Nach der ersten, recht schwachen und von der Kritik zerrissenen Präsenz
des R-9 auf dem Super Nintendo in Form von "Super R-Type" hat
Irem wohl doch noch ein schlechtes Gewissen bekommen und zwei Jahre später
ein weiteres, ursprünglich exklusiv dem Super Nintendo vorbehaltenes
Spiel der weltbekannten und genialen Shooter-Reihe herausgebracht, den
offiziellen dritten Teil. "R-Type 3 - The Third Lightning" erfüllte
all das, was sich alle Spieler einst von "Super R-Type" erhofften:
ein einwandfreies, nahezu perfektes und mit sehr vielen kleinen neuen
Spielaspekten durchtränktes Spielerlebnis. So gebührte unter
diesem Gesichtspunkt das Präfix "Super" eigentlich "R-Type
3", aber da Irem diesmal darauf verzichtete, kann man diese Bescheidenheit
im Angesicht solch eines Meisterwerkes wohl als eine Art stille Entschuldigung
auffassen. Aber egal wie man es betrachtet, "R-Type 3" gehört
auf jeden Fall in jede gut sortierte Super Nintendo- bzw. Super Famicom-Sammlung,
da es sich bei diesem Spiel mit Gewissheit um eines der besten Horizontal-Shooter
auf diesem System handelt.
Mit dem verbesserten Kampfschiff R-90 (R-9 Zero ausgesprochen) Ragnarok
gilt es nun die dritte Angriffswelle des bereits besiegt geglaubten
Bydo-Imperiums zu durchbrechen und das Übel endgültig und
mitsamt der Wurzel auszurotten. Ob es dem wagemutigen Piloten wohl diesmal
gelingen wird? Diese Frage kann sich mittlerweile jeder selbst beantworten.
Da es bekannterweise schon weitere Spiele der Reihe gibt, kann auch
diese Mission nur von einem scheinbaren Erfolgserlebnis gekrönt
werden. Aber natürlich nur, wenn man es schafft die sechs Levels
des Spiels zu meistern. Damit dieses Unterfangen gelingen kann, hat
Irem nicht nur den Schwierigkeitsgrad gegenüber den vorangegangenen
Arcade-Spielen etwas moderater gestaltet, sondern auch das Waffensystem
des R-90 gehörig aufgestockt. So muss man sich gleich vor dem Start
des Spieles für eine der drei unterschiedlichen Force-Einheiten
entscheiden. Zur Auswahl stehen die bereits bestens bekannte Round bzw.
Standard Force, die Shadow Force sowie die Cyclone Force. "R-Type
3" ist somit das erste Spiel der Reihe, das komplett neue Waffensysteme
für die Kampfschiffe der R-9-Klasse darbot. In ihrem Grundprinzip
unterscheiden sich diese aber nicht sonderlich voneinander sondern nur
im Detail. Mit jeder Force gilt es nach wie vor die roten, blauen oder
gelben Power up´s aufzusammeln, welche den taktisch unterschiedlich
einsetzbaren Waffen zugeordnet sind (Air to Air Laser, Reflective Laser
und Air to Ground Laser bei der Round Force, Reverse Laser, All Range
Laser und Guide Laser bei der Shadow Force und Through Laser, Splash
Laser und Capsule Laser bei der Cyclone Force). Spezifischere Unterschiede
kann man vor allem den beiden neuen Forces erst beim Abkoppeln zugestehen,
da sie andere und namensgebende Fähigkeiten aufweisen. Die Shadow
Force verfügt z.B. über das High Speed Return System und die
Cyclone Force über den Cyclone Power-Angriff. Von der Wahl der
Force wird auch zum Teil der Schwierigkeitsgrad bestimmt, denn einige
der Waffen sind etwas besser als andere. Aus diesem Grund eignet sich
die Cyclone Force am besten für unsichere Spieler, denn der Through
Laser und der Splash Laser sind sehr flächendeckend. Eine weitere
große Neuerung beim R-90 betrifft den Beamschuss-Einsatz. Dieser
kann, wie schon bei "R-Type 2", zweimal aufgeladen und in
einem riesigen, durch alles hindurchgehenden Angriff entladen werden.
Zusätzlich kann diese Beam Wave Cannon genannte Waffe per Schultertaste
zur Hyper Wave Cannon umpolarisiert werden. Die Hyper-Variante entlädt
sich zunächst in einem breigefächerten Angriff aus vielen
kleinen Beamschüssen und erlaubt anschließend ein zeitlich
begrenztes Dauerfeuer mit weiteren sehr starken, frontal gerichteten
Beamschüssen. Darüber hinaus kreisen noch zwei Energiekugeln
um das Schiff herum und bilden eine Art Schutzschild. Einen kleinen
Nachteil hat das Ganze dann aber doch noch: das Schiff wird dadurch
dermaßen überhitzt, dass der R-90 eine Weile braucht, um
sich wieder abzukühlen. In dieser Abkühlphase ist dann der
Gebrauch des Beamschusses natürlich untersagt. Dennoch, durch diese
Waffe ist der R-90 bis jetzt das stärkste Schiff der R-Klasse.
Mit den beiden Bits und Missiles wird seine Bewaffnung komplettiert.
Wie schon oben gesagt, ist "R-Type 3" mit vielen kleinen
neuen Spielaspekten versehen, die es sehr abwechslungsreich machen und
die Motivation enorm hochkurbeln. Sie sind vor allem im Leveldesign
zu finden, das die Geradlinigkeit von "R-Type" und "R-Type
2" durchbricht. So ist der erste Level mit einer relativ schnellen
Fluggeschwindigkeit und zahlreichen Einsätzen des SuperFX-Chips
des Super Nintendo versehen, während der zweite dann relativ klassisch
mit einer biomechanischen Grafik daherkommt. Allerdings wird da die
Umgebung von herabtropfender Säure ständig weggeätzt
bzw. verändert. Der anschließende Level zeichnet sich durch
den mehrmaligen Wechsel des Scrollings bzw. der Flugrichtung aus. Erst
geht es abwärts, dann ein Stückchen vorwärts und zuletzt
aufwärts, und der Endkampf gegen die von hinten angreifende und
hoch laufende Metalkrabbe ist auch einmalig in der R-Type-Historie,
ebenso wie das Vorhandensein von zwei Endbossen im vierten Level. Nachdem
man sich dort einen Weg durch die flüssige Lava geebnet und den
ersten Boss geschreddert hat, geht es dann rückwärts weiter,
bis man einen neuen Weg nach unten findet. Dort wartet dann der zweite
Boss, der dem Spieler in einem karusselartigen Kampf den Garaus machen
möchte. Der fünfte Level steht dann gänzlich im Zeichen
der Metamorphose und im sechsten, letzten und schwierigsten muss man
geschickt einen Dimensionsriss zu seinem Vorteil nutzen, um an den ansonsten
unüberwindbaren Hindernissen vorbeizukommen. Zu guter Letzt geht
es natürlich noch in die fremde Dimension, in der ein langes und
erbittertes Gefecht gegen die wohl gefährlichste Bydo-Ausgeburt
ansteht. Für Abwechslung wurde hier also seitens der Spieldesigner
bestens gesorgt. Das alles wurde zudem noch entsprechend in eine für
Super Nintendo typische und sehr bunte Grafik verpackt, die wahrlich
keine Wünsche offen lässt. Dasselbe gilt auch für die
Musik, welche im ersten Level an den ersten Teil der Reihe anknüpft
und somit gleich das typische R-Type-Flair direkt und ohne Umschweife
zu den Synapsen der Spieler transportiert. Wenn man dieses Spiel sieht,
dann könnte man denken, dass diesmal nichts dem Zufall überlassen
wurde, so dass "R-Type 3" wirklich in allen Belangen voll
punkten kann.
"R-Type 3 - The Third Lightning" auf dem Super Nintendo dürfte
ein Shooter nach jedermanns Gusto sein. Wer es noch irgendwo sieht,
der sollte direkt zuschlagen und sich eines der seltenen Module für
seine Sammlung sichern.
Von der späten und einzigen Portierung des Spieles für den
Game Boy Advance kann man leider nicht das Gleiche behaupten, auch wenn
sie optisch sehr nah an das Original herankommt. Von der grafischen
Seite her ist sie demnach wirklich gelungen, aber die Kollisionsabfrage
ist dermaßen ungenau, dass es wirklich unverzeihlich ist. Die
Schüsse und vor allem der Beamschuss sowie der Cyclone Power-Angriff
gehen zum Teil durch die Gegner durch, ohne auch nur den geringsten
Schaden zu verursachen. So muss man hier manchmal schon wirklich doppelt
und dreifach schießen, um einen Treffer zu landen. Während
es bei den normalen Gegnern noch nicht so tragisch ist, macht sich dies
bei einigen Endgegnern, welche im Design meist etwas schlechter ausgefallen
sind als auf dem Super Nintendo, stark bemerkbar. Der dritte Endgegner
wird dadurch unnötig schwer und das Spiel artet an dieser Stelle
zu einer absoluten Geduldsprobe aus, und das kann wahrlich für
sehr viel Frust sorgen. Weitere Minuspunkte gibt es für die schlechte
Soundkulisse wie den in meinen Augen nicht sehr schönen Titelbildschirm.
Positiv ist allerdings die Passwort-Funktion, denn mit dieser Hilfestellung
kann man mit viel Übung und einer Prise Glück doch kontinuierlich
weiterkommen, sofern man sich auf diese Konvertierung überhaupt
einlassen möchte. Ich bin zumindest fest der Überzeugung,
dass "R-Type 3" auf dem GBA nur etwas für Zen-Buddhisten
ist, die sich mit Vorliebe an unmögliche Aufgaben heranwagen. Für
diejenigen, die sich dennoch das Spiel geholt haben und an irgendeiner
Stelle nicht weiterkommen, sind die folgenden Passwörter für
die Cyclone Force gedacht:
Level 2: 5BFFB
Level 3: XHDKB
Level 4: 5MCKP
Level 5: 1TJMZ
Level 6: 1YHR6
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