Rhapsody - A Musical Adventure
RPG


Nimoé
März 09

 


Achtung! Zuckerschock-Gefahr!

Ihr traut euch und wollt mehr über dieses laut Cover weltweit einzige RPG-Musical erfahren? Nun gut, sagt später nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Bei "Rhapsody - A Musical Adventure" für den Nintendo DS handelt es sich um ein Remake eines Playstation-Spieles. Da ich das Original nie gespielt habe, kann ich nichts zu den Unterschieden sagen, außer dass das Kampfsystem ursprünglich über einen strategischen Aspekt verfügte, der dem besseren Spielfluss zuliebe bei der Neufassung aufgegeben wurde. Ich beziehe mich in meinem Review auf die US-Version. In nächster Zeit soll das Spiel aber auch in Europa erscheinen.

Die Geschichte handelt vom Erwachsenwerden und der Verwirklichung seiner Träume. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die junge Cornet Espoire schläft und träumt dabei von Prinz Charming, der sie vor einem Monster rettet. Nachdem Kururu, ihre sprechende Puppe, sie geweckt hat, schickt ihr Großvater sie in den Wald Brennmaterial besorgen. Dort kommt es, wie es kommen muss. Das 16-jährige Mädchen wird von einem Drachen bedroht und ihr Ritter in strahlender Rüstung erscheint. Es ist kein geringerer als der Prinz des Königreichs Marl, Ferdinand. Cornet ist so überwältigt von dieser Begegnung, dass sie leider kein einziges Wort herausbekommt. Wieder zu Hause ermutigt Kururu sie die Initiative zu ergreifen. Als sich unser Traumpaar nach einigen Hürden endlich näher kommt, bricht ein Tumult im Palast aus und Ferdinand wird von einer bösen Hexe entführt. Hier beginnt das Abenteuer für Cornet erst richtig. Um ihren Prinzen nun ihrerseits zu retten, muss sie die ganze Welt bereisen und Abenteuer bestehen. Als einfaches Mädchen scheint sie dafür nicht besonders gut geeignet, doch verfügt sie über die besondere Fähigkeit sich mit Puppen unterhalten zu können. So schließen sich ihr nach und nach diverse Spielzeugfiguren mit ihren ganz eigenen Wünschen, Träumen und Hoffnungen an und unterstützen sie.

Über eine Weltkarte wählt ihr das jeweilige Reiseziel aus. Die einzelnen Gebiete selber werden aus der Vogelperspektive dargestellt und sind meist in mehrere unterschiedlich große Abschnitte unterteilt. Eine Übersichtskarte auf dem oberen Bildschirm des Nintendo DS erleichtert die Orientierung. Wenn ihr euch nicht gerade in einer Ortschaft aufhaltet, müsst ihr euch auf Zufallskämpfe einstellen. In der Kampfansicht seht ihr nun auf dem oberen Bildschirm die jeweiligen Kontrahenten und die Ausführung der unterschiedlichen Aktionen, die ihr auf dem Touchscreen ausgewählt habt. Die Steuerung ist sowohl via Touchpen als auch traditionell möglich, und das während des ganzen Spieles.

Das Kampfsystem ist rundenbasierend. Cornet und ihre maximal drei puppenhaften Begleiter haben die Wahl zwischen direktem Angriff, Magie bzw. Special oder der Benutzung von Items. Rollenspieltypisch erhalten die Kampfbeteiligten neben Geld und Items auch Erfahrungspunkte. Die Puppen in Reservestellung bekommen dabei immerhin noch die Hälfte der errungenen Punkte. Leider laufen Levelaufstiege völlig ohne euren Einfluss ab. Als Nebeneffekt erfreut sich der jeweilige Charakter anschließend über beste Gesundheit und strotzt wieder nur so vor magischer Energie. Im Kampf zeigt sich auch ein weiteres von Cornets Talenten - ihre Musikalität. Sie kann ihrem Instrument, natürlich ein Kornett, wie ihr Name schon andeutet, schöne Melodien entlocken. Diese wirken sich positiv auf ihre Mitstreiter aus. Die dabei gewonnene Wertschätzung der Puppen füllt allmählich die sogenannte Kansha-Leiste auf und lässt sich für einen umfangreichen Heilzauber oder besonders zuckersüße Attacken, etwa in Form eines Pfannkuchenbergs oder riesiger Erdbeersahnetortenstücke, wieder einlösen. Tja, damit wäre bewiesen, zuviel Naschwerk kann tödlich sein!

Aber damit ist der Angriff auf eure Zuckerwerte noch nicht ausgestanden. Auch die Mitbewohner dieser Welt fallen oft extrem süß aus. Der Grafikstil ist knuffig bunt. Bei handlungsrelevanten Gesprächen und Events lassen sich die Emotionen an den Porträts der beteiligten Personen ablesen, teilweise sogar an den animierten Sprites selber. Drollige Mimik und mit lustigen Anspielungen gespickte Dialoge zaubern ein Schmunzeln aufs Gesicht.

Eingängige Melodien und eine passende Soundkulisse unterstreichen die heitere Atmosphäre. Musik spielt sowieso eine wichtige Rolle. Cornets musikalische Fähigkeiten beschränken sich nämlich nicht nur auf das Horn. Sie singt und tanzt ebenfalls sehr gerne, wie auch einige andere Charaktere. Hier tritt der Musical-Aspekt in Erscheinung. Animierte Tanzeinlagen zu japanischem Gesang mit englischem Untertitel lockern das Geschehen zusätzlich auf und verdeutlichen die gerade aktuelle Gefühlslage.

Leider blieb die amerikanische Fassung nicht von einigen mehr oder weniger tragischen Bugs verschont, wobei mein Exemplar zum Glück nur marginal betroffen ist. Zudem fielen die in der japanischen Version vorhandenen Zusatzinhalte dem Rotstift zum Opfer. Kurz und knapp zusammengefasst lässt sich "Rhapsody - A Musical Adventure" als locker-fröhliche Spieleperle mit durchaus auch einigen ernsteren Untertönen und einem mal etwas anderen Ansatz bezeichnen. Wem schon vom Lesen dieses Reviews und Betrachten der Screenshots die Zähne schmerzen, der sollte lieber die Finger davon lassen. Ansonsten empfehlenswert.