Als echter Rollenspiel-Veteran, der mittlerweile seit fast 20 Jahren regelmäßig
eine Welt nach der anderen vor der Dunkelheit oder gar dem Untergang bewahrt,
möchte ich euch nun das Spiel vorstellen, dass mich während
meiner gesamten virtuellen Heldenkarriere wohl am meisten beeindrucken
konnte: Segas Dreamcast-Perle "Skies of Arcadia", die ich aufgrund
einer freiwilligen Videospielpause erst in der Neuauflage für den
Nintendo Game Cube kennen- und liebengelernt habe. Die laut Herstellerangaben
verbesserte und erweiterte Ausführung heißt "Skies of
Arcadia Legends" und gehört zu den wenigen teuren und gefragten
Spielen für das mittlerweile ebenfalls untergegangene Spielsystem.
Die Kompatibilität der aktuellen Wii-Konsole zum Vorgänger sowie
die mangelnde Versorgung der ausgehungerten Rollenspieler mögen dabei
sicherlich eine gewichtige Rolle spielen, die Originalität des Spieles
dürfte aber den weitaus größten Teil zur anhaltenden Nachfrage
beisteuern.
"Skies of Arcadia Legends" entführt den Geneigten in
eine geheimnisvolle Welt über den Wolken, wo die Menschen auf schwebenden
Inseln leben und sich mit fliegenden Luftschiffen fortbewegen. Der Begriff
"Geneigte" wurde meinerseits bewusst ausgewählt, da das
Spiel trotz aller Verbesserungen optisch einen sehr veralteten Eindruck
hinterlässt und manch einen verwöhnten HD-Anhänger, der
bereits fiebrig den kinoreifen dreizehnten Teil der Final Fantasy-Reihe
erwartet, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit abschrecken
wird. Diejenigen aber, die sich trotz der hölzernen, kantigen und
verwaschenen Optik auf das Abenteuer einlassen, werden mit einem einzigartigen
und unvergesslichen Erlebnis belohnt.
Im Mittelpunkt der Ereignisse von "Skies of Arcadia Legends"
steht ein bunter Haufen Luftpiraten, die sich Blue Rouges nennen und
darauf spezialisiert sind, reiche imperiale Frachter zu überfallen.
Anders als die berufsverwandten Black Pirates, die aus reiner Habgier
plündern, verteilen sie ihre Ausbeute an die Bedürftigen.
Vyse, der Sohn des Anführers und Aushängeschild des Spieles,
ist ganz und gar von der richtigen Handlungsweise der Blue Rouges überzeugt
und zusammen mit seiner fröhlichlustigen Freundin Aika mit Herz
und Seele bei allen Unternehmungen der sympathischen Schurken dabei.
Somit versteht es sich natürlich von selbst, dass sie bei einer
Routine-Mission auf einer Fregatte des Valuan-Empire einem gefangenen
Mädchen prompt aus der Patsche helfen. Mit dieser Tat handeln sie
sich jedoch gewaltigen Ärger mit dem dekadenten Imperium ein, der
ihnen letzten Endes eine Odyssee über alle luftigen Ozeane der
Welt beschert. Die für ihre Rettung dankbare, aber auch rätselhafte
Fina befindet sich auf einer geheimen Mission, von deren Ausgang das
Schicksal der gesamten Welt abhängen könnte und welche die
drei jungen Gefährten vor ungeahnte Herausforderungen und Gefahren
stellt. Denn es dürfte wohl klar sein, dass Vyse und Aika die hilfsbedürftige
Fina keineswegs sich selbst überlassen!
Die Erzählung gewinnt mit zunehmendem Fortschritt enorm an Intensität
und überrascht sehr oft mit ungeahnten Wendungen und Überraschungen.
Durch die scheinbar endlosen Auseinandersetzungen mit dem bösartigen
Imperium kommt man nach und nach dem größten Mysterium von
Arcadia auf die Spur, das eine hoch entwickelte wie auch zerstörerische
Technologie zum Vorschein bringt. Dabei kommt die Erkundung von fremden
Ländern und antiken Ruinen nicht zu kurz, so dass dem ganzen Abenteuer
der Geschmack einer Pionierfahrt anhaftet. Und dies ist wirklich mehr
als spannend! Zusammen mit der absolut liebenswerten Heldentruppe, die
im Laufe der Geschichte noch um einige weitere Freunde anwächst,
und einer gesunden Portion Witz bietet "Skies of Arcadia Legends"
eine unverfälscht frische Unterhaltung, die immer noch ihresgleichen
sucht.
Wie steht es nun um die spielerischen Stärken des Spieles? Wie
fast alle klassischen Rollenspiele japanischer Herkunft setzt auch "Skies
of Arcadia Legends" auf rundenbasierende Zufallskämpfe, die
im Großen und Ganzen dem üblichen Standard entsprechen und
sich nur in zwei kleinen, aber interessanten Details hervorheben. Zum
einen ist es die Spirit-Leiste, die die Kampfmoral der gesamten Gruppe
umfasst und für den Einsatz der unterschiedlichsten Spezialangriffe
benötigt wird. Da alle Charaktere an ein und derselben Kraftquelle
zehren, bindet sie einen netten taktischen Impuls mit ins Kampfgeschehen
ein. Die andere Besonderheit wird durch die jederzeit änderbaren
Elementareigenschaften der Waffen repräsentiert, die ebenfalls
zusätzliche Überlegungen ins Kampfgeschehen einbringen. Dies
alles umfasst jedoch nur die Personenkämpfe, die mit Vyse und seiner
Truppe primär auf dem Land sowie in den zahlreichen Verliesen ausgefochten
werden. Da man bei "Skies of Arcadia Legends" sehr viel mit
dem Luftschiff unterwegs ist, sind hier auch wilde Luftgefechte mit
der imperialen Kriegsflotte, den Black Pirates oder diversen Monstrositäten
an der Tagesordnung. Diese nach wie vor rundenbasierenden Kämpfe
erfordern etwas mehr an strategischem Geschickt, da man wirklich oft
mehrere Züge im Voraus überdenken und planen muss. Darüber
hinaus hängen die Aktionsmöglichkeiten des eigenen Schiffes
von den montierten Kanonen, Motoren sowie der verfügbaren Mannschaft
ab. Als angehender Luftpirat muss man sich über all das im Vorfeld
den Kopf zerbrechen, um das Abenteuer seines Lebens erfolgreich bestehen
zu können. Die Luftgefechte nehmen eine relativ lange Zeitspanne
in Anspruch, so dass manche Spieler sie als zu langatmig empfinden könnten.
Ich persönlich habe sie immer genossen und finde sie mehr als gelungen,
da sie dem Spiel eine hohe subjektive Note verleihen.
Als einen spielerischen Pluspunkt jenseits des Hauptplots darf man
zweifelsfrei die vielen Nebenaufgaben ansehen. So kann man sich einen
Namen als Entdecker oder Kopfgeldjäger machen, was auch der eigenen
Kasse sehr zu Gute kommt. Die Suche nach versteckten Mondfischen für
ein hungriges und kuscheliges Küken ist ebenfalls sehr motivierend,
da man als Belohnung diverse seltene Items erhält. Eine handfeste
Konfrontation mit der Piratenjägerin Piastol muss ebenfalls nicht
zwangsläufig überstanden werden, gewährt aber dem Spieler
einige interessante Rückblicke in Vyses Vergangenheit. Viele dieser
Nebenaufgaben sind Game Cube-exklusiv und lassen sich in der Originalfassung
nicht finden.
Somit habe ich alle wesentlichen Aspekte erfasst, die "Skies of
Arcadia Legends" auszeichnen. Negative Kritikpunkte wollen mir
nicht einfallen, weil sie einfach nicht vorhanden sind. Gut, der eine
oder andere mag sich bestimmt an der veralteten Grafik anstoßen,
genauso wie an den zu langwierigen Luftkämpfen. Dies ist aber alles
Erbsenzählerei. Die musikalische Kulisse überzeugt dagegen
auf ganzer Linie und dürfte wohl auch den letzten Unentschlossenen
bekehren, denn "Skies of Arcadia" stellt definitiv einen von
Segas Höhenflügen dar. Für mich persönlich ist es
sogar eines der besten Rollenspiele aller Zeiten. Nun stellt sich aber
die Frage, wieso es dann keine Fortsetzung zu einem derart beliebten
Spiel gibt. Ganz einfach, man kann es drehen und wenden wie man will,
etwas Besseres wird dabei nicht herauskommen. Ich denke, dass auch Sega
zu genau dieser Einsicht gelangt ist. :)
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