Star Ocean - Second Story / Second Evolution
Action-RPG


Minrod
Mai 09

 


Gerade als ich mit "Star Ocean - First Departure" für die PSP fertig war, flatterte schon der Nachfolger in den Handel und kurze Zeit später auch zu mir ins Haus. "Star Ocean - Second Evolution" heißt der zweite Teil der charismatischen Science-Fiction-Saga und ist ein Remake des erst zehn Jahre alten Playstation-Spieles "Star Ocean - The Second Story". Im Gegensatz zum Vorgänger ist das Original seinerzeit auch bei uns erschienen und somit kein unbeschriebenes Blatt mehr. Zumindest für leidenschaftliche Rollenspieler. Normalerweise würde sich jetzt wie bei meinem Review zum ersten Teil ein Vergleich beider Fassungen anbieten. Den werde ich mir aber schenken, da die Unterschiede zwischen den beiden Versionen so geringfügig sind, dass es einfach nicht lohnt. Somit ist dieser Text sowohl für die Playstation- wie auch die PSP-Fassung gültig.

Auch die Gegenüberstellung der beiden Originalspiele macht an dieser Stelle wenig Sinn, da sie in ihren Grundzügen identisch sind. Und da ich die Spielmechanik in meinem Review zum ersten Teil mehr als ausführlich dargestellt habe, würde ich mich nur wiederholen. Das zweite Star Ocean-Spiel wurde gegenüber dem Super Famicom-Vorgänger in allen Belangen einfach nur verbessert und erweitert. So entsprechen die zum Teil gerenderten und mit Texturen versehenen Grafiken ganz der Leistung einer Playstation, die Musik sowie die Sprachausgabe ertönen in bester CD-Qualität, das Kampfsystem fällt mit drei Varianten (Standard, Semi-Active und Full-Active) flexibler aus und das komplexe Fertigkeitssystem bietet noch mehr Qual der Wahl. Dies ist auch der Standard, auf dem die beiden PSP-Remakes basieren. Unter diesem Gesichtspunkt ist es daher nicht verwunderlich, dass bei "Second Evolution" nur wenig nachgebessert wurde. Die übernommenen Grafiken sehen oft etwas verwaschen aus, da sie einfach nur an das neue System angepasst wurden. Für "First Departure" musste man dagegen einiges neu zeichnen, denn die Super Famicom-Grafiken hätten auf einer PSP total verstaubt gewirkt. In grafischer Hinsicht zieht "Second Evolution" somit gegenüber "First Departure" den kürzeren. Musikalisch ist es aber deutlich besser! Dies liegt natürlich an den oft sehr melodischen und eingängigen Stücken der Playstation-Vorlage. Besonders schön fällt erneut das gesungene Themenlied der PSP-Fassung auf, das im exklusiven Anime-Intro erklingt. Die Anime-Zwischensequenzen stellen mal wieder eine echte Bereicherung und neben den zusätzlichen emotionalen Charakterporträts den einzigen richtigen Pluspunkt gegenüber der Playstation-Vorlage dar.

Das Wesentliche am zweiten Star Ocean-Spiel ist aber die Story, die diesmal nicht so vorhersehbar ausfällt und aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erlebt werden darf. Zum einem aus der von Claude C. Kenny (In der Playstation-Fassung Kenni.) und zum anderen aus der von Rena Lanford. Am Anfang des Spieles muss man sich für einen der beiden Hauptcharaktere entscheiden. Da das Schicksal der beiden unzertrennlich verflochten ist, wird man so oder so allzu bald beide in seiner Abenteurergruppe besitzen, die Erzählung variiert aber in zahlreichen interessanten Details voneinander. Ein zweimaliges Durchspielen gehört somit schon zum Pflichtprogramm. Die beiden Charaktere sind sehr stark umrissen und vor allem sehr sympathisch. Claude ist der Sohn des aufgrund seiner mutigen Taten im ersten Star Ocean-Spiel mittlerweile zum Admiral beförderten Helden Ronyx J. Kenny. Im Schatten seines legendären Vaters hat er einen schweren Stand, weshalb es ihm eindeutig an Selbstvertrauen mangelt. Rena, ein Waisenkind mit einer geheimnisvollen Vergangenheit, ist die Bewohnerin des unterentwickelten Planeten Expel, auf den es auch Claude nach einem seinem Vater zum Trotz selbst verschuldeten Unfall verschlägt. Dort treffen beide aufeinander, als Rena von einem Monster bedroht wird. In der Not greift Claude auf seinen Laserstrahler zurück, der ihn kurzerhand zum prophezeiten Helden des Lichts macht. Denn der Planet Expel befindet sich in einer ausweglosen Krise, die durch das Auftauchen eines mysteriösen Meteoriten, Spectral Globe genannt, verursacht wurde. In solch einer Zeit ist die Sehnsucht nach einem Helden stärker denn je. Claude, der keine Möglichkeit zur Rückkehr findet, bleibt somit nichts anderes übrig als mitzuspielen. Zusammen mit Rena, die ihrer eigenen Vergangenheit nachjagt und eine unbekannte Gabe des Heilens besitzt, macht er sich auf die Reise, um das Geheimnis des seltsamen Meteoriten, von dem er sich einen Hinweis auf fortgeschrittene Technik verspricht, zu lüften.

Zugegeben, einige Parallelen zum ersten Teil lassen sich nicht leugnen. Die Erzählung ist diesmal aber viel dichter und blüht in der zweiten Hälfte richtig auf. Die zahlreichen Charaktere sind oft dem jungen Alter der Haupthelden angepasst, so dass sie mal kindlich und mal unreif wirken, dafür aber extrem liebenswert und spaßig sind. Sie steigern die Stimmung auf der Reise erheblich und sorgen für eine Menge interessanter Zwischenfälle. Die "Private Actions" sind selbstverständlich mit von der Partie und sollten niemals vernachlässigt werden. Auf diese Weise lässt sich auch der eine oder andere versteckte Charakter finden. Und da man wieder nie alle auf einmal in seine maximal achtköpfige Gruppe aufnehmen kann, steigern sie den Wiederspielwert.

Alle erwähnten Spielkomponenten zusammen machen "Star Ocean - The Second Story" bzw. "Star Ocean - Second Evolution" zu einem unvergesslichen Spielerlebnis. Auch wenn das Spiel an einigen kleinen Ecken und Kanten, unter anderem auch bei dem recht unfairen letzten Kampf, etwas Feinschliff vertragen könnte, zähle ich es zu meinen besten Rollenspielerfahrungen. Wenn man sich für eine der beiden Fassungen nun entscheiden müsste, dann würde ich zu der neueren raten, da sie mit den Zwischensequenzen und neuer Synchronisation aller wichtigen Ereignisse etwas lebhafter rüberkommt.