Mit "Sidewize" liegt uns ein Spiel für den ZX Spectrum
und den Commodore 64 vor, das sich namentlich wie spielerisch stark an
"Side Arms" von Capcom orientiert. Daher ist es nicht allzu
verwunderlich, dass es sich dabei um einen sehr gelungenen Titel handelt,
den ich mir seinerzeit noch als Datatape für den C-64 natürlich
sofort zugelegt habe. Und es war auf alle Fälle eine wirklich gute
Entscheidung. "Sidewize" vermochte mich eine lange Zeit bei
guter Laune zu halten, denn bis ich dieses Spiel meistern konnte, gingen
einige Wochen ins Land.
Omicron, Nu, Delta und Iota - diese vier Planeten werden von den Armeen
der Dariard Mutanten belagert. Und obwohl die Xeolom Allianz bereits
seit 24 Jahren erbitterten Widerstand gegen sie leistet, haben doch
die Mutanten langsam aber sicher die Oberhand in diesem Kampf gewonnen.
Dynar, ein Xeolom Krieger, trifft auf der Station 58 Alpha die letzten
Vorbereitungen für seinen Einsatz. Er weiß, dass er durch
den Warp Space in nur wenigen Minuten am Ziel, mitten im feindlichen
Territorium, sein wird und dass es seine bis dahin schwierigste Prüfung
werden wird. Jetzt bleibt ihm nur noch die Entscheidung übrig,
in welches der vier Kampfgebiete er teleportiert werden möchte.
Diese Entscheidung ist aber bereits die des Spielers, was im Klartext
bedeutet, dass man vor dem Spielbeginn die freie Levelauswahl hat. Die
vier Levels gleichen natürlich den vier Planeten, die es mit einem
Jetpack zu durchfliegen und von den Dariard Mutanten zu säubern
gilt. Spielerisch bietet "Sidewize" also nicht wirklich etwas
Neues. Man fliegt nur geradeaus, ohne dass das Scrolling mal die Richtung
ändert, mal im Weltraum, mal über die Planetenoberfläche,
und zerstört alles, was auf dem Bildschirm auftaucht, bis man irgendwann
vor dem dicken Boss-Brocken steht. Besiegt man ihn, geht es in der nächsten
Welt weiter. Als Anfänger sollte man sich natürlich für
Omicron, den ersten und einfachsten Planeten, entscheiden, denn dort
lässt sich die eigene Bewaffnung am besten verstärken. Von
ihrer Durchschlagskraft ist nämlich der Erfolg der Mission stark
abhängig. Diesbezüglich erinnert mich das Spiel sogar ein
wenig an "Delta" von Thalamus, denn auch dort ist das Weiterkommen
ohne eine bestimmte Ausrüstung auf Biegen und Brechen nicht möglich.
Auf die Spielfigur schnell zurasende Mauern mit einer kleinen Lücke
zum Durchkommen bedeuten auch bei "Sidewize" das sofortige
Spielende, wenn man sich vorher nicht mit einem Speed up-Symbol ausgerüstet
oder einige Power up´s für die Bewaffnung aufgesammelt hat.
Und da wären wir schon beim Weapon-Upgrade-System. "Sidewize"
verfügt über ein ganz simples, aber für damalige Verhältnisse
doch ziemlich umfangreiches und sehr schönes Power up-System, das
an viele gute Arcade-Spiele angelehnt ist. Power up´s erscheinen
durch das Zerstören ganzer Angriffsformationen und müssen
nur aufgenommen werden. Einfacher geht es nicht, aber wer viele der
alten Homecomputer-Schinken von Shoot´em up´s kennt, der
wird wissen, dass dies früher nicht gang und gäbe war. Meistens
hatte man für das gesamte Spiel nur eine einzige Standardwaffe
zur Verfügung, was die spielerische Abwechslung begrenzte, oder
musste ewig Credits scheffeln, bis man sich etwas leisten konnte. Daher
ist dieses Weapon-Upgrade-System seinerzeit von allen, auch von der
Fachpresse, als sehr innovativ empfunden worden. Es umfasst folgende
Power up´s:
Helm-Symbol => Extra Life (ein sehr selten auftauchendes Objekt)
Pistole mit zwei Linien unterhalb => Lazer Fire (eine schnelle und
starke Waffe)
Plus-Symbol => More Firepower (kann bis zu sechs Mal aufgesammelt
werden, um die maximale Zerstörungskraft zu erreichen)
Drei Pfeile => Move Faster (kann ebenfalls bis zu sechs Mal aufgesammelt
werden, um die maximale Geschwindigkeit zu erreichen)
Zwei Kugeln => Force Field (zwei um die Spielfigur kreisende und
auch kräftig feuernde Schutzkugeln)
Pistole mit einer Kugel unterhalb => Anti Matter Firepower (das ist
die Standardwaffe)
Drei Kugeln => Multiple Fire (ein praktischer frontaler Dreifachschuss)
Im technischen Bereich bewegt sich "Sidewize" vor allem auf
dem ZX Spectrum im absoluten Grenzbereich des Machbaren. Wenn auch monochrom,
so sind die Grafiken vom Feinsten und müssen damals wohl jeden
Spectrum-Fan aus den Socken gehauen haben. Dasselbe gilt auch für
die Spielbarkeit. Eine flüssige und saubere Steuerung sowie eine
gut gewählte Spielgeschwindigkeit lassen pure Spielfreude aufkommen,
auch wenn der Schwierigkeitsgrad es in sich hat. Eine Sache, die mich
an der Spectrum-Version von "Sidewize" ein wenig stört,
ist die Gegebenheit, dass sich die hart erkämpften Power up´s
nach nur wenigen Sekunden einfach so in Luft auflösen, wenn man
sie sich nicht sofort schnappt, was manchmal zeitlich gar nicht zu bewältigen
ist. Die zweite Sache, die noch ein wenig den ansonsten einwandfreien
Spielspaß trübt, beruht auf den monochromen Grafiken. Da
alles in einem einzigen Farbton getaucht ist, tut man sich bei den Abschnitten,
in denen man über die Planetenoberflächen fliegt und ein guter
Teil des Screens von der Hintergrundgrafik eingenommen wird, gelegentlich
schwer mit der Lokalisierung der Gegner und deren Geschosse. Solche
Stellen erfordern etwas mehr Geduld und appellieren an das Langzeitgedächtnis.
Dennoch, auf dem ZX Spectrum wird man wohl kaum ein besseres Spiel finden,
daher die volle Wertung.
Bei der C-64-Konvertierung hat man zum Auflesen der Power up´s
dagegen etwas mehr Zeit. Das Spiel ist bunt und übersichtlich,
die Sprites sind aber viel kleiner und wirken dadurch sehr pixelig.
Im direkten Vergleich zur Spectrum-Version wurde hier die Spielgeschwindigkeit
ein wenig heruntergeschraubt, was sich in einem etwas milderen Schwierigkeitsgrad
bemerkbar macht. Im Großen und Ganzen wirkt das Spiel jedoch irgendwie
schlechter, macht aber trotzdem noch sehr viel Spaß, auch wenn
die dichte Weltraumatmosphäre der Spectrum-Fassung etwas verloren
geht. Daher gibt es nur acht Punkte für die Brotkasten-Umsetzung.
Zum Schluss möchte ich nur noch anmerken, dass "Sidewize"
in jeder guten Spectrum- und C-64-Sammlung einen festen Platz haben
sollte, da dieses Spiel auf jeden Fall viel besser ist als die Konvertierungen
von "Side Arms" für diese beiden Systeme.
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