Star Ocean / Star Ocean - First Departure
Action-RPG


Minrod
Februar 09

 


Mit "Star Ocean - First Departure" wurde vor kurzem auch bei uns in Deutschland ein besonders schöner RPG-Leckerbissen für die PSP konvertiert, der 1996 ursprünglich auf dem Super Famicom unter dem schlichten Namen "Star Ocean" erschienen war. Nur in Japan veröffentlicht und dazu noch als eines der letzten Spiele für das System fand es im Ausland daher nur wenig Beachtung. Darüber hinaus wurden zu dieser Zeit schon alle von dem von Sony eingeläuteten 3D-Zeitalter beansprucht. Dabei wartete das umfangreiche 48 Megabit-Modul mit einer prachtvollen technischen Präsentation sowie einigen ungewöhnlichen Innovationen auf. Aufgrund der Sprachbarriere hätten die meisten hierzulande lebenden Rollenspieler aber sowieso nicht viel damit anfangen können. Erst einige Jahre später wurde das Spiel im Rahmen eines Fan-Projektes in verständliches Englisch übersetzt und damit der westlichen Rollenspielgemeinde näher gebracht. Aus diesem Grund gehe ich in diesem Review auf beide Fassungen und deren Unterschiede ein.

Die Handlung ist in beiden Spielen identisch und weicht nur im Detail leicht voneinander ab. Nach einer kurzen futuristischen Einleitung im Weltraum fängt das eigentliche Spiel auf dem unterentwickelten Planeten Roak an, der von den katzenartigen Fellpools bewohnt wird. Man schlüpft hier in die Rolle von Roddick, der mit seinen Freunden Dorne und Millie das Dorf Kratus vor Banditen und anderen Gefahren beschützt. Gerade als sie sich über das langweilige und unspektakuläre Leben beklagen, bricht im benachbarten Ort eine mysteriöse Krankheit aus, die alle Infizierten zu Stein werden lässt. Millies Vater nimmt sich als Heiler der Herausforderung an, kann aber letztendlich nichts dagegen tun und erkrankt selber. In ihrer Verzweiflung machen sich Roddick, Dorne und Millie auf die Suche nach den seltenen Metorx-Kräutern, die angeblich jede Krankheit kurieren können. Als es deutlich wird, dass auch mit Dorne irgendetwas nicht stimmt, wird die Gruppe von zwei aus dem Nichts auftauchenden Menschen überrascht. Kapitän Ronyx J. Kenny und sein erster Offizier Ilia Sylvestri stellen sich den verblüfften Fellpools als Vertreter der Terra-Allianz vor und bieten ihnen ihre Hilfe an. Nachdem sich die Freunde von den friedlichen Absichten der Erdbewohner überzeugt haben, willigen sie ein. Mit Logik und den hochentwickelten, für Roddick und dessen Freunde völlig neuen, technischen Möglichkeiten stellen Ronyx und Ilia fest, dass die Krankheit auf Roak keines natürlichen Ursprungs ist, sondern durch einen feindlichen biologischen Angriff verursacht wurde. Aus den Blutproben des mittlerweile erkrankten Dorne stellt sich weiterhin heraus, dass das Fellpool-Blut das sichtbare Lichtspektrum des menschlichen Auges blockiert und somit für die Feinde der Allianz von höchstem Interesse sein könnte. Als besonders niederschmetternd erweist sich aber die erfolglose Suche nach einem Gegenmittel, das ohne eine Gewebeprobe des ursprünglichen Wirtes nicht hergestellt werden kann. Und allen Erkenntnissen zufolge stammt der Virus von Asmodeus, dem vor 300 Jahren auf Roak besiegten Herrscher des dämonischen Reiches. Um nicht nur die Erkrankten sondern ganz Roak und auch die Menschheit vor einer sich anschleichenden Katastrophe zu bewahren, beschließen Ronyx, Ilia sowie Roddick und Millie eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen. Gesagt, getan. Aber es kommt, wie es kommen muss und durch ein Missgeschick wird die Gruppe getrennt. So findet man sich nur mit Roddick und Ilia in der mittelalterlichen Vergangenheit von Roak wieder.

Das Science-Fiction-Szenario weicht ab hier der rollenspielüblichen Fantasy-Thematik, kehrt aber im letzten Drittel des Spieles wieder zurück. Die Hauptaufgabe der Mission ist klar definiert, so dass man nur mit wenigen Überraschungsmomenten rechnen kann. Zuvor müssen aber die verloren gegangenen Gefährten ausfindig gemacht und neue als Verstärkung für den Kampf gegen Asmodeus gewonnen werden. So wandert man durch die recht umfangreiche Welt von einer Ortschaft zur nächsten, erkundigt sich nach dem Verbleib zweier Fremder und sammelt nebenbei nützliche Informationen über die aktuelle Situation. Die Welt von Roak ist wirklich zahlreich bevölkert, richtige Freundschaften lassen sich jedoch nur mit ausgewählten Bewohnern schließen. Meistens hilft man ihnen bei irgendwelchen Nöten oder beeindruckt sie mit eigenen Taten. Am Ende der gemeinsamen Erlebnisse darf man dann entscheiden, ob man sie zum festen Bestandteil der achtköpfigen Gruppe macht oder eigene Wege ziehen lässt. Diese flexible Rekrutierungsvariante mag anfangs unüberschaubar erscheinen, fördert jedoch das mehrmalige Durchspielen, da durch die getroffenen Entscheidungen der weitere Spielfluss gesteuert wird. Somit fällt auch der Abspann am Ende immer etwas unterschiedlich aus. Dieser wird noch zusätzlich durch das vorhandene Emotionssystem beeinflusst, das durch einen langen Kampfeinsatz sowie die häufige Nutzung der in jeder Ortschaft verfügbaren Private-Actions für eine stärkere Bindung unter den Charakteren sorgt. Der Wiederspielwert von "Star Ocean" ist deshalb recht hoch, was für ein Rollenspiel schon viel heißt.

Für mehrmaliges Durchspielen muss aber auch das restliche Umfeld stimmen. Dieses wird zum einen wie bei fast allen Rollespielen durch ein Kampf- und zum zweiten durch ein Skillsystem definiert.

Die Auseinandersetzungen mit Gegnern verlaufen komplett in Echtzeit. Sowohl in der ursprünglichen SFC- wie auch in der neuen PSP-Ausgabe kontrolliert man immer nur einen einzigen Charakter, kann aber ständig zwischen den vier eingesetzten hin und her wechseln. Die anderen Mitstreiter agieren ansonsten selbständig nach einer im Charaktermenü festgelegten Strategie. Die Benutzung von Items oder Zaubern erfolgt über ein Menü und kann jederzeit abgerufen werden. Bei der Steuerung des eigenen Spielcharakters weichen die zwei Fassungen jedoch voneinander ab. Während der Angriff in der SFC-Fassung durch die ständige Auswahl von Angriffszielen erfolgt, wodurch der ausgewählte Charakter immer selbstständig über den Bildschirm flitzt, wird die Spielfigur in der PSP-Neuauflage ähnlich einem Actionspiel frei gesteuert. Die PSP-Umsetzung spielt sich im direkten Vergleich etwas intuitiver, was mir persönlich besser gefällt. Nur im Fall von Spezialangriffen, die übrigens in beiden Fassungen als Shortcuts auf die L- und R-Tasten gelegt werden können, agiert die Spielfigur auch hier selbstständig.

Nach erfolgreich bestrittenen Kämpfen gewinnt man wie immer Erfahrungspunkte, die ab einer bestimmten Höhe selbstverständlich zum Levelaufstieg führen. Dieser belohnt den Spieler nicht nur mit der Verbesserung der diversen Charakterwerte sondern auch mit einer Unmenge an Skillpunkten. Sie werden aber nicht wie man jetzt denken könnte in spezielle Angriffstechniken und Zaubersprüche investiert. Nein, diese lernt man mit der Zeit durch den häufigen Gebrauch der vorhandenen automatisch. Die erlangten Skillpunkte können auf eine scheinbar unendliche Anzahl an passiven Wissens-, Sinnes-, Technik- und Kampffertigkeiten verteilt werden, die mit Ausnahme der letzten kaum etwas alleine bewirken. OK, manche davon verbessern bestimmte Charakterwerte, richtig interessant werden sie aber erst in Kombination mit anderen. Durch die Beherrschung von mindestens zwei passenden Fertigkeiten schaltet man nämlich diverse neue Techniken wie zum Beispiel Kochen oder Musizieren frei. Aufgrund des niedrigen Startlevels sind sie am Anfang nur bedingt brauchbar, ganz ausgebaut belohnen sie den Spieler aber mit wirklich tollen selbsterstellten Items und Boni. Dieses umfangreiche Skillsystem ist das Erkennungszeichen aller Star Ocean-Spiele und verleiht ihnen eine unglaublich hohe Spieltiefe. Wenn man sich darauf richtig einlässt, kann man wirklich sehr viele Stunden nur mit Herumexperimentieren verbringen. In der PSP-Neuauflage wurde dem Ganzen noch ein neuer Aspekt in Form von Super-Techniken hinzugefügt. Sie kommen zum Tragen, wenn zwei oder mehrere Charaktere die gleiche Technik beherrschen und auch in der Lage sind, sie gemeinsam auszuführen. Die Anwendung der meisten Techniken ist fast immer mit bestimmten Voraussetzungen verbunden. Als Beispiel möchte ich hier das Musizieren aufführen. Ein Musikinstrument alleine reicht noch lange nicht aus, um sich die langen, beschwerlichen Überlandreisen mit schöner Musik zu versüßen. Zuvor müssen passend zum vorhandenen Instrument eigene Lieder komponiert werden, die man wiederum nur zu Papier bringen kann, wenn die nötigen Komponenten vorhanden sind. In diesem Fall leere Notenblätter sowie Schreibutensilien. Nur wenn all das berücksichtigt wird, schafft man es seinem Instrument eine schöne Melodie zu entlocken. Vom gespielten Lied abhängig, treten diverse positive Effekte in Kraft, die der gesamten Gruppe von Nutzen sind. Hat man nun mehrere Musikbegabte in der Gruppe, kann man sie mit der entsprechenden Super-Technik zu einem Orchester arrangieren. Natürlich braucht man dafür ausreichend Instrumente, selbstkomponierte Stücke und einen Dirigentenstab. Die Benutzung der Super-Techniken ist oft wirklich mit sehr viel Aufwand verbunden. Dieser ist aber immer gerechtfertigt und belohnt den Spieler im Fall unseres Beispieles mit vielen positiven Effekten auf einmal.

Der größte Unterschied zwischen den beiden Fassungen ist jedoch im technischen Bereich festzustellen. Die SFC-Version beansprucht die Leistung des 16-Bit-Systems aufs Äußerste. Neben der sehr detailreichen Bitmap-Grafik glänzt "Star Ocean" aber vor allem mit einem enormen Umfang an Sprachausgabe, was für ein SFC-Spiel alles andere als typisch ist. Für die PSP-Neuauflage "First Departure" wurde das Spiel komplett überarbeitet. Die vorherrschenden Bitmap-Grafiken sind viel bunter und moderner, hätten aber in Anbetracht der Leistung der Konsole durchaus besser und vor allem detailverliebter sein können. Die Reisen über die Weltkarte erfolgen in einer recht kahlen 3D-Umgebung, die im direkten Vergleich mit dem Original etwas beschämend wirkt. Dafür punktet die Neuauflage mit tollen Spezialeffekten während der Kämpfe sowie wunderschönen Zwischensequenzen im Anime-Stil. Das toll inszenierte Intro macht schon alleine sehr viel Lust auf das Abenteuer. Dazu passend wurde sogar noch ein gesungenes Themenlied aufgenommen, das mir persönlich sehr gut gefällt. Die restliche musikalische Untermalung ist zwar gut, aber eher unauffällig, sowohl in der SFC- wie auch in der neuen PSP-Fassung.

Somit wäre schon alles Wichtige gesagt. Beide Fassungen des Spieles sind gelungen und bieten ein wirklich anspruchsvolles Spielerlebnis, dem nur die etwas zu unspektakuläre und leicht durchschaubare Erzählung nicht ganz gerecht wird. Deshalb gibt es von meiner Warte aus für beide Fassungen nur neun Punkte. Dabei finde ich das neue "First Departure" wegen dem zugänglicheren Kampfsystem sowie den angesprochenen Erweiterungen einen kleinen Tick besser. Rollenspielbegeisterte PSP-Besitzer sollten sich dieses Spiel auf jeden Fall anschauen!