|
Mit "Star Ocean - First Departure" wurde vor kurzem auch bei
uns in Deutschland ein besonders schöner RPG-Leckerbissen für
die PSP konvertiert, der 1996 ursprünglich auf dem Super Famicom
unter dem schlichten Namen "Star Ocean" erschienen war. Nur
in Japan veröffentlicht und dazu noch als eines der letzten Spiele
für das System fand es im Ausland daher nur wenig Beachtung. Darüber
hinaus wurden zu dieser Zeit schon alle von dem von Sony eingeläuteten
3D-Zeitalter beansprucht. Dabei wartete das umfangreiche 48 Megabit-Modul
mit einer prachtvollen technischen Präsentation sowie einigen ungewöhnlichen
Innovationen auf. Aufgrund der Sprachbarriere hätten die meisten
hierzulande lebenden Rollenspieler aber sowieso nicht viel damit anfangen
können. Erst einige Jahre später wurde das Spiel im Rahmen
eines Fan-Projektes in verständliches Englisch übersetzt und
damit der westlichen Rollenspielgemeinde näher gebracht. Aus diesem
Grund gehe ich in diesem Review auf beide Fassungen und deren Unterschiede
ein.
Die Handlung ist in beiden Spielen identisch und weicht nur im Detail
leicht voneinander ab. Nach einer kurzen futuristischen Einleitung im
Weltraum fängt das eigentliche Spiel auf dem unterentwickelten
Planeten Roak an, der von den katzenartigen Fellpools bewohnt wird.
Man schlüpft hier in die Rolle von Roddick, der mit seinen Freunden
Dorne und Millie das Dorf Kratus vor Banditen und anderen Gefahren beschützt.
Gerade als sie sich über das langweilige und unspektakuläre
Leben beklagen, bricht im benachbarten Ort eine mysteriöse Krankheit
aus, die alle Infizierten zu Stein werden lässt. Millies Vater
nimmt sich als Heiler der Herausforderung an, kann aber letztendlich
nichts dagegen tun und erkrankt selber. In ihrer Verzweiflung machen
sich Roddick, Dorne und Millie auf die Suche nach den seltenen Metorx-Kräutern,
die angeblich jede Krankheit kurieren können. Als es deutlich wird,
dass auch mit Dorne irgendetwas nicht stimmt, wird die Gruppe von zwei
aus dem Nichts auftauchenden Menschen überrascht. Kapitän
Ronyx J. Kenny und sein erster Offizier Ilia Sylvestri stellen sich
den verblüfften Fellpools als Vertreter der Terra-Allianz vor und
bieten ihnen ihre Hilfe an. Nachdem sich die Freunde von den friedlichen
Absichten der Erdbewohner überzeugt haben, willigen sie ein. Mit
Logik und den hochentwickelten, für Roddick und dessen Freunde
völlig neuen, technischen Möglichkeiten stellen Ronyx und
Ilia fest, dass die Krankheit auf Roak keines natürlichen Ursprungs
ist, sondern durch einen feindlichen biologischen Angriff verursacht
wurde. Aus den Blutproben des mittlerweile erkrankten Dorne stellt sich
weiterhin heraus, dass das Fellpool-Blut das sichtbare Lichtspektrum
des menschlichen Auges blockiert und somit für die Feinde der Allianz
von höchstem Interesse sein könnte. Als besonders niederschmetternd
erweist sich aber die erfolglose Suche nach einem Gegenmittel, das ohne
eine Gewebeprobe des ursprünglichen Wirtes nicht hergestellt werden
kann. Und allen Erkenntnissen zufolge stammt der Virus von Asmodeus,
dem vor 300 Jahren auf Roak besiegten Herrscher des dämonischen
Reiches. Um nicht nur die Erkrankten sondern ganz Roak und auch die
Menschheit vor einer sich anschleichenden Katastrophe zu bewahren, beschließen
Ronyx, Ilia sowie Roddick und Millie eine Reise in die Vergangenheit
zu unternehmen. Gesagt, getan. Aber es kommt, wie es kommen muss und
durch ein Missgeschick wird die Gruppe getrennt. So findet man sich
nur mit Roddick und Ilia in der mittelalterlichen Vergangenheit von
Roak wieder.
Das Science-Fiction-Szenario weicht ab hier der rollenspielüblichen
Fantasy-Thematik, kehrt aber im letzten Drittel des Spieles wieder zurück.
Die Hauptaufgabe der Mission ist klar definiert, so dass man nur mit
wenigen Überraschungsmomenten rechnen kann. Zuvor müssen aber
die verloren gegangenen Gefährten ausfindig gemacht und neue als
Verstärkung für den Kampf gegen Asmodeus gewonnen werden.
So wandert man durch die recht umfangreiche Welt von einer Ortschaft
zur nächsten, erkundigt sich nach dem Verbleib zweier Fremder und
sammelt nebenbei nützliche Informationen über die aktuelle
Situation. Die Welt von Roak ist wirklich zahlreich bevölkert,
richtige Freundschaften lassen sich jedoch nur mit ausgewählten
Bewohnern schließen. Meistens hilft man ihnen bei irgendwelchen
Nöten oder beeindruckt sie mit eigenen Taten. Am Ende der gemeinsamen
Erlebnisse darf man dann entscheiden, ob man sie zum festen Bestandteil
der achtköpfigen Gruppe macht oder eigene Wege ziehen lässt.
Diese flexible Rekrutierungsvariante mag anfangs unüberschaubar
erscheinen, fördert jedoch das mehrmalige Durchspielen, da durch
die getroffenen Entscheidungen der weitere Spielfluss gesteuert wird.
Somit fällt auch der Abspann am Ende immer etwas unterschiedlich
aus. Dieser wird noch zusätzlich durch das vorhandene Emotionssystem
beeinflusst, das durch einen langen Kampfeinsatz sowie die häufige
Nutzung der in jeder Ortschaft verfügbaren Private-Actions für
eine stärkere Bindung unter den Charakteren sorgt. Der Wiederspielwert
von "Star Ocean" ist deshalb recht hoch, was für ein
Rollenspiel schon viel heißt.
Für mehrmaliges Durchspielen muss aber auch das restliche Umfeld
stimmen. Dieses wird zum einen wie bei fast allen Rollespielen durch
ein Kampf- und zum zweiten durch ein Skillsystem definiert.
Die Auseinandersetzungen mit Gegnern verlaufen komplett in Echtzeit.
Sowohl in der ursprünglichen SFC- wie auch in der neuen PSP-Ausgabe
kontrolliert man immer nur einen einzigen Charakter, kann aber ständig
zwischen den vier eingesetzten hin und her wechseln. Die anderen Mitstreiter
agieren ansonsten selbständig nach einer im Charaktermenü
festgelegten Strategie. Die Benutzung von Items oder Zaubern erfolgt
über ein Menü und kann jederzeit abgerufen werden. Bei der
Steuerung des eigenen Spielcharakters weichen die zwei Fassungen jedoch
voneinander ab. Während der Angriff in der SFC-Fassung durch die
ständige Auswahl von Angriffszielen erfolgt, wodurch der ausgewählte
Charakter immer selbstständig über den Bildschirm flitzt,
wird die Spielfigur in der PSP-Neuauflage ähnlich einem Actionspiel
frei gesteuert. Die PSP-Umsetzung spielt sich im direkten Vergleich
etwas intuitiver, was mir persönlich besser gefällt. Nur im
Fall von Spezialangriffen, die übrigens in beiden Fassungen als
Shortcuts auf die L- und R-Tasten gelegt werden können, agiert
die Spielfigur auch hier selbstständig.
Nach erfolgreich bestrittenen Kämpfen gewinnt man wie immer Erfahrungspunkte,
die ab einer bestimmten Höhe selbstverständlich zum Levelaufstieg
führen. Dieser belohnt den Spieler nicht nur mit der Verbesserung
der diversen Charakterwerte sondern auch mit einer Unmenge an Skillpunkten.
Sie werden aber nicht wie man jetzt denken könnte in spezielle
Angriffstechniken und Zaubersprüche investiert. Nein, diese lernt
man mit der Zeit durch den häufigen Gebrauch der vorhandenen automatisch.
Die erlangten Skillpunkte können auf eine scheinbar unendliche
Anzahl an passiven Wissens-, Sinnes-, Technik- und Kampffertigkeiten
verteilt werden, die mit Ausnahme der letzten kaum etwas alleine bewirken.
OK, manche davon verbessern bestimmte Charakterwerte, richtig interessant
werden sie aber erst in Kombination mit anderen. Durch die Beherrschung
von mindestens zwei passenden Fertigkeiten schaltet man nämlich
diverse neue Techniken wie zum Beispiel Kochen oder Musizieren frei.
Aufgrund des niedrigen Startlevels sind sie am Anfang nur bedingt brauchbar,
ganz ausgebaut belohnen sie den Spieler aber mit wirklich tollen selbsterstellten
Items und Boni. Dieses umfangreiche Skillsystem ist das Erkennungszeichen
aller Star Ocean-Spiele und verleiht ihnen eine unglaublich hohe Spieltiefe.
Wenn man sich darauf richtig einlässt, kann man wirklich sehr viele
Stunden nur mit Herumexperimentieren verbringen. In der PSP-Neuauflage
wurde dem Ganzen noch ein neuer Aspekt in Form von Super-Techniken hinzugefügt.
Sie kommen zum Tragen, wenn zwei oder mehrere Charaktere die gleiche
Technik beherrschen und auch in der Lage sind, sie gemeinsam auszuführen.
Die Anwendung der meisten Techniken ist fast immer mit bestimmten Voraussetzungen
verbunden. Als Beispiel möchte ich hier das Musizieren aufführen.
Ein Musikinstrument alleine reicht noch lange nicht aus, um sich die
langen, beschwerlichen Überlandreisen mit schöner Musik zu
versüßen. Zuvor müssen passend zum vorhandenen Instrument
eigene Lieder komponiert werden, die man wiederum nur zu Papier bringen
kann, wenn die nötigen Komponenten vorhanden sind. In diesem Fall
leere Notenblätter sowie Schreibutensilien. Nur wenn all das berücksichtigt
wird, schafft man es seinem Instrument eine schöne Melodie zu entlocken.
Vom gespielten Lied abhängig, treten diverse positive Effekte in
Kraft, die der gesamten Gruppe von Nutzen sind. Hat man nun mehrere
Musikbegabte in der Gruppe, kann man sie mit der entsprechenden Super-Technik
zu einem Orchester arrangieren. Natürlich braucht man dafür
ausreichend Instrumente, selbstkomponierte Stücke und einen Dirigentenstab.
Die Benutzung der Super-Techniken ist oft wirklich mit sehr viel Aufwand
verbunden. Dieser ist aber immer gerechtfertigt und belohnt den Spieler
im Fall unseres Beispieles mit vielen positiven Effekten auf einmal.
Der größte Unterschied zwischen den beiden Fassungen ist
jedoch im technischen Bereich festzustellen. Die SFC-Version beansprucht
die Leistung des 16-Bit-Systems aufs Äußerste. Neben der
sehr detailreichen Bitmap-Grafik glänzt "Star Ocean"
aber vor allem mit einem enormen Umfang an Sprachausgabe, was für
ein SFC-Spiel alles andere als typisch ist. Für die PSP-Neuauflage
"First Departure" wurde das Spiel komplett überarbeitet.
Die vorherrschenden Bitmap-Grafiken sind viel bunter und moderner, hätten
aber in Anbetracht der Leistung der Konsole durchaus besser und vor
allem detailverliebter sein können. Die Reisen über die Weltkarte
erfolgen in einer recht kahlen 3D-Umgebung, die im direkten Vergleich
mit dem Original etwas beschämend wirkt. Dafür punktet die
Neuauflage mit tollen Spezialeffekten während der Kämpfe sowie
wunderschönen Zwischensequenzen im Anime-Stil. Das toll inszenierte
Intro macht schon alleine sehr viel Lust auf das Abenteuer. Dazu passend
wurde sogar noch ein gesungenes Themenlied aufgenommen, das mir persönlich
sehr gut gefällt. Die restliche musikalische Untermalung ist zwar
gut, aber eher unauffällig, sowohl in der SFC- wie auch in der
neuen PSP-Fassung.
Somit wäre schon alles Wichtige gesagt. Beide Fassungen des Spieles
sind gelungen und bieten ein wirklich anspruchsvolles Spielerlebnis,
dem nur die etwas zu unspektakuläre und leicht durchschaubare Erzählung
nicht ganz gerecht wird. Deshalb gibt es von meiner Warte aus für
beide Fassungen nur neun Punkte. Dabei finde ich das neue "First
Departure" wegen dem zugänglicheren Kampfsystem sowie den
angesprochenen Erweiterungen einen kleinen Tick besser. Rollenspielbegeisterte
PSP-Besitzer sollten sich dieses Spiel auf jeden Fall anschauen!
|