"Ranger-X" oder "Ex-Ranza", wie die ursprüngliche
japanische Ausgabe des Spieles heißt, ist eine völlig zu Unrecht
untergegangene Mega Drive-Perle, die sowohl spielerisch wie auch technisch
den höchsten Maßstäben gerecht wird. Wegen der recht komplexen
Handhabung sowie des daraus resultierenden hohen Schwierigkeitsgrades
wurde das Spiel seinerzeit von der Kundschaft verschmäht. Als Mech-Plattformer
im Anime-Look hätte es dabei den Geschmack der damaligen Spielerzunft
treffen müssen. Somit erschloss sich "Ranger-X" in seinem
gesamten Umfang nur wenigen Spielern. Heute, 15 Jahre später, hat
sich am Ruf des Spieles nicht viel geändert, bei der breiten Masse
gilt es nach wie vor als unzugänglich. Dem wahren Fachmann bleibt
das vorhandene Potenzial aber nicht verborgen. ^^
Im Inneren des riesigen Ranger-X-Kampfroboters verteidigt man in ferner
Zukunft seinen Heimatplaneten vor einer feindlichen terroristischen
Organisation. In sechs Missionen mit jeweils zwei Spielabschnitten hat
man dabei einiges zu tun. Strom-Generatoren müssen zerstört,
feindliche Schlachtschiffe ausgeschaltet und biologische Mutationen
beseitigt werden. Die Levelgestaltung von "Ranger-X" fällt
extrem vielseitig aus. Wer mit gedrücktem Dauerfeuer durch die
Levels zu rasen versucht, der segnet das Zeitliche schneller als ihm
lieb ist. Das Spiel erfordert gut überlegte taktische Vorgehensweisen,
die sich zum einen durch den Einsatz der sieben unterschiedlichen Waffen
und zum zweiten durch den sinnvollen Einsatz der Support-Einheit ergeben.
Die Support-Einheit steht unserem Mech-Ranger bereits ab dem ersten
Level zur Verfügung und sorgt mit Sicherheit für eine Menge
Verwirrung, denn sie muss analog zur Hauptfigur ebenfalls vom Spieler
gesteuert werden. Während der Roboter mit dem Steuerkreuz und den
Tasten A, B und C gelenkt wird, muss die am Boden fahrende, an ein futuristisches
Motorrad erinnernde Support-Einheit mit den Tasten X und Z bewegt werden.
Das Spiel lässt sich also am besten mit einem Sechs-Button-Gamepad
handhaben. Schießen tut die Support-Einheit zum Glück selbständig.
Sie wird aber nicht nur als zusätzliche Feuerkraft benötigt,
sondern fungiert ihrem Status entsprechend auch als Träger für
die zahlreichen schweren Geschütze. Zwei davon stehen von Anfang
an zur Verfügung, die restlichen wie zum Beispiel der zielsuchende
Mech-Falke müssen im Verlauf des Spieles gefunden werden. Der Einsatz
der starken Waffen ist durch einen Energiebalken begrenzt. Die Technologie
des Rangers beruht allerdings auf Sonnenenergie, so dass sich der Balken
im Freien wieder auflädt. In Höhlen und sonstigen überdachten
Einsatzorten muss man mit seinen Energievorräten bedacht umgehen,
sofern keine mit Sonnenlicht durchflutete Stelle in der Nähe ist.
Der Wechsel der Waffen erfolgt nicht wie üblich durch das Drücken
eines Buttons, sondern ist nur im gekoppelten Zustand mit der Support-Einheit
möglich. Die Support-Einheit besitzt in dieser Form ebenfalls einen
eigenen Lebensbalken und kann den angeschlagenen Kampfroboter in mancher
Situation Schutz bieten. Des Weiteren ist sie für die Überwindung
flächendeckender Säuregewässer und ähnlicher schädlicher
Hindernisse zuständig, da die Flugkraft des Kampfroboters etwas
beschränkt ist. Die Support-Einheit steht aber nicht in allen Missionen
zur Verfügung, in einigen wird sie durch ein Raumschiff ersetzt.
Dieses lässt sich nicht mehr steuern, gibt unserem Ranger jedoch
neben der Funktion als Waffenträger kräftig Deckung von oben.
Wie man sieht, ist "Ranger-X" in Bezug auf die Handhabung
sehr abwechslungsreich. Diese zu Beginn etwas umständlich wirkende
Maschinerie erreicht in Verbindung mit den vorbildlich durchdachten
Missionen eine unheimlich dichte Spieltiefe. Der harte Schwierigkeitsgrad
ist aber nicht nur der komplizierten Handhabung zu verdanken sondern
auch der recht dünnen Panzerung des Rangers, die nur wenige Treffer
verträgt. Bereits der erste bildschirmfüllende Endgegner kann
in kürzester Zeit die drei vorhandenen Continues verbrauchen. Man
hat nur ein einziges Leben pro Spiel, die Anzahl der Continues wird
jedoch alle 200.000 Punkte aufgestockt. Mit ausreichend Übung und
Geduld ist das Spiel im normalen Schwierigkeitsmodus nicht unmenschlich.
Alle, die sich damit überfordert fühlen sollten, können
im Ernstfall auf den leichten Schwierigkeitsgrad zurückgreifen,
sofern sie die europäische oder amerikanische Fassung besitzen.
Die japanische Ausgabe "Ex-Ranza" bietet diesen Luxus standardmäßig
nicht an.
Kommen wir nun zu den technischen Aspekten. Die grafische Seite von
"Ranger-X" zeigt das Beste, was aus einem Mega Drive jemals
herausgekitzelt wurde. Extrem detaillierte und vor allem sehr bunte
Grafiken lassen an den Fähigkeiten anderer damaliger Mega Drive-Entwickler
zweifeln. Das Ganze wurde noch mit Parallel-Scrolling und Pseudo-3D-Grafiken
untermauert, so dass man sich berechtigt fragen muss, ob man mit "Ranger-X"
wirklich noch ein Mega Drive-Produkt vorliegen hat. Eine derartige technische
Höchstleistung findet man nicht mal auf dem Sega CD oder dem 32X.
Nur musikalisch bewegt sich das Spiel im normalen Rahmen. Die einzelnen
Stücke hören sich dabei gut und niemals nervig an.
Das Fazit kann ich mir diesmal wirklich sparen, denn aus dem obigen
Text lässt sich bereits problemlos ableiten, dass "Ranger-X"
ein kleines Mega Drive-Wunder ist. Für mich persönlich ist
es vielleicht das beste Spiel der Konsole und ein kleines Stück
besser als die artverwandte Super Nintendo-Konkurrenz "Cybernator".
"Ranger-X" sollte man deshalb auf gar keinen Fall verpassen,
vor allem nicht als Fan der Mech-Thematik.
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