Rayxanber
Shoot´em up

Minrod
August 09
 

Die erste Konfrontation mit dem Zoul Empire und somit das erste Spiel der dreiteiligen Rayxanber-Reihe dürfte der Allgemeinheit noch weniger bekannt sein als die beiden Nachfolger für die PC Engine. Dies liegt daran, dass "Rayxanber" exklusiv für den sündhaft teuren und nur in Japan verbreiteten FM Towns Marty erschienen ist. Im gepflegten Zustand kostet das Spiel bereits um die 100 bis 120€, gehört damit aber immer noch zu den eher günstigen Marty-Anschaffungen. Für die richtigen Perlen muss man schon sehr viel tiefer in die Tasche greifen. Dies begründet sich nicht nur im hohen Seltenheitswert der Spiele sondern auch in deren besonderer Qualität, denn auf der technischen Ebene übertreffen sie sogar oft ihre Spielhallenvorbilder. Aus diesem Grund kann man bei "Rayxanber" schon im Vorfeld von einem technisch einwandfreien Spiel ausgehen.

Spielerisch ist es jedoch zweischneidig, was wie beim direkten Nachfolger am brutalen, schon beinahe unmenschlichen Schwierigkeitsgrad liegt. Mit dem flexiblen und chargefähigen Waffensystem, das mit Ice Storm (Dreifachschuss), Fireball (Feuerschuss) und Lightning Bolt (Laser) mit dem von "Rayxanber 2" identisch ist, dem Schubsystem sowie der dichten Atmosphäre ist es unheimlich ansprechend und interessant. Aufgrund des extrem hohen Schwierigkeitsgrades ist es für die meisten aber ungeeignet. In Form einer riesigen, hüpfenden mechanischen Krabbe kann bereits der erste Endgegner trotz seines in englischer Sprache aufgezeigten Schwachpunkts eine echte Nerven- und Geduldsprobe darstellen. Die Härte nimmt mit jedem weiteren der insgesamt acht Levels zu und gipfelt in einer beinahe unüberwindbaren Gegner- und Hindernismauer. Und dies kann man in den beiden letzten Levels wortwörtlich nehmen. Sich ständig aus dem Nichts materialisierende Blöcke, die mit einer enormen Geschwindigkeit den gesamten Flugraum des vorletzten Levels zubauen, sowie riesige, mit Projektilen um sich schiessende Gegner im letzten Level sind der Inbegriff der Shoot´em up-Hölle. Die Bosse sind da schon einen kleinen Tick leichter und orientieren sich in der Gesamtheit an anderen bekannten Spielen, allen voran an "Gradius". Der Ausruf "Shoot the core" findet auch hier ziemlich oft Verwendung. Einige innovative Ideen fanden dennoch ihren Platz, allen voran ein als bildschirmgroßes Schiebepuzzle konzipierter Level. Die wirklich große Ideenflut hat man sich aber für den zweiten Teil aufgespart.

Trotz aller Kritik empfinde ich "Rayxanber" als gelungen, auch wenn ich es aller Wahrscheinlichkeit nach niemals auf reguläre Art und Weise beenden werde. Die Chance dafür ist sehr gering, aber irgendwie macht es mir Spaß sich in das Spiel festzubeißen. All jene, denen es genauso ergeht und die ein Schummeln via Emulator ablehnen, können sich als Trost den finalen Boss auf dem Cover anschauen, da kein geringerer dort abgebildet ist. Diejenigen, die einen Kauf des Spieles in Erwägung ziehen, seien noch einmal ausdrücklich gewarnt, da "Rayxanber" alles andere als ein Zuckerschlecken ist. Die meisten werden es nach kurzer Zeit verwünschen und zum Teufel jagen. Bevor man sich einen wirklich teuren Regalhüter zulegt, sollte man vielleicht erst einen Blick auf den wesentlich günstigeren, spielerisch identischen, dafür aber etwas innovativeren Nachfolger werfen.