Skies of Arcadia Legends
RPG

Minrod
Februar 10
 

Als echter Rollenspiel-Veteran, der mittlerweile seit fast 20 Jahren regelmäßig eine Welt nach der anderen vor der Dunkelheit oder gar dem Untergang bewahrt, möchte ich euch nun das Spiel vorstellen, dass mich während meiner gesamten virtuellen Heldenkarriere wohl am meisten beeindrucken konnte: Segas Dreamcast-Perle "Skies of Arcadia", die ich aufgrund einer freiwilligen Videospielpause erst in der Neuauflage für den Nintendo Game Cube kennen- und liebengelernt habe. Die laut Herstellerangaben verbesserte und erweiterte Ausführung heißt "Skies of Arcadia Legends" und gehört zu den wenigen teuren und gefragten Spielen für das mittlerweile ebenfalls untergegangene Spielsystem. Die Kompatibilität der aktuellen Wii-Konsole zum Vorgänger sowie die mangelnde Versorgung der ausgehungerten Rollenspieler mögen dabei sicherlich eine gewichtige Rolle spielen, die Originalität des Spieles dürfte aber den weitaus größten Teil zur anhaltenden Nachfrage beisteuern.

"Skies of Arcadia Legends" entführt den Geneigten in eine geheimnisvolle Welt über den Wolken, wo die Menschen auf schwebenden Inseln leben und sich mit fliegenden Luftschiffen fortbewegen. Der Begriff "Geneigte" wurde meinerseits bewusst ausgewählt, da das Spiel trotz aller Verbesserungen optisch einen sehr veralteten Eindruck hinterlässt und manch einen verwöhnten HD-Anhänger, der bereits fiebrig den kinoreifen dreizehnten Teil der Final Fantasy-Reihe erwartet, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit abschrecken wird. Diejenigen aber, die sich trotz der hölzernen, kantigen und verwaschenen Optik auf das Abenteuer einlassen, werden mit einem einzigartigen und unvergesslichen Erlebnis belohnt.

Im Mittelpunkt der Ereignisse von "Skies of Arcadia Legends" steht ein bunter Haufen Luftpiraten, die sich Blue Rouges nennen und darauf spezialisiert sind, reiche imperiale Frachter zu überfallen. Anders als die berufsverwandten Black Pirates, die aus reiner Habgier plündern, verteilen sie ihre Ausbeute an die Bedürftigen. Vyse, der Sohn des Anführers und Aushängeschild des Spieles, ist ganz und gar von der richtigen Handlungsweise der Blue Rouges überzeugt und zusammen mit seiner fröhlichlustigen Freundin Aika mit Herz und Seele bei allen Unternehmungen der sympathischen Schurken dabei. Somit versteht es sich natürlich von selbst, dass sie bei einer Routine-Mission auf einer Fregatte des Valuan-Empire einem gefangenen Mädchen prompt aus der Patsche helfen. Mit dieser Tat handeln sie sich jedoch gewaltigen Ärger mit dem dekadenten Imperium ein, der ihnen letzten Endes eine Odyssee über alle luftigen Ozeane der Welt beschert. Die für ihre Rettung dankbare, aber auch rätselhafte Fina befindet sich auf einer geheimen Mission, von deren Ausgang das Schicksal der gesamten Welt abhängen könnte und welche die drei jungen Gefährten vor ungeahnte Herausforderungen und Gefahren stellt. Denn es dürfte wohl klar sein, dass Vyse und Aika die hilfsbedürftige Fina keineswegs sich selbst überlassen!

Die Erzählung gewinnt mit zunehmendem Fortschritt enorm an Intensität und überrascht sehr oft mit ungeahnten Wendungen und Überraschungen. Durch die scheinbar endlosen Auseinandersetzungen mit dem bösartigen Imperium kommt man nach und nach dem größten Mysterium von Arcadia auf die Spur, das eine hoch entwickelte wie auch zerstörerische Technologie zum Vorschein bringt. Dabei kommt die Erkundung von fremden Ländern und antiken Ruinen nicht zu kurz, so dass dem ganzen Abenteuer der Geschmack einer Pionierfahrt anhaftet. Und dies ist wirklich mehr als spannend! Zusammen mit der absolut liebenswerten Heldentruppe, die im Laufe der Geschichte noch um einige weitere Freunde anwächst, und einer gesunden Portion Witz bietet "Skies of Arcadia Legends" eine unverfälscht frische Unterhaltung, die immer noch ihresgleichen sucht.

Wie steht es nun um die spielerischen Stärken des Spieles? Wie fast alle klassischen Rollenspiele japanischer Herkunft setzt auch "Skies of Arcadia Legends" auf rundenbasierende Zufallskämpfe, die im Großen und Ganzen dem üblichen Standard entsprechen und sich nur in zwei kleinen, aber interessanten Details hervorheben. Zum einen ist es die Spirit-Leiste, die die Kampfmoral der gesamten Gruppe umfasst und für den Einsatz der unterschiedlichsten Spezialangriffe benötigt wird. Da alle Charaktere an ein und derselben Kraftquelle zehren, bindet sie einen netten taktischen Impuls mit ins Kampfgeschehen ein. Die andere Besonderheit wird durch die jederzeit änderbaren Elementareigenschaften der Waffen repräsentiert, die ebenfalls zusätzliche Überlegungen ins Kampfgeschehen einbringen. Dies alles umfasst jedoch nur die Personenkämpfe, die mit Vyse und seiner Truppe primär auf dem Land sowie in den zahlreichen Verliesen ausgefochten werden. Da man bei "Skies of Arcadia Legends" sehr viel mit dem Luftschiff unterwegs ist, sind hier auch wilde Luftgefechte mit der imperialen Kriegsflotte, den Black Pirates oder diversen Monstrositäten an der Tagesordnung. Diese nach wie vor rundenbasierenden Kämpfe erfordern etwas mehr an strategischem Geschickt, da man wirklich oft mehrere Züge im Voraus überdenken und planen muss. Darüber hinaus hängen die Aktionsmöglichkeiten des eigenen Schiffes von den montierten Kanonen, Motoren sowie der verfügbaren Mannschaft ab. Als angehender Luftpirat muss man sich über all das im Vorfeld den Kopf zerbrechen, um das Abenteuer seines Lebens erfolgreich bestehen zu können. Die Luftgefechte nehmen eine relativ lange Zeitspanne in Anspruch, so dass manche Spieler sie als zu langatmig empfinden könnten. Ich persönlich habe sie immer genossen und finde sie mehr als gelungen, da sie dem Spiel eine hohe subjektive Note verleihen.

Als einen spielerischen Pluspunkt jenseits des Hauptplots darf man zweifelsfrei die vielen Nebenaufgaben ansehen. So kann man sich einen Namen als Entdecker oder Kopfgeldjäger machen, was auch der eigenen Kasse sehr zu Gute kommt. Die Suche nach versteckten Mondfischen für ein hungriges und kuscheliges Küken ist ebenfalls sehr motivierend, da man als Belohnung diverse seltene Items erhält. Eine handfeste Konfrontation mit der Piratenjägerin Piastol muss ebenfalls nicht zwangsläufig überstanden werden, gewährt aber dem Spieler einige interessante Rückblicke in Vyses Vergangenheit. Viele dieser Nebenaufgaben sind Game Cube-exklusiv und lassen sich in der Originalfassung nicht finden.

Somit habe ich alle wesentlichen Aspekte erfasst, die "Skies of Arcadia Legends" auszeichnen. Negative Kritikpunkte wollen mir nicht einfallen, weil sie einfach nicht vorhanden sind. Gut, der eine oder andere mag sich bestimmt an der veralteten Grafik anstoßen, genauso wie an den zu langwierigen Luftkämpfen. Dies ist aber alles Erbsenzählerei. Die musikalische Kulisse überzeugt dagegen auf ganzer Linie und dürfte wohl auch den letzten Unentschlossenen bekehren, denn "Skies of Arcadia" stellt definitiv einen von Segas Höhenflügen dar. Für mich persönlich ist es sogar eines der besten Rollenspiele aller Zeiten. Nun stellt sich aber die Frage, wieso es dann keine Fortsetzung zu einem derart beliebten Spiel gibt. Ganz einfach, man kann es drehen und wenden wie man will, etwas Besseres wird dabei nicht herauskommen. Ich denke, dass auch Sega zu genau dieser Einsicht gelangt ist. :)