Weiteren ist sie für die Überwindung flächendeckender Säuregewässer und ähnlicher schädlicher Hindernisse zuständig, da die Flugkraft des Kampfroboters etwas beschränkt ist. Die Support-Einheit steht aber nicht in allen Missionen zur Verfügung, in einigen wird sie durch ein Raumschiff ersetzt. Dieses lässt sich nicht mehr steuern, gibt unserem Ranger jedoch neben der Funktion als Waffenträger kräftig Deckung von oben.

Wie man sieht, ist "Ranger-X" in Bezug auf die Handhabung sehr abwechslungsreich. Diese zu Beginn etwas umständlich wirkende Maschinerie erreicht in Verbindung mit den vorbildlich durchdachten Missionen eine unheimlich dichte Spieltiefe. Der harte Schwierigkeitsgrad ist aber nicht nur der komplizierten Handhabung zu verdanken sondern auch der recht dünnen Panzerung des Rangers, die nur wenige Treffer verträgt. Bereits der erste bildschirmfüllende Endgegner kann in kürzester Zeit die drei vorhandenen Continues verbrauchen. Man hat nur ein einziges Leben pro Spiel, die Anzahl der Continues wird jedoch alle 200.000 Punkte aufgestockt. Mit ausreichend Übung und Geduld ist das Spiel im normalen Schwierigkeitsmodus nicht unmenschlich. Alle, die sich damit überfordert fühlen sollten, können im Ernstfall auf den leichten Schwierigkeitsgrad zurückgreifen, sofern sie die europäische oder amerikanische Fassung besitzen. Die japanische Ausgabe "Ex-Ranza" bietet diesen Luxus standardmäßig nicht an.

Kommen wir nun zu den technischen Aspekten. Die grafische Seite von "Ranger-X" zeigt das Beste, was aus einem Mega Drive jemals herausgekitzelt wurde. Extrem detaillierte und vor allem sehr bunte Grafiken lassen an den Fähigkeiten anderer damaliger Mega Drive-Entwickler zweifeln. Das Ganze wurde noch mit Parallel-Scrolling und Pseudo-3D-Grafiken untermauert, so dass man sich berechtigt fragen muss, ob man mit "Ranger-X" wirklich noch ein Mega Drive-Produkt vorliegen hat. Eine derartige technische Höchstleistung findet man nicht mal auf dem Sega CD oder dem 32X. Nur musikalisch bewegt sich das Spiel im normalen Rahmen. Die einzelnen Stücke hören sich dabei gut und niemals nervig an.

Das Fazit kann ich mir diesmal wirklich sparen, denn aus dem obigen Text lässt sich bereits problemlos ableiten, dass "Ranger-X" ein kleines Mega Drive-Wunder ist. Für mich persönlich ist es vielleicht das beste Spiel der Konsole und ein kleines Stück besser als die artverwandte Super Nintendo-Konkurrenz "Cybernator". "Ranger-X" sollte man deshalb auf gar keinen Fall verpassen, vor allem nicht als Fan der Mech-Thematik.