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Gerade als ich mit "Star Ocean - First Departure" für
die PSP fertig war, flatterte schon der Nachfolger in den Handel und
kurze Zeit später auch zu mir ins Haus. "Star Ocean - Second
Evolution" heißt der zweite Teil der charismatischen Science-Fiction-Saga
und ist ein Remake des erst zehn Jahre alten Playstation-Spieles "Star
Ocean - The Second Story". Im Gegensatz zum Vorgänger ist
das Original seinerzeit auch bei uns erschienen und somit kein unbeschriebenes
Blatt mehr. Zumindest für leidenschaftliche Rollenspieler. Normalerweise
würde sich jetzt wie bei meinem Review zum ersten Teil ein Vergleich
beider Fassungen anbieten. Den werde ich mir aber schenken, da die Unterschiede
zwischen den beiden Versionen so geringfügig sind, dass es einfach
nicht lohnt. Somit ist dieser Text sowohl für die Playstation-
wie auch die PSP-Fassung gültig.
Auch die Gegenüberstellung der beiden Originalspiele macht an
dieser Stelle wenig Sinn, da sie in ihren Grundzügen identisch
sind. Und da ich die Spielmechanik in meinem Review zum ersten Teil
mehr als ausführlich dargestellt habe, würde ich mich nur
wiederholen. Das zweite Star Ocean-Spiel wurde gegenüber dem Super
Famicom-Vorgänger in allen Belangen einfach nur verbessert und
erweitert. So entsprechen die zum Teil gerenderten und mit Texturen
versehenen Grafiken ganz der Leistung einer Playstation, die Musik sowie
die Sprachausgabe ertönen in bester CD-Qualität, das Kampfsystem
fällt mit drei Varianten (Standard, Semi-Active und Full-Active)
flexibler aus und das komplexe Fertigkeitssystem bietet noch mehr Qual
der Wahl. Dies ist auch der Standard, auf dem die beiden PSP-Remakes
basieren. Unter diesem Gesichtspunkt ist es daher nicht verwunderlich,
dass bei "Second Evolution" nur wenig nachgebessert wurde.
Die übernommenen Grafiken sehen oft etwas verwaschen aus, da sie
einfach nur an das neue System angepasst wurden. Für "First
Departure" musste man dagegen einiges neu zeichnen, denn die Super
Famicom-Grafiken hätten auf einer PSP total verstaubt gewirkt.
In grafischer Hinsicht zieht "Second Evolution" somit gegenüber
"First Departure" den kürzeren. Musikalisch ist es aber
deutlich besser! Dies liegt natürlich an den oft sehr melodischen
und eingängigen Stücken der Playstation-Vorlage. Besonders
schön fällt erneut das gesungene Themenlied der PSP-Fassung
auf, das im exklusiven Anime-Intro erklingt. Die Anime-Zwischensequenzen
stellen mal wieder eine echte Bereicherung und neben den zusätzlichen
emotionalen Charakterporträts den einzigen richtigen Pluspunkt
gegenüber der Playstation-Vorlage dar.
Das Wesentliche am zweiten Star Ocean-Spiel ist aber die Story, die
diesmal nicht so vorhersehbar ausfällt und aus zwei unterschiedlichen
Perspektiven erlebt werden darf. Zum einem aus der von Claude C. Kenny
(In der Playstation-Fassung Kenni.) und zum anderen aus der von Rena
Lanford. Am Anfang des Spieles muss man sich für einen der beiden
Hauptcharaktere entscheiden. Da das Schicksal der beiden unzertrennlich
verflochten ist, wird man so oder so allzu bald beide in seiner Abenteurergruppe
besitzen, die Erzählung variiert aber in zahlreichen interessanten
Details voneinander. Ein zweimaliges Durchspielen gehört somit
schon zum Pflichtprogramm. Die beiden Charaktere sind sehr stark umrissen
und vor allem sehr sympathisch. Claude ist der Sohn des aufgrund seiner
mutigen Taten im ersten Star Ocean-Spiel mittlerweile zum Admiral beförderten
Helden Ronyx J. Kenny. Im Schatten seines legendären Vaters hat
er einen schweren Stand, weshalb es ihm eindeutig an Selbstvertrauen
mangelt. Rena, ein Waisenkind mit einer geheimnisvollen Vergangenheit,
ist die Bewohnerin des unterentwickelten Planeten Expel, auf den es
auch Claude nach einem seinem Vater zum Trotz selbst verschuldeten Unfall
verschlägt. Dort treffen beide aufeinander, als Rena von einem
Monster bedroht wird. In der Not greift Claude auf seinen Laserstrahler
zurück, der ihn kurzerhand zum prophezeiten Helden des Lichts macht.
Denn der Planet Expel befindet sich in einer ausweglosen Krise, die
durch das Auftauchen eines mysteriösen Meteoriten, Spectral Globe
genannt, verursacht wurde. In solch einer Zeit ist die Sehnsucht nach
einem Helden stärker denn je. Claude, der keine Möglichkeit
zur Rückkehr findet, bleibt somit nichts anderes übrig als
mitzuspielen. Zusammen mit Rena, die ihrer eigenen Vergangenheit nachjagt
und eine unbekannte Gabe des Heilens besitzt, macht er sich auf die
Reise, um das Geheimnis des seltsamen Meteoriten, von dem er sich einen
Hinweis auf fortgeschrittene Technik verspricht, zu lüften.
Zugegeben, einige Parallelen zum ersten Teil lassen sich nicht leugnen.
Die Erzählung ist diesmal aber viel dichter und blüht in der
zweiten Hälfte richtig auf. Die zahlreichen Charaktere sind oft
dem jungen Alter der Haupthelden angepasst, so dass sie mal kindlich
und mal unreif wirken, dafür aber extrem liebenswert und spaßig
sind. Sie steigern die Stimmung auf der Reise erheblich und sorgen für
eine Menge interessanter Zwischenfälle. Die "Private Actions"
sind selbstverständlich mit von der Partie und sollten niemals
vernachlässigt werden. Auf diese Weise lässt sich auch der
eine oder andere versteckte Charakter finden. Und da man wieder nie
alle auf einmal in seine maximal achtköpfige Gruppe aufnehmen kann,
steigern sie den Wiederspielwert.
Alle erwähnten Spielkomponenten zusammen machen "Star Ocean
- The Second Story" bzw. "Star Ocean - Second Evolution"
zu einem unvergesslichen Spielerlebnis. Auch wenn das Spiel an einigen
kleinen Ecken und Kanten, unter anderem auch bei dem recht unfairen
letzten Kampf, etwas Feinschliff vertragen könnte, zähle ich
es zu meinen besten Rollenspielerfahrungen. Wenn man sich für eine
der beiden Fassungen nun entscheiden müsste, dann würde ich
zu der neueren raten, da sie mit den Zwischensequenzen und neuer Synchronisation
aller wichtigen Ereignisse etwas lebhafter rüberkommt.
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